Bookstagram

Bookstagram ist ein Hashtag (#bookstagram) und umfasst eine Community der App Instagram, die sich ähnlich wie die BookTube- und BookTok-Community auf Bücher u…

Bookstagram ist ein Hashtag (#bookstagram) und umfasst eine Community der App Instagram, die sich ähnlich wie die BookTube- und BookTok-Community auf Bücher und Literatur konzentriert und bei dem vor allem die kunstvolle Präsentation der Werke oder deren Umgebung in kurzen Filmchen (Clips) oder Bildern im Vordergrund steht.[1] Die Produkte werden auf dieser Plattform überwiegend von jüngeren Personen geteilt, angesehen und kommentiert.[2]

Der Begriff selbst ist ein Kofferwort aus book (engl. Buch) und Instagram (aus der App Instagram).[3]

Auftreten

Ästhetik im Zentrum

In Fotos oder kurzen Videos geben sogenannte Bookstagrammer (= Personen, die Inhalte über Bücher auf Instagram erstellen und/oder präsentieren) Empfehlungen zu Büchern, wobei die ästhetische und kunstvolle Darstellung von Fotos und Clips eine zentrale Bedeutung hat.[1][4] Durch kurze Rezensionen in Bildunterschriften findet auch eine Literarische Wertung der besprochenen Bücher statt.[3] In den Präsentationen soll eine bildlich oder filmisch gut darstellbare Atmosphäre vermittelt werden, mit Utensilien wie Kerzen, warmen Getränken, Kissen und weichen Decken, ähnlich dem als gemütlich erachteten Hygge-Lebensstil.[5]

Genres, Themen

Einige Bookstagrammer spezialisieren sich auf bestimmte Themen oder Genres wie beispielsweise auf Kriminalromane, Non-Fiction oder Werke von BIPoC-Autoren und deren Themen in Büchern.[1] Andere inszenieren klassische Literatur, Horrorgeschichten, Romanzen oder Sci-Fi-Literatur.[6] Wieder andere zeigen die Buchdeckel (= Cover) von Liebesromanen, Fantasy oder Biografien. Ein eindeutiger Trend lässt sich – anders als bei TikTok – nicht erkennen.[7]

Veranstaltungsformen

Neben der Präsentation von achtsam arrangierten Buchstapeln, Leselisten, Empfehlungen und Neuerscheinungen initiieren die Ersteller von Inhalten Buch-Challenges oder Bookstagram-Tags, bei denen Leser dazu animiert werden sollen, selbst Bücher zu bestimmten Themen oder Stimmungen zu posten. Im Hashtag #bookstagram (oder anderen buchnahen Begriffen) vereinen sie diese Inhalte und erleichtern so, auf der Plattform neue Bücher und Gleichgesinnte zu entdecken.[6]

Geschichte

Ab der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 wurde Bookstagram immer beliebter, da viele Menschen, unter anderem, mehr Zeit und Interesse für die Lektüre von Büchern und für das Ansehen von Filmchen hatten.[8] Seither entwickelte sich der Trend weiter, da er die Bedürfnisse der Menschen nach gemeinschaftlichem Erleben und Schönem vereinigt.[9][10]

Da Instagram den Nutzern vorrangig als Austauschplattform dient, schreibt man sich gegenseitig an und bespricht soeben gelesene Lektüre gemeinsam, was den Wunsch nach rasch möglichem Austausch ohne Orts-, Zeit- oder Altersbeschränkungen (im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben) erfüllt, weshalb die Gemeinschaft der Bookstagrammer weiter wächst.[11]

Beliebte Bookstagrammer

Zu den bekannteren Bookstagrammern (Stand: 2020) gehören[1]:

  • Liesa von mscaulfield: Die Bookstagrammerin arbeitet inzwischen berufsmäßig im Literaturmarketing und stellt nationale und internationale Thriller, Krimis, Non-Fiction und romantische Romane und gelegentlich Kinderbücher vor.
  • Book Bento Box aka bookbento: Das Team von ReadItForward der Crown Publishing Group, eines Tochterunternehmens des Verlags Penguin Random House zeigt kunstvoll gestaltete Werke und deren dazu passende Umgebung.
  • James von james_trevino: James Thema sind optische Täuschungen.
  • Elizabeth Sagan von elizabeth_sagan: Elizabeth präsentiert vor allem Fantasygeschichten, wie Harry-Potter.
  • Ice Cream Books alias ice_cream_books: Ben Denzer kombiniert Eiscreme und Bücher auf farbigem Hintergrund und will als Fotograf auf die Objekthaftigkeit von Büchern hinweisen.
  • Sumaiyya von sumaiyya.books: Sumaiyya kümmert sich vor allem um nahöstliche, südasiatische und muslimische Themen.

