Chocolate con Churros
Chocolate con Churros ist ein spanisches Gericht, das aus einer dickflüssigen Trinkschokolade besteht, die zusammen mit Churros verzehrt wird. Es wird traditio…

Chocolate con Churros ist ein spanisches Gericht, das aus einer dickflüssigen Trinkschokolade besteht, die zusammen mit Churros verzehrt wird. Es wird traditionell zum Frühstück oder als Nachmittagsimbiss konsumiert, teils mit regionalen Anpassungen bei Rezeptur und Servierweise.
Herkunft der Hauptzutaten
Trinkschokolade
Kakao gelangte 1544 erstmals dokumentiert als Getränk an den spanischen Königshof, als Dominikanermönche gemeinsam mit Maya-Adeligen aus Guatemala dem damaligen Prinzen Philipp von Spanien Kakaogefäße überreichten.[1] Einzelne Darstellungen verweisen bereits auf das Jahr 1519, als Hernán Cortés am aztekischen Hof erstmals mit dem Getränk in Kontakt kam,[2] und auf eine anschließende Verbreitung in Spanien ab etwa 1527.[3] Ursprünglich wurde der Kakao von den Azteken bitter und ungesüßt getrunken.[4] Die Spanier fügten dem Getränk Rohrzucker, Milch, Vanille, Zimt und später auch Anis hinzu, wodurch sich aus dem mesoamerikanischen Getränk ab etwa 1550 die süße europäische Trinkschokolade entwickelte.[5] Erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte sich Trinkschokolade als Getränk am spanischen Hof und beim Adel allgemein durch und entwickelte sich zu einer Art spanischem Nationalgetränk, bevor sie sich in den folgenden Jahrhunderten auch in breiteren Bevölkerungsschichten etablierte.[6]
Churros
Zur Herkunft der Churros gibt es mehrere konkurrierende Entstehungslegenden, von denen sich jedoch keine als gesichert erweisen lässt. Die Fundación Española de la Nutrición (FEN) stellt hierzu ausdrücklich fest, dass es keine offizielle belegte Version zur Entstehung des Gebäcks gibt.[7] Eine Theorie schreibt die Erfindung spanischen Hirten zu, die ohne Zugang zu Backöfen einen einfachen Teig entwickelten, der sich gut in einer Pfanne frittieren ließ. Der Name Churro ist soll sich dieser Theorie zufolge von der Schafrasse Churra ableiten, deren Hörner der Form des Gebäcks ähnlich sehen.[8] Eine andere Theorie sieht den Ursprung in dem chinesischen Youtiao, einem gesalzenen, in Fett frittierten Teiggebäck aus der Zeit der Ming-Dynastie, das durch portugiesische Seefahrer auf die Iberische Halbinsel verbracht und dort mit Zucker versehen weiterentwickelt worden sein soll.[9] Einflüsse aus der Zeit al-Andalus sind ebenfalls denkbar, denn bereits im Mittelalter soll auf der Iberischen Halbinsel ein ähnliches, mit Honig gesüßtes Gebäck aus Mehl und Wasser bekannt gewesen sein.[10]
Zubereitung
Das Gericht Chocolate con Churros besteht aus der heißen Trinkschokolade und den separat servierten Churros oder Porras.[11] Für die Zubereitung der dunklen dickflüssigen zartbitteren Schokolade werden Tafeln eingeschmolzen.[12] Sie sollte in einer Porzellantasse serviert werden und eine Temperatur von etwa 80 Grad Celsius haben,[13] während die Churros frisch hergestellt sein sollten.[14] Zu einer Tasse Schokolade werden meist sechs bis acht Churros serviert. Ein einzelner Churro von etwa 45 Gramm enthält rund 189 Kilokalorien, 10 Gramm Fett, davon 4,2 Gramm gesättigte Fettsäuren, sowie 22 Gramm Kohlenhydrate und 11 Gramm Zucker, wobei die Nährwertangaben je nach Quelle, Rezeptur und Portionsgröße erheblich variieren können.[15] Bei sechs bis acht Churros ergibt sich allein daraus, ohne Berücksichtigung der zusätzlichen Trinkschokolade, ein Energiegehalt von über 1.100 bis 1.500 Kilokalorien. Je nach Wunsch können auch die etwas dickeren, geraden Porras anstelle der Churros gegessen werden.[16]
In einigen Bars und Chocolaterías wird außerdem noch Zucker bereitgestellt, der auf die Churros oder Porras gestreut werden kann.[17] Auch wird häufig eine Karaffe mit Wasser serviert.[18] Zum Verzehr taucht man die Churros in die dickflüssige heiße Schokolade.[19] Bleibt ein Rest Schokolade in der Tasse, wird sie getrunken oder ausgelöffelt.
