Blue Swan
„Blue Swan“ ist der bayerische Name für die Bewerbung um ein drei bis fünf Mrd. Euro teueres Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) im Rahmen des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI) in den Conn Barracks bei Schweinfurt. Der Freistaat Bayern hat hierzu eine Interessenbekundung bei der EU-Kommission eingereicht.[1]
Bei Realisierung soll der Bau der Gigafactory in Teilabschnitten erfolgen. Zwei Module mit einer Leistung von 63 Megawatt sollen 2028 ungeachtet einer Förderzusage der EU in jeden Fall durch den Freistaat in Betrieb gehen, mit EU-Förderung im Endausbau sechs Module mit 220 Megawatt.[2]
Das Umfeld in der einstigen, weiträumigen Flugplatzkaserne soll die Möglichkeit zum Aufbau eines ganzen „Ökosystems“ für neue Firmen und Forschungszentren bieten, die intelligente KI-Lösungen für Unternehmen, Hochschulen, Unikliniken oder den Staat entwickeln und vermarkten.[3]
Etymologie
Die Bezeichnung „Blue Swan“ wurde vom Supercomputer „Blue Lion“ in Garching bei München abgeleitet, wo sich der größte Campus der Technischen Universität München befindet, das Hochschul- und Forschungszentrum Garching. Der blaue Schwan steht für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“.[4]
Conn Barracks
Fotos Bayerische Vermessungsverwaltung, entzerrt, maßstabsgetreu und genordet (Einzelbilder 1 km × 1 km).
Das Sondergebiet „Data Center“[5] für das Projekt „Blue Swan“ liegt in der Konversionsliegenschaft Conn Barracks, der größten Kaserne der 2014 aufgelösten US-Heeresgarnison Schweinfurt. Sie befindet sich 4 km (Luftlinie) westlich des Schweinfurter Stadtzentrums.
Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt
Lage und Verkehr
Die Conn Barracks besitzen eine sehr zentrale Lage in Deutschland und Europa, im Straßen-, Schienengüter-, Schienenpersonen- und Luftverkehr. Sie liegen an einer Autobahnanschlussstelle und besitzen einen Gleisanschluss.
Näheres hierzu siehe: Conn Barracks, Lage
Größe der Flächen
Die Conn Barracks haben eine Gesamtfläche von 202,25 Hektar,[6] was etwa der Fläche der Münchener Innenstadt entspricht. Darin können 100 Hektar gewerblich genutzt werden.[7] Darin hat sich der Freistaat Bayern 48 Hektar gesichert.[2] Darin hat das Sondergebiet „Data Center“ 15,1 Hektar.[5]
- Sondergebiet „Data Center“
-
Blick auf das Sondergebiet „Data Center“ im unbebauten Bereich des einstigen Flugplatzes.
Die Conn Barracks werden seit 2020 vorübergehend als Zwischenlager für bis zu 11.000 neue und gebrauchte Fahrzeuge genutzt (Audi u. a. m.)
Standort
Standortfaktoren

- Energie: Direkter Zugriff auf den zentralen Netzknotenpunkt Bergrheinfeld, u. a. mit der künftigen Stromtrasse SuedLink (günstiger Windstrom aus dem Norden).
- Datennetz: Nähe zu einem der weltweit größten Internetknotenpunkte DE-CIX Frankfurt am Main, mit niedrigen Latenzzeiten.
- Freie Baukapazität von 100 ha: Auf einem einstigen Flugplatz: „Wir können hier sowohl von der Fläche als auch der Energie wachsen“.[2]
- TH in Schweinfurt: Nähe zur Technischen Hochschule THWS Standort Schweinfurt.
- Zentrale Lage: In der Mitte Deutschlands und Europas.
