Each One Teach One

Each One Teach One (EOTO) ist eine zivilgesellschaftliche Initiative Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen mit Sitz im Afrikanischen Viertel i…

Each One Teach One
Each One Teach One
(EOTO)
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Gründung 2012
Sitz Berlin
Zweck Bildung und Empowerment für Menschen afrikanischer Herkunft
Geschäftsführung Maithy Mouné, Nadja Ofuatey-Alazard
Umsatz 2.583.939 Euro (2023)
Beschäftigte 40 (2023)
Website www.eoto-archiv.de

Each One Teach One (EOTO) ist eine zivilgesellschaftliche Initiative Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen mit Sitz im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding. 2012 als regionaler Verein begonnen, wurde EOTO 2020 überregional bekannt als Träger des ersten Afrozensus, bei dem erstmals die Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in Deutschland erfasst wurden und dabei festgestellt wurde, dass in Deutschland über eine Million Menschen afrikanischer Herkunft leben.

EOTO wird vom Berliner Senat und der Bundeszentrale für politische Bildung[1] sowie seit 2017 dem Programm Demokratie leben! des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.[2]

Projektleiterin Kultur und Co-Geschäftsführerin ist seit 2017 die Journalistin und Filmemacherin Nadja Ofuatey-Alazard.[3] Seit Mai 2026 betreibt der Verein das CUZ Berlin als Community-Zentrum für Schwarze Menschen in Deutschland.

Entstehung

Each One Teach One entstand als ehrenamtliche Initiative im Berliner Wedding aus einer von Vera Heyer seit den 1970er Jahren aufgebauten privaten Büchersammlung Afrikanischer Autorinnen und Autoren. Der Name ist abgeleitet von einem Prinzip der afroamerikanischen Bildungsarbeit im Zuge der US-Bürgerrechtsbewegung.[4] Die 2014 eröffnete Bibliothek umfasst bis 2026 rund 8000 Bände belletristischer und wissenschaftlicher Literatur, dazu kommt das größte Archiv Grauer Literatur afrikanischer Menschen in Deutschland. In den Räumen organisiert EOTO Lesungen, Workshops und Multimedia-Events.

Aus der Bildungsarbeit ging eine Initiative zum Empowerment Schwarzer Menschen mit Diskriminierungserfahrung hervor. Dabei geht es nicht nur um Beschwerden und gegebenenfalls juristische Klagen, sondern vor allem „geht [es] auch darum, dass es dem nächsten nicht so geht. Andere Schwarze Menschen, die in den Club wollen, sollen einfach reinkommen.“ Dazu bietet EOTO Raum und Gelegenheit, Diskriminierungserfahrungen und die Verletzung der Würde „zu heilen“. Dabei „steht die Beratung Schwarzer Menschen im Vordergrund, […] [a]ber natürlich profitiert die ganze demokratische Gesellschaft davon, wenn Schwarze Menschen nicht mehr unterdrückt werden.“[4]

Afrozensus

Unter der Trägerschaft von Each One Teach One (EOTO) e.V. und Citizens For Europe erhoben die Alice Salomon Hochschule Berlin und das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung 2019/2020 erstmals Daten über Schwarzes Leben in Deutschland.[5] Aus historischen Gründen erheben deutsche Behörden keine Daten zur Ethnie von Einwohnern, dadurch stehen aber keine statistischen Grundlagen zur Verfügung um Diskriminierung über Einzelbeobachtungen hinaus systematisch zu erfassen, was die UN-Arbeitsgruppe für Menschen afrikanischer Abstammung 2017 scharf kritisierte.[6] Die Afrikanischen Communities in Deutschland sind auch nicht alle migrantisch geprägt, so gibt es Schwarze Menschen mit deutschem Pass in vierter und fünfter Generation, bei denen von einem Migrationshintergrund keine Rede sein kann.[7][8] Auf Bedenken über Diskriminierung durch staatliche Stellen antworteten die Verantwortlichen: „Wir machen hier eine Erhebung von der Community für die Community. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und der Datenschutz ist gewährleistet, alle Rohdaten bleiben in der Hand der Schwarzen Community.“[7]

