Normalhöhennull
Normalhöhennull (NHN) ist die Bezeichnung der Bezugsfläche für die Angabe von Höhen über dem Meeresspiegel in Deutschland. Es ist seit 1993 der Nachfolger …
Normalhöhennull (NHN) ist die Bezeichnung der Bezugsfläche für die Angabe von Höhen über dem Meeresspiegel in Deutschland. Es ist seit 1993 der Nachfolger des 1879 eingeführten Normalnull (NN).
Definition
Zur Messung bzw. Angabe der geodätischen Höhe eines bestimmten Punktes ist eine Referenz- oder Bezugsebene erforderlich, von der aus die lotrechte Strecke bis zu dem fraglichen Punkt in Metern angegeben werden kann. Diese Referenzebene bildet üblicherweise der Meeresspiegel oder präziser: in Europa der Nullpunkt des Amsterdamer Pegels. Von diesem ausgehend wird eine Nullebene berechnet, die als Bezugsebene dient und in Deutschland seit 1993 als Normalhöhennull, abgekürzt NHN, bezeichnet wird. Geodätische Höhen, die über NHN gemessen werden, nennt man Normalhöhen. Sie werden meist bezeichnet mit "Höhe über NHN" oder "Höhe NHN".
Hintergrund
Vor 1993 wurde in Deutschland das Normalnull (NN) verwendet, das bereits 1879 eingeführt wurde. Auch dieses bezog sich auf den Amsterdamer Pegel. In der DDR wurden dagegen Normalhöhen unter der Bezeichnung Höhen über Höhennull (HN) verwendet, die sich wie in den übrigen osteuropäischen Staaten auf den Kronstädter Pegel, einen Ostseepegel bei Sankt. Petersburg, bezogen.
Das neue NHN-System wurde nach der deutschen Wiedervereinigung nicht nur zur gesamtdeutschen Vereinheitlichung eingeführt, sondern auch, um ein physikalisch genaueres System zu erhalten. Denn während frühere Systeme die Höhen nur rein geometrisch abbildeten (siehe auch weiter unten), berechnet das NHN-System das Schwerefeld der Erde mit ein. Das ist für exakte Berechnungen etwa von Fließgewässern wichtig, da das Schwerefeld der Erde nicht überall gleich ist, sondern Anomalien enthält, und die Fließrichtung von Wasser sich nicht an der Höhe (nach "unten"), sondern an der Stärke des Schwerfeldes orientiert.
Auf diese Weise wurde ausgehend von landesweiten Referenzpunkten, dem so genannten Deutschen Haupthöhennetz (DHHN) – (aktuelle Version: DHHN2016) eine mathematisch-physikalische Bezugsebene, ein so genannter Quasigeoid, berechnet, der das Normalhöhennull landesweit abbildet.
Als NHN-Höhen werden ausschließlich Höhen in Deutschland bezeichnet. Unterschiede zu Höhen anderer Länder sind im Artikel Höhe über dem Meeresspiegel beschrieben.
Historische Entwicklung
NN-Höhen

Die Bezeichnung Normalnull (NN) wurde 1879 eingeführt, als bis dahin nebeneinander verwendete Höhenbezugspegel wie „Hamburger Null“, „Höhe über Swinemünde“ oder „Pegel zu Neufahrwasser“ durch einen einheitlichen Höhenbezug zuerst für Preußen und bald darauf für ganz Deutschland ersetzt wurden. Die NN-Höhen waren vom Niveau des Amsterdamer Pegels abgeleitet. Die Berechnung der ersten NN-Höhen (Höhen im „alten System“) erfolgte ohne jegliche Schwerekorrektur. Etwa ab 1912 wurden Höhen im sogenannten „neuen System“ (System 1912) berechnet, wobei für die Korrektur wegen des Erdschwerefeldes die tatsächliche Schwere durch ein Modell, die so genannte Normalschwere, angenähert wurde. Solche Höhen werden als normal-orthometrische Höhen bezeichnet.
Auch die Höhen im Deutschen Haupthöhennetz 1985 (DHHN85), das aus der Neuvermessung der Höhen in der Bundesrepublik in den 1980er Jahren berechnet wurde, wurden als "Höhen über NN" bezeichnet. Die Bezeichnung "NN-Höhe" kann sich somit mitunter auf verschiedene Höhenbezugsrahmen beziehen, bei denen Differenzen von mehreren Zentimetern möglich sind.
