Geoff Baylis
Geoffrey Thomas Sandford Baylis (* 24. November 1913 in Palmerston North; † 31. Dezember 2003 in Campbells Bay) war ein neuseeländischer Botaniker und emerit…

Geoffrey Thomas Sandford Baylis (* 24. November 1913 in Palmerston North; † 31. Dezember 2003 in Campbells Bay) war ein neuseeländischer Botaniker und emeritierter Professor, der sich auf Phytopathologie und Mykorrhizaforschung spezialisierte. Er war 34 Jahre lang an der University of Otago tätig und erforschte die Ökologie von Pflanzen und Pilzen, ihre symbiotischen Wechselwirkungen sowie Fragen der Taxonomie und Anatomie. Während seiner wissenschaftlichen Laufbahn sammelte er Hunderte von Pflanzenbelegen und gründete das Otago Regional Herbarium (OTA). Im Jahr 1945 entdeckte er das einzige damals bekannte lebende Exemplar von Pennantia baylisiana auf den Three Kings Islands. 1961 wurde er zum Fellow der Royal Society of New Zealand gewählt. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „G.T.S.Baylis“.
Leben
Frühe Jahre und Ausbildung
Baylis wurde in Palmerston North als Sohn des Agrarwissenschaftlers Gerald Baylis und dessen Ehefrau Daisy (Kathleen Daisy Baylis, geborene Aston) geboren. Seine Mutter war die Schwester des neuseeländischen Botanikers Bernard Aston.[1][2]
1920 zog die Familie nach Campbells Bay an der North Shore von Auckland. Geoff und seine Schwester Geraldine besuchten zunächst die Takapuna Primary School und gehörten anschließend zu den ersten Schülerinnen und Schülern der neu gegründeten Campbells Bay School.[1][3]
Nach dem Besuch der Takapuna Grammar School schrieb sich Baylis 1931 am damaligen Auckland University College, der heutigen University of Auckland, ein.[1] 1935 erwarb er den Grad eines Master of Science mit einer Arbeit über die Ökologie der Mangrovenart Avicennia resinifera (heute Avicennia marina subsp. australasica). Seine Abschlussarbeit hatte den Titel Some observations on Avicennia officinalis Linn in New Zealand.[4][1]
1936 erhielt Baylis ein Stipendium für ein Studium am Imperial College London, wo er 1938 im Fach Pflanzenpathologie promoviert wurde.[1][5] Seine Dissertation trug den Titel The influence of certain fungi on the germination of peas; and, A physiological study of the pathogenicity of several species of Sclerotinia.
Nach seiner Rückkehr nach Neuseeland trat Baylis in den Dienst des Department of Scientific and Industrial Research (DSIR) in Lincoln, wo er Krankheiten des Flachses (Linum usitatissimum) untersuchte.[1] 1940 meldete er sich freiwillig zur Royal New Zealand Navy. Während seines Dienstes im Zweiten Weltkrieg fuhr er an Bord der HMS Crocus im Geleitdienst für Atlantikkonvois.[1][6]
Berufliche Laufbahn
1946 wurde Baylis zum verantwortlichen Dozenten für Botanik an der University of Otago ernannt und trat damit die Nachfolge des Botanikers J. E. Holloway an.[7] 1952 wurde er zum ersten Professor für Botanik der Universität berufen. Er leitete die Abteilung für Botanik insgesamt 34 Jahre lang und trat 1978 in den Ruhestand.[7]
Auf der Grundlage seiner umfangreichen Pflanzensammlungen gründete Baylis das Otago Regional Herbarium (OTA), das sich an der Abteilung für Botanik der University of Otago befindet.[8]
Baylis' Forschungen leisteten wesentliche Beiträge zum Verständnis der Bedeutung von Mykorrhizen, also der Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Bodenpilzen.[1] Seine wegweisenden Untersuchungen zu vesikulär-arbuskulären Mykorrhizen bei der neuseeländischen Baumart Griselinia littoralis zeigten, dass Sämlinge in natürlichen Böden durch die Besiedlung mit entsprechenden Pilzen Mykorrhizen ausbilden, welche die Aufnahme von Phosphor fördern. Sämlinge, bei denen sich diese Symbiose nicht entwickelte, zeigten dagegen ein deutlich vermindertes Wachstum.[9]