Geschichte
Chocolate con Churros zum Frühstück ist in Madrid beliebt.[20] Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden dort zu Tagesbeginn Churros verspeist. Sie wurden in der Hauptstadt durch Wanderaussteller und wechselnde Märkte bekannt, die dort in regelmäßigen Abständen stattfanden. Zu dieser Zeit wurden die Churros und Porras auch als Fruta de Sartén („Frucht der Pfanne“) bezeichnet.[21] Neben den Churros waren im Madrid des 19. Jahrhunderts auch sogenannte Buñolerías verbreitet, in denen Tütchen mit frittierten Kabeljau- oder Spinatbällchen (Buñuelos) verkauft wurden.[22] Buñolería und Churrería waren ursprünglich zwei eigenständige, aber gleichartige Gewerbebezeichnungen, deren Verwendung von der jeweiligen Vorliebe des Betreibers abhing.[23]
Man kann heute nicht genau sagen, wann der Brauch entstanden ist, die Schokolade und die Churros zusammen zum Frühstück zu essen. Ein konkretes Beispiel für die Institutionalisierung dieser Kombination liefert die Geschichte der Chocolatería San Ginés im Pasadizo de San Ginés zwischen Puerta del Sol und Teatro Real in Madrid.[24] Das Lokal wurde 1890 zunächst als Gasthaus eröffnet und 1894 in eine Buñolería-Churrería umgewandelt. Erst um 1919 begann das Lokal aufgrund der Nachbarschaft zum Teatro Eslava zusätzlich heiße Schokolade anzubieten, die zu jener Zeit das bevorzugte Getränk der Madrilenen war, bevor sich im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts der Kaffee als Alltagsgetränk durchsetzte. Während der Zweiten Spanischen Republik war das Lokal unter dem Namen La Escondida bekannt, später auch als El Maxim’s golfo, da es nachts als einziges Lokal an der Puerta del Sol geöffnet blieb, nachdem alle anderen Cafés bereits geschlossen hatten.[25] Der Schriftsteller Ramón María del Valle-Inclán erwähnte das Lokal in seinem 1920 erschienenen Werk Luces de Bohemia als Buñolería Modernista.[26]
Verzehr
Der typische Ort, um Chocolate con Churros zu essen, ist die Churrería.[27] Es handelt sich um Cafés, die teilweise wie die Chocolatería San Ginés mit Marmortischen und Marmortheke ausgestattet sind, um die historische Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts wiederherzustellen.[28] Die Churrerías öffnen meist schon ab etwa 5 Uhr morgens, damit sie den Arbeitern der Frühschicht dieses Frühstück anbieten können.[29] Heute zählen auch die Jugendlichen zu ihren frühen Gästen, die nach einer durchfeierten Nacht vor dem Heimweg dort noch das Frühstück einnehmen.[30] Besonders zum Jahreswechsel gilt der Besuch traditioneller Churrerías als beliebte Gewohnheit, um dort die erste heiße Schokolade des neuen Jahres einzunehmen.[29]
Es ist auch möglich, sich Chocolate con Churros in Form eines Take-away mit nach Hause zu nehmen.[22] Man erhält einen Becher mit der heißen Schokolade und eine Tüte mit Churros, jedoch nicht alle Lokale bieten diesen Service an.[13] Von wirtschaftlicher und touristischer Bedeutung zeugt, dass die Chocolatería San Ginés 2015 durchschnittlich etwa 2.000 Tassen Schokolade und über 10.000 Churros täglich und im Vorjahr über eine Million Besucher zählte.[31] Nach neueren Angaben verzeichnete das Lokal bereits über drei Millionen Kunden, die etwa 150.000 Churros täglich verzehrten, was die anhaltende und wachsende Bedeutung des Gerichts für den Tourismus in Madrid unterstreicht.[25]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Sophie D. Coe, Michael D. Coe: The True History of Chocolate. Thames & Hudson, New York 2007, ISBN 978-0-500-28696-8, Kap. 4: Encounter and Transformation, S. 106–124.
