Sportschaft

Eine Sportschaft war eine studentische Korporationsart, bei der der Sport im Mittelpunkt des Verbindungslebens stand. Sie entstand in den 1920er Jahren. Im Gege…

Eine Sportschaft war eine studentische Korporationsart, bei der der Sport im Mittelpunkt des Verbindungslebens stand. Sie entstand in den 1920er Jahren. Im Gegensatz zu traditionellen Korporationen oder Turnerschaften lag der Schwerpunkt nicht auf dem klassischen Turnen oder Mensuren, sondern auf regelmäßigem Training und der Teilnahme an Wettkämpfen in modernen Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Hockey oder Wasserball.[1]

Die Sportschaften waren meist farbentragend und schlugen weiterhin Mensuren, diese hatten jedoch nur eine untergeordnete Bedeutung. Organisiert waren viele von ihnen im Godesberger Verband der Sportschaften an Deutschen Hochschulen, der von 1926 bis etwa 1932 existierte. Ziel des Verbandes war es, sportliche Leistung mit dem korporativen Gemeinschaftsgedanken zu verbinden.[1][2]

Ein ähnliches Konzept verfolgte auch der Verband akademischer Sportverbindungen (VASpV), der den Sport ebenfalls in den Mittelpunkt stellte, jedoch auf das Tragen von Farben und die Durchführung von Bestimmungsmensuren vollständig verzichtete. Seine Korporationen nannten sich meist Sportverbindung.[1]

Godesberger Verband der Sportschaften an Deutschen Hochschulen

Der Godesberger Verband der Sportschaften an Deutschen Hochschulen (kurz Godesberger Verband, GVSDH) war ein studentischer Korporationsverband. Er entstand ähnlich dem Akademischen Fliegerring oder dem Wernigeroder Jagdkorporationen-Senioren-Convent (WJSC) im Zuge der verstärkten Ausdifferenzierung und fachlichen Spezialisierung der studentischen Korporationen zur Zeit der Weimarer Republik.

Gegründet wurde der Godesberger Verband am 10. Juli 1926 als Verband farbentragender Sportschaften mit unbedingter Satisfaktion und Bestimmungsmensur durch die Sportschaft Rugia Bonn und den Altherrenverband der suspendierten Akademischen Verbindung Teutonia Darmstadt.[2] Mit der Einbeziehung moderner Sportarten – einschließlich Mannschaftssport wie Fußball, Handball, Hockey und Wasserball[1] – in den Aktivenbetrieb und der Teilnahme an entsprechenden Wettkämpfen grenzte sich der Godesberger Verband von älteren, dem Jahnschen Schauturnen verpflichteten Turnerschaften ab. Mit der Sportschaft begründete er einen neuen Typus studentischer Korporationen. Im Gegensatz zu den etablierten Verbänden, die sportliche Betätigung nach dem Ersten Weltkrieg vor dem Hintergrund der Abschaffung der Allgemeinen Wehtrpflicht in erster Linie als paramilitärische Ausbildung (Wehrsport) oder in dem von Arthur Mallwitz auf dem Studententag 1920 propagierten "Harmonie von Geist und Körper" im Sinne des antiken griechischen Bildungsideals pflegten, standen Sport und das Training bis zur Wettkampfreife bei den Korporationen des Godesberger Verbandes im Zentrum des korporativen Lebens. Dagegen wurde der Mensurbetrieb als überlieferte Form des studentischen Vergleichskampfs auf ein Mindestmaß beschränkt. Zu häufige Mensurtage sollte nicht vom Trainingsbetrieb ablenken. Ähnliche Ziele vertrat der Verband akademischer Sportverbindungen (VASpV), der allerdings im Gegensatz zum Godesberger Verband auch die Bestimmungsmensur und das Tragen von Farben verwarf.[1]