Weitere Forschende an der University of Otago – darunter Baylis selbst und mehrere seiner Doktoranden – sowie Wissenschaftler anderer Einrichtungen führten vergleichbare Untersuchungen an weiteren Pflanzenarten durch und bestätigten beziehungsweise erweiterten seine grundlegenden Ergebnisse.[1]
Familie und Privatleben
In jüngeren Jahren war Baylis ein begeisterter Bergsteiger und nahm an zahlreichen Expeditionen in die Neuseeländischen Alpen teil. 1965 mussten er und seine Seilgefährten nach einem Wetterumschwung vom Volta Glacier aus mit einem Flugzeug gerettet werden.[1]
Baylis lebte zunächst als Untermieter und erwarb später das historische Wohnhaus „Threave“ in der High Street von Dunedin, ein von Robert Lawson entworfenes Gebäude, das er aufwendig restaurierte und dessen bewaldetes Grundstück er erweiterte. Er sammelte Kunstwerke, antikes Silber und Porzellan und besuchte regelmäßig Konzerte klassischer Musik.[1] Darüber hinaus pflegte er einen umfangreichen Garten mit einheimischen und eingeführten Pflanzenarten.[10]
Baylis blieb zeitlebens unverheiratet, unterhielt jedoch enge Beziehungen zu seiner Schwester Genevieve Chamberlain und deren Familie. Später kehrte er nach Campbells Bay zurück, wo er das ursprüngliche Elternhaus erworben und für seinen Neffen Geoffrey Chamberlain restauriert hatte. Dort starb er am Silvesterabend des Jahres 2003 im Alter von 90 Jahren.[1]
Ehrungen und Auszeichnungen
1961 wurde Baylis zum Fellow der Royal Society of New Zealand gewählt. An der Jahresversammlung der Fellows nahm er letztmals an seinem 90. Geburtstag teil; zu diesem Zeitpunkt gehörte er zu den beiden am längsten lebenden Fellows der Gesellschaft.[1]
Als Vertreter der University of Otago gehörte er außerdem dem Kuratorium des Tūhura Otago Museum an.[1]
1994 erhielt Baylis die Hutton Medal der Royal Society of New Zealand. Er war Gründungsmitglied, lebenslanges Mitglied und Präsident der New Zealand Ecological Society. 1997 wurde er zum Associate of Honour des Royal New Zealand Institute of Horticulture ernannt.[1] Darüber hinaus war er viele Jahre Mitglied des Beratungsgremiums des Catlins Forest Park.[1]
1959 gehörte Baylis zu den drei Gründungskuratoren des Hellaby Grasslands Trust, dessen Vorstand er 42 Jahre lang angehörte.[11]
Zu Ehren seiner Verdienste um die Botanik und die Botanical Society of Otago wurde 2002 die jährliche Geoff Baylis Lecture eingerichtet.[12] Den Eröffnungsvortrag hielt Baylis selbst im Jahr 2002. Bis 2022 hatten insgesamt zwanzig Vorträge im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe stattgefunden.[13]
Dedikationsnamen
- Der vom Aussterben bedrohte Baum Pennantia baylisiana (W.R.B.Oliv.) G.T.S.Baylis, auch Three Kings kaikōmako genannt.[14]
- Das Lebermoos Plagiochila baylisii Inoue & R.M.Schust., das lange Zeit als Endemit des Fiordlands auf der Südinsel Neuseelands galt,[15] inzwischen jedoch auch aus Tasmanien nachgewiesen wurde.[16][17]
- Der vom Aussterben bedrohte Bauchpilz Deconica baylisiana (E. Horak) J.A. Cooper, der 1971 von Egon Horak zunächst als Nivatogastrium baylisianum E. Horak beschrieben wurde.[18][19]
Von Baylis beschriebene Taxa
Geoffrey T. S. Baylis beschrieb fünf Pflanzentaxa aus drei verschiedenen Gattungen:[20]
- Elingamita G.T.S.Baylis.[21]
- Elingamita johnsonii G.T.S.Baylis.[21]
- Pennantia baylisiana (W.R.B.Oliv.) G.T.S.Baylis.[22]
- Solanum aviculare var. latifolium G.T.S.Baylis.[23]
- Solanum capsiciforme (Domin) G.T.S.Baylis.[23]
-
Deconica baylisiana am Mount Kyeburn in Neuseeland.
-
Geoff Baylis mit Chionochloa antarctica auf Campbell Island (Campbellinseln) im November 2000. Foto von Alan Mark.
-
Herbarbeleg von Pennantia baylisiana, gesammelt von Geoffrey Baylis.
