Starsky
starsky (* 4. März 1967 als Julia Zdarsky in Wien geboren) ist eine österreichische Medienkünstlerin, Visualistin und Pionierin in der Kunst der Projektion. Sie arbeitet auch unter den Pseudonymen niemand, dr.xradz, agug xradz.
Leben
Nach dem Besuch der Rudolf Steiner Schule, der Externistenmatura und dem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien, erhielt starsky 1996 für ihre Diplomarbeit „radzebutz“ (eine zu Musik programmierte Animation analoger Lichtbilder) den Anerkennungspreis des Bundesministeriums für Kunst und eine Auszeichnung ihrer Alma Mater.
Werk
Julia Zdarsky ist beginnend mit 1991 Pionierin in der Kunst der Projektion. Seit 1995 entwickelt sie intelligente Schnittstellen zwischen analog und digital, Interfaces für Projektionen, Ton und die Vernetzung unterschiedlicher Medien. So gelang es ihr, die analoge Großbildprojektion als künstlerisch relevantes Instrument ins 21. Jahrhundert zu übertragen. Sie vereint künstlerisches und kuratorisches Denken und kreiert ein selbstermächtigendes Ausstellungsformat[1]. Sie inszeniert diese visuellen Gewitter in partizipativen Prozessen. Die räumliche Wirkung ihrer Projektionen ist enorm, gleichzeitig faszinierend und wird durch Performance-Kunst ergänzt. Ihre erste Großbildprojektion fand 1993 im Kunsthaus Tacheles in Berlin statt. Weitere Urban Interventions folgten: Beim Life Ball aufs Rathaus Wien (2003), beim Qatar National Day, Projektion auf das Museum für Islamische Kunst und den Palast des Emirs von Katar in Doha 2009, „The third element“ 2013 und „Parallax Paradoxon“[2] 2016 beim GLOW Festival für Lichtkunst in Eindhoven (NL), unter dem Titel „Interactions of Light | WIEN LEUCHTET“ aufs Kunsthistorische Museum Wien 2015[3], auf Berge beim Festival „Fantastic Gondolas“ in Lech am Arlberg (2016), mit „WOHIN“ auf das Bahnhofsgebäude von Salzburg (2017), am Vorabend des Holocaust Gedenktags unter dem Titel „Jetzt Zeichen setzen!“ den Mauthausen Schwur auf das Heldentor (2018),[4] bei „lichtgedicht – ju can jandl jurself“ beim Lichtstadt Feldkirch Festival (2018),[5] „Mit zärtlichem Herzen“ auf die Karlskirche in Wien mit Electric Indigo (2021) und im „winter of love“ auf die Fassaden Museumsquartier Wien (2023).[6] Mit Live Visuals trat die Künstlerin ab 1991, aber vor allem in den Jahren 2007 bis 2010 beim Rosenball in Wien oder dem starksy Manifest im Museum Angewandter Kunst in Wien auf.
„Projektionsguerilla Tour“
Die Projektionsguerilla ist ein von starsky entwickeltes Format. Die Mächtigkeit der Projektion in Kombination mit dem Gewicht der Sprache und der Flüchtigkeit wie Immaterialität erweist sich als ideales Instrument der Intervention an den Schauplätzen und Fassaden der Macht. Sprachlich wird mit spitzem Stift an den Floskeln und Phrasen gekratzt, bis diese ihren wahren Kern preisgeben. Selbstbestimmt, humanistisch, diskursiv, fem:artivistisch und kollektiv werden fehlende Inhalte eingebracht und neue Aktionsformen erdacht. starskys Schaffen ist eine Anstiftung zum selbständigen Denken und Handeln. Ihre Kunst ermutigt dazu, die Dinge beim Namen zu nennen und für eine Gesellschaft zu wirken, die einengende Verhältnisse überwindet. Nichts, was nicht von der Künstlerin in Farbe, Form, Wort und Licht getaucht werden könnte: Architektur, Struktur, Environment, Public Spaces. starsky arbeitet mit Sprache, Phrasen, Grafik, Interaktion, bewegten Bildern oder Film. Sie überschreitet ungeniert die Grenzen zwischen Sub-, Pop- und Hochkultur.