Trotz des geringen Stellenwerts, den der Verband und seine Korporationen der Mensur beimaßen, bemühte er sich um eine Einbeziehung in das waffenstudentische Beziehungsgeflecht und die Anerkennung durch die etablierten waffenstudentischen Verbände, die im Hinblick auf die teilweise wenig renommierten Hochschulen, an denen der Verband angesiedelt war, auch eine Frage des Sozialprestiges war.[1] Der Antrag auf Aufnahme in den Allgemeinen Deutschen Waffenring wurde gleichwohl auf dem Waffenstudententag in Hannover am 15. Januar 1928 abschlägig beschieden, da sich die ADW-Korporationen wegen des kurzen Bestehens noch kein Urteil über die Eignung erlauben wollten.[2] Der Verband breitete sich dennoch rasch auf andere Hochschulstandorte aus. In Berlin wurden 1927 Herminonia, im Wintersemester 1927/28 Teuto-Cheruskia und 1928 Guestphalia und Sprevio-Marchia aufgenommen. 1927 kamen außerdem hinzu: Saxo-Borussia Köln, Angaria Leipzig, Rheno-Frankonia Mainz und Franco-Germania Nürnberg, im Wintersemester 1927/28 Borussia Leipzig, 1928 Guestphalia Hamburg, Teja-Bavaria München und Teuto-Silesia Leipzig. Eine Verbindung Saxo-Bavaria in Weimar wurde nach 1930 als probendes Mitglied aufgenommen, schied aber vor dem Sommersemester 1932 wieder aus. Pfingsten 1931 folgte die schon am 5. Dezember 1887 in Köthen gegründete Burgundia-Charlottenburg.[2]

Fanden die jährlichen Pfingsttagungen anfangs im namensgebenden Godesberg bei Bonn statt, so wurde wegen der zunehmenden Ausdehnung des Verbandes auf mitteldeutsche Hochschulen bald eine Verlegung diskutiert. Die Tagung des Jahres 1928, auf der mit der Trennung in aktive Bünde und Altherrenschaften die Verbandsorganisation auf eine neue Grundlage gestellt wurde, wurde von Angaria in Leipzig ausgerichtet. Noch im gleichen Jahr konstituierte sich der Altherrenbund des Godesberger Verbandes, dessen Verbandsgeschäftsführer auch die Herausgabe der Zeitschrift "Der Sportschafter" oblag.[1] 1929 wurde Goslar fester Tagungsort. 1930 beschloss der Godesberger Verband den Beitritt zum Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen (EVA). 1931/32 übernahm er selbst die EVA-Geschäftsführung.[3]

Bereits im Wintersemester 1932/33 löste sich der Verband wohl auf. Zu diesem Zeitpunkt bestand er noch aus elf Sportschaften. Franco-Germania Nürnberg war 1928 in die Deutsche Sängerschaft gewechselt. Sprevio-Marchia Berlin fand eine neue Heimat im Rudolstädter Senioren-Convent, Rheno-Frankonia Mainz ebenfalls in der Deutschen Sängerschaft. Burgundia Berlin wurde nach Übernahme der Guestphalia Berlin Mitglied der Deutschen Wehrschaft. Rugia Bonn verschmolz mit Suevia Gießen und trat als Rugo-Suevia dem Wernigeroder Jagdkorporationen-Senioren-Convent bei. Die Altherrenschaft der Angaria Leipzig wurde 1953 teilweise von der Hannoverschen Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig übernommen. Bei vielen Sportschaften ist der weitere Verbleib nicht gesichert.[2]

Publikationen

Verbandsorgan war die von Georg Eckert herausgegebene Zeitschrift „Der Sportschafter“, die im Dezember 1927 erstmals erschien.[1]

Bekannte Mitglieder

Sportschaften

Die Sortierung erfolgt alphabetisch nach dem Gründungsort und bei selben Gründungsort alphabetisch nach dem Namen.