- Gleisanschluss für Schwertransporte (einstige US-Panzerverladung mit vorhandener Halle) an der Bahnstrecke Schweinfurt–Erfurt
- Autobahnanschluss an die Bundesautobahn 71 Schweinfurt–Erfurt–(Berlin)
Stromversorgung

Das bayerische Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Garching soll die Kontrollstelle und Steuerungseinheit werden. Aber die Netzanschluss-Leistungen von bis zu 300 Megawatt sind dort bei weitem nicht vorhanden.[8] Sie gibt es nur an wenigen Orten im deutschen Stromnetz, so im Schweinfurter Vorort Bergrheinfeld, unweit des stillgelegten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld. Mit dem Anschluss an SuedLink, dessen erster (nördlicher) Ast in Bergrheinfeld endet, wird sich die Situation dort noch deutlich verbessern.[8] Die Gigafactory wird ein Viertel des Stroms von SuedLink benötigen, zu der unweit von ihr, westlich von Geldersheim, die Bauarbeiten im Herbst 2025 bereits begannen.[9]
Der Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird durch die Fulda-Main-Leitung noch weiter ausgebaut. Sie wird parallel zur Gleichstromtrasse Suedlink als Wechselstromtrasse errichtet.
Von Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird eine unterirdische Leitung in zweifacher Ausführung zur Giga-Factory verlegt; da Rechenzentren zur kritischen Infrastruktur zählen, werden sie doppelt abgesichert. Ein Blackout soll durch Notstromaggregate abgesichert werden, die alle zweieinhalb Monate getestet werden müssen, um ihre Funktionsfähigkeit zu garantieren. Das soll wegen der Lärmbelastung (Geldersheim) im Tagesbetrieb geschehen, zudem sollen die Aggregate mit Schalldämpfern ausgestattet werden.[2]
Standortentscheidung
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume sagten, dass der entscheidende Standortfaktor die Stromversorgung sei. Deshalb könne die Gigafactory nicht in Garching am Leibniz-Rechenzentrum stehen, das das Rechenzentrum für die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München ist.
Söder gab 2025 wiederholt bekannt, dass der Freistaat Bayern in den Conn Barracks, ungeachtet einer Förderentscheidung der EU, in jedem Fall eine KI-Gigafabrik errichten will.[8]
Europa
EU-Förderung
Die EU-Kommission definiert die KI-Gigafabriken als „Großanlagen für die Entwicklung und das Training von KI-Modellen der nächsten Generation mit Billionen von Parametern“. Europaweit sind fünf Anlagen geplant.[5]
Die EU fördert sie mit Milliarden. 65 % sind von Unternehmen zu finanzieren, 35 % von der EU und dem im Bund federführenden Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).[8][10] Der Freistaat will sich mit dem Gewerbepark Conn Barracks als Standort dafür bewerben. Der Antrag an die EU soll im ersten Quartal 2026 gestellt werden. Sollte sich Brüssel für andere Standorte entscheiden, wird in Schweinfurt mit bayerischem Geld gebaut.[5]
Das Vorhaben ist Teil des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI) mit 20 Milliarden Euro Fördermitteln für den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur. Durch Öffentlich-private Partnerschaften sollen Investitionen bis zu 200 Milliarden Euro mobilisiert werden. Eine formale Ausschreibung zur Auswahl der Projekte ist für Ende 2025 geplant.[11]
Bewerbungen

Die EU-Kommission bekam 76 Interessenbekundungen aus 16 EU-Mitgliedstaaten mit 60 Standorten, getragen von Industrie, Forschung, Versorgern, Investoren und einem deutschen Bundesland (auf nachfolgender Liste in Klammern). Aber nur vier konkrete Standorte wurden bisher öffentlich bekannt,[11] mit Orten die alle an großen Netzknotenpunkten liegen:
- Deutschland: Schweinfurt, am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld (Freistaat Bayern)
- Österreich: Wien, Netzknotenpunkt
- Tschechien: Prag-Zbraslav, Netzknotenpunkt
- Spanien: Móra la Nova, am Netzknotenpunkt der Ebro-Wasserkraftwerke
Darüber hinaus ist von weiteren Standorten in Deutschland die Rede:[3]
- Baden-Württemberg: Heilbronn (Schwarz Digits)
- Brandenburg: Lübbenau (Schwarz Digits)
- Nordrhein-Westfalen: Neurath
Souveränität Europas
