Femi Osofisan

Babafemi Adeyemi „Femi“ Osofisan (* 16. Juni 1946 in Erunwon, Ogun) ist ein nigerianischer Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Kritiker, Regisseur und Hochschu…

Femi Osofisan
Femi Osofisan, 2005

Babafemi Adeyemi „Femi“ Osofisan (* 16. Juni 1946 in Erunwon, Ogun) ist ein nigerianischer Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Kritiker, Regisseur und Hochschullehrer.[1] Er wurde vor allem für seine Theaterstücke international bekannt. Unter dem Pseudonym Okinba Launko veröffentlichte er vor allem Gedichte und literaturkritische Texte.[2]

Leben

Osofisan verlor seinen Vater kurz nach der Geburt und lebte wegen der begrenzten Mittel seiner als Grundschullehrerin tätigen Mutter zeitweise bei verschiedenen Verwandten, sodass er während der Grundschulzeit häufig Schule und Wohnort wechselte.[3] Von 1959 bis 1965 besuchte er das Government College in Ibadan. Danach studierte er in Ibadan, Dakar und Paris französische Sprache und Literatur.[1] An der Universität Ibadan entschied er sich für den Schriftstellerberuf und verdiente bereits mit Auftritten sowie Beiträgen für Rundfunk und Presse Geld.[3] Dort gründete er zusammen mit Niyi Osundare und Kole Omotoso einen marxistischen Zirkel mit dem Ziel, die nigerianische Literatur zu erneuern. Er forderte, dass sich Schriftsteller unmittelbar an die breite Bevölkerung wenden sollten, und wählte deshalb nach Anfängen in Prosa und Lyrik das Theater als sein wichtigstes Ausdrucksmittel. Nach seiner Promotion lehrte er an nigerianischen Hochschulen, darunter über drei Jahrzehnte Theater- und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Ibadan, die ihn später zum emeritierten Professor ernannte.[4] 1988 wurde er Präsident des nigerianischen Schriftstellerverbandes Association of Nigerian Authors (ANA). Von 2000 bis 2004 leitete er das National Theatre of Nigeria und übernahm darüber hinaus führende Funktionen in der Association of Nigerian Authors, im nigerianischen PEN-Zentrum und in der Pan African Writers’ Association.[2]

Wirken

Osofisan verfasste und produzierte mehr als 50 Theaterstücke und schrieb außerdem Romane, Lyrik, Essays und eine Biografie des Dramatikers J. P. Clark.[4][1] Seine Theaterstücke gehören zu den meistaufgeführten in Nigeria. Seine Dramaturgie kombiniert Formen und Stoffe der Yoruba-Tradition mit Werken unter anderem von Sophokles, Euripides, Shakespeare, Gogol, Tschechow und Brecht, um ein zeitgenössisches politisches afrikanisches Theater zu entwickeln.[4] Unterhaltung dient ihm dazu, gesellschaftliche Missstände, Korruption und Heuchelei offenzulegen, indigenes Wissen aufzuwerten und Widerspruch gegen ungerechte Verhältnisse zu fördern.[3] Zu seinen frühen Erfolgen zählen Morountodun and Other Plays, das 1983 den ANA Award for Drama erhielt, sowie Minted Coins, das 1987 mit dem ANA Poetry Prize und dem Regional Commonwealth Poetry Award for a First Collection ausgezeichnet wurde.[5] Für Women of Owu, eine im Auftrag des Chipping Norton Theatre entstandene Bearbeitung von Euripides’ Die Troerinnen, verlegte er die Handlung in die 1820er Jahre in die zerstörte Yoruba-Stadt Owu und thematisierte die Grausamkeit des Krieges sowie das Leiden von Frauen und Kindern.[6][3] Auch Medaye überträgt mit Euripides’ Medea einen antiken Stoff in die Geschichte der Yoruba-Kriege des 19. Jahrhunderts.[7] In Altine’s Wrath rückte er die Marginalisierung von Frauen und die Folgen staatlicher Korruption in den Mittelpunkt; bewusst offene oder verstörende Schlüsse sollten Diskussionen auslösen.[8] Die Satire The Midnight Hotel behandelt schlechte Regierungsführung, religiöse Doppelmoral sowie den politischen und wirtschaftlichen Verfall Nigerias.[9] Osofisan übertrug Werke von Aimé Césaire ins Englische und Texte von Wole Soyinka ins Yoruba und schreibt regelmäßig als Journalist für Zeitungen und Zeitschriften. 2004 erhielt er den Nigerian National Order of Merit für die Geisteswissenschaften; 2016 wurde er als erster Afrikaner mit dem Thalia Prize der International Association of Theatre Critics ausgezeichnet.[2][10]

Werke (Auswahl)

  • Kolera Kolej (1975, Roman)
  • Somewhere in a War Period (1975, Kurzgeschichten)
  • A Restless Run of Locusts (1975, Theaterstück)
  • Kijipa Ekun (1976, Kurzgeschichten)
  • Chattering and the Song (1976, Theaterstück)
  • Once Upon Four Robbers (1977, Theaterstück)
  • Morountodun (1978, Theaterstück)
  • Who’s Afraid of Tai Solarin? (1978, Theaterstück)
  • The Midnight Hotel (1985, Komödie)
  • Esu and the Vagabond Minstrels (1986, Komödie)
  • Another Raft (1988, Theaterstück)
  • Aringindin and the Nightwatchmen (1992, Theaterstück)
  • The Album of the Midnight Blackout (1994, Theaterstücke)
  • The Oriki of a Grasshopper and Other Plays (1995, Theaterstücke)
  • One Legend, Many Seasons (1996, Theaterstücke)

Literatur

  • Osofisan, Femi, in: Holger Ehling, Peter Ripken (Hrsg.): Die Literatur Schwarzafrikas. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42033-8, S. 88–89.
  • Osofisan, Femi, in: Douglas Killam, Alicia L. Kerfoot: Student Encyclopedia of African Literature. Greenwood Press, Westport 2008, ISBN 978-0-313-33580-8, S. 238–239.

Einzelnachweise

  1. a b c Femi Osofisan @80: Celebrating An Iconic Poet, Dramatist, Scholar. In: The Guardian Nigeria. 30. Mai 2026, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  2. a b c Femi Osofisan: Postcolonial Shakespearean Reworkings in Nigeria. In: The Ohio State University. 9. August 2024, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  3. a b c d Challenges caused by political leaders tempting me to japa – Prof Osofisan. In: Punch Newspapers. 17. Juni 2023, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  4. a b c Femi Osofisan. In: International Research Center „Interweaving Performance Cultures“, Freie Universität Berlin. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  5. Femi Osofisan at 75. In: The Nation. 18. Juni 2021, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  6. Women of Owu. In: The Guardian. 5. März 2004, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  7. In Medaye, Femi Osofisan re-reads Euripides’ Medea. In: The Guardian Nigeria. 27. Mai 2021, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  8. Altine’s Wrath… In defence of women’s rights, dignity. In: The Guardian Nigeria. 17. Juli 2016, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  9. The midnight hotel … story of a decaying state. In: The Guardian Nigeria. 1. Mai 2016, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  10. Osofisan wins Thalia prize. In: The Nation. 25. Januar 2016, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).

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