Kenneth Ring
Kenneth Ring (* 13. Dezember 1935 in San Francisco) ist ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und einer der Begründer der wissenschaftlichen Nahtodforschung. …

Kenneth Ring (* 13. Dezember 1935 in San Francisco) ist ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und einer der Begründer der wissenschaftlichen Nahtodforschung. Als emeritierter Professor der University of Connecticut entwickelte er Anfang der 1980er Jahre das erste standardisierte Messinstrument und ein Stadienmodell der Nahtoderfahrung und gehörte zu den Mitgründern der International Association for Near-Death Studies (IANDS).[1]
Leben
Ring wurde 1935 in San Francisco geboren und promovierte 1963 an der University of Minnesota in Sozialpsychologie. Seine erste und einzige Professur trat er an der University of Connecticut an, an der er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte. Vor seiner Hinwendung zur Nahtodforschung arbeitete er über Persönlichkeitspsychologie und Gruppenverhalten.[1]
Den Anstoß zu seinem späteren Forschungsschwerpunkt gab 1977 die Lektüre von Raymond Moodys Bestseller Life After Life (1975). Anders als Moody, der vor allem Einzelfälle erzählte, stellte sich Ring als Methodiker die Frage, ob sich solche Berichte systematisch mit einer definierten Stichprobe und standardisierten Interviews erfassen ließen.[1]
Forschung zu Nahtoderfahrungen
Life at Death (1980)
Für sein erstes Buch Life at Death: A Scientific Investigation of the Near-Death Experience (1980) befragte Ring 102 Menschen, die dem Tod nahe gekommen waren, nach einem festen Schema. Knapp die Hälfte von ihnen berichtete von dem, was Ring eine „Kernerfahrung“ (core experience) nannte – einem wiederkehrenden Muster aus Frieden, Loslösung vom Körper, Tunnel, Licht und Begegnung. Damit zeigte er, dass die Nahtoderfahrung kein zwangsläufiges Nebenprodukt des Sterbens ist, sondern bei einem definierten Anteil der Betroffenen auftritt.[2]
Zur Messung der Tiefe einer Erfahrung entwickelte Ring den Weighted Core Experience Index (WCEI), einen gewichteten Punktwert, der den einzelnen Elementen (Frieden, außerkörperliche Wahrnehmung, Licht, Begegnung mit einem Wesen) unterschiedliches Gewicht zuweist. Es war das erste Mal, dass eine Nahtoderfahrung quantifiziert wurde; der WCEI gilt als methodischer Vorläufer der heute weltweit verwendeten Greyson-NDE-Skala (1983).[2][1]
Aus seinen Daten leitete Ring zudem ein Fünf-Stadien-Modell ab, demzufolge sich die Kernerfahrung in einer festen Abfolge entfaltet: (1) Frieden und Wohlgefühl, (2) Loslösung vom Körper, (3) Eintritt in die Dunkelheit (Tunnel), (4) das Licht sehen und (5) Eintritt in das Licht. Je „später“ das Stadium, desto seltener wird es erreicht; wer ein späteres Stadium erlebte, hatte nach Rings Beobachtung fast immer auch die früheren durchlaufen. Kritiker wie Susan Blackmore deuteten dieselbe Abfolge dagegen als Produkt eines unter Sauerstoffmangel herunterfahrenden Gehirns.[2][3]
Heading Toward Omega (1984)
In seinem zweiten Hauptwerk Heading Toward Omega: In Search of the Meaning of the Near-Death Experience (1984) verlagerte Ring den Blick vom Inhalt der Erfahrung auf ihre Folgen. Er dokumentierte typische Nachwirkungen tiefer Nahtoderfahrungen: ein meist vollständiges und dauerhaftes Verschwinden der Todesangst, eine Wertverschiebung von Status und Besitz hin zu Beziehung, Mitgefühl und Sinn, eine zunehmende Spiritualität bei gleichzeitig sinkender Konfessionsbindung sowie ein gesteigertes Gefühl der Verbundenheit.[4]
Den Titel entlehnte Ring dem „Punkt Omega“ des Jesuiten und Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin. Er deutete Nahtoderfahrene als Vorboten einer umfassenderen Wandlung des menschlichen Bewusstseins – ein Schritt von der reinen Statistik zur Deutung, der ihm sowohl Anerkennung als auch Kritik einbrachte.[4]
The Omega Project (1992)
In The Omega Project: Near-Death Experiences, UFO Encounters, and Mind at Large (1992) verglich Ring Nahtoderfahrene mit Menschen, die von UFO-Begegnungen berichten. Seine These war psychologischer Natur: Er vermutete bei bestimmten Menschen eine besondere Disposition für außergewöhnliche Bewusstseinszustände, häufig verbunden mit belastenden Kindheitserfahrungen. Das Buch gilt als Rings spekulativster und am wenigsten gesicherter Beitrag und wurde im akademischen Umfeld überwiegend kritisch aufgenommen.[5]
