Sheldon Cooper

Sheldon Lee Cooper,[1][2] B.S., M.S., M.A., Ph.D., Sc.D.,[3] ist eine fiktive Figur und einer der Hauptprotagonisten der von 2007 bis 20…

Sheldon Cooper
Schablonengraffiti von Sheldon Cooper beim vulkanischen Gruß in Wolgograd, Russland
Schablonengraffiti von Sheldon Cooper beim vulkanischen Gruß in Wolgograd, Russland

Sheldon Lee Cooper,[1][2] B.S., M.S., M.A., Ph.D., Sc.D.,[3] ist eine fiktive Figur und einer der Hauptprotagonisten der von 2007 bis 2019 auf CBS ausgestrahlten Fernsehserie The Big Bang Theory sowie der namensgebende Protagonist der von 2017 bis 2024 produzierten Ablegerserie Young Sheldon. In den beiden Serien wird er von Jim Parsons beziehungsweise Iain Armitage dargestellt; Parsons fungiert in Young Sheldon zudem als Erzähler.[4] Für seine Darstellung erhielt Parsons vier Primetime Emmy Awards, einen Golden Globe Award, einen TCA Award und zwei Critics’ Choice Television Awards.

Fiktive Biographie

Sheldons Kindheit steht im Mittelpunkt von Young Sheldon. Darin wächst er als Wunderkind im fiktiven Medford in Osttexas mit seiner Zwillingsschwester Missy Cooper, seinem Vater George Cooper Sr., seinem älteren Bruder George Marshall Cooper Jr., seiner Mutter Mary Cooper und seiner Großmutter Constance Tucker, genannt Connie oder Meemaw, auf.

Der erwachsene Sheldon ist leitender theoretischer Physiker am California Institute of Technology (Caltech). In den ersten zehn Staffeln von The Big Bang Theory teilt er sich eine Wohnung mit seinem Kollegen und besten Freund Leonard Hofstadter (Johnny Galecki). Beide sind außerdem mit ihren Arbeitskollegen Howard Wolowitz (Simon Helberg) und Rajesh Koothrappali (Kunal Nayyar) befreundet. In der zehnten Staffel zieht Sheldon mit seiner Freundin Amy Farrah Fowler (Mayim Bialik) in die gegenüberliegende frühere Wohnung von Leonards Ehefrau Penny (Kaley Cuoco).[5]

Sheldon besitzt nach eigener Angabe einen Intelligenzquotienten von 187. Zugleich fehlen ihm grundlegende soziale Fähigkeiten; er versteht Humor nur eingeschränkt und hat Schwierigkeiten, Ironie und Sarkasmus bei anderen Menschen zu erkennen, obwohl er selbst beides häufig verwendet. Als Antiheld der Serie zeigt er stark idiosynkratische Verhaltensweisen sowie einen allgemeinen Mangel an Bescheidenheit, Empathie und Toleranz. Diese Eigenschaften bilden einen wesentlichen Teil des Humors um die Figur und werden dafür verantwortlich gemacht, dass Sheldon zur Durchbruchsfigur der Serie wurde.[6][7][8][9] Einige Zuschauer ordnen seine Persönlichkeit dem Autismus-Spektrum beziehungsweise dem früher als Asperger-Syndrom bezeichneten Erscheinungsbild zu.[8][10] Mitschöpfer Bill Prady erklärte jedoch, die Figur sei weder mit Blick auf das Asperger-Syndrom konzipiert noch entsprechend weiterentwickelt worden.[10] Parsons sagte dagegen, Sheldon könne seiner Ansicht nach kaum noch mehr Merkmale des Asperger-Syndroms zeigen.[11]

Entwicklung und Besetzung

Die Figur Sheldon Cooper wurde von einem Computerprogrammierer inspiriert, den Mitschöpfer Bill Prady persönlich kannte.[12] Sheldon und sein Freund Leonard Hofstadter wurden zu Ehren des Schauspielers und Produzenten Sheldon Leonard,[13] des Wissenschaftlers Robert Hofstadter und des Nobelpreisträgers Leon Cooper benannt.[14] Chuck Lorre sah ursprünglich Johnny Galecki für die Rolle des Sheldon vor. Galecki hielt sich jedoch für die Figur Leonard für besser geeignet.[15] Lorre zufolge war Jim Parsons bei seinem Vorsprechen „so verblüffend gut“, dass er erneut vorsprechen sollte, um sicherzugehen, dass sein erster Auftritt kein Zufall gewesen war.[16]

