Sexualkontakt

Unter Sexualkontakt (auch sexueller Kontakt) wird der sexuell motivierte körperliche Kontakt zwischen Menschen verstanden. Er ist häufige Folge einer sexuellen Handlung mindestens einer Person und kann im Einvernehmen der berührten Personen geschehen oder uneinvernehmlich als sexuelle Belästigung[1], sexueller Übergriff oder sexuelle Nötigung, im Extremfall als Vergewaltigung.[2][3] Sexualkontakte sind zentraler Bestandteil der meisten Sexualpraktiken und können sexuelle Erregung auslösen.
Der Begriff ist sehr weit gefasst, beginnt bei Zärtlichkeiten und Fummeln über der Kleidung und meint besonders Petting unter der oder ohne Kleidung bis hin zum penetrativen Geschlechtsverkehr.
Typische Sexualpraktiken sind gegenseitige Masturbation, orale Praktiken wie Fellatio und Cunnilingus und vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr. Bei autosexuellen Handlungen mit nur einem Beteiligten (zum Beispiel Selbstbefriedigung) spricht man nicht von Sexualkontakt. Auch sexuelle Handlungen mit mehreren Beteiligten, bei denen es aber nicht zu Körperkontakt kommt – wie Telefonsex/Sexting oder Exhibitionismus –, gelten nicht als Sexualkontakte.
Die Medizin, Gesundheitsvorsorge und Epidemiologie interessieren sich für Sexualkontakte wegen der Möglichkeit, dabei sexuell übertragbare Erkrankungen weiterzugeben oder damit infiziert zu werden. Auch die Psychologie interessiert sich für Sexualkontakte in Hinblick auf die dabei ablaufenden neurologischen Prozesse, die zugrundeliegenden Triebe bzw. Handlungsmotive und die eventuelle Auslösung von Traumata etc.
Der Begriff wird vor allem in der Medizin und Gesundheitsvorsorge verwendet. In der deutschsprachigen Kriminologie und Rechtswissenschaft spielt er hingegen nur eine kleine Rolle, da dort vor allem von sexuellen Handlungen gesprochen wird.
Etymologie
Nach den ersten Verwendungen entstand der Begriff anscheinend im medizinischen Bereich in Zusammenhang der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten, im Speziellen der Gonorrhoe (Tripper), die auch ohne penetrativen Verkehr möglich ist.
Rechtliche Aspekte
In fast allen Kulturen sind Sexualkontakte gesellschaftlichen Regeln oder Normen unterworfen. Der Inhalt dieser Regeln unterscheidet sich von Kultur zu Kultur teilweise erheblich. Einvernehmliche Sexualkontakte zwischen zustimmungsfähigen Personen sind in Ländern mit Schariarecht strafbar.[4][5] In vielen Staaten bestehen Gesetze gegen Homosexualität und/oder Inzest. Erzwungene Sexualkontakte sind hingegen weltweit strafbar.
Deutschsprachiger Raum
Im Rechtlichen spielt der Begriff im deutschsprachigen Raum nur eine kleine Rolle, da dort vor allem von sexuellen Handlungen gesprochen wird. Im deutschsprachigen kodifizierten Sexualstrafrecht ist er nur bspw. in den Überschriften des 2011 eingeführten § 208a öStGB (Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen) und des 2009 eingeführten § 214 öStGB (Entgeltliche Vermittlung von Sexualkontakten mit Minderjährigen) zu finden.
Vereinigte Staaten
In den Vereinigten Staaten ist sexual contact ein im Rechtssystem verankerter Begriff. Er ist im kodifizierten Bundesrecht, dem United States Code, und in den kodifizierten Strafrechten der Bundesstaaten definiert und auch in Regelungen verschiedener Organisationen. Dabei gibt es kleine Unterschiede in den einzelnen Rechtsbereichen. Nach Bundesrecht ist damit das absichtliche direkte (nackt) oder indirekte (durch die Kleidung) Berühren der Genitalien, des Anus, der Leistengegend, der Brüste, der Innenschenkel oder der Gesäßbacken mit der Absicht, zu missbrauchen, zu demütigen, zu belästigen, herabzusetzen oder um die sexuelle Begierde zu befriedigen, gemeint.[3] Auch im Strafrecht des Bundesstaats New York werden diese Körperstellen genannt.[6] In Texas ist es auf Befriedigung der sexuellen Begierde beschränkt. Für Kinder gibt es eine eigene Definition, welche die Berührung jedes Teil des Kindes mit den eigenen erogenen Zonen umfasst.[7] In Ohio werden Körperregionen zwar aufgezählt, aber mit dem Hinweis, dass dies nicht anderes ausschließen würde.[8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ § 184i Sexuelle Belästigung. In: dejure.org, abgerufen am 27. Mai 2023.
