Mathildenhöhe

Mathildenhöhe

Mathildenhöhe
Mathildenhöhe Darmstadt
UNESCO-Welterbe


Mathildenhöhe in Darmstadt
Vertragsstaat(en): Deutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (ii) (iv)

Fläche: 05,37 ha
Pufferzone: 76,54 ha
Referenz-Nr.: 1614

UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2021  (Sitzung 44)

Die Mathildenhöhe Darmstadt oder kurz Mathildenhöhe in der südhessischen Großstadt Darmstadt ist ein in den Jahren 1897 bis 1914 auf der gleichnamigen Erhebung im Osten der Darmstädter Innenstadt entstandenes Gebäude- und Parkensemble des Jugendstils und der frühen Moderne. Sie ist Ergebnis der vom damaligen hessischen Großherzog Ernst-Ludwig initiierten Künstlerkolonie Mathildenhöhe, in der bedeutende Künstler und Architekten wie Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens und Albin Müller mit einem ganzheitlichen Ansatz neue Wege in experimenteller Architektur, neuer Raumkunst und zukunftsweisendem Design bestritten haben. Wegen ihres bedeutenden Beitrages zur Entwicklung der modernistischen Architektur, zur städtischen Landschaftsgestaltung und der avantgardistischen Prozesse, in der dies geschah, wurde sie am 24. Juli 2021 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.[1] Benannt ist die Mathildenhöhe nach Großherzogin Mathilde, Ehefrau des Großherzogs Ludwig III. von Hessen und bei Rhein.

Lage und Grenzen des Welterbes

Geografische Lage

Die Mathildenhöhe liegt am östlichen Rand der Darmstädter Innenstadt im Stadtteil Darmstadt Ost und war im 19. Jahrhundert eine Gartenanlage des großherzoglichen Hofes, die ab 1833 im Stil eines Englischen Landschaftsparks gestaltet wurde. Sie befindet sich heute vollumfänglich innerhalb der städtischen Siedlungsfläche.

Von Joseph Maria Olbrich für die dritte Ausstellung 1908 entworfener Hochzeitsturm (links) – wegen seiner markanten Spitze auch Fünf-Finger-Turm genannt – und Russische Kapelle (rechts), die als einziges Gebäude bereits vor Gründung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe existierte

Kernzone des Welterbes

Die Kernzone des Welterbe-Gebiets umfasst insgesamt 5,37 ha, bestehend aus zwei Teilflächen, einer größeren (Unesco-ID 1614-001) mit einer Größe von 5,21 ha (etwa 250 m mal 200 m) sowie einer etwa 150 m südwestlich davon gelegenen kleineren an der Ecke Stiftstraße/Prinz Christian-Weg mit einer Größe von 0,16 ha, auf der sich die Drei-Häuser-Gruppe befindet (Unseco-ID 1614-002). Die große Teilfläche wird grob umgrenzt im Norden vom Olbrichweg, im Osten vom Olbrichweg und vom Mathildenhöhweg, im Süden vom Prinz-Christian-Weg und im Westen vom Eugen-Bracht-Weg, Nikolaiweg und der Westgrenze des Platanenhains. Innerhalb dieses Gebietes liegen 22 der 23 Objekte (siehe weiter unten). Die Grünfläche an der Ecke Prinz-Christian-/Egen-Bracht-Weg gehörte ursprünglich nicht zur nominierten Fläche, wurde aber im Zuge des Bewerbungsverfahrens noch mit einbezogen.[2]

