Geisel
Eine Geisel (von althochdeutsch gisal „Pfand“) ist eine Person, die gewaltsam und widerrechtlich ergriffen wurde und festgehalten wird. Durch die Festhaltun…
Eine Geisel (von althochdeutsch gisal „Pfand“) ist eine Person, die gewaltsam und widerrechtlich ergriffen wurde und festgehalten wird. Durch die Festhaltung, mitunter sogar durch die Bedrohung der Geisel, wollen die Geiselnehmer Forderungen gegen Dritte durchsetzen. Geiselnahme wird strafrechtlich verfolgt (in Deutschland § 239b StGB).
Im Statut für den Internationalen Militärgerichtshof vom 8. August 1945 wurde das Töten von Geiseln zu den Kriegsverbrechen gezählt. Im Prozess gegen deutsche Generäle im Zweiten Weltkrieg in Südosteuropa („Hostages Trial“) 1947/48 bewertete das Gericht Geiselerschießungen als barbarische, aber zulässige Repressalie nach dem Völkerrecht, stufte die von deutschen Truppen verübten Hinrichtungen von Geiseln in den besetzten Gebieten wegen ihrer exzessiven Züge aber eindeutig als Kriegsverbrechen ein. In der Genfer Abkommen über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten von 1949 wurde Geiselnahme generell untersagt.
Rechtsgeschichte
In der Geschichte wurden Menschen zur Gewähr, dass ein Vertrag eingehalten wird, bei der anderen Partei als Geisel genommen und mussten dort leben. Oft waren es Söhne vornehmer Vertreter tributpflichtiger Staaten, die im Gastland normalerweise ehrenvoll behandelt und erzogen wurden. Bekannte Beispiele sind Theoderich der Große und Attila.
Heute werden Geiseln hauptsächlich genommen, um sie zur Erpressung eines Lösegeldes, zur Durchsetzung politischer Forderungen oder zur Sicherung des Abzugs zu benutzen.
Von einer Geiselhaft spricht man, wenn die Zeit der Gefangenschaft länger dauert.
Stockholm-Syndrom
Ein bei Geiselnahmen oft kolportiertes Verhaltensmuster ist das sogenannte Stockholm-Syndrom, bei dem eine Geisel Sympathien für ihren Geiselnehmer entwickelt. Die tatsächliche Existenz des Stockholm-Syndroms ist wissenschaftlich jedoch umstritten.[1]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Christian Lüdke, Karin Clemens: Abschied vom Stockholm-Syndrom. In: Psychotraumatologie. Band 2, Nr. 2, 2001, S. 12 ff., doi:10.1055/s-2001-15743.
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