OTdigital
Der Internationale Kongress OTdigital (O steht für Orthopädie und T für Traumatologie) ist eine jährlich unter dem Titel Congress for Digitalization in Orth…
Der Internationale Kongress OTdigital (O steht für Orthopädie und T für Traumatologie) ist eine jährlich unter dem Titel Congress for Digitalization in Orthopaedics and Traumatology (OTdigital) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin – stattfindende internationale Veranstaltung. Dort wird der Stand der digitalen Transformation in der Orthopädie und Traumatologie diskutiert und es werden neue Forschungsergebnisse vorgestellt. Ziel ist die bessere medizinische Versorgung von Patienten, angefangen bei der Prävention über die Diagnostik, Therapie und operative Versorgung bis hin zur Rehabilitation beziehungsweise Nachsorge.
Hintergrund ist, dass sich die Digitalisierung als Schlüsseltechnologie für die „Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung“ in Deutschland wie auch in den meisten Ländern international entwickelt hat und in den vergangenen Jahren auch zu einem zentralen Innovationstreiber von Orthopädie und Traumatologie geworden ist.[1]
Ziele und Inhalte
Das Anliegen spiegelt sich im wissenschaftlichen Programm der Tagungsreihe wider. Schwerpunkte waren und sind der Einsatz von künstlicher Intelligenz, Robotik, Smart Implants oder auch von digitalen Zwillingen. Ein Fokus von OTdigital ist die Einbeziehung digitaler Technik in die medizinische Versorgung von Patienten, zum Beispiel mittels sogenannter Wearables mit tragbaren Sensoren, künstlichen Intelligenz-Algorithmen oder Operations-Roboter. Wearables erlangen u. a. als Sensoren in Orthesen (z. B. nach Kreuzbandriss während der Rehabilitation), oder als Armbänder mit Sensoren von Bedeutung. 2026 wurden auf dem Hauptkongress in mehreren wissenschaftlichen Sitzungen aktuelle Studien und Projekte vorgestellt, die den steigenden Einfluss datenbasierter und digital unterstützter Verfahren auf klinische Entscheidungsprozesse, Behandlungsabläufe und die interdisziplinäre Zusammenarbeit verdeutlichten. Vor allem KI-Anwendungen und sensorbasierte Monitoring-Systeme wurden als wichtige Bausteine zukünftiger Versorgungskonzepte diskutiert.
Neben den mehrtägigen OTdigital-Kongressen finden vertiefende Spezialworkshops (OTdigitalDeepDive) statt, die sich spezifisch einzelnen Themenbereichen der Digitalisierung widmen.
So wird z. B. die Bedeutung autonomer digitaler Systeme, die den Arzt im Operationssaal unterstützen („Mit KI ist der Arzt im OP nicht allein“), im Alltag der medizinischen Versorgung steigen. OP-Roboter entlasten Chirurgen, so erlauben z. B. MAKO von Stryker oder Robin von Orthokey[2] präzise, reproduzierbare Knochenschnitte, die individuell für jeden Patienten geplant werden, um einen möglichst perfekten Sitz von Prothesen (z. B. am Kniegelenk) zum Nutzen für die Patienten zu erreichen.[3]
Ziel der OT-digital-Gemeinschaft ist die Verbesserung der Patientenversorgung entlang der gesamten Behandlungskette sowie die Entlastung von Gesundheitspersonal durch die Förderung innovativer digitaler Technologien. Bei den Veranstaltungen werden Akteure aus Klinik, Wissenschaft, Medizintechnik und der Start-Up-Szene miteinander vernetzt. Damit soll der Transfer in die medizinische Praxis ermöglicht und beschleunigt werden. Auch soll das medizinisches Personal entlastet werden. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung zukünftiger Versorgungsstandards, welche die Behandlungen effizienter, sicherer und stärker individuell personalisiert gestalten sollen. Dies ist auch vor dem Hintergrund zunehmenden Personalmangels und steigender Kosten im Gesundheitswesen von Bedeutung.
