Georg Mackert

Georg Mackert (* 6. Juni 1849 in Stegaurach; † 24. April 1904 in München) war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter. 1875 wurde er erster Stadtba…

Georg Mackert

Georg Mackert (* 6. Juni 1849 in Stegaurach; † 24. April 1904 in München) war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter. 1875 wurde er erster Stadtbaumeister der Stadt Rosenheim und später zum Stadtbaurat ernannt. Während seiner annähernd drei Jahrzehnte dauernden Amtszeit war er an zahlreichen Hochbauten, Infrastrukturprojekten, Grünanlagen und städtebaulichen Maßnahmen der Stadt beteiligt. Zu den ihm zugeschriebenen erhaltenen Bauten gehören Teile des heutigen Ignaz-Günther-Gymnasiums und die Aussegnungshalle des Rosenheimer Stadtfriedhofs. Zudem entwickelte Mackert wesentliche Vorplanungen für das erste städtische Elektrizitätswerk.[1][2]

Leben und Wirken

Ausbildung und Berufseinstieg

Georg Mackert wurde am 6. Juni 1849 in Stegaurach geboren. Er besuchte zunächst die Gewerbeschule in Bamberg und studierte anschließend an den Polytechnika in München und Zürich. Seine Studienzeit wurde durch Militärdienst gegen Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 unterbrochen.[1]

Vor seinem Wechsel nach Rosenheim war Mackert als Bauführer bei einer königlichen Eisenbahnsektion im Zusammenhang mit dem Bau der Inntalbahn tätig. Angesichts der zunehmenden kommunalen und privaten Bautätigkeit schuf die Stadt Rosenheim 1875 erstmals die Stelle eines Stadtbaumeisters. Unter mehreren Bewerbern fiel die Wahl auf Mackert.[1][3]

Nach Albert Aschl gehörten zu Mackerts ersten Aufgaben als Stadtbaumeister unter anderem die Fertigstellung des Mädchenschulhauses, die Anlage der Gartenanlagen des städtischen Krankenhauses und Arbeiten im Zusammenhang mit der Erweiterung des Friedhofs.[1] Das 1875/76 errichtete Mädchenschulhaus selbst wurde nach Angaben des Stadtarchivs Rosenheim durch den Rosenheimer Baumeister Simon Lutz erbaut.[4] Die erste Erweiterung des Friedhofs von 1874 bis 1878 erfolgte unter der Bauleitung von Max Lutz.[5]

Zu den frühen kommunalen Aufgaben Mackerts gehörte nach Aschl auch die Umnutzung des aufgegebenen alten Bahnhofs zum Rathaus.[1] Die Stadt hatte 1878 das ehemalige Bahnhofsareal erworben; im Dezember desselben Jahres fand die erste Magistratssitzung im früheren Empfangsgebäude statt.[6]

Während seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Amtszeit war Mackert an zahlreichen Maßnahmen der rasch wachsenden Stadt beteiligt. Nach Albert Aschl entstanden unter seiner Leitung auf den Flächen der ehemaligen Eisenbahnanlagen neue Straßen und öffentliche Anlagen. Nach dem Erwerb des rund 31 Hektar umfassenden alten Bahnhofsareals wurden auf den ehemaligen Gleisanlagen bis 1880 neue, von Alleebäumen gesäumte Straßen angelegt.[1][7] Mackert wirkte außerdem an kommunalen Einrichtungen wie dem städtischen Schlachthof, dem Holzhof und der Stadtpost mit und führte nach Aschl eine neue Stadteinteilung und Häusernummerierung durch.[1][2] Als Anerkennung seiner Tätigkeit wurde ihm der Titel eines Stadtbaurats verliehen.[2]

Grünanlagen

Neben Hoch- und Infrastrukturbauten befasste sich Mackert mit der Gestaltung öffentlicher Grünanlagen. Ein auf den 23. Januar 1890 datierter Plan Mackerts im Stadtarchiv trägt die Bezeichnung „Park-Anlagen vor dem städt. Holzhof“. Er entwarf die Anlage an der heutigen Prinzregentenstraße mit einem verschlungenen Wegenetz. Ursprünglich war die Bezeichnung „Stadtpark“ vorgesehen. Anlässlich des 70. Geburtstags von Prinzregent Luitpold am 12. März 1891 erhielt die 1890/91 angelegte Grünanlage jedoch den Namen Luitpoldpark. Sie gilt als älteste von der Rosenheimer Stadtverwaltung angelegte Parkanlage.[8]