Weblinks
- Autoreneintrag für Geoff Baylis beim IPNI
- JSTOR Global Plants: Baylis, Geoffrey Thomas Sandford (1913–2004)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Peter Wardle; David John Galloway: Geoffrey Thomas Sandford Baylis MSc (N.Z.), PhD (Lond.), DIC, FRSNZ, AHRHINZ (1913–2003). In: New Zealand Journal of Botany. Band 42, Nr. 4, 2004, S. 709–714, doi:10.1080/0028825X.2004.9512922.
- ↑ E. J. Godley: Biographical Notes (22): Bernard Cracroft Aston (1871–1951). In: New Zealand Botanical Society Newsletter. Band 44, 1996, S. 26–28.
- ↑ Prof Baylis. (PDF) In: Campbells Bay School 75th Jubilee. Oktober 2000, S. 6–7, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. Januar 2023; abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis: Some observations on Avicennia officinalis Linn in New Zealand. University of Auckland, Auckland 1935 (Masterarbeit).
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis: The influence of certain fungi on the germination of peas; and, A physiological study of the pathogenicity of several species of Sclerotinia. University of London, 1938, doi:10.25560/95480 (Dissertation).
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis. In: Online Cenotaph. Auckland War Memorial Museum, 8. Oktober 2022, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ a b Geoff Baylis: Founded on Fact: The Autobiography of Geoff Baylis. Eigenverlag, 2004.
- ↑ Facilities – Otago Regional Herbarium. Department of Botany, University of Otago, 21. Januar 2022, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis: Effect of vesicular-arbuscular mycorrhizas on growth of Griselinia littoralis (Cornaceae). In: New Phytologist. Band 58, Nr. 3, 1959, S. 274–278, doi:10.1111/j.1469-8137.1959.tb05358.x.
- ↑ Allison Knight: BSO Honours Geoff Baylis. In: Botanical Society of Otago Newsletter. Band 34, 2002, S. 4–6.
- ↑ About Us. In: Hellaby Grasslands Trust. Abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Allison Knight: BSO Honours Geoff Baylis. In: Botanical Society of Otago Newsletter. Band 34, 2002, S. 4–6.
- ↑ Geoff Baylis Lecture. Botanical Society of Otago, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis: Pennantia baylisiana (Oliver) Baylis comb. nov. In: New Zealand Journal of Botany. Band 15, Nr. 2, 1977, S. 511–512, doi:10.1080/0028825X.1977.10432558.
- ↑ Plagiochila baylisii. New Zealand Plant Conservation Network, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Matt A. M. Renner: A revision of Australian Plagiochila (Lophocoleinae: Jungermanniopsida). In: Telopea. Band 21, 2018, S. 187–380, doi:10.7751/Telopea12959.
- ↑ Allison Knight: BSO Honours Geoff Baylis. In: Botanical Society of Otago Newsletter. Band 34, 2002, S. 4–6.
- ↑ J. A. Cooper: Deconica baylisiana. In: The IUCN Red List of Threatened Species. 23. Juli 2019, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ E. Horak: Contributions to the knowledge of the Agaricales s.l. (Fungi) of New Zealand. In: New Zealand Journal of Botany. Band 9, Nr. 3, 1971, S. 463–493, doi:10.1080/0028825X.1971.10430194.
- ↑ International Plant Names Index – G.T.S. Baylis. International Plant Names Index, abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ a b Geoffrey Thomas Sandford Baylis: Elingamita, a new genus of the Icacinaceae from the Three Kings Islands, New Zealand. In: New Zealand Journal of Botany. Band 5, Nr. 3, 1967, S. 399–410, doi:10.1080/0028825X.1967.10428745.
- ↑ Geoffrey Thomas Sandford Baylis: Pennantia baylisiana (Oliver) Baylis comb. nov. In: New Zealand Journal of Botany. Band 15, Nr. 2, 1977, S. 511–512, doi:10.1080/0028825X.1977.10432558.
- ↑ a b Geoffrey Thomas Sandford Baylis: A cytogenetical study of the Solanum aviculare species complex. In: Australian Journal of Botany. Band 11, Nr. 2, 1963, S. 168–177, doi:10.1071/BT9630168.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baylis, Geoff |
| ALTERNATIVNAMEN | Baylis, Geoffrey Thomas Sandford (vollständiger Name); Baylis, Geoffrey T. S. |
| KURZBESCHREIBUNG | neuseeländischer Botaniker |
| GEBURTSDATUM | 24. November 1913 |
| GEBURTSORT | Palmerston North |
| STERBEDATUM | 31. Dezember 2003 |
| STERBEORT | Campbells Bay |
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.