Anne Ryan

Anne Ryan (* 20. Juli 1889 in Hoboken, New Jersey, Vereinigte Staaten; † 18. April 1954 in Morristown, New Jersey, Vereinigte Staaten) war eine US-amerikanisc…

Anne Ryan (* 20. Juli 1889 in Hoboken, New Jersey, Vereinigte Staaten; † 18. April 1954 in Morristown, New Jersey, Vereinigte Staaten) war eine US-amerikanische Künstlerin. Sie war Schriftstellerin, Malerin, Grafikerin und gehörte zur ersten Generation der abstrakten Expressionisten der New York School.[1][2]

Leben und Werk

Werke (Auswahl)
Auswahl externer Weblinks

Ryans Familie kam 1850 aus County Meith in Irland nach Hoboken, New Jersey. Nachdem ihr Vater 1902 gestorben und ihre Mutter 1903 Selbstmord begangen hatte, wuchs sie ab ihrem 14. Lebensjahr bei ihrer Großmutter auf. Sie besuchte die katholische Vorbereitungsschule Academy of Saint Elizabeth in Covenant Station in New Jersey und studierte anschließend am angeschlossenen College of Saint Elizabeth. Während ihres dritten Studienjahres heiratete sie im April 1911 den Anwalt William McFadden. Ryan verließ das College vor ihrem Abschluss und bekam im April 1912 die Zwillinge Elizabeth und William Jr. sowie 1919 ein drittes Kind. Da ihr Ehemann an einer psychischen Erkrankung litt, wurde er in eine staatliche psychiatrische Anstalt eingewiesen. Sie war daraufhin finanziell auf sich allein gestellt und veröffentlichte einen Gedichtband mit dem Titel Lost Hills (1925). Ein Buchmanuskript mit dem Titel One Life, Raquel sowie mehrere Kurzgeschichten und Gedichte blieben unveröffentlicht, sind aber in der Manuskriptsammlung der Newark Public Library erhalten. Obwohl sie weiterhin in New Jersey lebte, begann sie die Avantgarde-Literaturszene im New Yorker Greenwich Village zu erkunden.[3]

1931 reiste sie nach Mallorca, wo sie eine Biografie des Franziskanermissionars Junípero Serra aus dem 18. Jahrhundert verfasste, sowie mehrere Artikel mit dem Titel Spanische Skizzen, von denen einige in Zeitungen ihrer Heimat, wie beispielsweise der New York Sun, erschienen. Nach ihrer Rückkehr in die USA zwei Jahre später arbeitete Ryan weiterhin als Schriftstellerin und eröffnete zudem eine Bäckerei in Glen Ridge (New Jersey). 1934 zog sie nach Greenwich Village und 1938 begann sie zu malen. Zunächst malte sie mit Pastellkreide, später mit Ölfarben und konzentrierte sich dabei vorwiegend auf Stadtansichten, Stillleben und Porträts von Familie und Freunden. Schließlich wandte sie sich der abstrakten Malerei zu und der Maler Hans Hofmann empfahl ihr auch ohne formale Kunstausbildung weiterzumalen.

Im März 1941 stellte sie fast ausschließlich abstrakte Gemälde in der Pinakothek an der Madison Avenue aus. Sie schloss sich Stanley William Hayters Druckwerkstatt Atelier 17 an, wo sie eine Serie von Stichen mit dem Titel Constellations erstellte. Ryan studierte vier Jahre lang Druckgrafik und ihr bevorzugtes Medium war der Farbholzschnitt. Ihr druckgrafisches Werk lässt sich in zwei Bereiche unterteilen, von 1942 bis etwa 1945 Radierungen und von 1945 bis 1949 farbenfrohe Holzschnitte zumeist auf schwarzem Papier. Die Themen ihrer Radierungen und Holzschnitte waren vielfältig und umfassten religiöse Motive, Stillleben, Zirkusartisten, Porträts, Abstraktionen und surrealistische Szenen mit Tänzerinnen und einsamen Frauen.[4]

Nachdem sie 1948 Werke von Kurt Schwitters gesehen hatte, begann Ryan Collagen anzufertigen und 1949 fand ihre erste große Ausstellung in der Kharouba Gallery in Portland statt. In ihren frühen Collagen verwendete Ryan Papier mit Aufdrucken, später verzichtete sie auf solche Materialien und konzentrierte sich auf die formale Anordnung von Form, Farbe und Textur. Sie legte Wert auf die Unversehrtheit der verwendeten Materialien und bemalte oder bearbeitete deren Oberflächen nur selten. Ihre Collagen waren klein, wobei die einzelnen Elemente in Blöcken entlang senkrechter Achsen angeordnet waren. Das streng geordnete Raster bildete einen Kontrast zu den Materialien, die Gebrauchsspuren und Unordnung aufwiesen. Sie gab ihren Collagen nie Titel, sondern nur Nummern.[5][6][7]

