Ulai
Ulai oder Ulā ist eine antike Bezeichnung für einen Fluss in der Nähe von Susa, der Hauptstadt des Reiches von Elam, in der heutigen Provinz Chuzestan im Sü…

Ulai oder Ulā ist eine antike Bezeichnung für einen Fluss in der Nähe von Susa, der Hauptstadt des Reiches von Elam, in der heutigen Provinz Chuzestan im Südwesten Irans. Der Ulai wird heute zumeist mit dem Karche identifiziert, wobei allerdings der Lauf des Karche in der Vergangenheit im Unterlauf Veränderungen unterlag, worauf schon Loftus hinwies[1], den allerdings die Hitze von genaueren Erkundungen abhielt. Der Fluss teilte sich rund 30 km nordöstlich von Susa in zwei Arme, wobei der westliche Arm an der Zitadelle von Susa entlangführte und dann westwärts durch die mesopotamischen Marschen führte und schließlich in den Schatt al-Arab mündete, während der östliche Arm östlich an Susa vorbeiführte und dann dem heutigen Unterlauf des Karun folgte. Der westliche Flussarm (der heutige Karche) hat in nachalexandrinischer Zeit seinen Lauf noch einmal weiter westwärts verlagert, sodass er heute zwei km westlich an Susa vorbeifließt, während die Verbindung zur Mündung des Karun über den östlichen Flussarm nicht mehr besteht.
Der elamitische Name des Ulai war Ulā (ú-la-a), er ist seit der mittelelamischen Periode bekannt[2]. Am Ulai fand Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. eine Schlacht zwischen dem elamischen König Hutelutuš-Inšušinak und den Babyloniern unter Nabû-kudurrī-uṣur I. statt, in der die Elamiter angeblich unterlagen, ohne dass die Babylonier die nahe gelegene elamitische Residenz Susa einnehmen konnten.
Die Assyrern bezeichneten den Fluss ebenfalls als Ulā oder Ulaia. Er wird unter anderem im Zusammenhang mit einem Feldzug des assyrischen Königs Aššur-bāni-apli gegen die Elamiter unter Te-umman (verm. Tempti-Huban-Inšušinak) 653 v. Chr. oder 663[3] und der Schlacht am Ulai bei Tell Tuba[4] genannt. Der "heilige" Ulai-Strom wird mehrfach im Gilgamesch-Epos erwähnt, allerdings erst in Versionen aus dem 8. oder 7. Jahrhundert[5]. Bekannt ist der Ulai (hebräisch: אולי, griech. Οὐβάλ) vor allem, weil er zwei Mal als Ort einer Vision des biblischen Propheten Daniel erwähnt wird: Dan 8,2 EU Dan 8,16 EU.
In hellenistischer Zeit war der Ulai oder Teile davon vermutlich als Elaios bekannt. Dies widerspricht allerdings den Angaben von Plinius[6]. Loftus nahm an, dass es sich bei dem westlichen Arm um den Choaspes, bei dem östlichen um den Elaios handele[7].
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ William Kennett Loftus, On the Determination of the River "Eulaeus" of the Greek Historians. Journal of the Royal Geographical Society of London 27, 1857, 128f.
- ↑ Daniel T. Potts, Elamite Ulā, Akkadian Ulaya, and Greek Choaspes: A Solution to the Eulaios Problem. Bulletin of the Asia Institute NS 13, 1999, 27
- ↑ Javier Álvarez-Mon, ASHURBANIPAL’S FEAST: A VIEW FROM ELAM. Iranica Antiqua 44, 2009, 136. doi:10.2143/IA.44.0.2034378
- ↑ Matthews, Roger, Nashli, Hassan Fazeli, The archaeology of Iran from the Palaeolithic to the Achaemenid empire. Oxford, Taylor and Francis 2022, 452
- ↑ Daniel T. Potts, Elamite Ulā, Akkadian Ulaya, and Greek Choaspes: A Solution to the Eulaios Problem. Bulletin of the Asia Institute NS 13, 1999, 27
- ↑ Austen Henry Layard, G. Long, Ancient Sites among the Baktiyari Mountains, with Remarks on the Rivers of Susiana and the Site of Susa. Journal of the Royal Geographical Society of London 12, 1842. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/1797983
- ↑ William Kennett Loftus, On the Determination of the River "Eulaeus" of the Greek Historians. Journal of the Royal Geographical Society of London 27, 1857, 122f.
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