Alwin Bauer
Emil Alwin Bauer (* 30. April 1856 in Schönfels; † 2. Februar 1928 in Niederlößnitz)[1][A 1] war ein deutscher Unternehmer in der Textilin…

Emil Alwin Bauer (* 30. April 1856 in Schönfels; † 2. Februar 1928 in Niederlößnitz)[1][A 1] war ein deutscher Unternehmer in der Textilindustrie und nationalliberaler Politiker. Von 1907 bis 1918 gehörte er der II. Kammer des Sächsischen Landtags an.
Leben und Wirken
Alwin Bauer wurde als Sohn eines Müllers geboren. Nach dem Schulbesuch erlernte Bauer den Beruf eines Webers und absolvierte eine Lehre zum Kaufmann. Im Januar 1882 gründete er gemeinsam mit Samuel Wolle aus Berlin in der erzgebirgischen Kleinstadt Aue eine Baumwoll-Weberei in der Rechtsform einer oHG unter der Firma Weberei S. Wolle. In de Unternehmen arbeitete Alwin Bauer als Prokurist.[2]
Zwischen 1893 und 1897 erweiterten die beiden Inhaber die Weberei um eine neu gebaute elektrische Bleicherei, eine Färberei und Appreturanstalt. Außerdem erhielt das rund 24.000 m² große Fabrikgelände einen Gleisanschluss.[2] Im Jahr 1898 erwarben Bauer und Wolle eine weitere Weberei in Eibau, mit der sie starken Handel nach Großbritannien, Frankreich, Österreich, Rumänien, Türkei, Ägypten, USA, Südamerika und Australien betrieben. Handelsfilialen entstanden in Berlin, Düsseldorf, München und Wien. Im Jahr 1909 beschäftigte die Weberei 600 Personen.[2]
Um die Ausbildung eigener Fachkräfte und die Situation in der Stadt zu verbessern, schenkte Alwin Bauer der Stadt Aue um 1905 ein Grundstück, auf dem die Kommune eine Weberei-Fachschule bauen konnte, die 1907 eingeweiht wurde. Zudem ließ Alwin Bauer eine Werksküche und einen Speisesaal auf dem Fabrikgelände errichten, die 1910 eröffnet wurden. Bereits im Jahr 1915 übertrug Alwin Bauer die Leitung des Unternehmens an seinen Sohn Curt Bauer.[2]
1920 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und war nun die S. Wolle GmbH. Im Jahr 1922 ging in Chemnitz eine weitere Filiale in Betrieb. Im gleichen Jahr hatte das Unternehmen 1200 Arbeiter und Angestellte; eine moderne technische Ausstattung mit zwei Vorbereitungsmaschinen, 100 Webstühlen und 140 Ausrüstungsmaschinen war im Einsatz.[2]
Ab 1926 befand sich das Unternehmen im Alleinbesitz der Familie Bauer; Wolle hatte sich zurückgezogen, weil er jüdischer Abstammung war. In den Landtagsprotokollen ist Alwin Bauer ab 1911 mit dem Ehrentitel eines (königlich sächsischen) Kommerzienrats und ab 1917 eines Geheimen Kommerzienrats geführt.
Curt Bauer wurde nach dem Tod von Alwin Bauer Alleininhaber des Unternehmens und firmierte sie in Weberei Curt Bauer um.[1][2] Nachdem in der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise viele Arbeiter entlassen worden waren, ging es in den 1930er Jahren wirtschaftlich wieder bergauf. Im Jahr 1939 arbeiteten bereits 700 Personen in der Weberei.[2]
In der Zeit des Nationalsozialismus war Curt Bauer etlichen Repressalien durch die neuen Machthaber ausgesetzt, schließlich wurde er 1943 inhaftiert. Am 30. August 1944 wählte er den Freitod. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führten engagierte Mitarbeiter aus der Direktionsebene das Unternehmen weiter.[2]
Nach dem Krieg folgte die Enteignung, die Weberei wurde Volkseigentum, sie produzierte und exportierte ihre Erzeugnisse unter dem Namen Damastweberei Aue. Nach der deutschen Wiedervereinigung erhielten die Nachkommen der Familie Bauer im Zug der Restitution von Vermögenswerten ihren Betrieb zurück. Er führt zu Ehren von Curt Bauer wieder die Firma Weberei Curt Bauer.
Soziales und politisches Engagement, Besitz
Alwin Bauer war von 1905 bis zu seinem Tod Vorstandsmitglied im Verband Sächsischer Industrieller und 1908 Gründer der Auer Ortsgruppe, der er bis 1917 auch vorstand. Zusätzlich war er stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Chemnitzer Bankvereins. Er war Stadtrat seiner Heimatstadt[3] und von 1907 bis 1918 als Vertreter des 20. städtischen Wahlkreises Abgeordneter in der II. Kammer des Sächsischen Landtags. Er gehörte dort der Finanzdeputation an.
Ab 1910 gehörte ihm das Mohrenhaus in Niederlößnitz bei Dresden, wo er nach umfangreichen Baumaßnahmen ab 1913 seinen Wohnsitz nahm und 1928 starb.[1] Von 1917 an war Bauer im Besitz von Schloss Weesenstein, das er für 1,9 Mio. Mark von der sächsischen Königsfamilie erworben hatte.
Bauer wurde auf dem Johannisfriedhof in Dresden beigesetzt. Seine Grabplatte ziert ein Relief des Mohrenhauses.[1]
Literatur
- Josef Matzerath: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952. Dresden 2001, S. 90.
- Elvira Döscher, Wolfgang Schröder: Sächsische Parlamentarier 1869–1918. Die Abgeordneten der II. Kammer des Königreichs Sachsen im Spiegel historischer Photographien. Ein biographisches Handbuch. (= Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 5.) Droste, Düsseldorf 2001, ISBN 3-7700-5236-6, S. 334.
- Birgit Finger: Fast wie im Märchen. Vom Müllersohn zum Fabrikbesitzer. Alwin Bauer (1853[sic!]–1928). In: Erzgebirgische Heimatblätter (ISSN 0232-6078), 47. Jahrgang 2025, Heft 6, S. 24–27.
Weblinks
- Emil Alwin Bauer (1856-1928). saebi.isgv.de, abgerufen am 28. Dezember 2025 (mit Angabe der GND).
- Literatur von und über Alwin Bauer in der Sächsischen Bibliografie
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Birgit Finger: Fast wie im Märchen. ... (siehe Literatur)
- ↑ a b c d e f g h Mitteilung aus der Presseabteilung des Rathauses Aue, Mai 2002
- ↑ Aus dem Reiche. Zur Sächsischen Landtagswahl 1909. SLUB Dresden Sammlungen digital, abgerufen am 28. Dezember 2025.
Anmerkung
- ↑ In der Literatur findet sich auch die Angabe, dass er in Wildenfels geboren und in Aue gestorben sei. Laut zeitgenössischer Nachrufe in sächsischen Zeitungen gehörte das Mohrenhaus damals zu Kötzschenbroda.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bauer, Alwin |
| ALTERNATIVNAMEN | Bauer, Emil Alwin (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer und nationalliberaler Politiker, MdL (Königreich Sachsen) |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1856 |
| GEBURTSORT | Schönfels |
| STERBEDATUM | 2. Februar 1928 |
| STERBEORT | Niederlößnitz |
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