Mikroevolution

Mit Mikroevolution wird jene evolutionĂ€re Entwicklung von Lebewesen bezeichnet, welche innerhalb einer biologischen Art und damit innerhalb eines in evolutionïżœ…

Mit Mikroevolution wird jene evolutionĂ€re Entwicklung von Lebewesen bezeichnet, welche innerhalb einer biologischen Art und damit innerhalb eines in evolutionĂ€ren MaßstĂ€ben kurzen Zeitraumes stattfindet. Dabei handelt es sich um kleinere VerĂ€nderungen, die durch Mutationen, Rekombinationen und Selektions­prozesse zu einer verĂ€nderten Morphologie oder Physiologie der Organismen fĂŒhren. Diese VerĂ€nderungen haben ihre Ursache in der VerĂ€nderung der Allelfrequenzen der Population, „einen solchen Wandel der genetischen Struktur einer Population bezeichnet man als Mikroevolution.“[1]

Begriffsherkunft

Der Begriff Mikroevolution wurde zuerst durch den Botaniker Robert Greenleaf Leavitt in der Fachzeitschrift Botanical Gazette in 1909 veröffentlicht. Er beschrieb darin, wie sich beispielsweise Formlosigkeit in Form verwandelt, was er Mysterium nannte.[2]

... The production of form from formlessness in the egg-derived individual, the multiplication of parts and the orderly creation of diversity among them, in an actual evolution, of which anyone may ascertain the facts, but of which no one has dissipated the mystery in any significant measure. This microevolution forms an integral part of the grand evolution problem and lies at the base of it, so that we shall have to understand the minor process before we can thoroughly comprehend the more general one...

„... Die Erzeugung von Gestalt aus Gestaltlosigkeit im vom Ei bestimmten Individuum, die VervielfĂ€ltigung von Teilen und die geordnete VervielfĂ€ltigung von Teilen in einer Entwicklung von der jedermann die Fakten bestĂ€tigen kann, aber von der niemand das RĂ€tsel in bedeutender Weise aufgelöst hat. Diese Mikroevolution ist ein integraler Bestandteil des grossen Problems der Evolution und bildet dessen Grundlage. Wir mĂŒssen den kleineren Prozess zuerst verstehen, bevor wir den allgemeinen Prozess tiefer verstehen können...“

Leavitt benutzte den Begriff fĂŒr das, was man heute als Entwicklungsbiologie bezeichnet. Erst der russische Embryologe und Genetiker Yuri Filipchenko benutzte die Begriffe „Makroevolution“ und „Mikroevolution“ 1927 in seiner deutschsprachigen Arbeit, „VariabilitĂ€t und Variation“, durch die sie dann die moderne Bedeutung erlangten. Der Begriff wurde in der englischsprachigen Welt durch dessen SchĂŒler Theodosius Dobzhansky in seinem Buch Genetics and the Origin of Species (1937) eingefĂŒhrt.

Abgrenzungen

Die Verwendung der Begriffe „Mikroevolution“ und „Makroevolution“ ist umstritten. Etliche Evolutionsbiologen vermeiden heute beide Begriffe mit dem Argument, dass der gleiche Sachverhalt zugrunde liege: Bei „makroevolutionĂ€ren“ Prozessen handele es sich lediglich um eine zeitliche Summierung von „mikroevolutionĂ€ren“ Prozessen, die Unterteilung sei somit kĂŒnstlich und unscharf.

Andere verwenden die Begriffe, weil sie der Meinung sind, dass fĂŒr die Dynamik der Makroevolution, neben den gleichen Prozessen, die auch fĂŒr Mikroevolution verantwortlich seien, zusĂ€tzlich auch noch Selektionsprozesse auf Artniveau wesentlich seien. In Kreationismus und Intelligent Design wird Mikroevolution akzeptiert, wĂ€hrend Makroevolution der Schöpfungslehre widersprĂ€che.

Beispiele

Beispiele fĂŒr Mikroevolution sind

  • das seit dem 19. Jahrhundert stark vermehrte Auftreten einer dunklen Variante des Birkenspanners in englischen Industrierevieren, auch bekannt als Industriemelanismus;
  • Resistenzausbildung von Mikroorganismen gegen Antibiotika;
  • VerĂ€nderungen der SchnabelgrĂ¶ĂŸe bei Darwinfinken.

Siehe auch

Belege

  1. ↑ Joachim Jaenicke, Andreas Paul (Hrsg.): Biologie heute entdecken SII, Ausgabe 2004 fĂŒr die Sekundarstufe II, Schroedel Verlag 2005.
  2. ↑ Leavitt, Robert Botanical Gazette 1909 vol. 47 no.1 January A Vegetative Mutant, and the Principle of Homoeosis in Plants http://www.jstor.org/pss/2466778

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