- ↑ Teresa L. Dillinger: Food of the Gods: Cure for Humanity? A Cultural History of the Medicinal and Ritual Use of Chocolate. In: The Journal of Nutrition. Band 130, Nr. 8. Oxford 2000, S. 2057S–2072S, doi:10.1093/jn/130.8.2057S.
- ↑ Week 4 – Hernan Cortes: D for Drinking Chocolate. Chocolate Museum, Brixton, London, 25. Mai 2020, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Marcy Norton: Tasting Empire: Chocolate and the European Internalization of Mesoamerican Aesthetics. In: The American Historical Review. Jg. 111, Nr. 3. Oxford 2006, S. 660–691, doi:10.1086/ahr.111.3.660.
- ↑ Irene Fattacciu: Atlantic History and Spanish Consumer Goods in the 18th Century: The Assimilation of Exotic Drinks and the Fragmentation of European Identities. In: Nuevo Mundo – Mundos Nuevos. Paris 2012, doi:10.4000/nuevomundo.63480.
- ↑ Irene Fattacciu: Cacao: From an exotic curiosity to a Spanish commodity. The diffusion of new patterns of consumption in eighteenth-century Spain. In: Food & History. Jg. 7, Nr. 1. Turnhout 2009, S. 53–78, doi:10.1484/J.FOOD.1.100635.
- ↑ Los churros según la Fundación Española de la Nutrición. La Artesana, Artesur Hispalense, 20. März 2019, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Javier Fernández Elena: Churros: From a humble fried dough to one of the most iconic Spanish food. Malaga Gastronomia y Desarrollo, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Molly Grace: From Sheep to Streets: The history of the Churro. EWN Media, 27. September 2025, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Churros: from Andalusia to the Americas. Cyprus Mail, 10. Januar 2026, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ churro, -rra auf diccionarios.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Alfonso López Alonso: Cómo hacer chocolate caliente a la taza casero. Receta tradicional. De Rechupete, 3. Januar 2026, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ a b María Román: ¿Churros con chocolate caliente a 40º? Por qué hay filas en San Ginés en pleno verano. ElConfidencial, 4. August 2025, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Mike Randolph: The complex origins of beloved churros. BBC, 17. Juni 2020, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Churros bei NutritionValue.org, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Adrián Roque: Esta es la diferencia real entre churros y porras y no, no solo es el tamaño. elDiario.es, 14. Februar 2026, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Iera Agote: ¿Apetece un chocolate a la taza? Estos son los mejores de Vitoria. El Correo, 19. Februar 2016, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Catherine Cunningham: Chocolate and Churros. Andalucia.com, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Wouter van der Laan: Chocolate and churros: Spain’s irresistible tradition. The Sound Of The Costa, 17. März 2025, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Eva Figuero: La chocolatería San Ginés: 130 años de tradición y churros. madridiario.es, 12. Mai 2024, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Cereales y derivados: Churros. Fundación Española de la Nutrición (FEN), abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ a b Ana del Barrio: Locos por el chocolate de San Ginés. El Mundo, 3. Januar 2020, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Matilde Cuevas de la Cruz, Juan Miguel Benítez Benítez: El oficio de la Churrería en Madrid. Madrid 1982, ISBN 84-500-7614-5, Kap. Introduccion, S. 11–14 (madrid.org [PDF]).
- ↑ María Sanz: Chocolatería San Ginés. Time Out, 19. März 2025, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ a b Ana del Barrio: Tres millones de clientes, 150.000 churros al día... El secreto del éxito de San Ginés, la chocolatería más famosa de España. El Mundo, 13. Januar 2024, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Alba Casilda: El chocolate más castizo. Expansión.com, Unidad Editorial Información Económica, 5. Februar 2015, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Sandra Wickert: Die besten Churros in Madrid: authentische Churrerías & Geheimtipps. Tracks and the City, 15. Mai 2026, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Chocolatería San Ginés: 120 años endulzando Madrid. madridiario.es, 17. April 2015, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ a b A. Gil: La churrería de Las Delicias de Zaragoza que visitarás seguro para desayunar estas fiestas. Heraldo de Aragón, 8. September 2023, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ So frühstückt die Welt – ganz ohne Ernährungs-Hypes: Von Churros bis Dim Sum. Zeit, Zeitverlag Gerd Bucerius, 5. August 2026, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Belén Rodrigo: El secreto del chocolate con churros más famoso de Madrid. ABC, 13. September 2015, abgerufen am 14. August 2026.
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