Pufferzone

Umgeben wird die soeben beschriebene Kernzone von einer 76,54 ha großen Pufferzone. Im Nominierungsdossier war diese zunächst nur rund 37 ha groß und wurde begrenzt im Norden von der Dieburger Straße, im Osten von Wolfskehlstraße, Seitersweg und Fiedlerweg, im Süden von der Landgraf-Georg-Straße und im Westen von der Pützerstraße. Im Zuge des Bewerbungsverfahrens wurde diese Fläche jedoch noch um den östlich der Mathildenhöhe gelegenen Park Rosenhöhe, um den südlich gelegenen Großen Woog – einem innerstädtischen Naturbadesee mit umgebender Grünanlage – sowie dem dazwischen liegenden Gebiet um den Ostbahnhof und die beiden Häuserblocks südöstlich von Seitersweg und Fiedlerweg erweitert. Der Park Rosenhöhe bildet mit der Mathildenhöhe ein historisches und städtebauliches Ensemble; sein westlicher, nach der Mathildenhöhe ausgerichteter Eingang wird gebildet vom Löwentor, dessen Löwenplastiken vom ehemaligen Hauptportal zur vierten Künstlerkolonie-Ausstellung von 1914, das sich vor dem Lilienbecken befand, stammen.[3]

Die Pufferzone umfasst den kompletten statistischen Bezirk Mathildenhöhe innerhalb des Stadtteils Darmstadt Ost sowie südlich der Erbacher Straße noch einen Teil des Woogsviertels. Die Rosenhöhe liegt dagegen bereits im Bezirk Oberfeld.[4]

Geschichtlicher Hintergrund

Eingangsportal des Ernst-Ludwig-Hauses, von Olbrich entworfen und 1901 als Ateliergebäude für die Künstler der Künstlerkolonie errichtet. Heute Heimat des Museums Künstlerkolonie Darmstadt.
Eingangsportal des Großen Hauses Glückert, ebenfalls 1901 von Olbricht als Künstlerhaus entworfen, erworben vom Möbelfabrikanten Glückert
Eingangsportal von Haus Deiters, entworfen von Olbrich als Wohnhaus für den Geschäftsführer der Künstlerkolonie, Wilhelm Deiters.

Einst kultivierte man auf der Anhöhe am Ostrand der Stadt Wein. Um 1800 wurde im Auftrag von Prinz Christian, dem jüngsten Bruder des damaligen Landgrafen Ludwig I., ein auch für die Öffentlichkeit zugänglicher Park angelegt, der unter seinem Nachfolger, Ludwig III., dessen Gattin Mathilde dem Hügel fortan ihren Namen lieh, mit Gartenhäuschen und Pavillons ausgestattet wurde. Aus dieser Zeit, um 1830, stammt auch der heute noch erhaltene Platanenhain. Als die prosperierende Landeshauptstadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs, entstanden am Fuß des Hügels großbürgerliche Villen. In den Jahren 1877 bis 1880 baute man auf der Kuppe der Mathildenhöhe, innerhalb des Parks, nach Plänen des Ingenieurs Otto Lueger ein Wasserreservoir, das die Wasserversorgung der Stadt verbessern sollte.[5]

1897 bis 1899 errichtete der französischstämmige Petersburger Architekt Leonti Benois im Auftrag des russischen Zaren Nikolaus II. – der mit der Darmstädter Prinzessin Alix verheiratet war und der für sich und seine Familie bei seinen Besuchen in der Stadt nicht auf einen orthodoxen Gottesdienst verzichten wollte – auf der Mathildenhöhe anstelle eines zuvor von Georg Moller errichteten Gartenhauses die der Heiligen Maria Magdalena geweihte Russische Kapelle. Die Grundsteinlegung fand ein Jahr nach der Grundsteinlegung der vom selben Architekten entworfenen ähnlichen russische Kapelle in Bad Homburg statt; die Einweihung in Anwesenheit des Zaren folgte am 8. Oktober 1899.[6]