Beteiligte
Der Veranstalter bringt Gesundheitsdienstleister im weitesten Sinne zusammen und vernetzt sie, u. a. Ärzte, Schwestern und Pfleger und andere im Gesundheitssystem arbeitende Personen[4] sowie Industrievertreter (u. a. der Firmen Orthokey[5], DePuy Synthes) und Innovatoren auf dem Gebiet der Biomechanik und Robotertechnik. Präsident der Kongressreihe OTdigital ist David Alexander Back, Oberarzt und Co-Sektionsleiter Schulter- und Ellenbogenchirurgie am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie Mitglied der Forschungskommission der Charité.[6] Seit 2018 ist er zudem Gründungsleiter der Arbeitsgemeinschaft Digitalisierung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und seit 2025 auch stellvertretender Gründungsleiter der Kommission „Neue Technologien“ der Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) im deutschsprachigen Raum. Seit langem leitet er verschiedene Projekte im Bereich der Digitalisierung des Gesundheitswesens, u. a. im Bereich e-Learning im Medizinstudium, und hat überregionale klinische Netzwerke zur Nutzung der Online-Videosprechstunde aufgebaut. Er ist auch Initiator und wissenschaftlicher Leiter des Charité-Konsortialprojekts REPAIR (=Recommendation for Evidence-based Preoperative AI-controlled virtual Reduction and osteosynthesis of complex fractures).[7]
Organisiert werden die Kongresse seit 2025 zusammen mit einem internationalen Beratergremium, dem renommierte Experten aus vielen europäischen Ländern angehören, u. a. vom schwedischen Karolinska Institutet. Mitglieder sind Arnaud Clavé (Frankreich, Nizza, Brest),[8] Li Felländer-Tsai (Schweden, Stockholm),[9] Wojciech Glinkowski (Warschau, Polen),[10] Bernd Grimm (Luxemburg),[11] Inger Mechlenburg (Aarhus, Dänemark),[12] Georg Osterhoff (Berlin, Deutschland)[13] und Cristiano Paggetti (Ulster, GB),[14] sowie Paolo Parchi (Pisa, Italien). Außerdem gehören zum Beratergremium Benedict Braun (Tübingen, Deutschland),[15] Philipp Fürnstahl, (Zürich/Balgrist, Schweiz),[16] Koroush Kabir (Wupperthal, Witten-Herdecke, Deutschland)[17] und Walter Van der Weegen (Deutschland, Geldrop).[18]
Die Organisation der Kongresse findet seit 2026 mit der Agentur AIC-Asti Incentives & Congressi (Pisa, Italien) statt. Der internationale und interdisziplinäre Austausch zwischen den Kongressteilnehmern wurde 2026 in Präsenz und online veranstaltet, beteiligt waren 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 25 Ländern, darunter aus Großbritannien, Australien und anderen Staaten aus Übersee. Die Mehrzahl der Fachleute kam aus der Europäischen Union.
Veranstaltungsort und Themen
Die Präsentationen werden in Form von Vorträgen und Panel-Diskussionen dargeboten. Bisher fanden vier Kongressveranstaltungen von OTdigital in Berlin statt, in den Jahren 2022,[19] 2023,[20] 2025[21] und 2026. Die zweitägigen Kongresse wurden bisher durch zwei eintägige OTdigitalDeepDive-Veranstaltungen in Pisa (2024 und 2025) ergänzt,[22][23] eine weitere wird im Oktober 2026 in Bologna stattfinden.
Der Austausch im Rahmen von OTdigitalDeepDive im Jahre 2024 war digitalen Neuerungen im Operationssaal gewidmet (hier wurde der Begriff vom „integrativen digitalen Ökosystem im OP“[24] geprägt), während 2025 neue Technologien in der Knie-Endoprothetik im Mittelpunkt standen.[25][26]
Koroush Kabir,[27] Chefarzt des Helios-Klinikums Wupperthal, war in Zusammenarbeit mit David A. Back 2022, 2023 und 2025 Co-Präsident der Veranstaltung. Bei den OTdigitalDeepDive-Formaten in Pisa (2024 und 2025) wirkten federführend Paolo Parchi[28] von der Universität Pisa sowie Cristiano Paggetti, Professor an der School of Computing and Information Engineering of Ulster (Coleraine, GB), mit.[29]
Der 2026 stattgefundene vierte OTdigital-Kongress unterstrich die Bedeutung der Digitalisierung für Orthopädie und Unfallchirurgie als essentiell für die klinische Versorgung und wissenschaftliche Entwicklung. Er war eine Plattform für den Austausch zwischen Forschung, klinischer Anwendung und wirtschaftlicher Entwicklung. Dort wurde besonders die Notwendigkeit hervorgehoben, digitale Innovationen kritisch zu evaluieren und nach erfolgreicher Erprobung in die klinische Praxis zu integrieren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Digitalisierung nicht allein eine technologische Herausforderung darstellt, sondern auch organisatorische, rechtliche und ethische Fragen mit großer Bedeutung für die Zukunft aufwirft.[30]
Publikationen
- David Alexander Back: Digitale Transformation bis in die Patientenversorgung. 4. Congress for Digitalisation in Orthopaedics and Traumatology. In: Orthopädie und Unfallchirurgie 3/2026, Springer Medizin, Berlin 2026.[31]
Weblinks
- Offizielle Website von OTdigital
Einzelnachweise
- ↑ Digitalisierung im Gesundheitswesen. Bundesministerium für Gesundheitswesen, 1. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Orthokey | Innovation in surgery. Abgerufen am 28. Mai 2026.