Name Ort Gründung Verband Anmerkung
Burgundia-Charlottenburg[2] Berlin 5. Dez. 1887 GVSDH gegründet in Köthen; Aufnahme Pfingsten 1931; Burgundia Berlin wurde nach Übernahme der Guestphalia Berlin Mitglied der Deutschen Wehrschaft (DW)
Guestphalia[2] Berlin GVSDH Aufnahme 1928; Burgundia Berlin wurde nach Übernahme der Guestphalia Berlin Mitglied der Deutschen Wehrschaft (DW)
Herminonia[2] Berlin GVSDH gegründet an der Hochschule für Leibesübungen in Spandau; Aufnahme 1927
Sprevio-Marchia[2] Berlin GVSDH Aufnahme 1928; später im Rudolstädter Senioren-Convent (RSC)
Teuto-Cheruskia[2] Berlin GVSDH Aufnahme 1927/28
Rugia[2] Bonn 3. Juli 1922 GVSDH gegründet als Akademische Sportverbindung; Gründungsmitglied; verschmolz mit Suevia Gießen und trat als Rugo-Suevia dem Wernigeroder Jagdkorporationen-Senioren-Convent (WJSC) bei.
Teutonia[2] Darmstadt 4. Sep. 1914 GVSDH Hervorgegangen aus freischlagender Verbindung Cimbria Darmstadt; Gründungsmitglied
Guestphalia[2] Hamburg 10. Feb. 1894 GVSDH gegründet als Verbindung Wallonia in Rostock; Aufnahme 1928
Saxo-Borussia[2] Köln GVSDH Aufnahme 1927
Angaria[2] Leipzig GVSDH Aufnahme 1927; Altherrenschaft 1953 teilweise von der Hannoverschen Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig übernommen
Borussia[2] Leipzig GVSDH Aufnahme zunächst nur auf Probe, wenig später vertagt
Teuto-Silesia[2] Leipzig GVSDH Aktivitas 1930 wieder aus dem Verband ausgeschlossen
Rheno-Frankonia[2] Mainz GVSDH Aufnahme 1927; später in der Deutschen Sängerschaft (DS)
Teja-Bavaria[2] München GVSDH Von studierenden Angehörigen des Freikorps Oberland als Burschenschaft gegründet. Aufnahme 1928
Franco-Germania[2] Nürnberg GVSDH Aufnahme 1927; seit 1928 in der Deutschen Sängerschaft (DS)
Saxo-Bavaria[2] Weimar GVSDH Nach 1930 als probendes Mitglied aufgenommen, vor dem Sommersemester 1932 wieder ausgeschieden

Siehe auch

Literatur

  • Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band I. Die schlagenden Verbände. Würzburg 1981, S. 218–220.
  • Paulgerhard Gladen: Der Godesberger Verband der Sportschaften 1926–1934. In: ders.: Die deutschsprachigen Korporationsverbände. WJK-Verlag, Hilden 2014. S. 508–509.
  • Florian Hoffmann: "Frei im freien Vaterlande!" Der Godesberger Verband der Sportschaften an deutschen Hochschulen. In: Sebastian Sigler (Hrsg.): Beiträge zur deutschen Studentengeschichte. Die Vorträge der 72. Studentenhistorikertagung Freiburg 2012. Essen 2013, S. 127–166.
  • Georg Köbler: Godesberger Verband der Sportschaften an deutschen Hochschulen (G.V.). In: Michael Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 363–368.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Florian Hoffmann: "Frei im freien Vaterlande!" Der Godesberger Verband der Sportschaften an deutschen Hochschulen. In: Sebastian Sigler (Hrsg.): Beiträge zur deutschen Studentengeschichte. Die Vorträge der 72. Studentenhistorikertagung Freiburg 2012. Essen 2013, S. 127–166.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band I. Die schlagenden Verbände. Würzburg 1981, S. 218–220.
  3. Akten des geschäftsführenden Verbandes des Erlanger Verbände- und Ehrenabkommens, Kösener Archiv (Bestand B 7), Institut für Hochschulkunde, Würzburg.

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