Ebenfalls ab 1897 hatte der kunstsinnige Großherzog Ernst Ludwig dann gemeinsam mit dem Verleger Alexander Koch die Idee, auf der Mathildenhöhe ein Zentrum für die damals aufkommende Reformbewegung in Architektur, Kunst und Handwerk zu begründen, inspiriert von der Arts-and-Crafts-Bewegung in Großbritannien sowie der im selben Jahr gegründeten Wiener Secession. Dazu ließ er zunächst von dem Architekten Karl Hofmann einen Bebauungsplan für die Mathildenhöhe konzipieren, der um eine zentrale Grünanlage um den Platanenhain und die Russische Kapelle Straßenzüge für großbürgerliche Villen vorsah.[7] In der Folge entstand hier die Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe, zu der der Großherzog junge Künstler aus Deutschland und dem nahen Ausland einlud, nach Darmstadt zu kommen, um hier neue Ideen zu verwirklichen. Zu den Eingeladenen gehörte der junge Architekt Joseph Maria Olbrich, Mitbegründer der Wiener Secession, der gerade mit seinem Erstlingsentwurf für das Wiener Secessionsgebäude Aufsehen erregt hatte und der fortan zum Spiritus rector der Darmstädter Künsterkolonie werden sollte. Aus Paris holte Ernst Ludwig den Bildhauer und Medailleur Rudolf Bosselt, aus München den Maler Peter Behrens, der sich in Darmstadt erstmals mit Architektur beschäftigen sollte, und ebenfalls aus Paris den Maler Hans Christiansen.

Die Gebäude auf der Mathildenhöhe wurden einschließlich der Möbel und aller Gebrauchsgegenstände von den eingeladenen Künstlern als experimentelle Lebens- und Arbeitswelten der frühen Moderne selbst entworfen und während vier bahnbrechender und international hochbeachteter Ausstellungen gezeigt. Die erste große Ausstellung mit dem Titel Ein Dokument deutscher Kunst fand bereits 1901 statt, die zweite, etwas kleinere, drei Jahre später. 1908 folgte die dritte unter dem selbstbewussten Titel Hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst, bevor die vierte und letzte am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1914 die interessierte Öffentlichkeit auf den Musenhügel zog. In den 15 Jahren ihres Bestehens entstanden auf der Mathildenhöhe unter anderem Ateliergebäude, ein großes Ausstellungsgebäude, Künstlerhäuser, die als Musterbauten dienten, sowie als prominentestes Bauwerk und als Geschenk der Stadt Darmstadt an den Großherzog anlässlich seiner zweiten Eheschließung 1905 mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich der Hochzeitsturm, heute Wahrzeichen der Stadt Darmstadt.

Nach schweren Beschädigungen während des Zweiten Weltkrieges in der Darmstädter Brandnacht, der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944, und nachfolgender teilweisen Beseitigung der Schäden ist die Mathildenhöhe heute ein bedeutendes Zeugnis frühmoderner Architektur-, Stadt- und Landschaftsgestaltung in Südwestdeutschland und seit 2021 Weltkulturerbe. Sie gilt heute als ein Wegbereiter der Moderne.

Bewerbungsverfahren bei der Unesco

Ausstellungsplakat zur zweiten Ausstellung der Künstlerkolonie 1904, entworfen von Johann Vincenz Cissarz

Die Bewerbung der Mathildenhöhe Darmstadt zur Eintragung in die UNESCO-Welterbe-Liste zog sich über einen Zeitraum von anderthalb Jahrzehnten hin. Der Startschuss fiel im Jahr 2006, als die Stadt Darmstadt die Bewerbung initiierte, indem sie ein Forum zur Entwicklung des Ensembles veranstaltete. Ziel war, langfristige Perspektiven und Leitlinien für den Erhalt des Kulturdenkmals zu entwickeln und herauszufinden, ob die Voraussetzungen für eine potentielle Welterbe-Stätte gegeben seien. Dazu waren insbesondere Fragen zur Einzigartigkeit, Echtheit und Unversehrtheit zu beantworten. Der Schweizer Kunsthistoriker Werner Oechslin bestätigte schließlich 2011 in seinem Fachgutachten „die außergewöhnliche kulturhistorische Bedeutung der Stätte im internationalen Vergleich“, woraufhin der damalige Oberbürgermeister der Stadt, Jochen Partsch, im Sommer 2012 offiziell den Antrag zur Aufnahme in die deutsche Tentavliste bei der deutschen Kultusministerkonferenz einreichte. Am 15. Januar 2015 erfolgte die offizielle Aufnahme. Anschließend wurde der verpflichtende Managementplan zum Schutz und Erhalt des Ensembles von einem eigens dazu einberufenen Gremium aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik aufgestellt. Im Januar 2019 reichte die Bundesrepublik Deutschland schließlich das finale Nominierungsdossier einschließlich Managementplan bei der UNESCO in Paris ein, bevor im Herbst desselben Jahres Experten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) vor Ort waren und das Ensemble auf die geforderte Authentizität prüften.[8]

