Quentchen

Ein Quentchen (weitere Formen: Quentgen, Quentlein, Quentin, Quent, Quint, Quinte, Quintchen, Quintlein, Quintin, Quintat und Quintel) ist ein historisches Hand…

Quentchen

Ein Quentchen (weitere Formen: Quentgen, Quentlein, Quentin, Quent, Quint, Quinte, Quintchen, Quintlein, Quintin, Quintat und Quintel) ist ein historisches Handelsgewicht, das in der Regel dem vierten (ursprünglich dem fünften) Teil eines Lots beziehungsweise um die 4 Gramm entsprach.

Synonym waren Drachme, Dragme (französisch), Drachma (lateinisch), wobei Drachme in Deutschland nur als Apothekergewicht (als achter Teil einer Unze; Abkürzung: dr., Zeichen: ʒ[1]) und nicht als Handelsgewicht gebraucht wurde.[2]

Wortherkunft

Quint, Quent, Quintin u. Ä., wovon das Diminutiv Quintlein, Quentchen u. Ä. abgeleitet ist, geht auf mittellateinisch quentinus ‘der fünfte Teil’ zurück, das zu lateinisch quintus ‘der fünfte’ beziehungsweise zu lateinisch quinque ‚fünf‘ gebildet ist.

Seit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 wird das Wort volksetymologisch von Quantum,[3] einer Bezeichnung für eine bestimmte Menge oder eine bestimmte Anzahl, abgeleitet und deswegen in der Bedeutung „sehr kleine Menge“ seitdem Quäntchen geschrieben.[4]

Einheit

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts und teilweise darüber hinaus war das Quentchen oder Quint in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Schweden, Norwegen und Dänemark der vierte Teil eines Lots, das seinerseits der 32. Teil eines Pfundes war; je nach Definition des Pfundes entsprach das Quentchen damit 3,8 bis 4,4 Gramm.[5]

Mit der Einführung des Zollpfunds oder Postpfunds zu 500 Gramm, das in weiten Teilen Mitteldeutschlands und in Norddeutschland auch zum allgemeinen Handelsgewicht und damit Landesgewicht erhoben wurde, wurden weithin auch das Lot und das Quentchen 1856/1858 neu definiert:[5]

  • In Anhalt, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Preußen, Sachsen und den thüringischen Staaten wurde das Pfund neu in nur noch 30 Lot eingeteilt und das Lot neu in 10 Quentchen zu 10 Cent zu 10 Korn; das Quentchen hatte damit einen Wert von 1,67 Gramm.
  • In Nordwestdeutschland – Braunschweig, Bremen, Hamburg, Hannover, Lübeck, Oldenburg und Schaumburg-Lippe – wurde das Zollpfund neu in 10 Neulot zu 10 Quint geteilt, womit das Quint exakt 5 Gramm entsprach.
  • In Baden, Bayern, Frankfurt, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Nassau, Österreich und Württemberg blieb die Einteilung des Pfundes in 32 Lot zu 4 Quentchen hingegen unverändert. Das Gleiche war in der Schweiz der Fall, wo das Pfund zu 500 Gramm schon 1838 eingeführt worden war.

Das dänische Kvint wurde 1861 wie in Nordwestdeutschland als hundertster Teil des auf 500 Gramm festgesetzten Pfunds definiert.[6]

Mit der Abschaffung der vormetrischen Maße in Deutschland (1872), Österreich (1876), der Schweiz (1877), Norwegen (1882), Schweden (1889) und Dänemark (1916) wurde das Quentchen als Maßeinheit aufgehoben. In der heutigen Sprache ist „Quentchen“ Synonym für „ein kleines bisschen“, „eine Messerspitze (voll)“ oder „ein Hauch“, z. B. „ein Quentchen Glück“.

Siehe auch

Wiktionary: Quentchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur

  • Königl. Württemb. Centralstelle für Gewerbe und Handel (Hrsg.): Die Maasse und Gewichte von Württemberg gegenüber den Metrischen des Deutschen Reiches. Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung, Stuttgart 1871.
  • Hermann Mulsow: Mass und Gewicht der Stadt Basel bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Phil. Dissertation, Freiburg im Breisgau 1910, S. 69.

Einzelnachweise

  1. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 25, Anm. 3.
  2. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. Elfte, umgearbeitete, verbesserte und vermehrte Auflage. Fünfter Band: Dampier bis Eschenmayer. Brockhaus, Leipzig 1865, S. 485 f., Stichwort Drachme.
  3. Theodor Ickler: Die sogenannte Rechtschreibreform – ein Schildbürgerstreich. Leibniz, St. Goar 1997, ISBN 3-931155-09-9, S. 20–22 [1].
  4. Duden | Quäntchen | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 12. Januar 2022.
  5. a b Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. Elfte, umgearbeitete, verbesserte und vermehrte Auflage. Neunter Band: Konradin bis Mauer. Brockhaus, Leipzig 1866, S. 567 f., Stichwort Loth; ebd., elfter Band: Occupation bis Prämie. Brockhaus, Leipzig 1867, S. 634, Stichwort Pfund.
  6. Helle Askgaard, Niels Finn Christiansen, Ole Hyldtoft: Det industrielle Danmark 1840–1914. Lindhardt og Ringhof, Egmont 2020, S. 3.

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