Rezeption

Allgemein

Sowohl die Figur als auch Parsons’ Darstellung wurden vielfach gelobt und von Kritikern und Fans häufig als wesentlicher Grund für den Erfolg der Serie genannt.[17][18][19] James Chamberlin von IGN schrieb, es sei schwer vorstellbar, wie The Big Bang Theory ohne Jim Parsons’ großartige Darstellung von Sheldon Cooper aussehen würde.[20] Matt Roush von TV Guide sah in Parsons’ ausgelassener Darstellung einen „Funken göttlicher Inspiration“.[21] Ken Tucker von Entertainment Weekly schrieb, Parsons vollbringe im US-Network-Fernsehen etwas Seltenes, indem er Intellektualität bewundernswert und sogar heldenhaft erscheinen lasse.[9]

Am 16. Juli 2009 wurde Parsons erstmals für den Primetime Emmy Award for Outstanding Lead Actor in a Comedy Series nominiert.[22] Am 8. Juli 2010 folgte eine weitere Nominierung; am 29. August 2010 gewann er die Auszeichnung.[23] Am 1. August 2009 erhielt er den TCA Award für eine individuelle Leistung in einer Comedyserie, während The Big Bang Theory für die zweite Staffel als beste Comedyserie ausgezeichnet wurde.[24] 2010 und 2012 wurde Parsons erneut für den persönlichen TCA Award nominiert. Außerdem erhielt er eine Nominierung für den People’s Choice Award als beliebtester Comedy-Fernsehschauspieler[25] sowie 2009, 2010 und 2012 für den Satellite Award als bester Darsteller in einer Comedy- oder Musicalserie.[26]

Am 16. Januar 2011 gewann Parsons für seine Arbeit an der dritten und vierten Staffel den Golden Globe Award als bester Serien-Hauptdarsteller in einer Komödie oder einem Musical; überreicht wurde ihm der Preis von Kaley Cuoco. Am 20. Juni 2011 erhielt er bei den ersten Critics’ Choice Television Awards für die vierte Staffel die Auszeichnung als bester Darsteller in einer Comedyserie und wurde 2012 erneut nominiert. Am 18. September 2011 gewann er seinen zweiten Primetime Emmy in Folge und erhielt am 19. Juli 2012 eine weitere Nominierung. 2013 wurde Parsons erneut für einen Golden Globe und erstmals für den Screen Actors Guild Award als bester männlicher Darsteller in einer Comedyserie nominiert. 2013 und 2014 folgten seine fünfte und sechste Emmy-Nominierung als bester Comedy-Hauptdarsteller. Beide Male gewann er, wodurch er innerhalb von fünf Jahren vier Emmys in dieser Kategorie erhielt, jeweils nacheinander 2010/2011 und 2013/2014. Damit war er der erste Darsteller in der Geschichte der Kategorie, der zweimal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewann. Mit insgesamt vier Auszeichnungen zog er mit Carroll O’Connor, Kelsey Grammer und Michael J. Fox gleich.

Der Asteroid (246247) Sheldoncooper wurde nach Sheldon benannt.[27] 2012 erhielt die neu entdeckte Bienenart Euglossa bazinga ihren Namen nach seinem bekannten Ausspruch „Bazinga!“.[28]

Im März 2013 benannte der Columbus Zoo and Aquarium einen Guereza nach Sheldon.[29] 2015 wurde ein neu beschriebenes Echinocarididen-Phyllocaridenfossil aus dem Unterdevon im zentralöstlichen Polen nach der Figur Ptychocaris sheldoni genannt.[30]

Autismus-Spektrum

Einige Zuschauer vertreten die Ansicht, Sheldons Verhalten entspreche Merkmalen des Autismus-Spektrums, die früher dem Asperger-Syndrom zugeordnet wurden.[8][10][31][32] Die Autoren erklärten, sie hätten dies nicht als Grundlage der Figur verwendet, sondern seine Handlungen als „Sheldon-typisch“ betrachtet.[31] Mitschöpfer Bill Prady sagte, man schreibe die Figur als die Figur selbst. Viele Menschen würden unterschiedliche Merkmale in ihr sehen und Verbindungen herstellen. Da Sheldons Mutter nie eine Diagnose erhalten habe, gebe es auch für ihn keine.[33] Gegenüber Alan Sepinwall vom Star-Ledger erklärte Prady außerdem, Sheldon teile zwar Merkmale mit Menschen mit Asperger-Syndrom, er fühle sich mit einer entsprechenden Einordnung der Figur jedoch unwohl.[34]