1951 war Ryan eine von siebzig Künstlerinnen und Künstlern, die an der selbstorganisierten 9th Street Art Exhibition teilnahmen. Diese Ausstellung markierte den offiziellen Beginn des Abstrakten Expressionismus und den Aufstieg amerikanischer Kunst mit internationalem Einfluss. Vierzehn der siebzig Künstlerinnen und Künstler, darunter Anne Ryan, waren Mitglieder der Betty Parsons Gallery. Die Werke männlicher Künstler, darunter Jackson Pollock, Robert Motherwell und Willem de Kooning, wurden besprochen. Ryans Arbeiten blieben unberücksichtigt. Obwohl Ryans Collagen in Gruppenausstellungen mit Werken von Jackson Pollock, Willem de Kooning, Lee Krasner und Robert Motherwell gezeigt wurden, erlangte sie nicht die gleiche Bekanntheit wie einige ihrer Kollegen. Möglicherweise lag es daran, dass das kleine Format und der zurückhaltende Stil ihrer Arbeiten nicht zu der damals populären großformatigen, expressiven Kunst passten. Von 1948 bis zu ihrem Tod im Jahr 1954 schuf sie über 700 kleine Collagen.[8][9][10]

Ryan starb 1954 unerwartet an einem Schlaganfall. Ihre Tochter Elizabeth McFadden vermachte daraufhin zahlreiche ihrer Drucke und Collagen verschiedenen Institutionen, darunter dem Metropolitan Museum of Art, dem Museum of Modern Art und dem Brooklyn Museum. Ryans literarischer Nachlass befindet sich in der Newark Public Library. Mehrere ihrer Collagen und Holzschnitte sind im Besitz des Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C.[11][12][13]

Ryan war Mitglied der Betty Parsons Gallery in New York und stellte 1950 und 1954 in Ausstellungen ihre Gemälde und Collagen aus. Parsons veranstaltete 1955 eine Gedenkausstellung für Anne Ryan und nahm Ryans Collagen 1970 in eine weitere Ausstellung auf.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1949: Kharouba Gallery in Portland, Oregon
  • 1951: 9th Street Art Exhibition
  • 1979: Anne Ryan: The Intimate Collages, MoMA
  • 2010: Metropolitan Museum of Art
  • 2017: Making Space: Women Artists and Postwar Abstraction, MoMA
  • 2022: Collagen, Washburn Gallery, New York[3]

Sammlungen (Auswahl)

Literatur

  • Anne Ryan. New York: Kraushaar Galleries, 1957.
  • Anne Ryan: A Retrospective, 1939–1953. New York: Susan Teller Gallery, 2007.
  • Anne Ryan: Collages. New York: Marlborough Gallery, 1974.
  • Claudine Armand: Anne Ryan: Collages. Giverny, France: Musée d’Art Américain, 2001.
  • John Bernard Myers: Anne Ryan’s Interior Castle, Archives of American Art Journal, Bd. 15, Nr. 3, 1975, S. 8–11.
  • Holland Cotter: Anne Ryan: Collages from Three Museums. New York: Washburn Gallery, 1991.
  • Sarah Faunce: Anne Ryan Collages. Brooklyn, NY: Brooklyn Museum, 1974.
  • Elizabeth McFadden: A Personal Remembrance, herausgegeben von Philip Jacobs, PhD.
  • Daniel Louis Haxall: Cut and Paste Abstraction: Politics, Form, and Identity in Abstract Expressionist Collage. PhD diss., The Pennsylvania State University, 2009.
  • John Bernard Myers: Anne Ryan’s Interior Castle. Archives of American Art Journal 15, no. 3, 1975, S. 8–11.
  • Rooney, Judith McCandless. Anne Ryan Collages & Prints. Houston, TX: Museum of Fine Arts, Houston, 1980.
  • Deborah Solomon: The Hidden Legacy of Anne Ryan. The New Criterion, Januar 1989, S. 53–58.
  • Donald Windham: Balance, Elegance, Control: Anne Ryan and Her Collages. Art News 73, no. 5, Mai 1974, S. 76–78.

Einzelnachweise

  1. Anne Ryan at Washburn Gallery. Abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  2. Anne Ryan, American, born Hoboken, NJ (1889-1954). In: Art of Collage. 18. Dezember 2020, abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  3. a b Anne Ryan's small world. 24. Februar 2022, abgerufen am 20. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. Anne Ryan | Smithsonian American Art Museum. Abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  5. Anne Ryan, American, born Hoboken, NJ (1889-1954). In: Art of Collage. 18. Dezember 2020, abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  6. Deborah Solomon: The hidden legacy of Anne Ryan. In: The New Criterion. Abgerufen am 20. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  7. Anne Ryan - Untitled - The Metropolitan Museum of Art. Abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  8. Transforming Dish Towels: Anne Ryan's Collages | Smith College Museum of Art. 22. Dezember 2017, abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  9. Article clipped from The Courier-News. In: The Courier-News. Bridgewater, New Jersey 19. April 1954, S. 30 (newspapers.com [abgerufen am 20. Februar 2026]).
  10. Sarah McColl: Anne Ryan, collage, touch & the sublime. In: LOST ART. 26. März 2023, abgerufen am 20. Februar 2026.
  11. Monkey and Lamp - Wallach Prints and Photos. Archiviert vom Original am 31. Januar 2021; abgerufen am 20. Februar 2026.
  12. Collections Online | British Museum. Archiviert vom Original am 1. Februar 2023; abgerufen am 20. Februar 2026 (englisch).
  13. Christina Weyl: The Women of Atelier 17: The Biographical Supplement. Christina Weyl, New York, 2019, ISBN 978-0-578-53433-6 (christinaweyl.com [abgerufen am 20. Februar 2026]).

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