Signe Baumane

Signe Baumane, 2009

Signe Baumane (* 1964 in Auce) ist eine lettische Animatorin, Künstlerin, Illustratorin und Autorin, die in New York City lebt und arbeitet.

Werdegang

Signe Baumane wurde in Auce, Lettland, geboren und wuchs in Tukums, Lettland, sowie auf der Insel Sachalin auf. Sie war mit Yuriy Gavrilenko, einem Künstler und Impresario, sowie mit Lasse Persson, einem schwedischen Animationsfilmemacher, verheiratet. Im Alter von 14 Jahren begann sie, für Publikationen zu schreiben. Sie studierte an der Moskauer Universität und schloss ihr Studium 1989 mit einem Bachelor in Philosophie ab.

Karriere

Seit 1989 arbeitet sie als Animatorin, erstmals beim Dauka Animation Studio[1]. In den folgenden Jahren verwirklichte sie animierte Werbespots für das lokalen Fernsehen. 1991 produzierte sie ihren ersten Animationsfilm, „Die Hexe und die Kuh“, bei dem sie als Drehbuchautorin, Regisseurin, Designerin und Animatorin fungierte.

Nach einer zwei Jahren als Kinderbuchillustratorin in Moskau kehrte sie 1993 nach Riga zur Animation, Illustration und Bühnenbildgestaltung zurück. 1995 zog sie nach New York City und fand eine Anstellung bei Bill Plympton als Produktionsleiterin, Farbstylistin und Folien-Coloristin.

Seit 1998 drehte Baumane mehrere Filme. „Woman“ und „Veterinarian“, entstanden während ihrer Aufenthalte in Lettland. Die übrigen wurden in New York City gedreht.[2]

Ihre Filme wurden auf Filmfestivals wie Annecy, Tribeca, Sundance, Berlin, Ottawa und Venedig gezeigt und ausgezeichnet.[3] Im Jahr 2017 wurde Baumane für ihre außergewöhnliche kreative Begabung in der Kunst mit einem Guggenheim-Stipendium ausgezeichnet.[4]

Baumane ist Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences[5]. 2005 war sie Stipendiatin der New York Foundation for the Arts im Bereich Film. Außerdem ist sie als Dozentin tätig und unterrichtete von 2000 bis 2002 Animation am Pratt Institute.

Rocks in My Pockets

Baumanes autobiografischer Animations-Spielfilm „Rocks in My Pockets“[6][7] befasst sich mit der Depressionen, die drei Generationen von Frauen in ihrer Familie heimgesucht hat. „Rocks in My Pockets“ wurde als lettischer Beitrag für die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ bei der 87. Oscar-Verleihung ausgewählt, erhielt jedoch keine Nominierung.[8]

Das Projekt erhielt in der Anfangsphase finanzielle Unterstützung von der NYSCA, der Jerome Foundation und Women Make Movies. 2013, nach zweijähriger Arbeit an dem Projekt, sammelten Baumane und ihr Team über Kickstarter weitere 50.000 US-Dollar ein.

Der Film feierte im Juli 2014 beim Internationalen Filmfestival von Karlovy Vary in der Tschechischen Republik Premiere, wo er den Preis der Internationalen Filmkritiker (FIPRESCI) sowie eine lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury gewann. Anschließend wurde er auf über 130 weiteren Filmfestivals gezeigt, darunter das Animator Film Festival in Polen, das Internationale Filmfestival von Athen in Griechenland, das Internationale Filmfestival von San Sebastián in Spanien und das London International Animation Festival, und gewann n Preise.[9]

Der Film feierte am 3. September 2014 in New York City Premiere[10] und kam in 35 US-amerikanischen Städten in den Verleih, vertrieben von Zeitgeist Films. In Lettland wurde er von Locomotive Productions veröffentlicht. „Rocks In My Pockets“ ist auf Streamingplattformen verfügbar und auf DVD erhältlich.

Der Film erhielt 100 % bei Rotten Tomatoes. Im Dezember 2019 platzierte die Animations-Website „Zippy Frames “ „Rocks in My Pockets“ auf Platz neun ihrer Liste der 20 besten Animationsfilme der 2010er Jahre und erklärte: „Der Film entstand noch bevor die #MeToo-Bewegung ins Leben gerufen wurde und ist eine surrealistische und ergreifende Geschichte über Selbstermächtigung, die ein wesentlicher Bestandteil dieses Jahrzehnts ist.“[11]

My Love Affair with Marriage

Baumane führte Regie und animierte ihren zweiten Animationsspielfilm, „My Love Affair with Marriage“[12][13], der Musik und Wissenschaft in eine persönliche Liebesgeschichte einfließen lässt. Der Film beleuchtet die biologische Chemie der Liebe und des Geschlechts sowie den gesellschaftlichen Druck auf den Einzelnen, sich den sozialen Normen der jeweiligen Zeit anzupassen.