Mindsight (1999)
Gemeinsam mit Sharon Cooper legte Ring mit Mindsight: Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind (1999) die erste systematische Untersuchung von Nahtod- und außerkörperlichen Erfahrungen bei blinden Menschen vor – darunter von Geburt an Blinde, die dennoch von visuellen Eindrücken berichteten. Für dieses Phänomen prägte Ring den vorsichtigen Begriff „mindsight“: ausdrücklich kein normales Sehen, sondern ein vielsinniges Gewahrsein, das sich nur in Sehsprache fassen lässt. Bekannte Fälle der Studie sind Vicki Umipeg und Brad Barrows.[6]
„Mind at Large“ und das Filtermodell
Über die Jahre führten Ring die eigenen Daten zu einer Position, die er anfangs nicht vertreten hätte: dass das Bewusstsein nicht restlos vom Gehirn erzeugt werde. Er griff dafür auf das Bild des „Mind at Large“ zurück – die auf Henri Bergson und Aldous Huxley zurückgehende Vorstellung, das Gehirn wirke weniger als Erzeuger denn als Filter eines umfassenderen Bewusstseins, der sich in Sterbenähe lockere. Diese als „Empfänger-“ oder „Filtermodell“ bekannte Deutung teilt er mit anderen Nahtodforschern wie Pim van Lommel, Eben Alexander und Michael Sabom.[1]
In späten Schriften wie Lessons from the Light (1998) und Waiting to Die (2019) wandte Ring die jahrzehntelang erforschte Gelassenheit gegenüber dem Tod auf sein eigenes Älterwerden an.
Bedeutung und Organisation des Feldes
Rings Wirkung beruht nicht allein auf seinen Studien. Er war Mitgründer und früherer Präsident der International Association for Near-Death Studies (IANDS), bis heute die zentrale wissenschaftliche Dachorganisation des Feldes, sowie Gründungsherausgeber ihres Fachblatts, des heutigen Journal of Near-Death Studies. Damit schuf er die Infrastruktur, in der die Nahtodforschung als Disziplin mit Standards, Begutachtung und Publikationsorgan überhaupt erst entstehen konnte. Dasselbe Journal gab später über 27 Jahre Bruce Greyson heraus.[1]
Werke (Auswahl)
- Life at Death: A Scientific Investigation of the Near-Death Experience. Coward, McCann & Geoghegan, New York 1980, ISBN 978-0-698-11032-8.
- Heading Toward Omega: In Search of the Meaning of the Near-Death Experience. William Morrow, New York 1984, ISBN 978-0-688-03910-3.
- The Omega Project: Near-Death Experiences, UFO Encounters, and Mind at Large. William Morrow, New York 1992, ISBN 978-0-688-10729-1.
- Lessons from the Light: What We Can Learn from the Near-Death Experience. (mit Evelyn Elsaesser Valarino) Insight Books, New York 1998, ISBN 978-0-306-45983-2.
- Mindsight: Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind. (mit Sharon Cooper) William James Center for Consciousness Studies, Palo Alto 1999, ISBN 978-0-9669630-0-7.
- Waiting to Die: A Near-Death Researcher's (Mostly Humorous) Reflections on His Own Endgame. 2019.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Kenneth Ring. In: Psi Encyclopedia, Society for Psychical Research, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b c Kenneth Ring: Life at Death: A Scientific Investigation of the Near-Death Experience. Coward, McCann & Geoghegan, New York 1980, ISBN 978-0-698-11032-8.
- ↑ Susan Blackmore: Dying to Live: Near-Death Experiences. Prometheus Books, Buffalo 1993, ISBN 978-0-87975-870-7.
- ↑ a b Kenneth Ring: Heading Toward Omega: In Search of the Meaning of the Near-Death Experience. William Morrow, New York 1984, ISBN 978-0-688-03910-3.
- ↑ Kenneth Ring: The Omega Project: Near-Death Experiences, UFO Encounters, and Mind at Large. William Morrow, New York 1992, ISBN 978-0-688-10729-1.
- ↑ Kenneth Ring, Sharon Cooper: Mindsight: Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind. William James Center for Consciousness Studies, Palo Alto 1999, ISBN 978-0-9669630-0-7.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ring, Kenneth |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Sozialpsychologe |
| GEBURTSDATUM | 13. Dezember 1935 |
| GEBURTSORT | San Francisco |
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.