- ↑ Paul H. Gebhard: Incidence of overt homosexuality in the United States and Western Europe. In: John M. Livingood (Hrsg.): National institute of mental health task force on homosexuality: Final report and background papers. U. S. Department of health, education, and welfare – National Institute of Mental Health, Washington 1972, S. 26 (englisch, hdl:2027/uc1.32106006219247 – Nachdrucke u. a. 1976, 1992). “We have found the most practical definition of homosexual behavior to be: physical contact between two individuals of the same gender which both recognize as being sexual in nature and which ordinarily results in sexual arousal.” (deutsch: „Wir haben herausgefunden, dass die praktischste Definition für homosexuelles Verhalten ist: physischer Kontakt zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts, dessen sexuelle Natur von beiden erkannt wird und der normalerweise zu sexueller Erregung führt.“)
- ↑ a b United States Code. Kodifiziertes Bundesrecht. 18 U.S. Code § 2246 – Definitions for chapter (englisch, law.cornell.edu [abgerufen am 22. Januar 2015]). “As used in this chapter […] (3) the term ‘sexual contact’ means the intentional touching, either directly or through the clothing, of the genitalia, anus, groin, breast, inner thigh, or buttocks of any person with an intent to abuse, humiliate, harass, degrade, or arouse or gratify the sexual desire of any person.”
- ↑ Pschyrembel Online: Sexualkontakt. Zuletzt abgerufen am 6. Februar 2023.
- ↑ R. Peters: Zin. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band XI, S. 509.
- ↑
New York State Penal Code. 27. Dezember 2024, § 130.00 Sex offenses; definitions of terms (englisch, nysenate.gov [abgerufen am 5. Juni 2026]). “The following definitions are applicable to this article:
1. ‘Vaginal sexual contact’ means conduct between persons consisting of contact between the penis and the vagina or vulva.
2. (a) ‘Oral sexual contact’ means conduct between persons consisting of contact between the mouth and the penis, the mouth and the anus, or the mouth and the vulva or vagina.
(b) ‘Anal sexual contact’ means conduct between persons consisting of contact between the penis and anus. [etc.]” - ↑ Penal Code. Texas. TITLE 5. Offenses against the person. Chapter 21. Sexual offenses (englisch, statutes.legis.state.tx.us [abgerufen am 23. Januar 2015]). “Sec. 21.01. Definitions. […] (2) ‘Sexual contact’ means, except as provided by Section 21.11, any touching of the anus, breast, or any part of the genitals of another person with intent to arouse or gratify the sexual desire of any person. […] Sec. 21.11. INDECENCY WITH A CHILD. […] (c) In this section, ‘sexual contact’ means the following acts, if committed with the intent to arouse or gratify the sexual desire of any person: (1) any touching by a person, including touching through clothing, of the anus, breast, or any part of the genitals of a child; or (2) any touching of any part of the body of a child, including touching through clothing, with the anus, breast, or any part of the genitals of a person.”
- ↑ Ohio Revised Code. Title [29] XXIX Crimes – Procedure – Chapter 2907: Sex Offenses – 2907.01 Sex offenses general definitions. (englisch, 2907.01 Sex offenses general definitions – codes.ohio.gov [abgerufen am 23. Januar 2015]). “2907.01 Sex offenses general definitions. / As used in sections 2907.01 to 2907.38 of the Revised Code: […] (B) “Sexual contact” means any touching of an erogenous zone of another, including without limitation the thigh, genitals, buttock, pubic region, or, if the person is a female, a breast, for the purpose of sexually arousing or gratifying either person.”
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