Beliebte Bookstagrambücher (Auszug)

Zu den beliebtesten Bookstagrambüchern (Stand: 2023) gehören[7]:

  • Rebecca F. Kuang: Yellowface (2023 auf Englisch, 2024 auf Deutsch. Ein Roman über Rivalität, Verrat und Rassismus in der Literaturwelt)
  • Jennette McCurdy: I'm Glad My Mom Died (2022 auf Englisch, 2023 auf Deutsch. Ein Roman mit biographischen Zügen über die schwierige Beziehung der Autorin zu ihrer Mutter)
  • Prinz Harry: Reserve [Spare] (2022 auf Englisch und auf Deutsch. Eine Biographie als Hommage an seine Mutter)
  • Colleen Hoover: Nur noch ein einziges Mal (Originaltitel = It ends with us 2016, 2020 auf Deutsch. Roman mit biographischen Zügen über eine konfrontative und teils gewaltbelastete Kleinstadtliebe)

Bookstagram und die Verlagsbranche

Social-Media-Berater sehen in der Bookstagram-Community eine potenzielle Umsatzquelle für Verlage. Mehr als 94 Millionen Beiträge fanden sich 2023 unter dem Hashtag Bookstagram.[7] Da die Plattform den Kontakt zwischen Lesern, Autoren und Verlagen erleichtert, hoffen Verlage und Autoren, durch das Medium Reichweite zu erzeugen und aufrechterhalten zu können. Sie nutzen die Buchpräsentationen in ihrer Online-Marketingstrategie und lassen Bookstagrammer über Rezensionsexemplare ihre Ware bewerben oder nehmen an Buchveröffentlichungen und Lesungen teil.[6][12] Durch den Aufbau von Beziehungen der Bookstagrammer zu den potentiellen Kunden gewinnt die Büchervermarktung über den individuellen Bookstagrammer an Authentizität und Glaubwürdigkeit, was dem Verkauf förderlich ist.[13]

Online werben Verlage zusätzlich auf ihren eigenen Verlagsseiten, wie beispielsweise der dtv-Verlag unter der Rubrik Booktok Highlights, wo sich am meisten auf online-Plattformen weiterempfohlene Bücher, auch für Bookstagram, finden.[2] Als weiteres Mittel der Verkaufssteigerung stellen Verlage Bücher mit gleichen Texten und Titeln in verschiedenen Varianten her: die Leseausgabe und die medial wirksame Kunstausgabe mit Farbschnitt oder anderen optisch ansprechenden Elementen, die aufwendig gestaltet sind und neben dem Lesegenuss einen dekorativen Wert haben.[10]

Auswirkungen auf den Verkauf und die Veröffentlichung von Büchern

Zahlreiche Buchhandlungen nutzen den Trend. Sie legen die auf Bookstagram erfolgreichen Bücher an zentralen und nicht zu übersehenden Orten in den Läden aus und arrangieren in Anlehnung an die visuelle Ästhetik ihre Bücherstapel dekorativ mit weiteren, passenden Umgebungselementen und exquisit arrangierten Accessoires, die sofortige Assoziationen zu den visuellen Highlights auf Instagram schaffen und nutzen dadurch das Synergiepotenzial für den Verkauf.[6]

So versuchen Buchhandlungen, auch jüngere Personen zwischen 14 und 19 Jahren anzusprechen, die Instagram in der JIM-Studie zur Mediennutzung als zweitwichtigste App (nach WhatsApp) nannten und bei denen 70 % der Mädchen und 54 % der Jungen das soziale Netzwerk täglich oder zumindest mehrmals pro Woche nutzen.[14] Die Tendenz steigt im Jahr 2025 weiter auf 63 % für beide Geschlechter zusammen, was den potentiellen Reichweitenerfolg über das Medium auch für den Buchmarkt nahelegt.[15]

Häufig verwendetes Vokabular

Einige Begriffe kommen bei Bookstagrammern häufiger vor, wie beispielsweise[16]:

  • Mary Sue: ein perfekter Charakter, der alles mühelos meistert, manchmal etwas flach dargestellt
  • Mood Reader: ein von der Laune getriebener Mensch, der liest, was ihm spontan einfällt (mood = Laune, Stimmung)
  • Reading Slump: eine Lesepause, meist aus Unlust (slump = Einbruch, Flaute)
  • Crossover: die Verbindung von (vorgestellten) Welten oder Genren, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben
  • Haul: die neu erworbenen Bücher mit den Gründen zum Kauf (haul = Beute, Ausbeute)
  • DNF: Did not finish (= nicht fertig gelesen): ein nicht zu Ende gelesenes Buch
  • Spoilern: das Verraten von Wendungen oder dem Ende der Geschichte
  • TBR: To be read (= noch zu lesen) bzw. auf Deutsch SuB (gesprochen: sub, für: Stapel ungelesener Bücher), die gelesen werden wollen
  • Ship: Fans wünschen das Zusammenkommen zweier Buchcharaktere als Partner
  • Fluff-Szenen: süßliche Atmosphäre mit Kuscheln statt Konflikten (fluff = Flaum)
  • Shelfie: das Bücherregal (shelf = Regal)
  • Booktag: Beantworten von Fragen zum Tag (tag = Markierung)

Literatur

  • Bronwyn Reddan, Leonie Rutherford, Amy Schoonens, Michael Dezuanni: Social reading cultures on BookTube, Bookstagram, and BookTok (= Routledge focus). Routledge, Taylor & Francis Group, London New York 2024, ISBN 978-1-032-60325-4 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c d Alisha Mendgen: Bookstagram: "Bookstagram": Diese Instagram-Accounts sollten alle Bücherfans kennen. In: Die Zeit. Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, 2. Februar 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 24. Juni 2026]).
  2. a b Lit4School: Booktok und Bookstagram – der Hype um Bücher im Netz. Universität Leipzig, 26. November 2024, abgerufen am 24. Juni 2026.
  3. a b Dominique Dias: Bookstagram: eine traditionelle Textsorte im virtuellen Kommunikationsraum. Eine romanisch- deutsche und innerromanische Analyse. (PDF) In: Romanistentag, Sektion 6. Université Grenoble Alpes, abgerufen am 24. Juni 2026.
  4. Sabina Paries: Bookstagram: Warum das Teilen der Leseeindrücke so erfolgreich ist. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 18. April 2023, abgerufen am 24. Juni 2026.
  5. Elizabeth Grenier: "Bookstagram" - Literaturclub im Netz. Deutsche Welle, 2026, abgerufen am 24. Juni 2026.
  6. a b c d Bookstagram: Instagram und die Bücher. Borgmeier Media Group, 16. Oktober 2024, abgerufen am 24. Juni 2026.
  7. a b c Bookstagram: Buchempfehlungen bei Instagram. Audible GmbH, 2026, abgerufen am 24. Juni 2026.
  8. Andrea Vinci: Bookstagram: Wieso Lesen auf Instagram wieder groß wird! In: OMT. Abgerufen am 24. Juni 2026.
  9. Hanna Sellheim: Booktok: Wieso es plötzlich in Kiel cool ist, auf Social Media Bücher zu diskutieren. In: Kieler Nachrichten (Hrsg.): KN – Kieler Nachrichten. 14. März 2024 (kn-online.de [abgerufen am 24. Juni 2026]).
  10. a b Stefanie Hildebrandt: BookTok und Bookstagram im Trend: Wohin mit den ausgelesenen Büchern? Berliner Kurier, 13. Januar 2025, abgerufen am 24. Juni 2026.
  11. Lena Müller: #Bookstagram – Wie Bücherfans und Autor*innen die sozialen Netzwerke nutzen. In: seitenwaelzer.de. seitenwaelzer e.V., 29. März 2022, abgerufen am 24. Juni 2026.
  12. #bookstagram, #booktoks oder #booktubes – Social Media Hype für Buchliebhaber:innen - Fachstelle Medien Ihr Service der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Fachstelle Medien, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dezember 2024, abgerufen am 24. Juni 2026.
  13. Ana Jimenez: Mit Bookstagram ein breites Publikum erreichen. In: Online-Marketing Magazin. DCF Deutscher Coaching-Fachverlag, 23. Mai 2024, abgerufen am 24. Juni 2026.
  14. Unterrichtsmaterial zum Artikel: Einen Buch-Post kennenlernen Bookstagram: So sieht ein Buch-Post in den Sozialen Medien aus. Friedrich Verlag, abgerufen am 24. Juni 2026.
  15. Whats-Appp und Social Media. (PDF) In: JIM-Studie 2025. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest c/o Landesanstalt für Kommunikation (LFK), November 2025, abgerufen am 24. Juni 2026.
  16. Carina Kolb: Alle Begriffe auf Bookstagram und Booktok erklärt. In: Pearl Diver of Books. Pearl Diver of Books, 4. Juni 2025, abgerufen am 24. Juni 2026.

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