Emil Strub

Emil Strub (* 13. Juli 1858 in Trimbach; Taufname Emil Viktor Strub; † 15. Dezember 1909 in Zürich) war ein Schweizer Konstrukteur, Ingenieur, Bahnbauer und …

Emil Strub
Emil Strub

Emil Strub (* 13. Juli 1858 in Trimbach; Taufname Emil Viktor Strub; † 15. Dezember 1909 in Zürich) war ein Schweizer Konstrukteur, Ingenieur, Bahnbauer und Erfinder. Er machte bahnbrechende Erfindungen für die Zahnradbahnen und Standseilbahnen.

Zahnstange und Zahnrad System Strub

Die Grundlagen zu seiner Tätigkeit verdankte er dem Bergbahn-Erbauer Niklaus Riggenbach, in dessen Werkstätten in Aarau er in den Jahren 1882 und 1883 seine erste Lehre durchmachte. Er besuchte darauf das Technikum Mittweida und arbeitete in den Maschinenfabriken Hohenzollern und Esslingen. Auf Ende 1886 kam er zurück in die Schweiz und war als Konstrukteur in der Centralbahnwerkstätte in Olten beschäftigt. Am 14. Februar 1888 wählte ihn der Bundesrat auf den neugeschaffenen Posten eines Kontrollingenieurs für Bergbahnen beim Schweizerischen Eisenbahndepartement. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Berufung 1891 zum Inspektor der Berner Oberland-Bahnen (BOB).

Die BOB-Strecken nach Lauterbrunnen und Grindelwald sollten somit Anschluss an die Wengernalpbahn bieten – deren Eröffnung für 1893 geplant war und die über die Kleine Scheidegg (2.061 m) führen sollte. Diese Bahn bildete einen potenziellen Ausgangspunkt für weitere Bahnsysteme hinauf zum Jungfraumassiv – ein Vorhaben, das bereits von mehreren Ingenieuren ins Auge gefasst worden war: Koechlin und Trautweiler (seit 1889) sowie Locher (1890). Bereits im Februar 1892 beschloss Strub, das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Studer selbst in Angriff zu nehmen, und beantragte eine Konzession für eine Bahn auf den Eiger (3.967 m). Sie schlugen vor, die Wengernalpbahn bis zum rechten Rand des Eigergletschers zu verlängern und anschließend drei aufeinanderfolgende Standseilbahnen bis zum Gipfel zu errichten.

Strub und Studer setzten sich mit ihrem Projekt durch und verdrängten damit Koechlin und Trautweiler. Im Jahr 1893 beantragte Adolf Guyer-Zeller dann eine Konzession für den Bau einer Zahnradbahn bis auf den Gipfel der Jungfrau. Dabei griff er die Idee von Strub und Studer auf, die Wengernalpbahn bis an den Fuss des Eigers zu verlängern.

Strub protestierte beim Bundesrat gegen dieses Plagiat, versuchte die Stadt Lauterbrunnen von der Überlegenheit seines Projekts zu überzeugen und erwog sogar, seine Konzession an die Wengernalpbahn zu verkaufen, um die Umsetzung besser zu gewährleisten. Doch Guyer-Zeller, unterstützt von einem Berner Anwalt, überzeugte die Wengernalpbahnverwaltungsrat in 1894, ihm den Bau seines weitaus grandioseren Projekts auf der Jungfrau zu gestatten. Als Entschädigung ernennt er Strub zum Mitglied der Betriebskommission und kaufte das von ihm gerade erfundene Zahnstangen-System Strub, der offiziell in 1896 den ersten Preis gewinnt, durch Adolf Guyer-Zeller ausgeschriebenen Wettbewerb für die beste Lösung für den Bau und Betrieb der Jungfraubahn.

Was Strubs Namen am meisten verbreitet hat, ist diese von ihm vorgeschlagene System, das bewährte sich glänzend auf der ganzen Welt, und einige weitere Seil- und Zahnradbahnen wie Triest–Opicina, Rittner Bahn, Martigny–Châtelard, Brunnen–Morschach, Asiago–Rocchette, Monte Carlo–Riviera Palace und Monthey–Champéry benutzten es.

Ab 1896 war er als Direktor der Jungfraubahn tätig, bis er 1898 sein eigenes Ingenieurbureau aufbaute und leitete. Am 9. Januar 1899 wurde er zum beratenden Ingenieur der Bergbahn von Vevey auf den Mont Pèlerin gewählt. 1902 gründete er mit Eduard R. Thomann ein Büro, um die Elektrifizierung der Bergbahnen beziehungsweise Gebirgsbahnen voranzubringen.

Als Ingenieur führte er u. a. folgende Anlagen aus: die Münsterschlucht-Bahn (1905/1908), die Mendelbahn (1902/1903) und die Virglbahn (1906/1907) im Tirol, die Areskutan-Bahn in Schweden (1908/1909) sowie andere Bahnen in Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien und Italien.

Insbesondere im Jahr 1905 trieb er in Frankreich eines der weltweit ehrgeizigsten und avantgardistischsten Projekte im Bereich der Seilbahnen voran: den Bau zweier Standseilbahnen, gefolgt von drei seilbetriebenen "Bergaufzügen" – einer Erfindung des deutschen Ingenieurs Wilhelm Feldmann –, um eine ganzjährig betriebene Höhenstation auf dem Gipfel der Aiguille du Midi (3.842 m) in Chamonix zu erschließen. Nach Feldmanns Tod und kurz vor seinem eigenen Tod wechselte er lieber diese Lösung und bevorzugt ein zuverlässiges System, das er gemeinsam mit dem italienischen Hersteller Ceretti & Tanfani in 1909 entwickelt hat, eine der weltweit ersten vollständig realisierten Seilbahnen. Ein Prototyp wurde im August 1912 am Vigiljoch eröffnet, während der Bau der Chamonix-Variante durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde und erst im August 1927 volle zur Eröffnung führte.

Emil Strub war mit Anna Maria, geborene Büttler († 1892) verheiratet. Nach ihrem frühen Tod heiratete er später ihre Schwester Bertha. Strub starb ohne Anzeichen einer Krankheit plötzlich im 51. Altersjahr 1909 in Zürich.[1]

Schriften

Literatur

  • Pierre-Louis Roy: L'aiguille du Midi et l'invention du téléphérique, Glénat, 2004. ISBN 2-7234-4563-1
  • Patrick Moser: So wird die Jungfrau zur Demoiselle gemacht, Chronos, 1997. ISBN, 3-9053-1221-2
  • Hans Brunner: Emil Strub: ein vergessener Bergbahnpionier aus Trimbach. In: Jahrbuch für solothurnische Geschichte, Bd. 61, 1988, S. 75–90. (Digitalisat).
  • Walter Hefti: Zahnradbahnen der Welt, Birkhäuser, Basel 1971. ISBN 3-7643-0550-9

Einzelnachweise

  1. Emil Strub, abgerufen am 23. März 2021

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