Hyperzyklus
Ein Hyperzyklus ist eine zyklische Folge von sich selbst reproduzierenden Einzelzyklen. Diese Einzelzyklen bestehen aus RNA- und ProteinmolekĂŒlen, die durch Rïżœ…
Ein Hyperzyklus ist eine zyklische Folge von sich selbst reproduzierenden Einzelzyklen. Diese Einzelzyklen bestehen aus RNA- und ProteinmolekĂŒlen, die durch RĂŒckkopplung voneinander abhĂ€ngen und kooperieren. Die von Manfred Eigen und Ruthild Winkler beschriebenen Hyperzyklen liefern eine in vitro nachvollziehbare ErklĂ€rung fĂŒr die prĂ€biotische Entstehung replikativer chemischer Systeme.[1][2] Sie stehen im Ăbergangsbereich zwischen chemischer und biologischer Evolution.
In Hyperzyklen katalysieren RNA-MolekĂŒle die Bildung solcher Proteine, die ihrerseits wieder die Bildung der RNA-MolekĂŒle katalysieren. Auch Hyperzyklen unterliegen einer Evolution: Mutationen in der Basensequenz der RNA fĂŒhren zu MolekĂŒlen mit unterschiedlichen katalytischen Eigenschaften und damit zu unterschiedlichen Replikationsraten. Einen evolutionĂ€ren Vorteil haben diejenigen chemischen Systeme gegenĂŒber anderen in der Konkurrenz um die chemischen Bausteine der âUrsuppeâ, welche eine hohe Vermehrungsrate haben, sich also schneller vermehren. Zellen, Bakterien und andere Lebewesen können ebenfalls als Formen komplexer Hyperzyklen betrachtet werden.
NukleinsÀure-Protein-Hyperzyklus

Die kreisförmigen Schleifen stellen die autokatalytische Reproduktion der NukleinsÀuren dar, die roten Punkte die Proteine. Die NukleinsÀure N1 synthetisiert Protein P1, Protein P1 katalysiert NukleinsÀure N2 usw.
Selbstreproduktive Hyperzyklen der MakromolekĂŒle NukleinsĂ€ure und Protein haben, obwohl noch unbelebt, zwei neue FĂ€higkeiten, die entscheidende Voraussetzungen fĂŒr die Entwicklung des Lebens sind:
- Die NukleinsĂ€uren enthalten einen Bauplan (die Reihenfolge ihrer Nukleinbasen) mit der Information fĂŒr ihre Reproduktion; sie können sich deshalb durch Kopien vermehren.
- Der durch die Nukleinbasen festgelegte Bauplan ist biochemisch so gestaltet, dass bei der Reproduktion mit einer bestimmten, nicht zu groĂen Wahrscheinlichkeit Fehler auftreten und dadurch eine Weiterentwicklung des Bauplans möglich ist. Es wird also nicht nur Materie weitergegeben, sondern auch Information fĂŒr die Organisation von Materie âvererbtâ.
Dieser dissipative autokatalytische Prozess der zyklischen Selbstreproduktion findet unter Verbrauch von Energie und komplexeren MolekĂŒlen wie PhosphorsĂ€ure, Zucker und AminosĂ€uren statt; einfachere MolekĂŒle werden dabei freigesetzt. Man kann den Prozess auch als Koevolution von NukleinsĂ€uren und Proteinen betrachten, als erste Form einer Symbiose: Die beiden MolekĂŒl-âArtenâ fördern einander. Diese âPhylogeneseâ von MolekĂŒlen ermöglicht die Entwicklung von MolekĂŒlen höherer KomplexitĂ€t.
