Ruth Posner
Ruth Posner BEM (* 20. April 1929 in Warschau, Polen; † 23. September 2025 in Basel, Schweiz) war eine polnisch-britische Schauspielerin, Choreographin, Schriftstellerin und Hochschullehrerin. Sie überlebte den Holocaust und war Mitglied der Royal Shakespeare Company.[1]
Leben und Werk
Posner war das einzige Kind des Buchhalters und Künstlers Moshe Wajsberg und seiner Frau Anna, einer Unterwäschedesignerin. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde die Familie 1939 in das Ghetto Radom deportiert.[2]
Zwangsarbeit und Flucht
Mit Hilfe katholischer Freunde besorgte ihr Vater gefälschte Pässe für sie und ihre Tante und sie nannte sich fortan Irena Slabowska. Ihr Vater verschaffte ihr und ihrer Tante Arbeit in einer Lederwarenfabrik. Die Fabrik lag außerhalb der Stadt und schützte sie eine Zeit lang vor den Deportationen aus dem Ghetto. Einmal wöchentlich wurden die Arbeiter zu den städtischen Bädern getrieben, und bei einer dieser Gelegenheiten gelang ihr und ihrer Tante mit den nichtjüdischen Pässen die Flucht auf die nichtjüdische Seite des Ghettos. Sie versteckte sich bei einer katholischen Familie, wurde aber während des Warschauer Aufstands 1944 gefangen genommen und zusammen mit ihrer Tante nach Deutschland deportiert. Dort wurde sie als polnische Katholikin inhaftiert. Gegen Kriegsende verfrachteten die Deutschen sie und ihre Tante in einen Zug nach Essen, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Während der alliierten Luftangriffe versteckten sie und ihre Tante sich bis Kriegsende auf einem Bauernhof in der Nähe. Erst Jahre später konnte sie in der Wiener Bibliothek bestätigen, dass ihre Eltern deportiert und 1942 in Treblinka ermordet wurden.[3]
Ausbildung und Tätigkeit als Schauspielerin, Choreografin und Lehrerin
1945 fand ihre Tante Arbeit in der Küche einer Unterkunft, in der amerikanische und britische Soldaten frühstückten. Dort suchte ein Staffelkapitän der Royal Air Force namens Sidney Scott nach jüdischen Überlebenden. Während ihre Tante aufgrund ihrer Französischkenntnisse zu Verwandten nach Brüssel zog, organisierte Scott ihre Reise nach England. Hier wurde sie in einem Hostel in Reading untergebracht. Sie lernte Englisch, besuchte die Kendrick School und später das London College of Dance and Drama, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte.
1950 heiratete sie den Chemiker Michael Posner und beide lebten für einige Jahre in dem neu gegründeten Staat Israel. Dort schloss sie sich einer kleinen Tanzkompanie an. Als ihr Ehemann eine Stelle bei der UNICEF annahm, zogen sie nach New York City. Sie besuchte dort das Hunter College und erwarb nach zwei Jahren einen Master-Abschluss in Theaterwissenschaften. Anschließend studierte sie Schauspiel, trat international auf und unterrichtete später an der Royal Academy of Dramatic Art (RADA) und der London Academy of Music and Dramatic Art.[4][5]
Posner war Tänzerin bei der London Contemporary Dance Company und unterrichtete Bewegungskunst in London, New York und Japan. Zu ihren Theaterengagements zählen unter anderem: The Dybbuk (RSC), Hiawatha (Bristol Old Vic), Blood Wedding (Young Vic), Heracles (The Gate Theatre), Yerma (BAC), The Dancing Room (Riverside), Our Lady of the Drowned (Southwark Playhouse), Mariana Pineda (Arcola Theatre), The Yiddish Queen Lear (Arcola Theatre), *Theresa* (Europatournee), *Merchant of Venice* (Arcola Theatre) sowie Seven Jewish Children (Royal Court Theatre). Im Fernsehen war sie unter anderem in Bramwell, Love Hurts, Casualty, Sin Bin, The Bill, Apparitions und Belonging zu sehen. Zu ihren Spielfilmen gehören Leon The Pig Farmer, Do You Love und The Football Factory.[6][7]
Nachdem sie mit ihrem Ehemann in Israel, Holland, Neuseeland, Dänemark und New York gelebt hatte, ließ sie sich mit ihrem Mann in London nieder. Bis zu ihrem Tod lebten sie in Belsize Park.
2022 wurde sie in der Neujahrs-Ehrenliste der Königin mit der BEM (Order of the British Empire Medal) für ihre Verdienste um die Holocaust-Aufklärung und -Sensibilisierung ausgezeichnet.[8]
2025 starben Posner und ihr Ehemann in einer Suizidklinik in der Schweiz.[9][10]
Weblinks
- Ruth Posner bei IMBD
- How 90-Year-Old Photos Shed Light on a Dark Past and Reunited a Family (englisch)
- Youtube Video: Holocaust survivor Ruth Posner shares heartbreaking story of survival with Michael Portillo (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ Awesome Old Lady of the Week: Ruth Posner - Standard Issue. In: Standard Issue. 1. Oktober 2014 (standardissuemagazine.com [abgerufen am 9. August 2026]).
- ↑ Obituary: Ruth Posner – actor, dancer, writer and teacher. Abgerufen am 9. August 2026 (englisch).
- ↑ Ruth Posner. Abgerufen am 9. August 2026 (englisch).
- ↑ Holocaust Educational Trust - Ruth Posner BEM 1929 – 2025. Abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Jamie Brown: Interview with actress and Holocaust survivor Ruth Posner. In: AJR. 10. Mai 2026, abgerufen am 9. August 2026 (britisches Englisch).
- ↑ http://sputniktheatre.co.uk/wp-content/uploads/2011/11/RTF-programme-2010.pdf
- ↑ Ruth Posner | Theatricalia. Archiviert vom am 26. November 2024; abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ PascalTheatre: Congratulations to our long term team member, actor-dancer Ruth Posner for her British Empire Medal in the 2022 New Year's Honours List. In: Pascal Theatre Company. 31. Dezember 2021, abgerufen am 9. August 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Holocaust survivor Ruth Posner and husband die at Swiss clinic. 26. September 2025, abgerufen am 9. August 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Holocaust survivor and husband pass away in Basel clinic | The Jerusalem Post. 27. September 2025, abgerufen am 9. August 2026 (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Posner, Ruth |
| ALTERNATIVNAMEN | Wajsberg, Rutenka (Geburtsname); Slabowska, Irena |
| KURZBESCHREIBUNG | polnisch-britische Schauspielerin, Choreographin, Schriftstellerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 20. April 1929 |
| GEBURTSORT | Warschau, Polen |
| STERBEDATUM | 23. September 2025 |
| STERBEORT | Basel, Schweiz |
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