Wissenschaftsminister Blume betonte:
- „Entscheidend ist, dass wir den Rückstand Europas aufholen. Wir wollen nicht abhängig sein von leistungsfähigen KI-Modellen, die in anderen Teilen der Welt entwickelt werden, bei denen aber niemand weiß, was drin ist. Wir wollen selbst ans Steuerrad der KI.“[8]
Ferner weist Blume auf die Sicherung von Talenten und Arbeitsplätzen hin:
- „Eine extrem starke Tech-Industrie, international anerkannte Forschungskapazitäten und unser klares Bekenntnis zur digitalen Souveränität Europas machen den Freistaat zum prädestinierten Standort für eine Gigafactory. Für Bayern und ganz Deutschland gehe es dabei auch um die nachhaltige Sicherung des Talentpools, hochwertige Arbeitsplätze, die globale Anschlussfähigkeit unserer Unternehmen und einen Schub für weitere Super-Tech-Ansiedlungen.“[12]
Zu Anwendungen und Bereichen sagt Blume:
- „Im Fokus steht [...] das Trainieren von Modellen für die unmittelbare Anwendung im Gesundheitsbereich, in der Mobilität ebenso wie bei Fragen von Sicherheit und Verteidigung.“[13]
Organisationen
Siehe auch: Conn Barracks, Zweckverband
Konsortium
Hinter dem Projekt steht ein Konsortium mit drei Akteuren:[2]
- Freistaat Bayern als Anker-Nutzer
- Leibniz-Rechenzentrum der Bayerische Akademie der Wissenschaften als Betreiber; tritt auch als Bauherr in der EU-Bewerbung für die KI-Fabrik auf
- Immobilienentwickler Investa. Die Gruppe entwickelt seit über zwei Jahrzehnten Rechenzentren in Europa und soll „Blue Swan“ bauen.
Blue Swan Service GmbH
Im nächsten Schritt gründet die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) als Trägerin des LRZ die Blue Swan Service GmbH, um die Konsortialbildung weiter voranzutreiben und künftig die Gigafabrik zu betreiben. Die GmbH mit Sitz in Garching soll als gewerbliche Trägerin der IT-Services der Blue Swan Gigafactory fungieren, zur Abdeckung kommerzieller Bedarfe.[10]
Blue Swan e.V.
Ergänzend soll der Verein Blue Swan e.V. gegründet werden, um Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen zu vereinen, die zur Förderung des bayerischen KI-Ökosystems und der Gigafabrik beitragen wollen.[10]
Weiteres
Bauleitplanung
Das 15,1 Hektar große Areal der KI-Gigafabrik wird im Flächennutzungsplan als „Sonstiges Sondergebiet“ mit der Zweckbestimmung „Data Center“ ausgewiesen. Für eine KI-Gigafactory mit einem „Ökosystem“ an neuen Firmen und Forschungszentren sind zwei Bebauungspläne nötig. Im Oktober 2025 wurde für dieses Gebiet vom Zweckverband der Bebauungsplan „Gewerbepark Conn Barracks - Blue Swan“ beschlossen.[14] Der zweite Bebauungsplan Sondergebiet „Data Center“ beschreibt die spezifische Zweckbestimmung innerhalb dieses Bebauungsplans. Die Erschließung erfolgt über eine Zufahrt von Geldersheim aus.[15][5]
Zum Anhörungsverfahren für den Bebauungsplan „Data Center“ gab es keine gravierenden Einwände. Bürger haben sich nicht zu Wort gemeldet.[15]
Baubeginn
Das Grundstück wurde Anfang 2026 vom Zweckverband gekauft.[16] Bis Sommer 2026 soll für „Blue Swan“ Baurecht bestehen.[15]
Kühlung und Fernwärme
Die KI-Fabrik soll mit einem geschlossenen Wasser-Luft-Kühlsystem ausgestattet werden. Dieselbe Flüssigkeit zirkuliert kontinuierlich, nimmt die Wärme auf und gibt sie über einen Wärmetauscher an die Umgebungsluft ab.[17]
Gewerbesteuer Blue Swan
In den Anfangsjahren, mit großen Investitionen, werde keine Gewerbesteuer fließen, sondern erst wenn die KI-Factory boomt. Geldersheim als flächenmäßig einziger Anteilseigner erhält davon 40 Prozent, Niederwerrn, die kreisfreie Stadt Schweinfurt und der Landkreis Schweinfurt jeweils 20 Prozent.[2] Im Bereich des Gewerbeparks außerhalb der KI-Factory wird die Gewerbesteuer anders aufgeteilt (siehe: Conn Barracks, Zweckverband).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ https://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/12900/nr-46-vom-24-06-2025.html?utm_source=chatgpt.com
- ↑ a b c d e f Irene Spiegel: „Blue Swan“-Giga-Factory: Geldersheim will an Europas Datenspitze aufsteigen. In: mainpost.de. 1. Februar 2026, abgerufen am 16. April 2026.