Ursprünglich sollte im Sommer 2020 über den Eintrag in die Welterbe-Liste entschieden werden; dies wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben. Schließlich erfolgte die offizielle Ernennung ein Jahr später, am 24. Juli 2021 während der (wegen der anhaltenden Pandemie online abgehaltenen) 44. Sitzung des Welterbekomitees im chinesischen Fuzhou. Seitdem ist die Mathildenhöhe die 48. deutsche Welterbe-Stätte.[9]

Begründung für die Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe

Hochzeitsturm (links) und Ausstellungsgebäude (rechts) mit repräsentativem Treppenaufgang. Letzteres wurde 1905 bis 1908 auf einem Wasserreservoir errichtet und 2024 nach 12-jähriger umfassender denkmalgerechter Sanierung wiedereröffnet. In ihm finden seitdem wieder Wechselausstellungen statt.

Die Mathildenhöhe Darmstadt ist laut Begründung der UNESCO

ein Prototyp der Moderne, der ein kompaktes und außergewöhnliches Zeugnis für die Entstehung der modernistischen Architektur und der städtischen Landschaftsgestaltung des zwanzigsten Jahrhunderts sowie für die avantgardistischen Prozesse, durch die dies geschah, darstellt. (Kriterium II)[10]

Damit sei sie "wegweisend für die Architekturgeschichte" und

ein außergewöhnliches Ensemble von architektonischen Elementen in einer gestalteten Landschaft und stellt einen Prototyp der Moderne dar, der die Entstehung der modernistischen Architektur und der städtischen Landschaftsgestaltung des 20. Jahrhunderts dokumentiert. (Kriterium IV)[11]

Bestandteile des Welterbes

Sonnenuhr von Friedrich Wilhelm Kleukens mit einem Gedicht von Rudolf G. Binding auf der Südfassade des Hochzeitsturms

Die Welterbe-Stätte der Mathildenhöhe Darmstadt besteht aus folgenden 23 Einzelobjekten, die in nachfolgender Tabelle aufgeführt sind. Die Nummerierung entspricht derjenigen aus dem Nominierungsdossier.[12]

Objekt Nr. 1, die Russische Kapelle, entstand bereits vor der Gründung der Darmstädter Künstlerkolonie im Jahr 1899. Die Objekte Nr. 2 bis Nr. 9 – das Ernst-Ludwig-Haus sowie die noch erhaltenen sieben der ursprünglich acht Künstlerhäuser – wurden für die erste Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1901 errichtet, die Objekte Nr. 10 und 23 – die Bildhauerateliers als Anbau zum Ernst-Ludwig-Haus sowie die Drei-Häuser-Gruppe – für die zweite Ausstellung 1904.

Die Objekte Nr. 11 bis 16 – das Ausstellungsgebäude mit Hochzeitsturm, das Oberhessische Haus mit Gartenhaus sowie das Haus Sutter folgten für die dritte Ausstellung 1908.

Die Objekte Nr. 17 bis 21 – Brunnen, Schwanentempel, die Ausstattung des Platanenhains und das Atelierhaus – wurden schließlich für die vierte und letzte Ausstellung 1914, die mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, in dessen Folge der mäzenatische Großherzog Ernst-Ludwig abdanken musste, abrupt endete, ergänzt. Der Ernst-Ludwig-Brunnen, Objekt Nr. 22, folgte nach dem Zweiten Weltkrieg an der Stelle des zerstörten achten Künstlerhauses Christiansen.[13]

