Pain-Format
Das Pain-Format (von englisch payment initiation) ist eine Gruppe von XML-basierten Nachrichtentypen des internationalen Standards ISO 20022 für die elektronis…
Das Pain-Format (von englisch payment initiation) ist eine Gruppe von XML-basierten Nachrichtentypen des internationalen Standards ISO 20022 für die elektronische Übermittlung von Zahlungsaufträgen zwischen Kunden und ihren Kreditinstituten. Die pain-Nachrichten umfassen insbesondere Überweisungsaufträge, Lastschriftaufträge und zugehörige Statusberichte. Im SEPA-Raum sind die pain-Formate für den elektronischen Zahlungsverkehr zwischen Kunde und Bank verbindlich vorgeschrieben.[1][2]
Hintergrund
ISO 20022
ISO 20022 (auch UNIFI genannt) ist ein internationaler Standard der ISO für den elektronischen Datenaustausch in der Finanzbranche. Der Standard unterteilt Finanznachrichten in Geschäftsbereiche (Business Domains). Die Nachrichtengruppe pain deckt den Bereich Payment Initiation ab – also die Kommunikation zwischen Kunde und Bank zur Beauftragung und Statusmeldung von Zahlungen. Zusammen mit den Nachrichtengruppen camt (Cash Management, Kontoinformationen) und pacs (Payments Clearing and Settlement, Interbanken-Zahlungen) bildet pain den Kern der ISO-20022-Zahlungsverkehrsnachrichten.[3]
Einordnung im Zahlungsverkehr
Die pain-Nachrichten decken die Strecke vom Kunden zur Bank ab (Customer-to-PSP, C2PSP). Im typischen Ablauf einer SEPA-Überweisung reicht der Auftraggeber eine pain.001-Nachricht bei seiner Bank ein. Die Bank bestätigt oder lehnt den Auftrag über eine pain.002-Nachricht ab. Für die Weiterleitung zwischen den Banken werden anschließend pacs-Nachrichten verwendet, und die Kontoinformationen über die Buchung werden dem Kunden in camt-Nachrichten bereitgestellt.[4]
Nachrichtenarten
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten pain-Nachrichtentypen:
| Nachricht | Bezeichnung | Beschreibung | Richtung |
|---|---|---|---|
| pain.001 | Customer Credit Transfer Initiation | Überweisungsauftrag des Kunden an die Bank; kann mehrere Einzelzahlungen an verschiedene Empfänger enthalten | Kunde → Bank |
| pain.002 | Customer Payment Status Report | Statusbericht der Bank über die Verarbeitung eines eingereichten Zahlungsauftrags (Annahme, teilweise Annahme oder Ablehnung) | Bank → Kunde |
| pain.007 | Customer Payment Reversal | Stornierung oder Rückgabe einer bereits eingereichten Lastschrift durch den Zahlungspflichtigen | Kunde → Bank |
| pain.008 | Customer Direct Debit Initiation | Lastschriftauftrag des Gläubigers an seine Bank zum Einzug von Forderungen | Kunde → Bank |
| pain.009 | Mandate Initiation Request | Anfrage zur Einrichtung eines Lastschriftmandats | Kunde → Bank |
| pain.010 | Mandate Amendment Request | Anfrage zur Änderung eines bestehenden Lastschriftmandats | Kunde → Bank |
| pain.012 | Mandate Acceptance Report | Statusbericht über die Annahme oder Ablehnung eines Mandatsantrags | Bank → Kunde |
Die Nachrichten pain.001 und pain.008 bilden den Kern des Formats: pain.001 wird für die Beauftragung von Überweisungen verwendet, pain.008 für die Beauftragung von Lastschrifteinzügen. Die pain.002-Nachricht dient in beiden Fällen als Rückmeldung der Bank über den Verarbeitungsstatus.[3][5]
Nachrichtenstruktur
Eine pain.001-Nachricht besteht aus zwei Hauptteilen:
- Group Header (GrpHdr): Enthält allgemeine Informationen zur gesamten Nachricht, darunter die Nachrichten-Identifikation, das Erstellungsdatum und Angaben zum Auftraggeber.
