Tillysee

Besonderheiten

Tillysee
Tillysee
Blick auf den Tillysee vom Südufer, Mai 2011
Geographische Lage Gemeinde Wardenburg, Landkreis Oldenburg, Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse Hallwiesen-Vorfluter (im Nebenschluss)
Abfluss Hallwiesen-Vorfluter (im Nebenschluss)
Ufernaher Ort Wardenburg
Daten
Koordinaten 53° 4′ 45″ N, 8° 12′ 9″ OKoordinaten: 53° 4′ 45″ N, 8° 12′ 9″ O
Tillysee (Niedersachsen)
Tillysee (Niedersachsen)
Höhe über Meeresspiegel m ü. NN
Fläche 11,3 ha
Länge 500 m
Breite 300 m
Umfang 1,3 km

Besonderheiten

Baggersee

Höhenschichtung des Geländes um den Tillysee

Der Tillysee ist ein Binnensee im Landkreis Oldenburg, in der Nähe der südlichen Stadtgrenze der Stadt Oldenburg. Er gehört zur Gemeinde Wardenburg.

Lage und Umgebung

Der See liegt rund einen Kilometer südöstlich der Ortschaft Tungeln und rund 1,2 Kilometer nordöstlich von Wardenburg. Unmittelbar westlich des Sees fließt die Hunte. Die nächstgelegenen Siedlungen sind die 500 Meter westlich gelegene Südheide sowie Bei der Iburg unmittelbar am Südufer.

Westlich des Sees liegt ein rund 14 Hektar großes Waldgebiet mit einem alten Schießstand.[1][2] Südwestlich des Tillysees liegt der Tillyhügel. Dort befindet sich ein kleiner Parkplatz. See und Hügel wurden nach dem Heerführer und Feldherren des Dreißigjährigen Krieges Johann T’Serclaes von Tilly benannt.

Beschreibung

Der See hat eine Wasserfläche von 11,3 Hektar und einen Umfang von rund 1,3 Kilometern. Er weist eine annähernd regelmäßige Form auf und ist zwischen 300 und 500 Meter breit. Die Wasseroberfläche liegt auf einer Höhe von etwa drei Metern über Normalnull und damit rund drei Meter unter dem Niveau der nahegelegenen, an dieser Stelle eingedeichten Hunte. Eine unmittelbare Entwässerung in den Fluss erfolgt daher nicht.

Als Teil eines Naturschutzgebiets ist der Tillysee Lebensraum zahlreicher, zum Teil seltener Tier und Pflanzenarten, darunter der Eisvogel. Zum Schutz dieses sensiblen Ökosystems gelten für das Gebiet weitreichende Nutzungsbeschränkungen. Die Nutzungsrechte des Sees teilen sich ausschließlich der Fischereiverein Wardenburg e.V. und die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems (BSH).[3][4]

Wasserqualität

Der Tillysee wird regelmäßig hinsichtlich seiner Wasserqualität untersucht. Die Analysen weisen trotz des äußerlich klaren Wassers einen sauren pH-Wert von etwa 5,5 nach. Der niedrige pH-Wert führte wiederholt zu Fischsterben, da saure Gewässer die Atmung der Fische über die Kiemen beeinträchtigen können. Gleichwohl leben im See verschiedene Fischarten, darunter größere Bestände an Jungfischen. Der Pflanzenbewuchs ist vergleichsweise gering.[5]

Als mögliche Ursache für den dauerhaft niedrigen pH-Wert wird unter anderem der in den 1980er Jahren verbreitete saure Regen genannt.[5] Im Jahr 2023 wurden bei Wasseruntersuchungen erhöhte Konzentrationen von Cyanobakterien (Blaualgen) festgestellt.[6]

Geschichte

Geschichte des Sees

Der Tillysee ist ein Baggersee, der in den 1970er Jahren durch den Abbau von Sand für den Bau der Bundesautobahn 29 entstand. Der Bau der Autobahn wurde 1969 beschlossen. Eigentümer des Sees und des umliegenden Geländes ist die Gemeinde Wardenburg. Im Jahr 1982 übertrug sie die Nutzungsrechte an den Fischereiverein Wardenburg e. V. sowie an die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser Ems.[4]

Geschichte des Alten Schießstands

Zwischen dem heutigen Tillysee und der Oldenburger Straße entstand 1937 im Norden Wardenburgs der Tungeler Schießstand. Das Gelände war bereits 1934 von der Wehrmacht von ortsansässigen Landwirten erworben worden. Die Anlage umfasste vier Maschinengewehrschießstände, darunter zwei mit einer Schussbahn von 300 Metern Länge. Zum Schutz vor unbefugtem Betreten war sie von einem Gitterzaun sowie einer rund 90 Meter langen und fünf Meter hohen Betonmauer umgeben. Zur Ausstattung gehörten außerdem ein Wachgebäude, eine Kantine, Mannschaftsunterkünfte und Munitionsbunker. Der Schießstand diente bis 1945 vor allem der Schießausbildung von Wehrmachtssoldaten aus Oldenburg, ab dem 27. August 1939 waren auch Angehörige von SA und SS dort tätig.[1][2]