Die 23 Einzelobjekte (Nr. 01 bis 22 auf Fläche 001, Nr. 23 auf Fläche 002):
Nr. Foto Objekt Baujahr Architekt Adresse/Lage Erhaltungsgrad Besonderheiten
01 Russische Kapelle Russische Kapelle 1897–1899 Leontij N. Benouis Nikolaiweg 18 unverändert erhalten Auftraggeber war Zar Nikolaus II. von Russland, dessen Frau Alexandra (Alix) die jüngere Schwester von Großherzog Ernst-Ludwig war. Heute Kirche der russischen Gemeinde Darmstadts
02
Ernst-Ludwig-Haus
Ernst-Ludwig-Haus
Ernst-Ludwig-Haus 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Olbrichweg 13a im Zweiten Weltkrieg beschädigt, Südfassade mit Portal aber unverändert erhalten. Ateliergebäude und zentrales Gebäude der ersten Ausstellung von 1901, heute Museum Künstlerkolonie,
03

Haus Olbrich

Haus Olbrich 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Alexandraweg 28 im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und stark verändert wieder aufgebaut; blau-weißer Keramikfries an der Fassade ist aber erhalten Künstlerhaus, Wohnhaus des Architekten
04 Haus Habich Haus Habich 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Alexandraweg 27 im Zweiten Weltkrieg beschädigt und in vereinfachter Form wieder hergestellt. Insbes. das Dach wurde dabei verändert. Künstlerhaus, Wohnhaus des Bildhauers Ludwig Habich
05 Kleines Haus Glückert Kleines Haus Glückert 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Alexandraweg 25 weitgehend erhalten, nur östlicher Eingangsbereich infolge von Umnutzung verändert mit Bilhauerarbeiten von Rudolf Bosselt, privates Wohnhaus des Möbelfabrikanten Julius Glückert
06

Großes Haus Glückert

Großes Haus Glückert 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Alexandraweg 23 überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet, weitgehend unverändert erhalten im Jahr der Fertigstellung von Julius Glückert erworben und von ihm für seine Möbelausstellung genutzt
07 Haus Behrens Haus Behrens 1901 Peter Behrens Alexandraweg 17 1944 beschädigt und ausgebrannt, Außenmauern mit Klinkerlisenen und grüner Baukeramik jedoch erhalten, Erstlingswerk von Behrens, der zuvor nur als Maler tätig war Künstlerhaus, Wohnhaus des Architekten
08

Haus Keller

Haus Keller, "Beaulieu" 1901 Joseph Maria Olbrich Alexandraweg 31 im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und deutlich verändert wieder aufgebaut, ursprünglicher Charakter heute fast nicht mehr erkennbar Wohnhaus des Privatmannes Carl Keller
09

Haus Deiters

Haus Deiters 1900–1901 Joseph Maria Olbrich Mathildenhöhweg 2 überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet Künstlerhaus, Wohnhaus des Geschäftsführers der Künstlerkolonie, Wilhelm Deiters, heute Sitz des Deutschen Polen-Instituts
10

Bildhauerateliers (links), Ernst-Ludwig-Haus (rechts)

Bildhauerateliers 1904 Joseph Maria Olbrich Olbrichweg 13a Dach beschädigt und wiederhergestellt; ansonsten vollständig erhalten an das Ernst-Ludwig-Haus (Nr. 2) angebaut, heute Museumsshop zum Museum Künstlerkolonie
11
Gottfried-Schwab-Denkmal 1905 Ludwig Habich Alexandraweg erhalten, Jünglings-Skulptur 2024 gestohlen und beschädigt Zu Ehren des Darmstädter Dichters Gottfried Schwab errichtet
12

Ausstellungsgebäude

Ausstellungsgebäude 1905–1908 Joseph Maria Olbrich Sabaisplatz 1 im Zweiten Weltkrieg beschädigt und leicht verändert wieder hergestellt; 2012 bis 2024 umfassend denkmalgerecht saniert zusammen mit dem Hochzeitsturm (Nr. 13) "Krönung" der Mathildenhöhe und zentrales Gebäude der dritten Ausstellung ("Hessische Landesausstellung"), errichtet auf einem 1877 bis 1880 gebauten Wasserreservoir, das bis 1994 in Betrieb blieb
13 Hochzeitsturm Hochzeitsturm 1905–1908 Joseph Maria Olbrich Olbrichweg 11 unverändert erhalten, beschädigtes Dach nach dem Zweiten Weltkrieg wieder hergestellt. mit Mosaiken Friedrich Wilhelm Kleukens, Hochzeitsgeschenk der Stadt Darmstadt an das Großherzogspaar
14

