Stuart Karl
Stuart Karl (* 22. Juni 1953 in Pasadena, Kalifornien; † 16. August 1991 in Newport Beach, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Videoproduzent und Unternehmer, der von 1974 bis 1990 aktiv war. Einige Quellen nennen auch Altadena als Geburtsort.[1]
Leben
Karl wurde 1953 als Sohn von Barbara und George Karl im kalifornischen Pasadena geboren. Er hatte zwei Schwestern, Lynn und Kristina, und war der Onkel des Musikers Andrew McMahon, Sohn seiner Schwester Lynn.[1][2]
Er wuchs in La Cañada Flintridge auf und zog 1968 mit seiner Familie nach Corona del Mar, wo er die dortige High School besuchte, die er im Jahr 1971 abschloss. In Corona del Mar lebte er in der lokalen Surfkultur, die ihn prägte. Nach seiner Schulzeit begann er ein Studium am College der Chapman Universität in Orange, brach es jedoch nach gut anderthalb Jahren ab. 1974 lernte er seine spätere Frau Deborah kennen, als er die Lokalzeitung Newport-Mesa News in Newport Beach kaufte, wo sie als Redakteurin tätig war. Mit ihr hatte er die Söhne Hamilton und Cooper, der später selbst Filmemacher wurde.[1][2]
Nach einem fast zweijährigen Kampf gegen eine aggressive Form von Hautkrebs, einem malignem Melanom, starb er im Alter von 38 Jahren im Hoag Memorial Hospital von Newport Beach an den Folgen der Erkrankung. Er hinterließ seine Frau, seine Söhne, seine Eltern und Schwestern.[2]
Karriere
Ohne formale betriebswirtschaftliche Ausbildung arbeitete er zunächst als Wasserbettverkäufer. Er entdeckte sein Talent für Medien und Handel und das Potenzial von Fachzeitschriften während seiner Tätigkeit. 1974 übernahm er den Verlag der Lokalzeitung Newport-Mesa News in Newport Beach und verlegte ab Mitte der 1970er-Jahre unter anderem Fachzeitschriften für Wasserbetten sowie Saunen und Spas, darunter Magazine wie Spa & Sauna und ab 1979 Video Store, als der Markt mit Heimvideo-Kassetten und Videotheken entstand.[2][3]
1980 gründete er schließlich die Karl Video Corporation, später Karl Home Video, mit einem Schwerpunkt auf Fitness, Aerobic, Dokumentationen und Lehrvideos. Zu dieser Zeit war der Videomarkt vor allem von Zweitveröffentlichungen von Kinofilmen, Konzertmitschnitten sowie Pornofilmen dominiert.[1][2][3]
Der entscheidende Durchbruch gelang ihm 1982, als er die Schauspielerin Jane Fonda dazu brachte, ihr Fitnessprogramm als Videoserie umzusetzen – ein Vorschlag, der laut eigenen Angaben ursprünglich von seiner Frau Deborah stammte. Das erste Video, Jane Fonda’s Workout, wurde mit einem Budget von nur 50.000 US-Dollar produziert und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Videotitel dieses Segments; es machte Karl zum Millionär, begründete das Genre der Heim-Fitnessvideos und trug zur Aerobicwelle in den 1980er-Jahren bei. Weitere erfolgreiche Produktionen mit Fonda folgten, darunter Workout Challenge (1983) und New Workout (1985). Ergänzend brachte er auch begleitende Merchandising-Artikel heraus, wie die damals berühmt gewordenen Fitness- bzw. Schweißarmbänder. Neben Fonda arbeitete er auch mit anderen Stars wie Richard Simmons.[1][2][3][4]
Karl galt als „Video Boy Wonder“, ein innovativer Entrepreneur, der die Heimvideoindustrie entscheidend mitprägte.[2][4]
Im Jahr 1984 kaufte Lorimar Telepictures sein Unternehmen und gründete die Tochter Karl-Lorimar Home Video, deren Präsident Karl wurde. Lorimar erweiterte sein Angebot somit um Fitnessprogramme und Dokumentationen, ergänzt um Inhalte aus Lorimars Fernsehbibliothek. Neben Videokassetten und Laserdiscs wurden unter dem Musiklabel Karl-Lorimar Audio auch Audioproduktionen auf LP vertrieben, beispielsweise Minnesota Fats – The Sultan of Stroke (1986).[2][3][5]
1986 gründeten Karl, sein Vater George und zwei leitende Mitarbeiter die Firma Continental Marketing Distributors, die Karl-Lorimar mit Werbematerial belieferte. Da Karl und seine Partner ein finanzielles Interesse an Continental hatten, verstießen sie somit gegen Lorimars Ethikrichtlinien. Nach einem anonymen Hinweis deckte Lorimar 1987 die Vorgänge auf und Karl und seine Kollegen mussten zurücktreten. Lorimar warf ihm später vor, mindestens 250.000 US-Dollar veruntreut und weitere Darlehen nicht zurückgezahlt zu haben, während dieser behauptete, Lorimar schulde ihm Lizenzzahlungen.[2][3]
Parallel zu seiner geschäftlichen Karriere engagierte sich Karl politisch. Bereits ab 1983 unterstützte er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart und wurde zu einem wichtigen Fundraiser. Ehemalige Mitarbeiter berichteten, Karl habe Wahlkampfspenden über Strohleute abgewickelt und Mitarbeiter für Spenden an Hart, John Kerry und Kathleen Kennedy Townsend entschädigt. Diese illegalen Spenden führten zu Ermittlungen des FBI und belasteten Harts Kampagnen in den Jahren 1984 und 1988. Am 2. August 1988 bekannte sich Karl vor einem Bundesgericht in Santa Ana schuldig, fast 185.000 US-Dollar an illegalen Wahlkampfspenden verschleiert zu haben. Er wurden zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und erhielt eine Geldstrafe von 60.000 US-Dollar. Die Verurteilung verschärfte seine finanziellen Probleme, die bereits durch geschäftliche Verluste und Streitigkeiten mit Lorimar entstanden waren.[2][3]