Am 1. Februar 1945 wurde auf dem Gelände der 29-jährige Wehrmachtssoldat Heinrich Bootz wegen des Vorwurfs der Desertion hingerichtet.[1][2]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage am 1. Mai 1945 von kanadischen Truppen besetzt. Mit der Aufstellung der Bundeswehr ging sie 1956 wieder in deutsche Verwaltung über. 1982 erwarb die Gemeinde Wardenburg das Gelände von der Bundesvermögensverwaltung. Ein geplanter Bürgerpark wurde nicht verwirklicht. Stattdessen schloss die Gemeinde mit der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems einen Nutzungsvertrag.[2][7]

Die Zugänge zu den Munitionsbunkern wurden später aus Sicherheitsgründen verschlossen. Anfang der 1950er Jahre ereignete sich in der Nähe des ehemaligen Schießstands ein tödlicher Unfall, als zwei zehn und zwölf Jahre alte Schüler der Wardenburger Volksschule beim Hantieren mit einer aufgefundenen Granate ums Leben kamen.[2][7]

Heute ist das Gelände des ehemaligen Schießstands Teil des Naherholungsgebiets am Tillysee. Das Areal wird von Ehrenamtlichen der BSH gepflegt. Von der einstigen Anlage sind nur noch wenige bauliche Reste erhalten.[8]

Umgang mit dem Badeverbot

Das Baden ist im See offiziell verboten, darüber hinaus sind im Uferbereich das Grillen, Zelten sowie das Entzünden von Feuer untersagt. Die Einhaltung der Regelungen wird kontrolliert und Verstöße werden mit Platzverweisen, Verwarnungen oder Bußgeldern geahndet.[3][9] Die Verbote dienen nach Angaben der Gemeinde der öffentlichen Sicherheit sowie dem Schutz der Natur. Als ehemaliger Baggersee weist der Tillysee unter anderem steil abfallende Ufer und starke Tiefenunterschiede auf. Zudem ist das Gewässer kein ausgewiesener Badesee und die Uferbereiche dienen als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.[10]

Ungeachtet des Badeverbots wird der Tillysee insbesondere in den Sommermonaten als Badesee genutzt.[11] Besucher stammen vor allem aus Wardenburg und den südlichen Stadtteilen Oldenburgs wie Kreyenbrück oder Bümmerstede. Eine geregelte Müllentsorgung sowie sanitäre Einrichtungen sind am See nicht vorhanden. In den Sommermonaten wird wiederholt über Müllablagerungen im Uferbereich berichtet. Am Tillysee ereigneten sich entsprechend mehrfach Badeunfälle. Beispielsweise kam im Juli 2013 ein 30-jähriger Mann ums Leben, nachdem er von einer Schaumstoffmatte ins Wasser gestürzt war.[12][13][14]

Bildergalerie

Siehe auch

Commons: Tillysee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 312.
  2. a b c d e Werner Fademrecht: Schatten liegt über Schießstand. In: NWZonline.de. 24. November 2007, abgerufen am 29. Juli 2026.
  3. a b Gemeinde: Tilly-See ist kein Freibad. In: NWZonline.de. 3. August 2012, abgerufen am 29. Juli 2026.
  4. a b Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 382–383.
  5. a b Holger Hadinga: Tillysee in der Tiefe zu sauer. In: NWZonline.de. 17. Oktober 2005, abgerufen am 29. Juli 2026.
  6. Erhöhte Blaualgenkonzentration: In Wardenburgs Tillysee lauert Gefahr. In: NWZonline.de. 12. September 2023, abgerufen am 29. Juli 2026.
  7. a b Christopher Hanraets: Als Wardenburg britisch wurde. In: NWZonline.de. 13. August 2015, abgerufen am 29. Juli 2026.
  8. Freiwillige pflegen Gelände am Alten Schießstand. In: NWZonline.de. 14. September 2022, abgerufen am 29. Juli 2026.
  9. Baden und Grillen im Tillysee Wardenburg verboten: Gemeinde und Polizei kündigen strenge Kontrollen an. In: NWZonline.de. 21. Mai 2024, abgerufen am 29. Juli 2026.
  10. Badeverbot am Tillysee. Gemeinde Wardenburg, 25. Juni 2026, abgerufen am 29. Juli 2026.
  11. Horst Lachmann: Die Wardenburger liebten und genossen ihren schönen Huntestrand über alles. Nr. 131. Gemeindespiegel, Wardenburg Juni 2004.
  12. Tödlicher Badeunfall: 30-Jähriger ertrinkt. 18. Juli 2013, abgerufen am 31. Juli 2026.
  13. 30-jähriger Oldenburger ertrinkt im Tilly-See. In: NWZonline.de. 18. Juli 2013, abgerufen am 31. Juli 2026.
  14. Christina Steinacker: Mann ertrinkt im Tilly-See. 19. Juli 2013, abgerufen am 31. Juli 2026.

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