Nachdem das Projekt über „Women Make Movies“ einen Entwicklungszuschuss von der NYSCA erhalten hatte, wurden über Kickstarter mehr als 132.000 US-Dollar zur Finanzierung der Produktion gesammelt. Sie animierte den Film in Zusammenarbeit mit Locomotive Productions mit Sitz in Lettland.

Sprecherinnen sind u. a. Dagmara Dominczyk, Matthew Modine, Cameron Monaghan, Stephen Lang, Erica Schroeder, Emma Kenney, and Michele Paw in den Hauptrollen.

Stil und Themen

Baumane setzt auf eine persönliche Erzählweise mit einem handgezeichneten 2D-Animationsstil. In ihren Spielfilmen „Rocks in My Pockets“ und „My Love Affair with Marriage“ kombiniert sie Pappmaché und Stop-Motion mit traditioneller Animation.

Ihre Arbeiten behandeln schwierige Themen wie Sex, Schwangerschaft und Depressionen und machen diese durch Ironie und Humor zugänglicher. Ihr Erzählstil bedient sich visueller Metaphern, um zu vermitteln, wie sich Menschenfühlen; ein Beispiel dafür ist ihr animierter Kurzfilm „Birth“, in dem sie den Körper als Gefäß einsetzt.[14] Baumanes „Teat Beat of Sex“, eine Reihe halb fiktionalisierter persönlicher Erinnerungen, die auf den eigenen Erfahrungen der Künstlerin und einer Vielzahl von Sichtweisen auf das Thema beruhen, ist kompromisslos und doch erfrischend offen und behandelt oft eher tabuisie rte Bereiche, die als Diskussionspunkte dienen können.[15]

Filmografie

Animierte Kurzfilme

  • The Witch and the Cow (1991)
  • Tiny Shoes (1993)
  • The Gold of the Tigers (1995)
  • Love Story (1998)
  • The Threatened One (1999)
  • Natasha (2001)
  • Five Fucking Fables (2002)
  • Woman (2002)
  • Dentist (2005)
  • Five Infomercials for Dentists (2005)
  • Teat Beat of Sex (2007)
  • Veterinarian (2007)
  • The Very First Desire Now and Forever (2007)
  • Teat Beat of Sex: Episodes 8, 9, 19, 11 (2007)
  • Birth (2009)[16]

Animierte Spielfilme

Compilations (DVD)

  • Avoid Eye Contact Vol. 1
  • Avoid Eye Contact Vol. 2
  • Ten Animated Films by Signe Baumane
  • Teat Beat of Sex

Musikvideos

  • Cousin Joe Twoshacks – "Tarzan" (2014)
Commons: Signe Baumane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Animatsiya - Studio Info. Abgerufen am 19. Juli 2026 (englisch).
  2. Chris Robinson: Unsung Heroes of Animation, pp. 200–206
  3. Signe Baumane Preise bei IMDb. Abgerufen am 19. Juli 2026 (englisch).
  4. Guggenheim Fellowships: Supporting Artists, Scholars, & Scientists. Abgerufen am 19. Juli 2026 (englisch).
  5. Rocks in My Pockets auf IMDb. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  6. a b Rocks in My Pockets auf Baumanes Website. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  7. a b Rocks in My Pockets auf IMDb. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  8. Nick Holdsworth: Oscars: Latvia Nominates 'Rocks in My Pockets' in Foreign-Language Category. In: The Hollywood Reporter. Archiviert vom Original am 4. September 2018; abgerufen am 13. Juni 2015 (englisch).
  9. Signe Baumane: Rocks in My Pockets, by Signe Baumane. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  10. Mercedes Milligan: „Rocks in My Pockets“ erscheint in LA und NYC. In: Animation Magazine. 10. Juli 2014, abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. Vassilis Kroustallis: The 20 Best Indie Animation Features of the 2010s. In: Zippy Frames. 27. Dezember 2019, archiviert vom Original am 31. Dezember 2019; abgerufen am 31. Dezember 2019 (britisches Englisch).
  12. a b Signe Baumane: My Love Affair with Marriage auf Baumanes Website. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  13. a b My Love Affair with Marriage auf IMDb. Abgerufen am 21. Juli 2026 (englisch).
  14. Birth - Short Film. In: Film School Rejects. Archiviert vom Original am 6. März 2016; abgerufen am 5. März 2016 (amerikanisches Englisch).
  15. Ben Mitchell: Independent Animation: Developing, Producing and Distributing Your Animated Films. CRC Press, 2017, ISBN 978-1-138-85572-4, S. 124 (englisch).
  16. Birth. In: Vimeo. Archiviert vom Original am 11. Dezember 2015; abgerufen am 5. März 2016 (englisch).

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