„niemand“
Für ihre Interventionen im öffentlichen Raum entwickelte starsky seit dem Jahr 2000 das Konzept „niemand“. niemand ist eine multiple, polyverse Persönlichkeit, die sich jeder aneignen kann. Jeder kann mitmachen, jeder könnte niemand sein. Gleichzeitig steht niemand für all jene, die nicht jemand, also wichtig, bedeutend oder mächtig sind. Es steht für die ohne Stimme, ohne Gewicht, ohne Macht und ohne Sichtbarkeit im öffentlichen Diskursraum. niemand befindet sich in eindeutiger Opposition zu Regierung, dem kapitalistischen System, das sie „Kapitalation“ nennt und der herrschenden Geld- und Machtverteilung. niemand ist marginal, Randgruppe, Minderheit oder Seltsamkeit. niemand weiß, dass alles auch ganz anders sein könnte. niemand hat Visionen. niemand ermächtigt sich selbst.[7]
Technisches und Formatentwicklungen
Für die fahrenden Interventionen „Projektionsguerilla Tour“ entwickelte starsky 2018 ein dreh-, schwenk- und fahrbares Gestell für analoge Großbildprojektoren. Sie baute schon seit 1995 digitale Echtzeit-Steuerungen und Midi-Controller für analoge Diaprojektoren auch Großbildprojektoren. starsky war seit 1991 eine der ersten Visual Jockeys (VJ) und Visualistin (ein Begriff, der von ihr geprägt wurde) bei Musikhappenings in den neunziger Jahren unter anderem im Kunstwerk, Flex, beim Danube Rave und unter anderem für Peaches. Mit Objekten wie der Propagandamaschine (2001) und der Feminismusmaschine (2022/2025) kombiniert sie technisches Know-how mit künstlerischer Kreativität und erfindet Apparaturen, die den Menschen das Antworten auf die ewig gleichen Fragen abnimmt. Die Maschinen übernehmen feministische und politische Dispute.
Medien
starsky bewegte sich bisher in verschiedenen Medien. Sie schuf intelligente Schnittstellen zwischen Kochgeräten, Video, Sound und digitalen Midi-Controllern oder kombinierte analoge Groß- und Kleinbildprojektion mit analoger Film-Scroller-Projektion sowie Sound und Video. Mix-Media-Projekte entstanden auch aus digitalen Audio Files mit Video und analoger Projektion. Daraus entstand das Format poly-mediale Live performance wie bei der „Transmediale“ 2008[8] oder das „starsky manifest“ 2015.[9]
Projektionen und Touren (Auswahl)
- 2018 „zu den waffeln! wir worten zurück !!“, Projektionsguerilla Tour durch Wien
- 2019 „über die Grenzen“ Projektionsguerilla Tour durch Augsburg anlässlich der Ausstellungseröffnung Kinder auf der Flucht 1939, jüdisches Museum Augsburg[10]
- 2019 „trau di“ Projektionsguerilla Tour über den Traunsee[11]
- 2023 „Winter of Love - niemand weiß, dass es auch ganz anders sein könnte“, 42 Tage Winter im Museumsquartier
- 2024 „das normal ist irr !!“ Projektionsguerilla Tour durch die Wiener Innenstadt mit KÖR - Kunst im Öffentlichen Raum Wien und SHIFT Wien
Urban Intervention (Auswahl)
- Lights for peace, Intervention am Ballhausplatz in Wien, 2023
- you:topia, embody the feminist future! Textintervention, OBRA, Wien, 2022
- Wir sind sichtbar! Linzer Frauenbericht, Linz, 2019
- act - not react! Abort patriarchy! WAF, Graz, 2019
- global empathy! Smash patriarchy! Feminismus und Krawall, Linz, 2018
- Jetzt Zeichen setzen! Mauthausenschwur, Heldentor, Wien, 2018
- Zufallsindoktrinator niemand, Bundeskanzleramt Wien, 2003
- nazi anal feiertag, Bundeskanzleramt Wien, 2001
- It's a shame, Bundeskanzleramt Wien, 2000
Space, urban, landscape, live (Auswahl)
- mediaopera, Rinderhalle St.Marx, Wien, 2011
- Frei erfunden, Kloster UND, Krems, 2011
- Strandgut, Plank am Kamp, 2015, 2026, 2017