1989 beantragte Karl Insolvenz nach Chapter 11, während der Internal Revenue Service (IRS) seine 1.400 Quadratmeter große Villa in Newport Beach wegen Steuerschulden von über 700.000 US-Dollar versteigern wollte. Trotz dieser Rückschläge blieb Karl optimistisch, erklärte 1990 vor Gericht, er wolle „nach vorne schauen, nicht zurück“, und übernahm Verantwortung für seine Fehler. Da er aufgrund einer Vereinbarung mit Lorimar vorübergehend nicht im Home-Video-Bereich arbeiten durfte, kündigte er die Gründung einer kleinen Filmproduktionsfirma an, Steel Wings in Newport Beach.[2][3] Er arbeitete bis kurz vor seinem Tod an neuen Projekten, darunter das Video Club Med Workout.[2] Ein weiteres Video, Attack: Andre Agassi & Nick Bollettieri, erschien im Jahr 1994 posthum.[1]
Auszeichnungen
1995 wurde er posthum in die „Video Hall of Fame“ aufgenommen; während der Zeremonie würdigte ihn Jane Fonda als visionären Pionier der Heimvideoindustrie.[2]
Filmografie (Auswahl)
- 1981: New Speed Reading
- 1982: Workout
- 1983: Thighs & Whispers
- 1983: Workout Challenge
- 1983: Why Do I Call You Sexy?
- 1983: Everyday with Richard Simmons
- 1983: Everyday with Richard Simmons: Family Fitness
- 1984: The Stomach Formula
- 1984: Money Hunt: The Mystery of the Missing Link
- 1984: Computability
- 1985: The Animal Alphabet
- 1985: New Workout
- 1985: Artists United Against Apartheid – Sun City[5]
- 1986: Clifford’s Sing-Along Adventure
- 1986: Voyage to Mermaid Island
- 1986: The Great Ape Activity Tape
- 1986: The Baseball Bunch: Pitching
- 1986: The Baseball Bunch: Hitting
- 1986: The Baseball Bunch: Fielding
- 1986: Deja View – The Ultimate 60's Party Video[5]
- 1990: How to Be a Great Grandparent
- 1994: Attack: Andre Agassi & Nick Bollettieri
Literatur
- Fast Forward (Dezember 1986). In: Playboy. Band 33, Nr. 12, 1986, S. 188 (englisch).
- Richard W. Stevenson: Troubled Entrepreneur: Stuart Karl; From Fonda and Hart To Flops and Hot Water. In: The New York Times. 7. Februar 1988, S. 12 (Section 3) (englisch, nytimes.com).
- Carla Rivera: Stuart Karl, Video Boy Wonder Hit by Scandal, Dies at 38. In: Los Angeles Times. 17. August 1991 (englisch, latimes.com).
Weblinks
- Stuart Karl bei IMDb
- Stuart Karl bei Discogs
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Stuart Karl. Internet Movie Database, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Carla Rivera: Stuart Karl, Video Boy Wonder Hit by Scandal, Dies at 38. In: Los Angeles Times. 17. August 1991 (englisch, latimes.com [abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ a b c d e f g Richard W. Stevenson: Troubled Entrepreneur: Stuart Karl; From Fonda and Hart To Flops and Hot Water. In: The New York Times. 7. Februar 1988, S. 12 (Section 3) (englisch, nytimes.com [abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ a b Fast Forward (Dezember 1986). In: Playboy. Band 33, Nr. 12, 1986, S. 188 (englisch).
- ↑ a b c Stuart Karl bei Discogs, abgerufen am 25. Juli 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Karl, Stuart |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Videoproduzent und Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 22. Juni 1953 |
| GEBURTSORT | Pasadena, Kalifornien, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 16. August 1991 |
| STERBEORT | Newport Beach, Kalifornien, Vereinigte Staaten |
Content Disclaimer
Informasi ini disarikan dari Wikipedia dan disajikan kembali untuk tujuan edukasi. Konten tersedia di bawah lisensi CC BY-SA 3.0. Kami tidak bertanggung jawab atas ketidakakuratan data yang bersumber dari kontribusi publik tersebut.
- The information displayed on this website is sourced in part or in whole from Wikipedia and has been adapted for the purpose of restating it. We strive to provide accurate and relevant information, however:
- There is no guarantee of absolute accuracy. Wikipedia is an open, collaborative project that can be edited by anyone, so information is subject to change.
- It is not intended to constitute professional advice. The content displayed is for informational and educational purposes only. For important decisions (e.g., medical, legal, or financial), please consult a professional.
- Content copyright. Wikipedia is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (CC BY-SA). This means that content may be reused with appropriate attribution and shared under a similar license.
- Responsible use. Any risk arising from the use of information from this website is entirely the responsibility of the user.