Anedjib
| Namen von Anedjib | |||||||||||||||||||||||||||||
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Horusname des Anedjib | |||||||||||||||||||||||||||||
| Horusname |
ˁḏnd-jb / ˁḏ-jb Der mit kühnem Herzen / Willen | ||||||||||||||||||||||||||||
| Thronname |
Nbwj-mrj-bj3-p Der von den beiden Herren, Geliebter des ehernen Throns | ||||||||||||||||||||||||||||
| Königspapyrus Turin (Nr.II./17) |
Meri-gereg-ipen Mrj-grg-jpn Geliebter Gründer des ehernen Throns | ||||||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.6) |
Mrj-bj3-p Geliebter des ehernen Throns | ||||||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Sakkara (Nr.1) |
Mrj-b3-pn Der von ? gewünschte | ||||||||||||||||||||||||||||
| Griechisch Manetho-Varianten: | Africanus: Miebidos[A 1] Eusebius: Niebais[A 2] Eusebius, AV: Niebais[A 2] | ||||||||||||||||||||||||||||
Anedjib (eigentlich Hor-Anedjib), auch Adjib gelesen, ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharaos) der 1. Dynastie (Frühdynastische Periode), welcher gemäß Thomas Schneider um 2910/2890 v. Chr. regierte.[2] Er war der Nachfolger von König Dewen und der Vorgänger von König Semerchet. Er regierte nur wenige Jahre.
Name und Identität
Zeitgenössischer Name
Der Horusname von Anedjib wird unterschiedlich übersetzt. Das Gardiner-Zeichen F34 (menschliches Herz) kann sowohl wortwörtlich „Herz“ bedeuten, als auch symbolisch „Wille“ und „Verstand“ (die Alten Ägypter glaubten, dass das Herz der Sitz des Willens und des Verstandes war). Die gängigste Übersetzung für Anedjibs Horusname lautet daher wahlweise „Mit kühnem Herzen“ oder „Mit kühnem Verstand“.[3]
Anedjibs Eigenname lautet Meribiape, was sich mit „Geliebter des ehernen Throns“ oder mit „Der den ehernen Thron liebt“ übersetzen lässt.
Anedjib ergänzte den von seinem Amtsvorgänger Den zuvor neu eingeführten Nesut-bitj-Titel, mit dem er seinen Eigennamen einleitete, durch ein Epitheton: Nebui, zu deutsch etwa „die beiden Herren“. Dieser „Zwei-Herren-Ttel“ sollte die beiden Gottheiten Horus und Seth repräsentieren. Dargestellt sind sie jeweils mit einer Falkenstandarte (Gardiner-Zeichen G7). Der Titel symbolisierte zugleich politisch die damaligen Regionen der roten sowie der weißen Krone, die später für Unter- und Oberägypten stehen sollten. Mit Aneignung des Nebui-Titels wollte der König seine göttliche Legitimation durch die beiden Gottheiten demonstrieren.[4][5]
In späteren Königslisten
Trotz Anedjibs kurzer Regierungszeit und eingeschränkten Fundlage ist sein Eigenname in seiner Ursprungsform vergleichsweise überraschend originalgetreu überliefert. Anedjib erscheint im Turiner Königspapyrus, in der Königsliste von Abydos und in der Königsliste von Sakkara. Dass er auch in der Sakkara-Liste erscheint, ist augenfällig, weil seine Vorgänger Narmer, Aha, Djer, Wadji und Den dort nicht auftreten und sein Nachfolger, König Semerchet, fehlt dort ebenfalls (die Liste springt über zu König Qaa). Warum genau die Sakkara-Liste nur Anedjib und Qaa auflistet, ist unbekannt.[6] Walter Bryan Emery zum Beispiel schlägt als möglichen Grund vor, dass Anedjib und Qaa die einzigen Könige sind, deren Souveränität von Unterägypten anerkannt wurde. Und die Sakkara-Liste entspricht rein memphitischen Traditionen. Damit waren Anedjib und Qaa als Herrscher über Memphis bestätigt. Die Königsliste von Abydos und die Königsliste von Karnak hingegen spiegeln thinitische Traditionen wieder und führen deshalb alle Herrscher der 1. Dynastie auf.[7]
Der griechisch schreibende antike Chronist Manetho (um 270 v. Chr.) nennt Anedjib in seinen Aegyptiaca Miebídôs (Μιεβιδὸς), was unzweifelhaft von seinem Eigennamen „Meribiape“ abgeleitet ist. Er weiß allerdings nichts Interessantes über Anedjib zu berichten.[8][9]
Herkunft und Familie