1891 plante Mackert für den Rosenheimer Verschönerungsverein eine weitere Grünanlage südlich der damaligen städtischen Schwimm- und Badeanstalt. Die sogenannte See-Anlage wurde im Herbst desselben Jahres nach seinen Plänen angelegt. Ihr künstlicher See war rund 170 Meter lang und bis zu 65 Meter breit, besaß eine kleine Insel und wurde von der unmittelbar vorbeifließenden Kalten gespeist. Im Sommer diente er unter anderem zu Bootsfahrten, im Winter zum Eislaufen und Eisstockschießen.[9]

Elektrizitätswerk Oberwöhr

Zu Mackerts bedeutendsten technischen Planungen gehörte die Vorbereitung der städtischen Elektrizitätsversorgung. Nachdem der Stadt Rosenheim 1893 die Stromlieferung aus dem Elektrizitätswerk Grubmühl bei Westerham beziehungsweise später dessen Kauf angeboten worden war, begannen Überlegungen zur Errichtung eines eigenen Elektrizitätswerks. Auf Mackerts Vorschlag sollte dafür die Wasserkraft der Mangfall durch einen eigenen Kanal zwischen dem Auslauf des Werkkanals der Kolbermoorer Spinnerei und dem Mitterwöhr genutzt werden. Die elektrische Zentrale war am Oberwöhr vorgesehen.[10]

Wasserkraftwerk Oberwöhr, 1896 nach Vorplanungen Georg Mackerts errichtet

1895 genehmigten die städtischen Gremien das Projekt. Die Stadtwerke Rosenheim bezeichnen Mackert als Projektplaner des Vorhabens.[2] Nach der Genehmigung wurde das Projekt dem Münchner Ingenieur Oskar von Miller zur weiteren technischen Ausarbeitung und Ausführung übertragen.[10] In einer Darstellung des Stadtarchivs wird das Elektrizitätswerk entsprechend als Projekt von Mackert und von Miller bezeichnet.[11]

Ende 1896 war der erste Ausbau des kombinierten Wasser- und Dampfkraftwerks fertiggestellt und konnte in Betrieb genommen werden.[10][2] Die Stadtwerke Rosenheim bezeichneten den Bau des Wasserkraftwerks Oberwöhr als Höhepunkt von Mackerts Tätigkeit für die Stadt.[2]

Hochbauten

1895/96 wurde an der heutigen Prinzregentenstraße 32 nach Mackerts Plänen das erste Rosenheimer Vollgymnasium mit angeschlossenem Pensionat errichtet. Der dreigeschossige Bau mit drei rückwärtigen Querflügeln, Mittel- und Eckrisaliten sowie neuklassizistischer Putzgliederung ist heute Teil des Ignaz-Günther-Gymnasiums und steht unter Denkmalschutz.[12] Der unmittelbar benachbarte Ergänzungsbau an der Prinzregentenstraße 34 entstand dagegen 1898 bis 1900 nach Plänen von Johann Baptist Rieperdinger.[12]

Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim

Ein weiteres erhaltenes Werk Mackerts ist das 1898 errichtete Neue Leichenhaus des Rosenheimer Stadtfriedhofs, die heutige Aussegnungshalle. Mackert erarbeitete 1896 ein erstes Raumkonzept und legte im Mai 1897 konkrete Pläne vor. Sein erster Entwurf sah einen länglichen, traufseitig zum Friedhof orientierten Satteldachbau vor, der einer karolingischen Torhalle nachempfunden sein sollte. Vorgesehen waren Spitzbogenfenster und ein Dachreiter mit Spitzhelm. Da die städtischen Gremien den Entwurf ablehnten, erarbeitete Mackert eine neue Planung.[13]

Aussegnungshalle des Rosenheimer Stadtfriedhofs, 1898 nach Plänen Mackerts erbaut

Der ausgeführte Entwurf erhielt ein Kreuzdach mit vier Giebelseiten, Rundbogenfenster und Rundbogenfriese in neuromanischen Formen sowie einen barockisierenden Turmhelm. Die flankierenden Arkadengänge für Familiengrüfte wurden dagegen spätklassizistisch gestaltet. Ende 1897 begann der Bau. Am 17. Oktober 1898 weihte Stadtpfarrer Anton Mayer das Leichenhaus gemeinsam mit der nördlichen Friedhofserweiterung ein. Im Giebel der Vorhalle befand sich die Inschrift „Resurrecturis“ („Für die, die auferstehen werden“). Zur Anlage gehörten insgesamt 20 Arkadengrüfte.[13] Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt die Aussegnungshalle als zweigeschossigen neuromanischen Kreuzdachbau von Stadtbaurat Georg Mackert aus dem Jahr 1898.[12]