- Wir sind die goldene Revolution!, Semper Depot, Wien, 2021
- 100 Jahre in 100 Minuten, Wien, 2019
- 100 - Eröffnung Haus der Geschichte Österreich, Wien, 2018
- niemand mischt sich ein, Künstlerhaus Wien, 2018
- in-visible-in, Semper Depot, Wien, 2016
- starsky manifest, sound:frame Festival, MAK, Wien 2015
- Transformator, Installation, Kunstraum Engländerbau, Vaduz, 2008
- Die Propagandamaschine, Wien, 2001
Auszeichnungen
Professur
- 2011–2012 Gastprofessur für zeitbasierte Medien an der Kunstuniversität Linz[14]
Ausstellungen
- Die Feminismusmaschine 01, WUK Kulturzentrum Wien, IntAkt-Raum, 2022
- Die Geheimen Liebschaften des Lichts, die Prototypin und ihre Geschwister - Atelier LaMahn, Wien, 2023
- Alles für alle WUK Kulturzentrum Wien, IntAkt-Raum, 2023
- Parallel Vienna, Funkhaus Wien, 2024
- Multiples, Momente und Metamorphosen mit Ilse Chlan im WUK Kulturzentrum Wien, IntAkt-Raum, 2024
- editions, Parallel Vienna, Funkhaus Wien, 2024
- Die Feminismusmaschine 02 bei Mz*Baltazar's Laboratory, Wien, 2025
Literatur
- starsky katalog „starsky“. 2014. ISBN 978-3-200-03575-1
- starsky katalog „starsky“. 2014. ISBN 978-3-200-04075-5
- Frederick Baker „The Art of Projectionsism“. 2007. ISBN 978-3-7076-0235-7
Weblinks
- starsky.at
- niemand
- Das Museumsquartier leuchtet im „Winter of love“
- Podcast ALTER-native für eine gute Zukunft
- WUK Radio
- Volksstimme N° 1_2, Februar 2023, „Eine Frau mit Nerven aus Stahl und einem vielfach gebrochenen Herzen“
- dorftv, Wassermair sucht den Notausgang - Gespräche zu Politik und Kultur in Krisenzeiten, Feb. 2022
- Trau di!
- dorftv, Mariann von Willemer – Preisverleihung an starsky
- FRO Marianna.von.Willemer-Preis an Künstlerin starsky
- artmagazine Julia Zdarsky erhält den Marianne von Willemer Preis für digitale Medien 2018
- Wiener Künstlerin starsky erhält Willemer-Preis
- Gleich drei Künstlerinnen freuen sich über Gabriele-Heidecker-Preis 2019
Einzelnachweise
- ↑ an.schläge – Widerstand projiziert, VIII 2023
- ↑ Parallax Paradoxon Eindhoven https://gloweindhoven.nl/en/project/parallax-paradoxon/
- ↑ Wien leuchtet 2015 https://www.youtube.com/watch?v=raCdtFOMfMM
- ↑ Jetzt Zeichen setzen! https://www.youtube.com/watch?v=hvFaInsOsSE
- ↑ Lichtstadt Feldkirch https://www.youtube.com/watch?v=wVN2kvCiPbI
- ↑ MQ https://www.mqw.at/programm/starsky-aka-julia-zdarsky-winter-of-love
- ↑ Live talk niemand https://www.youtube.com/watch?v=w9KIux1Tut4
- ↑ Transmediale 2008 https://www.youtube.com/watch?v=xdhYgPY4R_4
- ↑ starsky manifest 2015 https://www.youtube.com/watch?v=6RSYdArJm8A
- ↑ Über die Grenzen, Augsburg 2019 https://jmaugsburg.de/onlineangebote/ueber-die-grenzen-2/
- ↑ Trau di 2019 https://fiftitu.at/de/veranstaltung/event/trau-di
- ↑ 52 Radiominuten – Marianne.von.Willemer-Preis an starsky https://ars.electronica.art/mediaservice/de/2018/11/14/marianne-von-willemer-preis-fuer-digitale-medien-2018-geht-an-wiener-kuenstlerin-starsky/
- ↑ Gabriele Heidecker Preis vergeben https://www.meinbezirk.at/linz/c-leute/gabriele-heidecker-preis-vergeben_a3451857
- ↑ Kunst Universität Linz https://www.kunstuni-linz.at/studium/studienrichtungen/zeitbasierte-medien/masterstudium/gastprofessuren/julia-zdarsky
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Starsky |
| ALTERNATIVNAMEN | Zdarsky, Julia (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Medienkünstlerin |
| GEBURTSDATUM | 4. März 1967 |
| GEBURTSORT | Wien |
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