- ↑ Solutions Médicales internationales. In: United Orthopedic. Abgerufen am 28. Mai 2026 (französisch).
- ↑ Glossar Gesundheitsdienstleiter. In: EU-Patienten.de. Abgerufen am 1. April 2026.
- ↑ Orthokey | Innovation in surgery. Abgerufen am 4. Juni 2026.
- ↑ Prof. Dr. med. David Alexander Back, MBA. In: Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie. Charité – Universitätsmedizin Berlin, abgerufen am 1. April 2026.
- ↑ Prof. Dr. med. David Alexander Back. In: repair.charite.de. Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) der Charité – Universitätsmedizin Berlin, abgerufen am 6. Mai 2026.
- ↑ Chirurgie Orthopédique Nice et Traumatologie du sport - Dr Arnaud Clavé. Abgerufen am 3. Juni 2026 (französisch).
- ↑ World-class simulator training gives CAMST another five years as an accredited training center. Karolinska university hospital, 8. Februar 2023, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Medipark: Centrum Medyczne MediPark - Prywatna Przychodnia Warszawa. Abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
- ↑ Luxembourg Institute of Health - Top Departments & Papers. Abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Inger MECHLENBURG | Professor | Physiotherapist MSc, PhD, DMSc | Aarhus University, Århus | AU | Department of Clinical Medicine | Research profile. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 7. Juni 2026; abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Zweite gemeinsame Berufung der Kooperationspartner. Charité Berlin, 1. Juli 2025, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Cristiano Paggetti - Founder & CEO @ Medea - Crunchbase Person Profile. Abgerufen am 3. Juni 2026 (englisch).
- ↑ BG Kliniken: Akutmedizin und Rehabilitation aus einer Hand | BG Kliniken. Abgerufen am 4. Juni 2026.
- ↑ Prof. Dr. Philipp Fürnstahl Leiter ROCS. Universitätsklinik Zürich, abgerufen am 17. Juni 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Helios Gesundheit: Unser Ziel ist Ihre Gesundheit. Abgerufen am 4. Juni 2026.
- ↑ ResearchGate | Find and share research. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juni 2026; abgerufen am 4. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Programm 2022. (PDF) digitalOT, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Programm 2024. (PDF) OTdigital, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Programm 2025. (PDF) digitalOT, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Digital innovations around the operating room. In: DeepDive Pisa 2024. OTdigital, abgerufen am 18. Juni 2026 (englisch).
- ↑ DeepDive Pisa 2025. (PDF) In: DeepDive Pisa 2025. OTdigital, abgerufen am 18. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Klinische Gesundheitstechnologien - Fraunhofer. Abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ DeepDive Pisa 2024 -. Abgerufen am 28. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ DeepDive Pisa 2025 -. Abgerufen am 28. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Prof. Dr. med. Koroush Kabir. In: helios-gesundheit.de. Abgerufen am 6. Mai 2026.
- ↑ Piero Parchi. Università di Bologna, abgerufen am 6. Mai 2026.
- ↑ https://www.researchgate.net>profile>cristiano/ Paggetti
- ↑ OTdigital congress 2026 - Thanks for Joining -. Abgerufen am 8. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Orthopädie und Unfallchirurgie 3/2026 | springermedizin.de. Abgerufen am 18. Juni 2026.
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