Henry Ware Jr.

Henry Ware Jr. (* 21. April 1794 in Hingham, Massachusetts; † 22. September 1843 in Framingham) war ein US-amerikanischer unitarischer Theologe und erster Prïżœ…

Henry Ware Jr.
PortrÀt von Sarah Goodridge, um 1828

Henry Ware Jr. (* 21. April 1794 in Hingham, Massachusetts; † 22. September 1843 in Framingham) war ein US-amerikanischer unitarischer Theologe und erster PrĂ€sident der Harvard Musical Association.

Leben und Wirken

Henry Ware Junior wurde 1794 als Ă€ltestes Kind von Henry Ware und Mary (Clark) Ware in Hingham (Massachusetts) geboren. Sein Vater war Pfarrer der Unitarian First Church in Hingham und anschließend Professor am Harvard College gewesen, seine Mutter war Tochter des Pfarrers Jonas Clark aus Lexington. Nachdem Ware die Phillips Academy in Andover abgeschlossen hatte, wechselte er 1808 zum Studium an das Harvard College. Nach seinem Studienabschluss wirkte er zunĂ€chst als Lehrer an der Phillips Academy in Exeter, New Hampshire, hier entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zu John Emery Abbot. Zwei Jahre spĂ€ter kehrte er nach Harvard zurĂŒck, um sich am dortigen neu aufgebauten Theologischen Seminar, der Harvard Divinity School, als Pfarrer ausbilden zu lassen. Im Januar 1817 wurde er schließlich als Pfarrer der Second Church of Boston ordiniert. Einige Monate spĂ€ter heiratete er Elizabeth Waterhouse, die Tochter des bekannten Mediziners und Professors der Harvard Medical School Benjamin Waterhouse (1754–1846). Im MĂ€rz 1819 wurde Ware Redakteur der Zeitschrift Christian Disciple (spĂ€ter umbenannt in Christian Examiner). Er war in jener Zeit zudem maßgeblich an der GrĂŒndung der ersten Unitariergemeinde in New York beteiligt, dessen erster Pfarrer sein Bruder William wurde. Nachdem 1824 seine Frau und sein jĂŒngstes Kind gestorben waren, war er Witwer und zunĂ€chst alleinerziehender Vater zweier kleiner Kinder. 1827 heiratete er Mary Lovell, Tochter von Mark Pickard, einem ehemaligen Kaufmann in Boston, mit der er noch weitere sechs Kinder bekam.

Ware hatte schon frĂŒh die GrĂŒndung der landesweiten American Unitarian Association (AUA, die unitarische Kirche der USA) unterstĂŒtzt und wirkte im dortigen Vorstand mit. 1835 kritisierte er die schwache evangelistische Ausrichtung der unitarischen Kirche und drĂŒckte dies in der im gleichen Jahr erschienenen Schrift Sober Thoughts on the State of the Times mit dem Satz Wir sind eine Gemeinschaft fĂŒr uns selbst aus. In Boston hatte sich Ware den Ruf eines herausragenden Gemeindepfarrers erworben, aufgrund seines zunehmend verschlechterten Gesundheitszustandes wurde ihm jedoch 1829 Ralph Waldo Emerson als zweiter Pfarrer zur Seite gestellt, der kurze Zeit spĂ€ter zu einer der GrĂŒndungspersonen des Transzendentalismus werden sollte. 1830 wurde Ware als Professor fĂŒr Homiletik (Predigttheorie) und Poimenik (Seelsorgetheorie) an die Harvard Divinity School berufen. In Hinblick auf seinen Gesundheitszustand reisten er und seine Frau Mary jedoch zunĂ€chst fĂŒr mehrere Monate nach Europa, wo er u. a. England, die Niederlande, Italien, die Schweiz und Frankreich bereiste, zudem kam es zu einem Besuch der Unitarier in Ungarn. 1831 publizierte er das bekannte Andachtsbuch On the Formation of the Chistian Charakter. In der ab 1836 gefĂŒhrten Debatte zwischen Vertretern des klassischen Unitarismus und des sich entwickelnden Transzendentalismus kritisierte Ware letztere, in dem er betonte, Gott könne nicht mit der Natur selbst in eins gesetzt werden. Ware sah in dem Versuch, die Begrifflichkeit Gottes auf das gesamte Universum anzuwenden, einen verschleierten Atheismus. WĂ€hrend der auch als Miracles Controversy (Wunderkontroverse) bekannt gewordenen Debatte kritisierte er im September 1838 in seiner Predigt The Personality of the Diety die pantheistisch-transzendentalistische Position seines Pfarrkollegen Emerson, Gott zu einer bloßen abstrakten Idee zu reduzieren. 1841 musste Ware in Hinblick auf seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand seine PfarrtĂ€tigkeit ruhen lassen. Seine letzte Predigt hielt er am 23. Januar 1841, am Sabbat, in New York. Er verstarb am 22. September 1843 in Framingham. Ware hatte neun Kinder, drei hiervon aus erster Ehe. Eines der Kinder, John Fothergill Waterhouse, wurde ebenfalls unitarischer Prediger. Sein Sohn William Robert Ware wurde ein bekannter Architekt, sein Sohn Charles Pickard Ware veröffentlichte spĂ€ter als Gegner der Sklaverei unter dem Titel Slave Songs of the United States eine Sammlung afroamerikanischer Lieder. Seine zweite Frau Mary starb im April 1849.

Literatur / Quelle

  • Mark W. Harris: Historical Dictionary of Unitarian Universalism, second edition, Lanham 2018, Seite 579 f.
Commons: Henry Ware Jr. â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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