HN-Höhen
Die Höhen in der DDR waren Normalhöhen, bezogen auf den Kronstädter Pegel. Die Höhen des Staatlichen Nivellementsnetzes 1956 (SNN56) wurden als Höhen über HN56, die Höhen des SNN76 als Höhen über HN76 bezeichnet. Mitunter wurde aber auch nur die Bezeichnung HN (Höhennull) ohne Spezifizierung der Messepoche verwendet.[1]
NHN-Höhen im DHHN92
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kam es auch relativ schnell zu einer Wiedervereinigung seiner Nivellementsnetze. Dazu wurden 16 Verbindungslinien zwischen den beiden Netzteilen gemessen und im Anschluss alle Messungen gemeinsam ausgewertet. Als Ergebnis entstand das Deutsche Haupthöhennetz 1992 (DHHN92). Für die Korrektur der Messwerte wurden gemessene Schwerewerte verwendet. Die Vermessungsverwaltungen der deutschen Bundesländer beschlossen, dass sich die neu berechneten Höhen wie die alten NN-Höhen auf den Pegel Amsterdam beziehen sollten. Damit haben die deutschen Höhen den gleichen Bezugspegel wie die Höhen im United European Levelling Network. Für die Höhendefinition wurden statt normal-orthometrischer Höhen die exakteren Normalhöhen ausgewählt.[2] Um die Änderungen für die Nutzer (beispielsweise Ingenieure und Geowissenschaftler) sichtbar zu machen und Verwechslungen zu vermeiden, wurde die Bezeichnung "NHN" anstatt "NN" eingeführt.[3]
Differenzen neue und alte Bundesländer
Durch die Umstellung änderten sich sowohl die westdeutschen wie auch die ostdeutschen Höhen; erstere aufgrund der Umstellung auf Normalhöhen, letztere durch den Wechsel vom Kronstädter Pegel zum Amsterdamer Pegel. Die Abweichung der NHN-Höhen von den HN-Höhen in den neuen Bundesländern beträgt zwischen +12 cm und +15 cm (die NHN-Höhen sind größer) und ist damit wesentlich größer als die Abweichung von NHN-Höhen zu NN-Höhen in den alten Bundesländern, die im Flachland meist nur wenige Millimeter beträgt. An den Grenzen zu den neuen Bundesländern treten größere Differenzen von −5 cm bis + 4 cm auf, die durch den Einfluss der neu hinzugekommenen Messungen verursacht wurden.[4] Eine Ausnahme bilden Punkte im Hochgebirge. Hier können sich allein aus der unterschiedlichen Berechnung der Schwerekorrektion (normal-orthometrische Höhen bzw. Normalhöhen) Differenzen im Dezimeterbereich ergeben, beispielsweise für die Zugspitze ist die NHN-Höhe 0,59 m höher als die NN-Höhe.[5]
In Deutschland sind für das amtliche Vermessungswesen die Bundesländer zuständig. Dadurch erfolgt die Erfassung und Veröffentlichung der neuen Höhenangaben uneinheitlich. Bei digitalen topografischen Karten mit dem Maßstab 1:25.000 (DTK25) wird als Höhenbezug Normalhöhennull (NHN, DHHN92) angegeben,[6] bei digitalen topografischen Karten mit dem Kürzel DTK25-V, also den eingescannten topographischen Karten, wird dagegen noch Höhennull (HN) bzw. Normalnull (NN) verwendet.[7]
NHN-Höhen im DHHN2016
Das aktuelle Deutsche Haupthöhennetz 2016 (DHHN2016) wurde am 21. September 2016 von der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder (AdV) beschlossen und bis zum 30. Juni 2017 in allen Bundesländern eingeführt. Es ist Teil des so geannten Integrierten Raumbezugs 2016, das alle in der deutschen Landesvermessung verwendeten Koordinatenreferenzsysteme umfasst. Die zugrundeliegende, in den Jahren 2006 bis 2012 durchgeführte Neuvermessung des Nivellementnetzes 1. Ordnung – auch Haupthöhennetz genannt, welches die oberste und präziseste Stufe der amtlichen Höhenmessung in Deutschland bildet und aus dem weitmaschigen, unumstößlichen Grundgerüst besteht, in das alle weiteren, regionalen Vermessungsnetze (2., 3. und 4. Ordnung) eingehängt werden – hat zu Abweichungen gegenüber dem DHHN92 im Bereich von wenigen Zentimetern geführt. Größere Unterschiede im Dezimeterbereich können in Bergbaugebieten auftreten. Um Missverständnisse hinsichtlich der verwendeten DHHN-Version auszuschließen, wird diese meist mit angegeben. So bezeichnet man Höhen bei Verwendung der aktuellen Version DHHN2016 meist mit "Höhen über Normalhöhennull (NHN) im DHHN2016".
Siehe auch
- Repère Pierre du Niton (Schweiz)
- Meter über Adria
- Höhe über dem Meeresspiegel (Ungarn)
- Kronstädter Pegel
Weblinks
- Manfred Spata: Historische Pegel und Bezugshöhen in Europa. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Band 21, 1998, S. 379–392 (dsm.museum [PDF]).
- Normalhöhen und Höhenbezugsflächen in Nordrhein-Westfalen. Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW, 2018 (PDF; 303 kB)
Einzelnachweise
- ↑ H. Lang, J. Steinberg: Zur Entwicklung der Höhennetze auf dem Territorium der neuen Bundesländer. In: Allgemeine Vermessungsnachrichten (AVN). Band 8-9, Nr. 100, S. 295–309.
- ↑ Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN92). Abgerufen am 22. April 2021.
- ↑ D. Weber: Das Deutsche Haupthöhennetz 1992. In: AdV (Hrsg.): Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN92). Bayerisches Landesvermessungsamt München, S. 7–16.
- ↑ Deutsches Höhenreferenzsystem. In: bkg.bund.de. Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG), Frankfurt am Main, 2024, abgerufen am 30. September 2024.
- ↑ Kundeninformation 3/2009. (PDF; 1,1 MB) Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, September 2009, S. 2, abgerufen am 25. April 2013.
- ↑ Dokumentation Digitale Topografische Karte DTK25 (Stand 20. Oktober 2021). Webseite Bundesamt für Kartographie und Geodäsie.
- ↑ Produktblatt DTK25 (Stand 31. Dezember 2018). Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland.
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