Ende der Amtszeit

Beim Abbruch zweier Gebäude am Max-Josefs-Platz stürzte am 19. Mai 1899 ein neun Meter hohes und 23 Meter breites Stützgerüst ein. Zwei Arbeiter und ein Passant wurden dabei verletzt. Bei der anschließenden Untersuchung wurde eine mangelhafte Stützkonstruktion festgestellt, die bei der städtischen Baukontrolle durch Mackert und seinen Assistenten Ferdinand Schlögl nicht erkannt worden war. Die Regierung von Oberbayern versuchte daraufhin, Mackert wegen mangelnden technischen Wissens vom Dienst suspendieren zu lassen. Der Rosenheimer Stadtmagistrat lehnte jedoch ein Disziplinarverfahren gegen den langjährigen Gemeindebeamten ab. Da Mackert sich wegen eines Nervenleidens und starker Gicht bereits um seine Pensionierung bemühte, verzichtete die Regierung auf weitere Schritte.[14]

Nach Mackerts Versetzung in den Ruhestand trat Ferdinand Schlögl zum 1. Februar 1904 seine Nachfolge als Rosenheimer Stadtbaumeister an.[14] Mackert starb nur wenige Monate später am 24. April 1904 in München.[1]

Nachwirkung

Als Anerkennung von Mackerts langjähriger Tätigkeit hatte ihm die Stadt bereits zu Lebzeiten den Titel eines Stadtbaurats verliehen.[1][2] Am 16. Oktober 1908 beschloss der Rosenheimer Stadtmagistrat, die entlang des Werkkanals des städtischen Elektrizitätswerks verlaufenden Spazierwege zu seinem Andenken als „Mackertallee“ zu benennen.[1] Auch die Stadtwerke Rosenheim führen die Benennung der Mackertallee vier Jahre nach seinem Tod als Würdigung seiner Tätigkeit an.[2]

Bauten, Planungen und kommunale Tätigkeiten (Auswahl)

  • ab 1875: als Stadtbaumeister Beteiligung an verschiedenen kommunalen Bauaufgaben, darunter die Fertigstellung des Mädchenschulhauses, die Anlage der Gartenanlagen des städtischen Krankenhauses und Arbeiten im Zusammenhang mit der Friedhofserweiterung[1]
  • um 1878: Beteiligung an der Umnutzung des ehemaligen Rosenheimer Bahnhofs zum Rathaus[1][6]
  • Mitwirkung am städtischen Schlachthof, am Holzhof und an der Stadtpost[1][2]
  • Durchführung einer neuen Stadteinteilung und Häusernummerierung in Rosenheim[1]
  • 1890: Entwurf des Luitpoldparks in Rosenheim[8]
  • 1891: Planung der sogenannten See-Anlage des Rosenheimer Verschönerungsvereins[9]
  • ab 1893: Vor- und Projektplanung für das Elektrizitätswerk Oberwöhr; weitere technische Ausarbeitung und Ausführung durch beziehungsweise unter Beteiligung von Oskar von Miller[10][11][2]
  • 1895/96: Vollgymnasium mit Pensionat, heute Teil des Ignaz-Günther-Gymnasiums, Prinzregentenstraße 32[12]
  • 1896–1898: Planung des Neuen Leichenhauses, der heutigen Aussegnungshalle des Rosenheimer Stadtfriedhofs[13][12]

Literatur

  • Albert Aschl: Alte und neue Straßennamen der Stadt Rosenheim. Högner & Grosse, Rosenheim 1931 (archive.org [PDF; abgerufen am 8. August 2026]).

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n Albert Aschl: Alte und neue Straßennamen der Stadt Rosenheim. Högner & Grosse, Rosenheim 1931 (archive.org [PDF; abgerufen am 8. August 2026]).
  2. a b c d e f g h i j Seit 1896 in Rosenheim. (PDF) Stadtwerke Rosenheim, abgerufen am 8. August 2026.
  3. Friedrich Stoll. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  4. Das Mädchenschulhaus an der Heilig-Geist-Straße. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  5. Der alte Friedhof. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  6. a b Alter Bahnhof – Rathaus. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  7. Die Stadt wächst nach Westen. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  8. a b Der Kinderspielplatz an der Prinzregentenstraße. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  9. a b Die „See-Anlage“ des Verschönerungsvereins, um 1892. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  10. a b c d Das erste Elektrizitätswerk. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  11. a b Josef Wüst. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.
  12. a b c d e Denkmalliste für die kreisfreie Stadt Rosenheim. (PDF) Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, abgerufen am 8. August 2026.
  13. a b c Eine Zierde der Stadt. In: Oberbayerisches Volksblatt. 31. Oktober 2013, abgerufen am 8. August 2026.
  14. a b Innstadthäuser am Max-Josefs-Platz. In: Stadtarchiv Rosenheim. Abgerufen am 8. August 2026.

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