Über Anedjibs Abstammung und Familie ist nichts überliefert. Rückschlüsse erweisen sich als schwierig. Kein zeitgenössisches Artefakt aus Anedjibs Regierungszeit erwähnt irgendwelche zu der Zeit üblichen königlichen Verwandtschaftstitel wie zum Beispiel Weret-hetes („Große Gemahlin“) oder Sa-nesut („Sohn des Königs“, ergo Prinz). Der Kairostein nennt eine Dame namens Batiires als Mutter von Semerchet, welche somit wohl die Gemahlin von König Anedjib war. Dann käme Anedjib als Vater von Semerchet, eventuell sogar auch von König Qaa in Frage.[10] Peter Kaplony identifiziert Batiires hingegen mit einer Hofdame, die von einem Grabstein bekannt ist, der sich bei der Grabanlage des Königs Den in Abydos fand. Demnach wäre Batiires die Gemahlin des Den und Den der Vater von Anedjib (und Semerchet) gewesen. Auch der antike Chronist Manetho beschreibt Anedjib als Sohn von König Den.[11]
Regierungszeit


Die genaue Dauer von Anedjibs Herrschaft ist unbekannt. Im Königspapyrus Turin werden ihm stolze 74 Jahre bescheinigt.[12] Der antike Chronist Manetho spricht „Miebídôs“ (aka Anedjib) dagegen 26 Regierungsjahre zu. Die Ägyptologie beurteilt beide Angaben als unbeabsichtigte Übertreibungen oder Fehldeutung aufgrund unsauber ausgeführter Vorlagen.[13] Auf dem Kairostein, ein Bruchstück des berühmten Annalenstein der 5. Dynastie, ist sein letztes Regierungsjahr nebst Sterbedatum erhalten geblieben. Ärgerlicherweise liegen die beiden sogenannten „Ereignis- oder Jahresfenster“ direkt an der rechten Bruchkante der Steintafel und die Oberfläche ist völlig zerkratzt. Alles, was noch identifizierbar geblieben ist, sind die vertikalen wie horizontalen Linien, die die Fenster voneinander trennen sowie spärliche Spuren des Todesdatums. Die Position von Anedjibs Eintrag auf der Steintafel lässt gemäß Nicholas Grimal und Toby A. H. Wilkinson auf eine recht kurze Regierungsdauer von etwa 8 bis 12 Jahren schließen.[14]
Über die politischen Verhältnisse zu Anedjibs Zeiten gibt es nur wenige Informationen. Zwar gibt es Steingefäße, auf denen ein erstes und sogar ein zweites Sedfest (heb-sed) vermerkt sind, doch haben neueste Untersuchungen ergeben, dass sämtliche Gefäße ursprünglich seinem Vorgänger, König Den, gehört hatten.[13] Ägyptologen vermuten, dass Anedjib bereits hochbetagt war, als er den Thron bestieg. Um sich dennoch als Thronerbe und Nachfolgekönig zu legitimieren, verlegte Anedjib die Begehung des Sedfestes in die des Sokar-Festes im sechsten Regierungsjahr.[5] Wolfgang Helck weist ergänzend auf die Merkwürdigkeit hin, dass sich bei allen Hebsed-Darstellungen die Eintragung Qesen, zu deutsch „Unheil“, nachweisen lässt, die den Thronstieg des Hebsed-Pavillons ausfüllt. Ähnlich wie Peter Kaplony vermutet Helck Krankheit oder ein landesinternes Unglück als Beweggrund, warum das Hebsedfest für Anedjib vorverlagert wurde. Umso mehr sieht sich die Ägyptologie darin bestätigt, dass Anedjib nicht besonders lange geherrscht haben mag.[13]
Während der Herrschaft von Anedjib wurden ungewöhnlich viele Kult-Statuen in Auftrag gegeben. Sechs verschiedene Steingefäße weisen die unverkennbare Darstellungen von Standstatuen auf, die den König mit unterschiedlichen Insignien zeigen.[15]
In die Regierungszeit des Anedjib fallen außerdem die Gründung der neuen Götterfestung Hor-nebu-chet („Horus, Goldener der Götterschaft“)[16] und der neuen königlichen Residenz Hor-seba-chet („Horus, Stern der Götterschaft“).[17] In Memphis baute er einen neuen Palast Hut-sa-cha-Hor („Schutz um(gibt) Horus“), der noch in der memphitischen Periode der 2. Dynastie bestand.[18]
Gegen Ende seiner Regierung vermerkte Anedjib den „ersten Lauf des Apis-Stieres“ als Festakt.[19] Die Durchführung vom Horusgeleit in Verbindung einer regelmäßig-zweijährigen Steuererhebung kann allerdings erst bei Anedjibs Nachfolgern festgestellt werden.[20]
Grab

Das Grabmal des Anedjib liegt in Umm el-Qaab bei Abydos unter der Bezeichnung Tomb X. Es ist das kleinste aller abydenischen Königsgräber und misst etwa 16,4 m × 9,0 m. Die Anlage, die von 64 Nebengräbern umgeben ist, besteht aus einem Grabraum, der lediglich durch eine Querwand getrennt wird. Von Osten her führt eine Treppe in die Grabkammer.
