Disaggregation

Disaggregation (oder Desaggregation; abgeleitet aus lateinisch aggregare, „beigesellen“) ist in der Statistik eine Methodik, aus Makrodaten durch deren Aufg…

Disaggregation (oder Desaggregation; abgeleitet aus lateinisch aggregare, „beigesellen“) ist in der Statistik eine Methodik, aus Makrodaten durch deren Aufgliederung Mikrodaten zu entwickeln. Gegensatz ist die Aggregation.

Allgemeines

Die Aggregation kann oft leichter fallen als die Disaggregation von Daten in kleinere Bausteine.[1] Das mag zwar paradox klingen, ist aber die Folge einer fundierten Schätzung. Durch Disaggregation werden Informationen gewonnen, die eine Beurteilung oder Entscheidung von Detailfragen zulassen.

Volkswirtschaftslehre

Disaggregation ist die Aufspaltung volkswirtschaftlicher Gesamtgrößen in kleinere Teilgrößen, wodurch die Grenzen zwischen Makro- und Mikroökonomie teilweise stark verwischt werden.[2]

Die Disaggregation umfassender Gesamtziele einer Volkswirtschaft (etwa die Wohlfahrt) in mehrere Unterziele wird in der Wirtschaftspolitik als magisches Viereck (Vollbeschäftigung, Preisstabilität, Wirtschaftswachstum und außenwirtschaftliches Gleichgewicht) bezeichnet.[3] Dabei ist zu bedenken, dass die Unterziele oft nicht miteinander vereinbar sind, so dass Zielkonflikte bestehen.

Betriebswirtschaftslehre

Im Rechnungswesen und bei der Bilanzierung ist der Grundsatz der Einzelbewertung (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB) zu beachten. Der für das Sachanlagevermögen geltende Komponentenansatz (englisch Component Approach) der IAS 16.43 ff. verlangt die Disaggregation einer Sachanlage in ihre Bestandteile, sofern sich deren Nutzungsdauer oder die Dauer der Nutzenstiftung unterscheiden.[4]

Bei der Segmentierung (Marktsegmentierung oder Segmentberichterstattung) ist stets eine Disaggregation erforderlich. Bei Kapitalgesellschaften und Konzernen beschränkt sich diese Disaggregation auf die (Außen-)Umsatzerlöse nach Tätigkeitsbereichen und geographisch bestimmten Märkten (§ 285 Nr. 4 HGB bzw. § 314 Abs. 1 Nr. 3 HGB).[5]

Politikwissenschaft

In der Politikwissenschaft werden zwei Prozesse der Auftrennung bzw. des Auseinandertretens von unterschiedlichen Elementen bestehender Konzepte oder Institutionen als Disaggregierung (englisch disaggregation) bezeichnet:[6]

  • Die Disaggregierung staatlicher Souveränität findet dadurch statt, dass die Staatsgrenzen durch Migration durchlässiger werden, Souveränitäten verflechten sich.[7]
  • Begleitet werden diese Prozesse von einer innerstaatlichen Disaggregierung von Bürgerschaft.

Diese Thematik wird in der Politikwissenschaft kontrovers diskutiert.

Der Begriff wird zudem im Zusammenhang mit der systematischen Messung von Menschenrechten verwendet („monitoring“). Dabei werden quantitative Informationen nach menschenrechtlich relevanten Gesichtspunkten gegliedert. Würde man nämlich insoweit nicht gliedern und nur Durchschnittswerte verwenden, so könnten De-facto-Diskriminierungen unerkannt bleiben. Die Gliederungsgesichtspunkte ergeben sich daher aus den Diskriminierungsverboten. Menschenrechtliche Indikatoren sollten demnach unter anderem nach Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Wohnort und Ethnie aufgelöst vorliegen. Aus praktischen Gründen ist dies allerdings nicht immer möglich, wenn nämlich die erforderlichen Daten fehlen.

Einzelnachweise

  1. Dieter Brümmerhoff/Heinrich Lützel, Lexikon der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, 2002, S. 10
  2. Volker Häfner, Gabler Volkswirtschafts-Lexikon, 1983, S. 361
  3. Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 515
  4. Manfred Kühnberger, IFRS-Leitfaden Mittelstand, 2007, S. 151
  5. Adolgf G. Coenenberg/Anette G. Köhler, Segmentberichterstattung, in: Wolfgang Lück (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2004, S. 603
  6. Anna Meine, Komplementäre Bürgerschaften, 2017, S. 90 f.
  7. Seyla Benhabib, Kulturelle Vielfalt und demokratische Gleichheit, 1999, S. 101 f.; ISBN 978-3596304059

Content Disclaimer

Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.

  1. The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
  2. There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
  3. It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
  4. Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
  5. Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.