- ↑ a b Henry Stern: KI statt Kugellager: Welche Chancen hat Schweinfurt auf das Milliardenprojekt „Gigafactory“ wirklich? In: mainpost.de. 24. Februar 2026, abgerufen am 20. April 2026.
- ↑ Datacenter Insider: Bayern bewirbt sich für europäische KI-Gigafabrik Blue Swan, 30. Juni 2025. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e mainpost.de: Gewerbepark Conn Barracks: Schweinfurt stellt die Weichen für europäische KI-Gigafactory „Blue Swan“, 5. Oktober 2025. Abgerufen am 30. April 2026.
- ↑ Presseinformation – Nachnutzung der US-Kaserne Conn Barracks: Konversionspartner besiegeln Zusammenarbeit im Zweckverband. (PDF; 242 kB) Landratsamtes Schweinfurt, 6. Dezember 2013, abgerufen am 30. April 2026.
- ↑ Julian Rohr: Conn Barracks Gewerbepark ist realisierbar. In: Main-Post. 16. November 2017, abgerufen am 30. April 2026.
- ↑ a b c d e „Unser präferierter Standort“: Wieso Minister Blume die Gigafabrik für KI unbedingt nach Schweinfurt holen will. In: mainpost.de. 5. Juli 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ mainpost.de: Zwischen KI-Gigafactory und Mittelalter: Demnächst stehen in Geldersheim mehrere Großprojekte ins Haus, 24. Oktober 2025. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ a b c Bayerische Staatsregierung: Pressemitteilungen/Bericht aus der Kabinettssitzung vom 14. Oktober 2025. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ a b Datacenter Insider: Der Wettlauf um Europas KI-Superzentren – Wer bekommt die Gigafabrik? 10. Juli 2025. Abgerufen am 3. November 2025.
- ↑ mainpost.de/dpa: Bayern bewirbt sich in Brüssel um KI-Gigafabrik «Blue Swan», 24. Juni 2025. Abgerufen am 22. Oktober 2025.
- ↑ Bayerische Staatsregierung/Pressemmitteilung Nr. 46 vom 24.06.2025: Freistaat Bayern reicht Interessenbekundung für AI Gigafactory „Blue Swan“ bei Europäischer Union ein. Abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ Landratsamt Schweinfurt: Bebauungsplans „Gewerbepark Conn Barracks- Blue Swan“ , 2. Oktober 2025. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ a b c Irene Spiegel: KI-Fabrik: Bis Sommer 2026 soll in den Conn Barracks Baurecht für „Blue Swan“ bestehen. In: mainpost.de. 16. April 2026, abgerufen am 20. April 2026.
- ↑ Irene Spiegel: Gewerbepark Conn Barracks: Haushalt 2026 verabschiedet und Finanzstrategie bis 2029 festgezurrt. In: mainpost.de. 15. April 2026, abgerufen am 16. April 2026.
- ↑ Irene Spiegel: Welche Auswirkungen die KI-Fabrik bei Schweinfurt auf die Umwelt und die Menschen vor Ort haben wird. In: mainpost.de. 1. Juli 2026, abgerufen am 16. Juli 2026.
Koordinaten: 50° 2′ 59,1″ N, 10° 10′ 3″ O
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.