Else (Roman)
Else ist ein auf Deutsch veröffentlichter Roman der Schriftstellerinnen Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer aus dem Jahr 2025 über die Emanzipation der glei…
Else ist ein auf Deutsch veröffentlichter Roman der Schriftstellerinnen Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer aus dem Jahr 2025 über die Emanzipation der gleichnamigen Protagonistin.
Entstehungsgeschichte
Der Roman ist der Debütroman der beiden als gemeinsames Paar[1] lebenden Autorinnen[2] und verarbeitet belletristisch auch die angenommene Haltung Älterer zur Homosexualität am Beispiel der umdenkenden Großmutter.[3] Sie arbeiteten im Vorfeld drei Jahre lang daran, bevor sie ihn veröffentlichen ließen.[4]
Als Vorbild gilt Zorns Großmutter, die selbst den Taxiführerschein gemacht und von dem sie nur durch Zufall Jahre später erfahren hatte.[2] Der Name Else ist fiktiv für eine typische Frau jener Generation.[4] Zorn wollte der nach außen hin durchschnittlichen Großmutter eine besondere Bedeutung verleihen, indem sie sie als Romanvorlage verwendete,[5] die ihr Leben meisterte, egal, was andere über sie sagten.[6]
Den Autorinnen war es wichtig, die Hauptfigur in mehreren Lebensphasen darzustellen, um sie lebendiger werden zu lassen. Sie wollen auch ältere Frauen exemplarisch am Beispiel von Else sichtbar machen, die als reale Personen ihrer Meinung nach zu wenig Raum in der Kunst erhielten.[2]
Die beiden Autorinnen teilten sich die Aufgabe auf, den Roman zu schreiben. Zorn fokussierte sich auf die Biografie der Großmutter, Bauer auf die Fiktionalisierung.[2]
Inhalt
Die Autorinnen erzählen, beginnend am Grab der toten Hauptfigur Else im Jahr 2020, die Geschichte der Figur, die sich in den 1960ern bis 1980ern emanzipiert. Sie verwenden die Sichtweise der Ich-Erzählerin und geben vor, die Enkelin zu sein. Die beiden Zeitstränge der Jahre 2010 bis 2011 und 1968 bis 1981 wechseln miteinander ab.[3]
Else ist Mutter von zwei Töchtern, Hausfrau und Ehefrau von Willy. Ihm gelang der gesellschaftliche Aufstieg, was die soziale Umgebung bei Willys samstäglichen Tennissport die rollenkonform zusehende Else spüren lässt. Sie freundet sich mit Marta an und schweigt zur traditionellen Rolle als Begleitung.[7]
Marta steht ihr emotional auch in der Firmenumgebung von Willi bei, da ihr Ehemann Richie mit Willy dort arbeitet.[7]
Als Großmutter von Emmchen, der Ich-Erzählerin, unternehmen beide zusammen im Jahr 2010 eine Urlaubsreise an die Cote d’Azur und genießen ihre freie Zeit, in der Else bereit ist, ihre Vorurteile über Homosexuelle aufgrund der lesbischen Enkelin Emmchen zu revidieren.[7] Da die Großmutter der Ich-Erzählerin das Geld dazu vom Ersparten ihrer heimlichen Taxifahrten nimmt, wird die Reise mit der äußeren Emanzipation von Else in Zusammenhang gebracht.[8]
Im Zeitstrang der Sechziger beginnt Else umzudenken, als sie von ihrem erfolgreichen Ehemann bei seiner Rückkehr nach monatelanger Abwesenheit wegen Geschäften in Indien geschlagen wird. Sie hatte heimlich als erste Frau Frankfurts[2] einen Taxischein während Willys Abwesenheit gemacht[2] und weihte nur ihre Freundin Marta ein. Die Hauptfigur fährt nachts Taxi,[2] legt das verdiente Geld an und lernt neue Menschen kennen,[7] bleibt aber nach außen hin im Familiengefüge in ihrer Rolle.