Neben den Gräbern von Abydos datiert man weitere Grabanlagen von Sakkara in die Zeit des Anedjib, hier die Nummern S 3507 (Ser Inpu) und S 3038 (Nebitka).
Literatur
- Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin, ISBN 3-422-00832-2, S. 46, 172.
- Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
- Günter Dreyer: Zur Rekonstruktion der Oberbauten der Königsgräber der 1. Dynastie in Abydos. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 47, 1991, S. 93–104.
- I. E. S. Edwards: Early history of the Middle East (= The Cambridge ancient History. Band 1, Tafel 2). Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-07791-5.
- Walter Bryan Emery: Ägypten. Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200–2800 v. Chr. Goldmann, München 1964 (englischer Originaltitel: Archaic Egypt.).
- Gérard Godron: Études sur l'Horus Den et quelques problèmes de l'Égypte archaïque (= Cahiers d'orientalisme. Band 19). P. Cramer, Genève 1990.
- Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
- Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 90-04-11385-1, S. 94–115 (online).
- Peter Kaplony: Adjib. In: Wolfgang Helck (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie (LÄ). Band I, Harrassowitz, Wiesbaden 1975, ISBN 3-447-01670-1, Sp. 62–64.
- Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Band III, Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X.
- William Matthew Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: The royal tombs of the first dynasty: 1900. Part 1 (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 18, ISSN 0307-5109). The Egypt Exploration Fund, London 1900 (Digitalisat).
- Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
- Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Band 30). 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-1142-7.
- Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18633-1.
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
- ↑ Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Aris & Phillips, Wiltshire 1997, ISBN 0-900416-48-3, Bildtafel 1; im Hieratischen kamen offene Kartuschen zur Verwendung.
- ↑ Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
- ↑ Alejandro Jiménez Serrano: Royal Festivals in the Late Predynastic Period and the First Dynasty. Archaeopress, Cambridge 2002, ISBN 1-84171-455-0, S. 14–15.
- ↑ I. E. S. Edwards: Early history of the Middle East. Cambridge 2006, S. 27.
- ↑ a b Nicolas-Christophe Grimal: A History of Ancient Egypt. Blackwell, Oxford (UK) / Cambridge (USA) 1992, ISBN 0-631-19396-0, S. 53.
- ↑ I. E. S. Edwards: Early history of the Middle East. Cambridge (UK) 2006, S. 27–28.
- ↑ Walter B. Emery: Ägypten. ... London u. a. 1999, S. 19.
- ↑ William Gillan Waddell: Manetho. Cambridge (Mass.) 2004, S. 33–37.
- ↑ Iorwerth Eiddon Stephen Edwards, Cyril John Gadd, Nicholas Geoffrey Lempriere Hammond: Early History of the Middle East. Cambridge (UK) 2006, S. 27.
- ↑ I. E. S. Edwards: Early history of the Middle East. Cambridge u. a. 2006, S. 36.
- ↑ Peter Kaplony: Semerchet. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Lexikon der Ägyptologie. Band 5: Pyramidenbau – Steingefäße. Harrassowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3-447-02489-5, Spalte 841, Anmerkung 1.
- ↑ Turin Kings List – Ancient Egypt Online. In: ancientegyptonline.co.uk. Abgerufen am 11. Juli 2019 (englisch).
- ↑ a b c Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. Wiesbaden 1987, S. 124.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt. London 2000, S. 191–193.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 275 & 276ff.
- ↑ Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. London 1999, S. 78–79.
- ↑ Stan Hendrickx, Barbara Adams, K. M. Cialowicz: Egypt at its origins: studies in memory of Barbara Adams – proceedings of the international conference „Origin of the State, Predynastic and Early Dynastic Egypt.“ (= Orientalia Lovaniensia Analecta. Nr. 138). Peeters Publishers, Leuven 2004, ISBN 90-429-1469-6, S. 1137.
- ↑ P. Kaplony: Adjib. In: Wolfgang Helck (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band I, Wiesbaden 1975, S. 62.
- ↑ Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz, Germany).; Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse.). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 1950, S. 57.
- ↑ Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz 1950, S. 58.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Den | König von Ägypten 1. Dynastie | Semerchet |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Anedjib |
| ALTERNATIVNAMEN | Adj-ib; Mer-bia-pe; Mer-ba-pen; Mer-gereg-pen; Miebidos Miebis; Niebais |
| KURZBESCHREIBUNG | altägyptischer König der 1. Dynastie |
| GEBURTSDATUM | 31. Jahrhundert v. Chr. oder 30. Jahrhundert v. Chr. |
| GEBURTSORT | Ägypten |
| STERBEDATUM | 30. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEORT | Ägypten |
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