- Payment Information (PmtInf): Enthält die eigentlichen Transaktionsdaten. Jeder PmtInf-Block umfasst allgemeine Zahlungsinformationen wie Zahlungsart, Ausführungsdatum und Kontodaten des Auftraggebers sowie eine oder mehrere Einzeltransaktionen mit Empfängerdaten, Betrag und Verwendungszweck.
Eine einzelne pain.001-Nachricht kann mehrere PmtInf-Blöcke und damit Zahlungen an verschiedene Empfänger enthalten. Gegenüber älteren Formaten wie DTAZV bieten pain-Nachrichten strukturierte Felder für IBAN, BIC, Structured Remittance Information und die EndToEndId zur durchgängigen Transaktionsidentifikation.[5][6]
Verwendung im SEPA-Raum
Im SEPA-Raum sind die pain-Formate das verbindliche Datenformat für die elektronische Einreichung von Zahlungsaufträgen bei Kreditinstituten. Das European Payments Council (EPC) veröffentlicht Implementation Guidelines (Implementierungsrichtlinien) für die Verwendung der pain-Nachrichten in den SEPA-Zahlverfahren:
- SEPA-Überweisung (SCT): Verwendet pain.001 als Überweisungsauftrag
- SEPA-Instant-Überweisung (SCT Inst): Verwendet ebenfalls pain.001 für Echtzeit-Überweisungen
- SEPA-Lastschrift (SDD Core und SDD B2B): Verwendet pain.008 als Lastschriftauftrag
In Deutschland ist die Spezifikation der pain-Formate in Anlage 3 des DFÜ-Abkommens der Deutschen Kreditwirtschaft festgelegt. Die Übertragung erfolgt über das EBICS-Protokoll.[2][7]
Seit Oktober 2025 werden pain.001-Nachrichten im SEPA-Raum zudem für die Verification of Payee (VoP) verwendet: Die in der Nachricht enthaltenen Empfängerdaten werden vor Ausführung der Zahlung automatisch gegen die Kontodaten des Empfängers abgeglichen, um Fehlüberweisungen und Betrug zu reduzieren.[5]
Versionierung
Die pain-Nachrichtentypen werden in Versionen gepflegt, die als dreiteiliger Code angegeben werden. So bezeichnet pain.001.001.09 die neunte Version der Nachricht Customer Credit Transfer Initiation. Im SEPA-Raum waren seit 2009 zunächst die Versionen auf Basis des ISO-2009-Schemas gebräuchlich (z. B. pain.001.001.03). Die aktuelle SEPA-Migration sieht den Übergang auf die Version pain.001.001.09 vor; ab November 2026 werden in Deutschland nur noch die aktuellen Formatversionen gemäß Anlage 3 des DFÜ-Abkommens (Version 26.11) akzeptiert.[7][8]
Für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr über das SWIFT-Netzwerk steht seit 2025 der Dienst FINplus zur Verfügung, über den Firmenkunden pain.001-Nachrichten direkt über das SWIFT-Netz an ihre Banken senden können (im Rahmen des SCORE+-Programms).[4]
Siehe auch
Weblinks
- ISO 20022 Message Definitions – pain – Offizielle Nachrichtendefinitionen
- Spezifikation für Datenformate – Anlage 3 des DFÜ-Abkommens
- EPC Implementation Guidelines SCT – Implementierungsrichtlinien des European Payments Council
Einzelnachweise
- ↑ SEPA Credit Transfer Scheme Customer-to-PSP Implementation Guidelines. European Payments Council, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b DFÜ-Verfahren EBICS. Deutsche Kreditwirtschaft, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b ISO 20022 Message Definitions. ISO 20022 Registration Authority, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b ISO 20022: Corporates. SWIFT, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b c pain.001 ISO 20022 message: Payment Initiation. CPG Finance Systems, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Understanding ISO 20022 and PAIN Messages: A Complete Guide. Cashbook, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ a b Spezifikation für Datenformate (Anlage 3 des DFÜ-Abkommens). EBICS SCRL, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Understanding SEPA's Transition to 2019 ISO 20022 messages: focus on pain.001.001.09. Paiementor, abgerufen am 29. Juni 2026.
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