Sybil Pye

Sybil Pye, geboren als Anna Sybella Pye (* 18. November 1879 in Marylebone, London; † 1958), war eine englisch-britische Buchbinderin. Sie war Autodidaktin un…

Sybil Pye, geboren als Anna Sybella Pye (* 18. November 1879 in Marylebone, London; † 1958), war eine englisch-britische Buchbinderin. Sie war Autodidaktin und wurde berühmt für ihre charakteristischen Art‑déco‑Einbandarbeiten aus eingelegtem Leder. Gemeinsam mit Katharine Adams und Sarah Prideaux zählte sie zu den bedeutendsten Buchbinderinnen ihrer Zeit.[1]

Leben

Pye entstammte einer angesehenen Familie und war eines von sieben Kindern (vier Brüder und zwei Schwestern) von Margaret Thompson Kidston und William Arthur Pye, einem Weinhändler und Kunstsammler.[2] Die Familie lebte in Limpsfield, Surrey, in einem Haus namens Priest Hill. Zu ihren Nachbarn zählten mehrere liberal‑progressive Familien, darunter Sydney und Margaret Olivier sowie Edward und Constance Garnett; die Kinder waren miteinander befreundet. Die Eltern empfingen zahlreiche literarische und künstlerische Persönlichkeiten ihrer Zeit, darunter Laurence Binyon und T. Sturge Moore.[1]

Die älteste Schwester war Edith Mary Pye, die jüngste Schwester Ethel Pye und zu ihren Brüdern zählte David Randall Pye. Ihr Neffe David Pye, Sohn des Bruders Edmund Burns Pye (1878–1959), wurde Professor für Möbeldesign am Royal College of Art (RCA) und übergab später Pyes Nachlass dem RCA.[3]

Pye war in ihrer Kindheit gesundheitlich geschwächt; ihre erste berufliche Tätigkeit war die einer Lehrerin in einem privaten Kindergarten. Pye und ihre Schwester Ethel gehörten zum Freundeskreis Rupert Brookes; dazu zählten unter anderem die Brynhild Olivier und David Garnett. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1933 zogen die beiden Schwestern nach Newick, East Sussex, um in der Nähe einer ihrer Brüder zu leben. Keine von beiden heiratete; sie lebten und arbeiteten ihr gesamtes Leben zusammen, obwohl T. Sturge Moore ihr einen Heiratsantrag machte und die Gedichte in der Sammlung The Little School (1905) für sie schrieb.[1]

Sie begegnete Moore erstmals 1899 und es entstand eine lebenslange enge Freundschaft. Nachdem Moore sie mit dem Künstler und Buchgestalter Charles Ricketts bekannt gemacht hatte, entwickelte sie ein Interesse an der Buchbinderei. Sie brachte sich das Handwerk autodidaktisch bei, unter anderem mithilfe von Douglas Cockerells Standardwerk Bookbinding and the Care of Books,[4] nutzte jedoch Moore und Ricketts während ihrer gesamten Laufbahn als Berater und Kritiker. 1906 fertigte sie ihre erste Bucheinbindung, nachdem sie im Haus ihres Vaters eine Werkstatt eingerichtet hatte. Ihre frühen Arbeiten waren aus weißem oder naturbelassenem Schweinsleder, später verwendete sie zunehmend farbige Ziegenleder‑Einlagen; 1934 band sie ein Buch mit sechs verschiedenfarbigen Einlagen.

1925 legte sie ein Verzeichnis der von ihr gebundenen Bücher an und führte dieses bis 1955 fort. Von 1910 bis 1946 wurden ihre Arbeiten regelmäßig in England und international ausgestellt. 1931 beauftragte der Buchsammler John Roland Abbey sie mit der Ausführung eines Einbands nach seinem eigenen Entwurf für Siegfried Sassoons Memoirs of an Infantry Officer. Zu Lebzeiten fertigte sie schätzungsweise 164 Bucheinbände an. Gegen Ende ihrer Tätigkeit litt die Qualität ihrer Arbeit infolge einer nie vollständig ausgeheilten Handgelenksverletzung. Pye zählte zu den jüngsten Buchbinderinnen der Zwischenkriegszeit.[1][5]

Pye starb 1958 im Alter von 79 Jahren.[1] Ihre Werke befinden sich heute sowohl in privaten Sammlungen als auch in institutionellen Beständen, darunter das Boston Athenaeum, die J.P. Getty Library in Wormsley Park, das Fitzwilliam-Museum in Cambridge[6], die University of Manchester Library[7] und die Duke University's Rubenstein Rare Book Library's Lisa Unger Baskin Collection.[8]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Marianne Tidcombe: Women Bookbinders in Britain before the First World War. In: David Pankow (Hrsg.): Proceedings: A Collection of Papers from the June 2000 Conference Celebrating the Installation and Opening of the Bernard C. Middleton Collection of Books on the History and Practice of Bookbinding. Melbert B. Cary, jr. Graphics Arts Collection, Wallace Library, Rochester Institute of Technology, Henrietta, NY 2002, ISBN 978-0-9713459-2-8, Kap. 2, S. 6, 53–70, 153–155, 208–214.
  2. Sybil Oldfield: Pye, Edith Mary (1876–1965). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37871 (englisch).
  3. Sybil Pye notebooks (1 box), RCA/SP/ND. In: Archives & collections, Our collections, Other Archives and Manuscripts. Royal College of Art, abgerufen am 18. Januar 2026.
  4. Douglas Cockerell: Bookbinding and the Care of Books. D. Appleton and Company, New York City 1902 (archive.org).
  5. Pye, Sybil: Catalogue of an exhibition of book-bindings. Pelican Press, London 1930 (bostonathenaeum.org).
  6. Erin Fletcher: September // Bookbinder of the Month: Sybil Pye. In: Blog „Fish of the Hand“. Herringbone Bindery, 1. September 2012, abgerufen am 18. Januar 2026.
  7. Sybil Pye binding. University of Manchester Library, abgerufen am 18. Januar 2026.
  8. Lisa Unger Baskin Collection: About. Duke University Libraries, abgerufen am 18. Januar 2026.

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