Oberhessisches Haus

Oberhessisches Haus 1908 Joseph Maria Olbrich Olbrichweg 15 weitgehend erhalten, im Inneren verändert Für die dritte Ausstellung zur Präsentation von Handwerker-Erzeugnissen errichtet, insbesondere von solchen aus Oberhessen
15 Haus Sutter Haus Sutter 1908 Conrad Sutter Olbrichweg 19 weitgehend erhalten Künstlerhaus, Wohnhaus des Architekten
16 Gartenhaus 1910 Jakob Krug Olbrichweg 15 erhalten im Garten des Oberhessischen Hauses (Nr. 14)
17 Lilienbecken, dahinter Russische Kapelle und Ausstellungsgebäude links Lilienbecken 1913–1914 Albin Müller Nikolaiweg 1962 umgestaltet, 1998 bis 2004 entsprechend der ursprünglichen Planung wieder hergestellt. zentral vor der Russischen Kapelle angelegt, mit Lilien-Mosaiken (Wappen Darmstadts)
18 Pergola Pergola und Ateliergarten 1914 Albin Müller Alexandraweg weitgehend erhalten aus dem damals neuartigen Baustoff Eisenbeton
19

Schwanentempel, dahinter Haus Behrens

Schwanentempel 1914 Albin Müller Christiansweg erhalten, ursprüngliches keramisches Dach durch Kupferblech ersetzt mit Mosaiken an der Unterseite des Dachs
20

Platanenhain

Platanenhain 1904–1914 Bernhard Hoetger Olbrichweg erhalten ursprünglich angelegt 1833, 1904 bis 1914 von Bernhard Hoetger ergänzt um 40 Skulpturen, Reliefplatten, Vasen und Inschriften
21

Ateliergebäude

Ateliergebäude 1914 Albin Müller Olbrichweg 10 einziger erhaltener Trakt der großen, aus ursprünglich acht Häusern bestehenden Mietshausgruppe heute Teil des Campus Mathildenhöhe der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Gestaltung
22 Ernst-Ludwig-Brunnen Ernst-Ludwig-Brunnen 1958/59 Karl Hartung und Otto Bartning Alexandraweg erhalten Ursprünglich entworfen für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1958 in Brüssel, anschließend von der Stadt Darmstadt erworben und 1958/1959 zu Ehren Ernst Ludwigs an die Stelle, an der das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Haus Christiansen stand, transloziert.
23 Drei-Häuser-Gruppe Drei-Häuser-Gruppe 1903–1904 Joseph Maria Olbrich Prinz-Christians-Weg 2, 4 und Stiftstraße 12 im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in veränderter Form wieder aufgebaut, einzelne Elemente erhalten zusammenhängender Gebäudekomplex mit äußerlich unterschiedlicher Gestaltung und im inneren aus 3 getrennten Gebäuden bestehend: Blaues Haus, Holzgiebelhaus und Graues Haus

Beteiligte Personen und Künstler

Joseph Maria Olbrich, "Kopf" der Darmstädter Künstlerkolonie und Architekt der meisten Gebäude. Er hatte zuvor bereits maßgeblich bei der Wiener Secession mitgewirkt und wurde von Ernst Ludwig aus Wien nach Darmstadt geholt

Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe wurde 1897 von Großherzog Ernst Ludwig und dem Verleger Alexander Koch gegründet. In der Zeit ihres Bestehens bis zum Ersten Weltkrieg gehörten ihr insgesamt 23 Künstler an.[14]

Die ersten sieben, die auch die erste Ausstellung 1901 gestalteten, waren der "Kopf" der Künstlergruppe, Joseph Maria Olbrich (Architekt), sowie Peter Behrens (Architekt, Designer, Maler), Rudolf Bosselt (Bildhauer, Medailleur), Hans Christiansen (Maler, Grafiker), Ludwig Habich (Bildhauer), Patriz Huber (Architekt) und Paul Bürck (Maler, Grafiker).

