Ipy

Ipy in Hieroglyphen
M17A1Q3
Z4
M17M17

Jpy[1]
Ipy[2]

Ipy war Obervermögensverwalter (Imi-ra-per-wer-em-Men-nefer – Jmy-rꜣ-pr-wr-m-Mn-nfr) in Memphis unter den ägyptischen Königen (Pharaonen) Amenhotep III., Echnaton und wohl auch in den ersten Regierungsjahren des Tutanchamun.[3] Seine Amtszeit deckte damit im 14. Jahrhundert v. Chr. mehr als 17 Jahre ab, da Echnaton alleine bereits 17 Jahre regierte.

Ipy war der Sohn des Obervermögensverwalters Amenhotep, mit dem er zusammen auf diversen Denkmälern genannt wird und vielleicht auch kurze Zeit zusammen amtierte. Zu seinen weiteren Titeln gehörten: Schreiber des Königs und Wedelträger zur Rechten des Königs. Unter König Echnaton war sein Titel zu Vermögensverwalter gekürzt. Als (Ober)vermögensverwalter stand er vor allem den königlichen Domänen vor, die den Palast mit landwirtschaftlichen Gütern versorgten. Er trug auch den Priestertitel Erster Priester des Ptah-Tempels im Bah-Gebiet.[4]

Ipy hatte ein dekoriertes, jedoch nie fertig gestelltes Grab in Amarna (Amarna Grab 10), der neuen Hauptstadt Echnatons. Von dort stammt auch ein beschrifteter Türsturz, der von seinem Haus stammen muss und sich heute im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin (Inventar-Nr. ÄM 21597) befindet.[5] Hier wird er auch als Großer Vorsteher der Privatgemächer des Palastes bezeichnet. Ipy wurde wahrscheinlich in Sakkara, der Nekropole von Memphis, bestattet. Nach dem Tod von Echnaton zog der königliche Hof unter Tutanchamun nach Memphis, wo auch die hohen Würdenträger des jungen Herrschers bestattet wurden. Das Grab selbst konnte bisher nicht mit Sicherheit lokalisiert werden. Aus dem Grab stammen zwei Kanopengefäße des Ipy (Rijksmuseum van Oudheden, Leiden, Inventar-Nr. AAL 4c und AAL 4d) sowie einige Reliefblöcke, welche die Grabkapelle dekorierten. Kurios: In den Inschriften der Vase und des Deckels dieser Kanopen werden jeweils unterschiedliche Horussöhne erwähnt. So wendet sich die Inschrift auf der einen Vase (AAL 4d) an Amset und die Deckelinschrift an Kebechsenuef. Ein ähnlicher Fehler ist auf der anderen Kanope. Es scheint, dass der Verputz zwischen Vase und Deckel modern ist, also die Deckel erst in jüngerer Zeit, im 19. Jahrhundert, vertauscht wurden.[6] Eine Stele, die sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg befindet (Inventar-Nr. ДВ-1072), dürfte auch aus seinem Grab stammen.[7] Eine weitere Stele zeigt Ipy und seinen Vater Amenhotep (Archäologisches Nationalmuseum Florenz, Kollektion Nizzoli, Inventar-Nr. 2567). Sie fand sich im Grab des letzteren und mag andeuten, dass Ipy das Grab seines Vater herrichtete.[8] Auf dieser Stele findet sich ein Totenspruch, den Jan Assmann als Der Spruch... zur Niederlegung der Opferspeisen bezeichnet und der ausgesprochen weit im Neuen Reich verbreitet war.[9]

Von Ipy ist ein Brief (in zwei Kopien) an König Amenhotep IV. erhalten.[10] Der Brief datiert in das 5. Jahr (Jahr 5, Dritter Wintermonat, 19. Tag) des Herrschers. Dies ist von einiger historischer Bedeutung, da der König kurz darauf seinen Namen in Echnaton ändern sollte und versuchte, eine monotheistische Religion einzuführen. Es ist der letzte genau datierbare Beleg mit dem alten Namen. Ipy berichtet in dem Brief davon, dass alle Angelegenheiten im Tempel des Gottes Ptah und in Memphis in Ordnung seien.[11] Kurz darauf sollte Echnaton alle Tempel des Landes schließen und nur noch die Verehrung des Sonnengottes Aton erlauben.

