Table des Marchands
Die Table des Marchands (deutsch Tisch der [Kaufmanns-Familie] Marchand, bretonisch An Daol Varchant) liegt in Locmariaquer im Département Morbihan in der Bret…
Die Table des Marchands (deutsch Tisch der [Kaufmanns-Familie] Marchand, bretonisch An Daol Varchant) liegt in Locmariaquer im Département Morbihan in der Bretagne in Frankreich. Das Megalithgrab wurde im Jahr 1889 zum Monument historique[1] erklärt.
Datierung
Ausgrabungen in den 1980er und 1990er Jahren haben ergeben, dass das jungsteinzeitliche Bauwerk wahrscheinlich zu Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. errichtet wurde, nachdem eine Steinreihe aus 16 Plattenmenhiren ('alignement a-q') aus der Zeit um 4500 v. Chr., welche auf der Stelle der heutigen Grabkammer stand, zerstört worden war. Serge Cassen teilt die Nutzung des Grabes in sechs Phasen ein[2]:
- Phase 0: vor dem Bau der erste megalithischen Monumente, Funde mesolithischer Silices und neolithischer Keramik
- Phase 1, 5. Jahrtausend, Aufstellung einer Reihe von Dolmen, die durch Standspuren nachgewiesen sind
- Phase 2: Sturz der Menhire, vielleicht durch ein Erdbeben, Wiederverwendung im Rahmen der Castellic-Kultur
- Phase 3: Bau des Megalithgrabs
- Phase 4: Auflassung des Grabes am Ende des 4. Jahrtausends. In der Folge finden sich archäologische Reste aus der Bronzezeit, der Gallo-römischen Epoche und verschiedener nachfolgender Kulturen.
- Phase 5: Archäologische Untersuchungen seit dem 18. Jahrhundert.
Architektur
Rekonstruktion

Zum Schutz der Gravuren im Innern des Bauwerks wurden im Rahmen der Ausgrabungsarbeiten Gang und Hügel – im Wesentlichen nach dem Vorbild von Gavrinis – rekonstruiert. Dabei wurden die meisten Tragsteine (Orthostaten) sowie sämtliche Decksteine des Gangbereichs völlig neu zugehauen und eingesetzt. Anschließend wurden die Lücken zwischen den Megalithen mit Bruchsteinen geschlossen und der Cairn aufgeschichtet.
Untergrund
Bei den genannten Ausgrabungen wurde festgestellt, dass der sandige Baugrund mit Flint, Kieseln und Keramikscherben angereichert wurde – wahrscheinlich um ein Einsinken des gewaltigen Bauwerks zu verhindern.
Steine
Das beim Bau verwendete Steinmaterial war hauptsächlich vor Ort anstehender Granit; die Bodenplatten bestehen hingegen aus dem ebenfalls in der Nähe vorkommenden Sandstein. Mehrere Steine (darunter zwei gegenüberliegende Steine im Gang und die etwa 5,70 m in der Länge und ca. 4,10 m in der Breite messende Deckenplatte) bestehen aus Orthogneis, der leicht zu bearbeiten war, jedoch aus Steinbrüchen bei der etwa 10 km nördlich gelegenen Stadt Auray herbeigeschafft werden musste und bei den älteren – später allesamt zerbrochenen – Großmenhiren häufiger verwendet wurde. Der beinahe dreieckig behauene Hauptstein der Grabkammer wurde aus hellerem und ebenfalls leicht zu bearbeitenden Sandstein gefertigt.
Hügel

Die heutige Anlage ist ein weitgehend rekonstruierter Dolmen in einem Steinhügel. Ausgrabungen haben gezeigt, dass der Bau von einem zweistufigen Hügel aus kleinen Bruchsteinen eingefasst war, der – zur Abwehr von eindringendem Regenwasser – möglicherweise eine Abdeckung aus Sand, Erde und Gras erhielt. Der Hügel wurde jedoch bereits vor Jahrhunderten abgetragen, so dass sich das Bauwerk lange Zeit als monumentaler tischförmiger Dolmen präsentierte.
Dolmen
Das Trilithenportal des Dolmens ist m nur etwa 1,40 m hoch. Hinter dem Eingang steigt die Höhe der Decksteine bis hin zur etwa 2,70 m hohen Hauptkammer gleichmäßig an – ein Gestaltungselement, das sich bei etlichen, jedoch nicht bei allen Ganggräbern findet.