Für die zweite Ausstellung 1904 verblieben Olbrich und Behrens, neu hinzu kamen Johann Vincenz Cissarz (Maler, Grafiker) und Paul Haustein (Grafiker).

Für die dritte Ausstellung 1908 verblieb nur Olbrich, neu hinzu kamen nun Albin Müller (Architekt, Bildhauer, Tischler), Friedrich Wilhelm Kleukens (Maler, Grafiker, Buchkünstler), Conrad Sutter (Architekt, Grafiker), Heinrich Jobst (Bildhauer) und Ernst Riegel (Keramiker, Kunstschmied).[15]

Peter Behrens, der die Darmstädter Künstlerkolonie 1903 verließ, weil er sich gegen Olbrich nicht durchsetzen konnte, gründete danach in Berlin sein eigenes Architekturbüro, in dem später berühmt gewordene Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier arbeiten sollten.

Für die vierte Ausstellung 1914 übernahm Müller die Federführung, nachdem Olbrich bereits im August 1908, noch während der dritten Ausstellung, im Alter von 40 Jahren an Leukämie gestorben war. Neu gewinnen konnte man Bernhard Hoetger (Architekt, Bildhauer), Emanuel Josef Margold (Architekt, Grafiker), Edmund Körner (Architekt), Fritz Osswald (Maler) und Theodor Wende (Kunstschmied).[16]

Beteiligt waren außerdem noch Christian Heinrich Kleukens (Maler, Buchkünstler), Jakob Julius Scharvogel (Keramiker), Josef Emil Schneckendorf (Glaskünstler), Daniel Greiner (Bildhauer, Grafiker, Schriftsteller), Hans Pellar (Maler, Grafiker), Jakob Krug (Architekt) und der Möbelfabrikant Julius Glückert.[17]

Touristische Aspekte

Das Außengelände um die Hauptgebäude der Mathildenhöhe, bestehend aus Russischer Kapelle, Ernst-Ludwig-Haus, Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm, sowie der Platanenhain und die in eine Grünanlage eingebetteten Brunnen, Tempel und Skulpturen sind frei zugänglich und beliebter Naherholungsort der Darmstädter Bürger. Insbesondere im Platanenhain finden häufiger Veranstaltungen statt.

Die ehemaligen Künstlerhäuser und ihre Gärten stehen der Öffentlichkeit dagegen meist nicht offen und befinden sich teilweise in Privatbesitz. Hin und wieder werden aber Führungen angeboten.

Löwenvasen von Bernhard Hoetger im Platanenhain

Im Ernst-Ludwig-Haus befindet sich das Museum Künstlerkolonie, im Bildhaueratelier der zugehörige Museums-Shop. Hier werden mit der Dauerausstellung RAUMKUNST – Made in Darmstadt die Künstlerkolonie und Werke der 23 Künstler vorgestellt. Im nach langer Renovierung 2024 wiedereröffneten Ausstellungsgebäude mit seinen vier Hallen finden dagegen regelmäßig Wechselausstellungen statt, meist in Bezug zur Künstlerkolonie. Beide Gebäude mit ihren Ausstellungen sind gegen eine Eintrittsgebühr zu besichtigen.[18] Dasselbe gilt auch für den Hochzeitsturm, der bestiegen werden kann. Das dortige Hochzeitszimmer wird vom Darmstädter Standesamt für Trauungen genutzt.[19] Im Ausstellungsgebäude befindet sich außerdem ein Café.

Mosaik "Der Kuss" von Friedrich Wilhelm Kleukens im Hochzeitszimmer des Hochzeitsturms

Neben dem Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe stellt auch das Hessische Landesmuseum in der Darmstädter Innenstadt Werke der Künstlerkolonie in seiner Abteilung Jugendstil aus.