Bei der hypothetischen Entwicklung der NukleinsĂ€ure-Protein-Hyperzyklen wird zwar noch kein Leben erzeugt, aber im Laufe der Zeit zunehmend komplexere NukleinsĂ€uren und die zugehörigen Proteine. Ein Hyperzyklus verstĂ€rkt und reproduziert sich als Ganzes autokatalytisch, wenn er geschlossen ist, also in sich rĂŒckgekoppelt: Im Bild katalysiert das Protein P5 wieder NukleinsĂ€ure N1. Ein geschlossener Hyperzyklus hat einen Geschwindigkeitsvorteil bei der Replikation. NukleinsĂ€ure-Protein-Hyperzyklen unterliegen dadurch einer Evolution: Hyperzyklen mit einer hohen Geschwindigkeit der Reproduktion haben einen evolutionĂ€ren Vorteil im Vergleich zu den Hyperzyklen mit einer niedrigeren Geschwindigkeit, weil sie sich schneller âvermehrenâ. Ihre hohe Evolutionsgeschwindigkeit ist auch einer der Faktoren, die verstĂ€ndlich macht, dass sich das Leben auf der Erde ĂŒberhaupt entwickeln konnte.[3]
NukleinsÀure-Protein-Hyperzyklen weisen bereits Eigenschaften von Lebewesen auf: Selbstvermehrung, Abgeschlossenheit, Weitergabe von Information und Stoffwechsel. Mathematisch beschrieben ist diese Theorie in der Theorie der Quasispezies. Sie sind eine Vorstufe der Evolution und ein Teilbereich der dissipativen emergenten Prozesse in Natur und Gesellschaft.[4]
Weitere Hyperzyklen
Auch Zellen, Bakterien und andere Lebewesen sind als komplexe Hyperzyklen anzusehen, weil sie aus vielfach hierarchisch aufeinander aufbauenden, oft rĂŒckgekoppelten Prozessen bestehen.
Es gibt sogar ein Modell eines globalen dissipativen Gesamtsystems der irdischen BiosphĂ€re von Lynn Margulis und James Lovelock, das nach der griechischen Erdgöttin Gaia benannt wurde und wie ein komplexer Hyperzyklus funktioniert: das Modell der Gaia-Hypothese. Die BiosphĂ€re wird dabei als rĂŒckgekoppeltes, nichtlineares System gesehen, das sich dynamisch selbst organisiert und regelt und auch externe Störungen bisher immer wieder gut verkraftet habe.
Seine Edukte sind die Strahlungsenergie von der Sonne und das Material der Erde, vor allem das an der ErdoberflĂ€che und im Meer. Sein globales Produkt ist Entropie, die es mit der nĂ€chtlichen Abstrahlung in den Weltraum exportiert. Die Grundlage des âSystems Gaiaâ ist das unerhört robuste und bestĂ€ndige Ăkosystem der Bakterien, nicht nur als Basis der Evolution und bei der Umwandlung und Stabilisierung der Sauerstoff-BiosphĂ€re, sondern auch beispielsweise in Symbiosen mit höheren Lebewesen als Darmbakterien und bei der globalen Entsorgung und dem Recycling der Ăberreste von Pflanzen und Tieren.
Es gibt auch ein alternatives Modell der BiosphĂ€re, das â auf lange Sicht â weniger optimistische Vorhersagen macht als Gaia: Die Medea-Hypothese von Peter Ward.
Siehe auch
Literatur
- Dieter Braun, Cristof Mast, Friederike Möller: Lebendiges Nichtgleichgewicht. In: Physik Journal. Band 12, Nr. 10, 2013, S. 29
- Manfred Eigen, Ruthild Winkler: Das Spiel â Naturgesetze steuern den Zufall. Piper-Verlag, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1976, ISBN 3-492-02151-4
- Manfred Eigen, Peter Schuster: The Hypercycle. A Principle of Natural Self Organization. Springer, Berlin 1979, ISBN 978-3-540-09293-3
- Erich Jantsch: Selbstorganisation des Universums. S. 43
- Ulrich Kull: Evolution. J.B. Metzler, Studienreihe Biologie Band 3, S. 34 ISBN 3476200604
Einzelnachweise
- â M. Eigen, C. K. Biebricher u. a.: The hypercycle. Coupling of RNA and protein biosynthesis in the infection cycle of an RNA bacteriophage. In: Biochemistry. Band 30, Nummer 46, November 1991, ISSN 0006-2960, S. 11005â11018, PMID 1932025 (Review).
- â T. Ellinger, R. Ehricht, J. S. McCaskill: In vitro evolution of molecular cooperation in CATCH, a cooperatively coupled amplification system. In: Chemistry & Biology December 1998,5: S. 729â741 |https://www.cell.com/cell-chemical-biology/pdf/S1074-5521(98)90665-2.pdf
- â Manfred Eigen: Stufen zum Leben. Piper 1987
- â GĂŒnter DediĂ©: Die Kraft der Naturgesetze â Emergenz und kollektive FĂ€higkeiten von den Elementarteilchen bis zur menschlichen Gesellschaft. 2. Aufl., tredition 2015
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.