Am Valentinstag 2011 spürt die mittlerweile 81-jährige Else plötzliche Schmerzen und kommt ins Krankenhaus, wo sie verstirbt.[3.1] Die Enkelin reflektiert, dass ihr die Oma fehlt und blickt zum Himmel mit der Idee, die Großmutter könne vielleicht dort sein. Sie lässt sich von der Sonne das tränenüberströmte Gesicht trocknen und sieht es als Trost: „Ein paar Sonnenstrahlen trocknen mein Gesicht, vielleicht doch eine letzte Geste (durch die liebende Großmutter).“[3.2]
QR-Codes
Am Ende oder mitten in Kapiteln finden sich 17 QR-Codes, die auf der Verlagsseite zu Schwarz-Weiß-Videos von je ca. eineinhalb Minuten führen und filmische Impressionen, teilweise mit Text, teilweise mit Musik oder Gesang untermalt bieten, aber zum Verständnis der Geschichte nicht zwingend notwendig sind. Sie haben emotional unterstützenden Gehalt bzw. wollen Bilder der damaligen Zeit einfangen.[9] Die Filmchen bestehen aus kommentierten Collagen und Originaltönen aus den 1960ern, um Weltsichten zu der Zeit plastischer darzustellen.[2]
Zusätzlich bietet der Verlag an dieser Stelle Informationen zu den Autorinnen als Bonusmaterial zum Lesen an.[9]
Rezensionen
Theresa Hübner vom SWR findet den Roman durch die Verquickung von literarischer Erzählung und multimedialen Elementen gelungen und sieht den Roman als „berührend“ an.[2]
Der Roman ist laut WDR niemals kitschig, berührt einen aber emotional so, dass man lachen und weinen kann.[10]
Katja Weise vom NDR kontrastiert die Enkelin, die alle Errungenschaften der Emanzipation nutzen kann, mit der Großmutter, die sich in aller Stille und vor allem innerlich emanzipierte. Sie sieht es als gutes Frauenbuch an und meint, dass auch die Männer im Roman nicht nur als schlechte Charaktere dargestellt würden.[11]
Auf Lovelybooks.de erhielt der Roman 3,8 von 5 möglichen Sternen und wird als „warmherziges und zugleich gesellschaftlich sehr aufmerksames Buch“ (MsWatson) beschrieben.[12]
Hörbücher
Die Hörbuchfassung ist leicht gekürzt. Sie wird von der Autorin Jasna Fritzi Bauer und von Elisabeth Günther gesprochen.[13]
Literatur
- Else. Kiepenheuer &Witsch, Köln 2025, ISBN 978-3-4620-0530-1.
- Else. Kiepenheuer &Witsch, Köln 2025, ISBN 978-3-4623-1178-5. (E-Book. 4751 KB)
- Else. Argon Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-8398-2168-8. (6 Stunden 40 Minuten, gekürzte Fassung)
Weblink
Einzelnachweise
- ↑ Miriam Amro: Jasna Fritzi Bauer und Katharina Zorn sprechen erstmals offen über ihre Beziehung, ihr Leben mit Tochter Zoe und überholte Rollenklischees. In: Vogue.de. Condé Nast Germany GmbH, 3. Juni 2024, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ a b c d e f g h i Theresa Hübner: Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer – Else | Buchkritik. Südwestrundfunk, 16. Mai 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ a b Jasna Fritzi Bauer, Katharina Zorn: Else: Roman. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 2025, ISBN 978-3-462-00530-1.
- ↑ a b „Else“ von Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 10. Mai 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Miriam Amro: »Else« – Debütroman von Jasna Fritzi Bauer und Katharina Zorn: Endlich ist sie jemand. In: Der Spiegel. Der Spiegel (online), 9. Mai 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 24. Juli 2026]).
- ↑ Irene Bazinger: „Else“ von Katharina Zorn und Jasna Fritzi Bauer. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 16. Juni 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ a b c d Eva Luber: else. In: Literaturzeitschrift.de. 13. Juni 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Jasna Fritzi Bauer / Katharina Zorn: Else. Roman – Perlentaucher. Perlentaucher Medien GmbH, archiviert vom am 19. Mai 2025; abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ a b Else Roman | Kiepenheuer & Witsch. Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co KG, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Else: Heimlich Taxifahrerin. In: WDR2.de. Westdeutscher Rundfunk Köln, 19. Mai 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Katja Weise: Geheim-Karriere als Taxifahrerin: Roman „Else“ feiert weibliche Stärke. Norddeutscher Rundfunk, 16. Juni 2025, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Else: Roman | „Eine zarte Liebeserklärung an alle Frauen“ Mavie Hörbiger von Jasna Fritzi Bauer bei LovelyBooks (Literatur). In: lovelybooks.de. about books GmbH, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Siehe kommerzielle Angebote.
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