Colobus congoensis

Colobus congoensis

Colobus congoensis

Systematik
Überfamilie: Geschwänzte Altweltaffen (Cercopithecoidea)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Tribus: Stummelaffen (Colobini)
Gattung: Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus)
Art: Colobus congoensis
Wissenschaftlicher Name
Colobus congoensis
Hart, Amboko, Arenson, Horton et al., 2026

Colobus congoensis oder Likweli ist eine Affenart aus der Gattung der Schwarz-weißen Stummelaffen, die in der Demokratischen Republik Kongo vorkommt und im Jahr 2026 erstbeschrieben wurde.

Merkmale

Colobus congoensis ist eine relativ kleine, langschwänzige Stummelaffenart, die fast völlig schwarz gefärbt ist. Der Geschlechtsdimorphismus ist relativ gering. Das Rückenhaar der Männchen ist länger (9 bis 12,5 cm) als das der Weibchen (6 bis 8 cm). Am Schwanzende haben die Männchen einen kleinen Quast, der den Weibchen fehlt. Das unbehaarte Gesicht ist von einem Kranz 4 bis 6 cm langer Haare umgeben. Es ist weitgehend schwarz gefärbt, die Nase und die Unterlippe sind rosig bis orange und an den Jochbögen ist die Haut grau.[1] Die Funktion der auffälligen Gesichtszeichnung ist bislang ungeklärt; als mögliche Erklärungen werden visuelle Signale bei der Partnerwahl oder bei der gegenseitigen Erkennung diskutiert.[2] Der Analbereich ist weißlich mit hellorangen Hornhautschwielen. Bei den Weibchen ist dieser Bereich weitgehend unbehaart, während er bei den Männchen spärlich mit weißen Härchen bedeckt ist. Der Hodensack ist dunkelgrau und der Penis ist rosa-weißlich.[1]

Verbreitung und Lebensraum

Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet von Colobus congoensis liegt 350 bis 500 Meter oberhalb des Meeresspiegels am östlichen Ufer des Lomami, südlich des Zusammenflusses von Lomami und Lualaba, in den Provinzen Maniema und Tshopo knapp südlich des Äquators. Es ist etwa 1700 km² groß. Der größte Teil des Verbreitungsgebietes befindet sich innerhalb des Lomami-Nationalparks, ein kleiner Abschnitt liegt östlich davon. Colobus congoensis lebt dort in Terra-Firme-Wäldern außerhalb der Überschwemmungsgebiete der Flüsse. Weitere Affenarten im Verbreitungsgebiet sind der verwandte Angola-Stummelaffe (Colobus angolensis) und der Lomami-Stummelaffe (Piliocolobus parmentieri). Nach bisheriger Einschätzung ist die Art selten und auf einen begrenzten Waldabschnitt beschränkt, in dem sie geeignete Nahrung und Lebensraumbedingungen vorfindet.[1]

Lebensweise

Die Tiere halten sich überwiegend hoch in der Baumkronenschicht auf und gelten als scheu, sodass sie häufiger anhand ihrer Rufe wahrgenommen als unmittelbar beobachtet werden. Zu ihrem Lautrepertoire gehört ein markanter, resonanter Brüllruf.[2]

Entdeckungsgeschichte und Systematik

Die Affenart war einem Teil der einheimischen Bevölkerung bereits lange bekannt und wird westlich des Lomami als „Likweli“ und am östlichen Rand des Verbreitungsgebietes als „kasaba nkoni“ bezeichnet. Letzteres bedeutet „Zweigschüttler“.[1] Wie wenig verbreitet die Kenntnis der Art selbst in ihrer näheren Umgebung war, zeigte eine Befragung in 52 Dörfern, bei der nur aus acht Dörfern Sichtungen gemeldet wurden. Im Jahr 2008 wurde sie erstmals von Naturschützern beobachtet und auf einer unscharfen Aufnahme fotografisch dokumentiert. Nach einer weiteren Sichtung im Jahr 2018 begann ein internationales Forschungsteam aus der Demokratischen Republik Kongo, den Vereinigten Staaten und Deutschland mit einer gezielten Untersuchung der Tiere. Dabei wurden Tonaufnahmen, Fotografien und genetische Analysen eingesetzt.[2] Im April 2021 wurden gewilderte Exemplare durch Patrouillen des Kongolesischen Instituts für Naturschutz (ICCN) beschlagnahmt. Diese wurden als Typusexemplare für die Erstbeschreibung verwendet. Mit ihrer wissenschaftlichen Anerkennung zählt Colobus congoensis zu lediglich fünf afrikanischen Affenarten, die innerhalb der vorangegangenen 75 Jahre neu für die Wissenschaft entdeckt wurden.[1]

Colobus congoensis gehört zu den Schwarz-weißen Stummelaffen, die mit sechs Arten in Afrika südlich der Sahara vom Senegal bis Zentral- und Ostafrika weit verbreitet sind.[1] Der Artname congoensis verweist auf das beschränkte Verbreitungsgebiet in der Demokratischen Republik Kongo. Der nächste Verwandte ist der ebenfalls fast völlig schwarz gefärbte Schwarze Stummelaffe (Colobus satanas), der mehr als 1200 km nordwestlich des Verbreitungsgebietes von Colobus congoensis in Kamerun, Äquatorialguinea und Gabun vorkommt. Beide Arten sollen sich vor vier bis fünf Millionen Jahren voneinander getrennt haben. Die von beiden Arten gebildete Klade ist die Schwestergruppe der von den anderen vier Arten gebildeten Klade.[1]

Gefährdung

Aufgrund des relativ kleinen Verbreitungsgebietes ist Colobus congoensis möglicherweise gefährdet.[1] Die Tiere werden wegen ihres Fleisches bejagt. Die Größe und Entwicklung des Bestandes sind noch unbekannt und sollen durch weiterführende Erhebungen untersucht werden. Die wissenschaftliche Anerkennung als eigenständige Art soll ihre gezielte Unterschutzstellung erleichtern.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h John A. Hart, Junior D. Amboko, Julia L. Arenson, Emma R. Horton, Kathryn F. Coates, Jean-Pierre I. Kapale, Mardoché B. Koko, Terese B. Hart, Christopher C. Gilbert, Eric J. Sargis, Kate M. Detwiler: Likweli: A remarkable new species of Colobus monkey from the Lomami National Park, Democratic Republic of Congo. PLOS ONE, 15. Juli 2026, doi:10.1371/journal.pone.0349857
  2. a b c d Victoria Gill: New monkey species with orange lips found 'hiding' in DR Congo forest. In: BBC News. 16. Juli 2026, abgerufen am 16. Juli 2026 (englisch).

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