Der Nachfolger im Amt des Obervermögensverwalters, noch unter Tutanchamun, war Iniuia.[12]

Einzelnachweise

  1. Hermann Ranke: Die ägyptischen Personennamen. Band 1: Verzeichnis der Namen. Augustin, Glückstadt 1935, OCLC 459687205, S. 57, Nr. 3 (Volltext als PDF; 24,9 MB).
  2. Keine Übersetzung möglich, Kurz- oder Kosename mit Endung y und anlautendem j nach Hermann Ranke: Die ägyptischen Personennamen. Band 2. Augustin, Glückstadt / Hamburg 1952, S. 149, siehe auch Fußnote 4 auf dieser Seite (Volltext als PDF; 32,5 MB).
  3. Wolfgang Helck: Zur Verwaltung des Mittleren und Neuen Reichs (= Probleme der Ägyptologie. Band 3). Brill, Leiden 1958, OCLC 250083141, S. 370, 485 (einzelne Seiten im Internet Archive abrufbar).
  4. Stéphane Pasquali, Beatrix Gessler-Löhr: Un nouveau relief du grand intendant de Memphis, Ipy, et le temple de Ptah du terrain-bˁḥ. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale. (BIFAO) Band 111, 2011, S. 281–299, Titel S. 284 (online) – (Die richtige Lesung dieses Titels ist unsicher).
  5. Rechte Hälfte eines Türsturzes. In: Heinrich Schäfer: Amarna in Religion und Kunst. (= 7te Sendschrift der Deutschen Orient-Gesellschaft.) Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1931, Tafel 55. Deutsche Übersetzung der Titel in dieser Inschrift: Wolfgang Helck: Urkunden der 18. Dynastie. Übersetzung zu den Heften 17–22. Akademie-Verlag, Berlin 1984, S. 364 (Nr. 769 G). Übersetzung der ganzen Inschrift: Julia Budka: Der König an der Haustür. Die Rolle des ägyptischen Herrschers an dekorierten Türgewänden von Beamten im Neuen Reich. (= Beiträge zur Ägyptologie. Band 19.) Wien 2001, ISBN 3-85043-094-4, S. 118–119 [Nr. 22] (online) auf: Academia.edu.
  6. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart (Hrsg.): Ägyptische Mumien. Unsterblichkeit im Land der Pharaonen. von Zabern, Mainz am Rhein 2007, ISBN 978-3-8053-3778-6, S. 80 (Katalog-Nr. 72).
  7. Nico Staring: The Saqqara necropolis through the New Kingdom: biography of an ancient Egyptian cultural landscape (= Culture and History of the Ancient Near East. Band 131). Brill, Leiden 2023, ISBN 978-90-04-46713-2, S. 423–424 (Nr. 372) (online); siehe auch Stéphane Pasquali, Beatrix Gessler-Löhr: Un nouveau relief du grand intendant de Memphis, Ipy, et le temple de Ptah du terrain-bˁḥ. In: BIFAO. Band 111, 2011, S. 281–299 (online). Teilweise Übersetzung der Inschrift: Wolfgang Helck: Urkunden der 18. Dynastie. Übersetzung zu den Heften 17–22. Akademie-Verlag, Berlin 1984, S. 269 (Nr. 656).
  8. Übersetzung: Wolfgang Helck: Urkunden der 18. Dynastie. Übersetzung zu den Heften 17–22. Akademie-Verlag, Berlin 1984, S. 265–266 (Nr. 648).
  9. Jan Assmann: Altägyptische Totenliturgien. Band 2: Totenliturgien und Totensprüche in Grabinschriften des Neuen Reiches (= Supplemente zu den Schriften der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse. Band 17). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-1583-5, S. 147–224, diese Stele S. 158–159.
  10. William Matthew Flinders Petrie: Illahun, Kahun and Gurob: 1889–1890. London 1891, S. 50 (online), gibt als Fundort al-Lahun an, später wird Gurob als Fundort genannt: Francis Ll. Griffith: The Petrie Papyri: hieratic papyri from Kahun and Gurob; principally of the Middle Kingdom. Band 2: Tafeln. London 1898, Tafel XXXVIII (online).
  11. William J. Murnane: Texts from the Amarna Period in Egypt. Scholars Press, Atlanta 1995, ISBN 1-55540-965-2, S. 50. Deutsche Übersetzung: Matthias Müller: In Memphis nichts Neues (pGurob 38). In: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. Neue Folge. (TUAT-NF) Band 3: Briefe. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, S. 326. Die Kapitel Ägyptische Briefe aus der Zeit der 18. Dynastie und Ägyptische Briefe vom Beginn der 21. Dynastie dieses Bandes, S. 314–339 (Volltext als PDF; 0,3 MB) auf ResearchGate verfügbar.
  12. Nico Staring: The personnel of the Theban Ramesseum in the Memphite necropolis. In: Jaarbericht van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap Ex Oriente Lux. Band 45, 2014–2015, S. 56 (Volltext als PDF).

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