Jim Parsons verwies in einem Interview auf die Haltung der Autoren, ergänzte jedoch, Sheldon könne seiner Meinung nach kaum mehr Asperger-Merkmale zeigen.[31][35] Parsons las John Elder Robisons 2007 veröffentlichte Autobiografie Look Me in the Eye über dessen Leben mit dem Asperger-Syndrom. Ein großer Teil des Buches habe ihn an Aspekte Sheldons erinnert. Parsons erklärte außerdem, Sheldons Denken sei so stark auf intellektuelle Themen konzentriert, dass Zuschauer leicht zu der Annahme gelangen könnten, er sei autistisch.[36]

Mayim Bialik, die Amy spielt und in Neurowissenschaften promoviert wurde, äußerte sich in einem Gespräch mit Neil deGrasse Tyson für StarTalk zu dieser Deutung:

Alle Figuren der Serie ließen sich ihrer Ansicht nach theoretisch dem neuropsychiatrischen Spektrum zuordnen. Sheldon werde häufig im Zusammenhang mit Asperger oder einer Zwangsstörung genannt. Er beschäftige sich stark mit Keimen und Zahlen und zeige eine Genauigkeit, die auch bei Zwangsstörungen auftrete. Sämtliche Figuren besäßen Eigenschaften, durch die sie gesellschaftlich unkonventionell wirkten. Die Serie wolle eine Gruppe von Menschen zeigen, die vermutlich gehänselt und verspottet worden seien und denen man gesagt habe, sie würden niemals anerkannt oder geliebt werden. Dennoch führten sie erfolgreiche Karrieren und ein aktives Sozialleben, zu dem etwa Dungeons & Dragons und Videospiele gehörten, und unterhielten Beziehungen. Auch dies könne ein erfülltes und befriedigendes Leben sein.[37]