Im Februar 2026 wurde nach langen Debatten mit dem Bau eines Bildungs- und Informationszentrums auf dem Osthang der Mathildenhöhe begonnen.[20] Im Jahr 2025 wurden etwa 1.100 Führungen auf der Mathildenhöhe durchgeführt. 2024 wurden insgesamt 510.000 Besucher gezählt.[21]

Siehe auch

Filme

  • Weltwunder in Hessen: Mathildenhöhe – Wiege der Moderne, Dokumentation, 45 Min., aus der Reihe Weltwunder in Hessen, Autor: Uli Pförtner, ARD Mediathek, 1. April 2025
  • Mathildenhöhe Darmstadt (= Museums-Check. Folge 92). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 10. August 2025.[22]

Literatur

  • Günter Fries et al.: Stadt Darmstadt. (in der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen.) Verlag Vieweg, Braunschweig, 1994. ISBN 3-528-06249-5.
  • Christiane Geelhaar, Jochen Rahe: Mathildenhöhe Darmstadt: 100 Jahre planen und bauen für die Stadtkrone. Die Mathildenhöhe – ein Jahrhundertwerk, 1999, ISBN 978-3895520631
  • Stadt Darmstadt (Hrsg.), Doris Schröder, Bärbel Herbig: Die Darmstädter Mathildenhöhe – Architektur im Aufbruch zur Moderne. Zwei Spaziergänge zu den Bauten der Jahrhundertwende, Rother, 2012, ISBN 3-87390-307-5
  • Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.): Managementplan zur Nominierung für die Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste, 2019, abrufbar als pdf unter www.mathildenhoehe.de
  • Nikolaus Heiss: Darmstadt: Mathildenhöhe (Kleine Kunstführer / Kleine Kunstführer / Kirchen u. Klöster), Schnell & Steiner, 2025, ISBN 978-3795474089
Commons: Mathildenhöhe Darmstadt – Album mit Bildern

Einzelnachweise

  1. Deutsche UNESCO-Kommission: Beschreibung in der Tentativ-Liste
  2. Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt, Nomination for Inscription on the UNESCO World Heritage List, Darmstadt 2019.
  3. Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt - Managementplan, 2019.
  4. Räumliche Gliederung der Wissenschaftsstadt Darmstadt | Wissenschaftsstadt Darmstadt. Abgerufen am 15. Juli 2026.
  5. Mathildenhöhe. Abgerufen am 13. Juli 2026.
  6. Lagis. Abgerufen am 14. Juli 2026.
  7. Reinhard Dietrich und Ferdinand Werner: Karl Hofmann – nicht nur in Worms. In: Der Wormsgau 39 (2024), S. 97–126 (106).
  8. Der Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Managementplan zur Nominierung für die Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste, S. 11 f.
  9. Der Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Managementplan zur Nominierung für die Eintragung in die UNESCO-Welterbeliste, S. 11 f.
  10. Mathildenhöhe Darmstadt. Abgerufen am 13. Juli 2026.
  11. Mathildenhöhe Darmstadt. Abgerufen am 13. Juli 2026.
  12. Der Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt, Nomination for Inscription on the UNESCO World Heritage List, Darmstadt 2019, S. 23.
  13. Der Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Mathildenhöhe Darmstadt, Nomination for Inscription on the UNESCO World Heritage List, Darmstadt 2019, S. 25 ff.
  14. Personen. Abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  15. dito
  16. Personen. Abgerufen am 13. Juli 2026 (deutsch).
  17. Mathildenhöhe; Personen. Abgerufen am 13. Juli 2026 (deutsch).
  18. Besuch. 15. Juni 2026, abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  19. Trauort. Abgerufen am 15. Juli 2026.
  20. Wichtiger Schritt für das Weltkulturerbe. Abgerufen am 15. Juli 2026.
  21. Bildungs- und Informationszentrum. Abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  22. Mathildenhöhe Darmstadt (= Museums-Check. Folge 92). In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 31. August 2025.

Koordinaten: 49° 52′ 35,1″ N, 8° 39′ 59,4″ O

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