Proxima Fusion

Proxima Fusion

Proxima Fusion
Proxima Fusion

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 2023
Sitz München, Deutschland
Leitung Francesco Sciortino
Mitarbeiterzahl 100+[1]
Branche Fusionsenergie
Website www.proximafusion.com
Stand: 31. Dezember 2023

Proxima Fusion wurde 2023 als Privatunternehmen aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ausgegliedert. Seitdem arbeitet es in öffentlich-privater Partnerschaft an den physikalischen und technischen Grundlagen von kommerziell einsetzbaren Kernfusionsreaktoren mit quasi-isodynamischen Stellaratoren.[2] Proxima Fusion baut dabei auf den Ergebnissen des Experiments Wendelstein 7-X auf und nutzt darüber hinaus verstärkt Simulationsmodelle und Hochtemperatursupraleiter.

Hintergrund

Proxima Fusion setzt statt auf das Tokamak- auf das Stellarator-Konzept. In einem Stellarator wird die Fusion mittels magnetischem Einschlusses in einer torusförmigen Reaktorkammer gehalten und in 100 Mio. °C heißem Plasma erreicht. Nur unter diesen Bedingungen wird die Abstoßung zweier positiv geladener Wasserstoff-Atomkerne überwunden und eine Verschmelzung zu einem Helium-Kern kann stattfinden. Das deutsche Experiment Wendelstein 7-X war Stand 2026 der weltweit führende Stellarator und konnte einen dauerhaften Plasmabetrieb demonstrieren.

Unternehmen

Anfang 2024 sammelte Proxima Fusion in einer Finanzierungsrunde 20 Mio. Euro, unter anderem von der Schweizer Venture-Kapital-Firma Redalpine, ein.[3]

Im Dezember 2024 erhielt Proxima Fusion 6,5 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Zusammenarbeit mit der Universität Bonn, dem Forschungszentrum Jülich und der Technischen Universität München im Bereich KI für die Fusionsforschung.[4]

Mitbegründer und Chief Operating Officer Lucio Milanese trat im Januar 2025 den Vorstand der Fusion Industry Association an. Die Fusion Industry Association ist eine gemeinnützige Organisation, die sich aus privaten Unternehmen zusammensetzt, die daran arbeiten, die kommerzielle Fusionsenergie durch Interessenvertretung und Aufklärung zu entwickeln. Außerdem ist Proxima Fusion Gründungsmitglied des deutschen Interessenverbands ProFusion und beteiligt sich als assoziierter Partner am Projekt ReFus zur Entwicklung eines deutschen Rechtsrahmens für die Fusion. Bei einer Finanzierungsrunde Mitte 2026 sammelte das Unternehmen 411 Mio. € ein, erreichte eine Bewertung von mehr als 2,4 Milliarden Euro und übersprang damit die Hürde für Einhörner.

Beitrag zur Fusionsforschung

Mit dem VMEC++ veröffentlichte Proxima Fusion eine moderne Version des Variational Moments Equilibrium Code (VMEC) unter der Open-Source-Lizenz. VMEC++ ist ein neues Werkzeug für die nächste Generation von Stellaratoren.

Unter dem Namen Stellaris veröffentlichte Proxima Fusion ein Konzept eines Stellerators. Es basiert auf dem Wendelstein 7-X und nutzt unter anderem Fortschritte bei Feldspulen aus Hochtemperatur-Supraleitern. Diese Magnete erzeugen ein stärkeres Feld, sodass sie kleiner ausfallen können. So soll eine erhebliche Verkleinerung gegenüber früheren Stellarator-Konzepten ermöglicht werden.[5]

Geplante Kraftwerke

Auf dem Weg zum kommerziellen Kraftwerk plant Proxima Fusion zunächst in einer Demonstrationsanlage die Erzeugung von Nettoenergie zu zeigen. Der konzipierte Reaktor soll 23 Meter Durchmesser haben und ein Gigawatt elektrische Leistung erzeugen. Als Standort ist Garching vorgesehen und die Kosten wurden auf 2 Mrd. € geschätzt. Dieser Demonstrator soll bis zum Jahr 2031 fertig werden. Das wäre vergleichbar mit der Leistung des stillgelegten Kernkraftwerks Isar-2 oder der von knapp 70 Offshore-Windkraftanlagen.[6]

Im Januar 2026 wurden Pläne der bayrischen Landesregierung bekannt, dass Proxima Fusion danach einen zweiten Fusionsreaktor gemeinsam mit RWE am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen bauen will.[7] Bis zum Ende der 2030er-Jahre soll der Stellarator in Gundremmingen fertiggestellt und ans Stromnetz angebunden sein.[8]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Angabe laut www.proximafusion.com, Stand 2026
  2. Werner Pluta: Stellarator: Proxima Fusion will bis 2031 einen Kernfusions-Demonstrator bauen. In: Heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 26. Februar 2025, abgerufen am 21. März 2025.
  3. Kathrin Witsch: Proxima Fusion setzt beim Durchbruch der Kernfusion auf KI. In: handelsblatt.com. Handelsblatt GmbH, 10. April 2024, abgerufen am 21. März 2025.
  4. Proxima Fusion startet Projekt zur Fusionsforschung in Kooperation mit Lamarr-Professorin Zorah Lähner. In: Lamarr-Institut. Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS, 16. Dezember 2024, abgerufen am 22. März 2025.
  5. J. Lion, J.-C. Anglès et al.: Stellaris: A high-field quasi-isodynamic stellarator for a prototypical fusion power plant. Fusion Engineering and Design, 26. Februar 2025, abgerufen am 21. März 2025 (englisch).
  6. Theresa Palm: Münchner Firma will bis 2031 mit Kernfusion Energie gewinnen. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung GmbH, 4. März 2025, abgerufen am 22. März 2025.
  7. Tim Gabel: Kernfusion: Für Söder ist der Standort eines künftigen Kraftwerks bereits klar. In: Table.Briefings. 14. Januar 2026, abgerufen am 18. Januar 2026.
  8. https://www.br.de/nachrichten/bayern/muenchner-start-up-sammelt-411-millionen-fuer-fusionsreaktor,VOfvobF

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