Befragt wurden 6000 von über einer Million Schwarzer Menschen in Deutschland. 97,3 Prozent gaben an, in den letzten zwei Jahren Alltagsrassismus erfahren zu haben.[9] Dabei überwogen 'Öffentlichkeit und Freizeit' (93,2 Prozent), vor 'Medien und Internet' (85,5 Prozent), 'Geschäften und Dienstleistungen' (85,1 Prozent) und im 'Arbeitsleben' (84,7 %). Als vermutete Gründe gaben die Befragten zumeist an, dass es aus 'rassistischen Gründen' bzw. wegen ihrer 'ethnischen Herkunft' geschah (93,9 Prozent), gefolgt von 'Hautfarbe' (91,5 Prozent) und 'Geschlecht' (52,5 Prozent), womit intersektionale Diskriminierung herausgestellt wurde. Herkünfte aus 144 Staaten wurden erfasst, wobei rund ein Viertel der Befragten sich als Deutsche ohne Migrationshintergrund beschrieben.[10]

Afrolution-Festival

Seit 2018, mit Ausnahme der Corona-Jahre, organisiert EOTO ein viertätiges Literatur- und Kultur-Festival Afrolution in Berlin-Wedding.[11] Von 2024 bis 2027 hat Tsitsi Dangarembga die Schirmfrauschaft übernommen.[12]

CUZ Community Zentrum

In gemeinsamer Trägerschaft mit der seit den 1980er Jahren bestehenden, queer-feministischen Initiative Adefra Schwarze Frauen in Deutschland baut EOTO von 2025 bis 2028 Betrieb, das Programm und die Strukturen eines Community-Zentrums auf unter Beteiligung der Berliner Communitys afrikanischer Herkunft.[13] Am 6. Mai 2026 eröffneten die Räume in der Togostraße im Afrikanischen Viertel. Erstmals hat der Berliner Senat für eine zivilgesellschaftliche Organisation eine Immobilie angekauft und dem Träger zur Verfügung gestellt. Aus Fördermitteln des Senats, des Bundes und Berliner Lottomitteln werden 10,5 Millionen Euro investiert.[14]

Methodenentwicklung

Each One Teach One entwickelt auf fachlicher Basis und Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung Methoden der politischen Bildungsarbeit in migrantischen und afrikanischen Gesellschaften, insbesondere zu Themen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.[15]

Einzelnachweise

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Trägerdatenbank: Each One Teach One, abgerufen am 20. Juni 2026
  2. BMBFSFJ: Demokratie Leben – Förderung Each One Teach One, abgerufen am 20. Juni 2026
  3. Literaturfestival Berlin: Nadja Ofuatey-Alazard, abgerufen am 20. Juni 2026
  4. a b Peter Hille: Schwarz und füreinander da. Deutsche Welle, 10. Juni 2020, abgerufen am 20. Juni 2026
  5. EOTO: Afrozensus – About, abgerufen am 20. Juni 2026
  6. Tycho Schildbach: Sollte man Schwarze Menschen in Deutschland zählen? Süddeutsche Zeitung Jetzt, 8. Februar 2019, abgerufen am 20. Juni 2026
  7. a b Dinah Riese: Rassismusforscher über „Afrozensus“ – „Wir brauchen einen Einblick.“ In:tageszeitung, 23. April 2020, abgerufen am 20. Juni 2026
  8. Robbie Aitken: BLACK GERMANY – Zur Entstehung einer Schwarzen Community in Deutschland. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 72. Jahrgang, 12/2022, 21. März 2022, S. 4–10
  9. Mediendienst Integration: "Daten sind ein mächtiges Instrument gegen Rassismus", 2. Dezember 2021, abgerufen am 20. Juni 2026
  10. Hadija Haruna-Oelker: Afrozensus: Daten gegen Diskriminierung. In Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2021, abgerufen am 20. Juni 2026
  11. Bundeszentrale für politische Bildung: AFROLUTION 2018 - Berliner Literaturfestival für afrikanisch/diasporisches Denken, abgerufen am 20. Juni 2026
  12. EOTO: Afrolution 2026, S. 5, abgerufen am 20. Juni 2026
  13. CUZ.berlin: CUZ Community Zentrum, abgerufen am 20. Juni 2026
  14. Migazin: Berlin gibt Schwarzen Communities eigenes Haus, 5. Mai 2025, abgerufen am 20. Juni 2026
  15. BMBFSFJ: Demokratie Leben Modellprojekte, abgerufen am 20. Juni 2026

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