Einzelnachweise

  1. The Inspiration Deprivation. In: CBS. 18. April 2019, archiviert vom Original am 22. Mai 2019; abgerufen am 19. April 2019.
  2. The Big Bang Theory, Staffel 1, Folge 12, The Jerusalem Duality, CBS, 2008-04-14.
  3. The Big Bang Theory, Staffel 4, Folge 13, The Love Car Displacement, CBS, 2011-01-20, Zeitmarke 16:39.
  4. Nellie Andreeva: 'Big Bang' Sheldon Spinoff Inches Closer With Iain Armitage & Zoe Perry Castings. In: Deadline Hollywood. 2. März 2017, archiviert vom Original am 13. März 2017; abgerufen am 13. März 2017.
  5. The Big Bang Theory, Staffel 10, Folge 7, The Veracity Elasticity, CBS, 2016-10-17.
  6. The Big Bang Theory: Season 1 Review. In: IGN. 27. Mai 2007, archiviert vom Original am 20. Juni 2012; abgerufen am 13. Januar 2010.
  7. Oak Park native finally gets the girl in 'Big Bang'. In: Chicago Tribune. 11. Januar 2010, archiviert vom Original am 2. Februar 2014; abgerufen am 13. Januar 2010.
  8. a b c The Griffin Equivalency. In: The A.V. Club. 13. Oktober 2008, archiviert vom Original am 10. September 2011; abgerufen am 6. Oktober 2011.
  9. a b The Big Bang Theory. In: Entertainment Weekly. 5. November 2008, archiviert vom Original am 25. April 2009; abgerufen am 13. Januar 2010.
  10. a b c Allison Waldman: Come up with a new theory: Sheldon does not have Asperger's. In: aoltv.com. 14. August 2009, archiviert vom Original am 23. Mai 2012; abgerufen am 5. Februar 2016.
  11. Paul Collins: Is the world ready for an Asperger's sitcom? In: Slate Magazine. 6. Februar 2009, archiviert vom Original am 24. Februar 2024; abgerufen am 7. Januar 2024.
  12. Paley Festival Recap '09: The Big Bang Theory. In: theTVaddict.com. 17. April 2009, archiviert vom Original am 21. Juli 2012; abgerufen am 20. Januar 2010.
  13. 'Big Bang Theory': 'We didn't anticipate how protective the audience would feel about our guys'. In: Variety. 5. Mai 2009, archiviert vom Original am 25. Mai 2012; abgerufen am 5. Februar 2010.
  14. The Big Bang Theory, la fórmula perfecta del humor. In: VOS. 31. Oktober 2010, archiviert vom Original am 16. Juni 2019; abgerufen am 8. Dezember 2020.
  15. Johnny Galecki Exclusive Video Interview – The Big Bang Theory. In: collider.com. 15. März 2009, archiviert vom Original am 12. Januar 2010; abgerufen am 20. Januar 2010.
  16. Emma Rosenblum: The Science Guy. In: New York. 20. September 2009, archiviert vom Original am 25. September 2009; abgerufen am 20. Januar 2010.
  17. Brad Oswald: The buzz: Jim Parsons as Sheldon. In: Winnipeg Free Press. Archiviert vom Original am 13. März 2010; abgerufen am 13. Januar 2010.
  18. Rob Salem: Nerd herd doing a bang-up job. In: The Toronto Star. 24. Januar 2009, archiviert vom Original am 12. Februar 2010; abgerufen am 13. Januar 2010.
  19. Matthew Gilbert: Gentle twists on reliable formulas keep viewers hooked. In: The Boston Globe. 8. Februar 2009, archiviert vom Original am 13. Januar 2010; abgerufen am 13. Januar 2010.
  20. "The Friendship Algorithm" Review. In: IGN. 20. Januar 2009, archiviert vom Original am 14. November 2011; abgerufen am 13. Januar 2010.
  21. What a Year! In: TV Guide. 14. Dezember 2009, archiviert vom Original am 18. Februar 2010; abgerufen am 13. Januar 2010.
  22. 61st Primetime Emmy® Awards | Academy of Television Arts & Sciences. In: Cdn.emmys.tv. 19. Juli 2012, archiviert vom Original am 6. November 2009; abgerufen am 27. Juli 2012.
  23. Complete Emmy listings. In: Emmy Award. Archiviert vom Original am 15. Dezember 2011; abgerufen am 8. Juli 2010.
  24. TCA Awards hail 'True Blood' and (finally) 'Battlestar Galactica'. In: Los Angeles Times. 2. August 2009, archiviert vom Original am 29. Dezember 2011; abgerufen am 13. Januar 2010.
  25. People's Choice Awards Nominees & Winners:2010. In: peoplschoice.com. Archiviert vom Original am 9. Februar 2010; abgerufen am 13. Januar 2010.
  26. 2009 14th Annual Satellite Awards. In: pressacademy.com. Archiviert vom Original am 8. Oktober 2011; abgerufen am 13. Januar 2010.
  27. JPL Small-Body Database. Archiviert vom Original am 26. September 2015; abgerufen am 1. September 2012.
  28. Rose Eveleth: A Brand New Bee Was Just Named After Sheldon From 'The Big Bang Theory'. In: Smithsonian.com. 17. Dezember 2012, archiviert vom Original am 20. August 2013; abgerufen am 21. Mai 2013.
  29. Zoo names monkey after TV character. In: 3 News NZ. 25. April 2013, archiviert vom Original am 1. Februar 2014; abgerufen am 25. April 2013.
  30. Dawid Mazurek, Marek Dec, Magdalena Łukowiak: „A New Echinocaridid Phyllocaridan from the Lower Devonian of Central-Eastern Poland“. In: Journal of Crustacean Biology. Band 35 Heft 6 2015-11-01. S. 785–788. doi:10.1163/1937240x-00002384.
  31. a b c Paul Collins: Must-Geek TV: Is the world ready for an Asperger's sitcom? In: Slate. 6. Februar 2009, archiviert vom Original am 10. Februar 2009; abgerufen am 14. April 2009.
  32. Lynne Soraya: Sheldony or Aspergery?: The Big Bang Theory. In: Asperger's Diary (Author's Note (08/16/2009)). Abgerufen am 16. April 2012.
  33. Come up with a new theory: Sheldon does not have Asperger's. In: TV Squad. 14. August 2009, archiviert vom Original am 17. August 2009; abgerufen am 6. Oktober 2011.
  34. Alan Sepinwall: Does Sheldon from 'Big Bang Theory' have Asperger's? In: The Star-Ledger. 13. August 2009, archiviert vom Original am 30. August 2012; abgerufen am 27. Juli 2012.
  35. Kathy Lyford: ‘Big Bang Theory’: Jim Parsons – ‘Everybody has a little Sheldon in them’. In: Variety – Season Pass. 13. November 2008, archiviert vom Original am 22. Juli 2012; abgerufen am 14. April 2009.
  36. Jim Parsons. In: The A.V. Club. 1. Mai 2009, archiviert vom Original am 24. Januar 2010; abgerufen am 15. Januar 2010.
  37. Jim Gill: Is Sheldon autistic? The Big Bang Theory actress Mayim Bialik gives this brilliant response. In: Radio Times. 15. Juni 2015, archiviert vom Original am 13. Januar 2018; abgerufen am 12. Januar 2018.

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