Ornamentik
Während die Tragsteine (Orthostaten) im Gang allesamt unverziert sind, zeigt der insgesamt etwa 3,20 m hohe und spitzbogig behauene Stein an der Stirnseite der Kammer 49 reliefartig herausgearbeitete und nach links oder rechts weisende Krummstäbe; sie wurden als Waffen, aber auch als Sonnenstrahlen oder Ähren gedeutet. Ein weiterer Stein mit einfacher gestalteten Krummstäben befindet sich in der Hauptkammer von Gavrinis. Am äußeren Rand des Steins, dessen sichtbarer Teil annähernd die Form eines Schildes hat, wiederholt sich das Krummstab- oder Hakenmotiv. In der Mitte befindet sich ein stark verblasstes Symbol sowie die Inschrift „Gazelle“, welche wahrscheinlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der schiffbrüchigen und hier Schutz suchenden Besatzung eines Fischerboots eingeritzt wurde. Mit seiner spitzbogigen, beinahe dreieckigen Form ist dieser Stein in seiner Funktion als Tragstein so ungewöhnlich, dass die Forschung heute davon ausgeht, dass es sich um eine bereits an diesem Platz befindliche Stele handelt, die erst später in den Dolmen integriert wurde.
Auf der nach unten gewölbten Deckenplatte, das untere Teilstück eines – wahrscheinlich absichtlich zerstörten – älteren Menhirs, dessen Mittel- und Oberteil sich als Deckenplatten der Hauptkammern in den Dolmen von Gavrinis bzw. von Er Grah befinden, sind die Darstellungen eines sogenannten Axtpfluges sowie die Vorderbeine, der Brustbereich und Kopfteile eines Rindes zu erkennen; die Hörner des Tieres finden sich auf dem Deckstein von Gavrinis.
Bedeutung
Die Wiederverwendung von Steinen von zerstörten älteren Menhiren lässt auf einen kulturell-religiösen Wandel in der Zeit um 4000 v. Chr. schließen.
Umgebung
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Table des Marchand liegen der umgestürzte Grand Menhir-Brisé und der Dolmen Er Grah (oder Er Vinglé). Das Ganggrab von Mané Rutual und der in vier Teile zerbrochenene Bronzo-Menhir (Men-Bronso) befinden sich in etwa 300 bis 350 m Entfernung.
Siehe auch
Literatur
- Serge Cassen (Hrsg.): Autour de la Table. Explorations archéologiques et discours savants sur des architectures néolithiques à Locmariaquer, Morbihan. Laboratoire de recherches archéologiques (LARA) – Universität Nantes, Nantes 2009, ISBN 978-2-86939-228-1.
- Serge Cassen, De la construction à la reconstruction, en passant par la ruine. Une synthèse archeologique autour de la barre de steles du Gran Menhir et la tombe à couloir de la Table des Marchands (Locmariaquer, Morbihan, France). Cuadernos de arqueología de la Universidad de Navarra 16/6, 2018, 9-39.
- Charles-Tanguy Le Roux, Éric Gaumé, Yannick Lecerf, Jean-Yves Tinevez: Monuments mégalithiques à Locmariaquer (Morbihan). Le long tumulus d'Er Grah dans son environnement. Gallia préhistoire, Supplément 38. CNRS éditions, Paris 2006, ISBN 2-271-06490-2.
- Zacharie Le Rouzic, Charles Keller. Locmariaquer, la table des Marchands: ses signes sculptès et ceux de la pierre gravée du dolman de Mané-er-h'roëk. Saint-Brieuc, Bretagne Touristique, 1927.
Weblinks
- Table des Marchand – Fotos + Infos (engl.)
- Table des Marchand – Fotos etc. (engl.)
- Megalithbauten in Morbihan (englisch)
- Table des Marchand – Fotos + Infos
Einzelnachweise
- ↑ Table des Marchand, Locmariaquer, PA00091386 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
- ↑ Serge Cassen, De la construction à la reconstruction, en passant par la ruine. Une synthèse archeologique autour de la barre de steles du Gran Menhir et la tombe à couloir de la Table des Marchands (Locmariaquer, Morbihan, France). Cuadernos de arqueología de la Universidad de Navarra 16/6, 2018, 9-39.
Koordinaten: 47° 34′ 19″ N, 2° 57′ 0″ W
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