W Social

W Social ist ein von privaten Investoren finanzierter europäischer Kurznachrichtendienst, der in der Betaversion am 17. Juni 2026 für die Öffentlichkeit frei…

W Social
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Logo von W Social
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Europäisches Soziales Netzwerk
Sprachen Englisch
Sitz Stockholm
Betreiber W Social AB, Stockholm
Online seit 17. Juni 2026
(aktualisiert 17. Juni 2026)
https://wsocial.eu

W Social ist ein von privaten Investoren finanzierter europäischer Kurznachrichtendienst, der in der Betaversion am 17. Juni 2026 für die Öffentlichkeit freigeschaltet wurde. Er ist konzipiert als Alternative zu entsprechenden außereuropäischen Angeboten wie X. W Social wirbt damit, dass es auf europäischen Servern, nach europäischen Gesetzen und den EU-Datenschutz-Regeln betrieben wird. Ziel sei unter anderem, Bots auszuschließen. Zentral für das Konzept ist, dass ausschließlich menschliche Benutzerkonten über 18 Jahre zugelassen sind. Das soll über eine Verifikation per Ausweisdokument sichergestellt werden. Geleitet wird das Projekt von der Juristin Anna Zeiter.

Name

Das Logo besteht aus dem Buchstaben W, der aus zwei V zusammengesetzt ist. Dabei steht nach Angaben von W Social das W für Wir, und die zwei V für Values, also Werte, und für Verifiziert.[1]

Verifizierung und Datensicherheit

Die Verifizierung der Nutzenden läuft über den Chip im elektronischen Ausweis.[2] Abgefragt werden dabei Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum sowie ein offizieller Ausweis oder Reisepass per Foto oder NFC-Scan und ein Selfie. Verarbeitet werden diese Daten nach Darstellung von W Social nicht vom Betreiber selbst, sondern von der als rechtlich eigenständig bezeichneten Gesellschaft W Identity („separate legal entity“). W Social selbst erhält nach eigener Darstellung nur eine W-Identity-Kennung, die Nationalität und das Geburtsjahr.[3] Nach der Überprüfung würden die Daten gelöscht, es bleibe nur ein verschlüsselter Token.[2] Die Daten bleiben laut Betreiber auf dem eigenen Gerät; W Social wolle sie nicht speichern. Geprüft werde nur, ob hinter dem Konto ein Mensch steht,[1] der mindestens 18 Jahre alt sei.[2] Auf diese Weise sollen Bots ausgeschlossen werden.[4]

Die Identität der Nutzenden könne zwar nach Darstellung des Unternehmens nicht rückverfolgt werden, doch laut der Datenschutzerklärung kann W-Identity personenbezogene Daten offenlegen, wenn es durch „rechtliche Verpflichtung, Gerichtsbeschluss oder bindende Behördenanfrage“ dazu gezwungen werde oder wenn es „zur Geltendmachung, Ausübung oder Abwehr von Rechtsansprüchen erforderlich“ sei. Personenbezogene Daten werden demnach so lange aufbewahrt, „wie es für die in dieser Datenschutzerklärung beschriebenen Zwecke erforderlich ist“.[5]

Die öffentliche Anonymität bleibe gewahrt, da es möglich sei, mit Pseudonym aufzutreten.[1]

Technik

Das Netzwerk läuft mit dem offenen AT-Protokoll, das auch von Bluesky und Eurosky genutzt wird; somit ist es von Anfang an möglich, mit deren rund 40 Millionen Nutzern zu kommunizieren.[1] Über Dienste wie Bridgy Fed kann mit Nutzenden anderer Protokolle interagiert werden. Das trifft beispielsweise auf ActivityPub zu, das unter anderem von Mastodon verwendet wird. Nach Einschätzung des Tech-Magazins 1E9 ist W Social „lediglich eine leichte Anpassung“ der quelloffenen Bluesky-App.[5]

Der Quellcode des Dienstes wurde nicht öffentlich gemacht; er ist also, anders als zunächst angekündigt, nicht quelloffen.[6]

Finanzierung und Organisation

W Social ist ein Tochterunternehmen[7] von We Don't Have Time. Das klimapolitische Medienunternehmen des schwedischen Investors und Medienmanagers Ingmar Rentzhog[7] ist mit 25 Prozent[8] Hauptanteilseigner.[7] Rund 80 weitere private Investoren[9] kommen vorwiegend aus Nordeuropa.[8]Eine Übernahme durch US-Tech-Firmen sei ausgeschlossen, da das Unternehmen laut Satzung nur Geld von europäischen Firmen annehmen darf.[9]

Später soll sich der Dienst über Werbung finanzieren. Die Betreiber versprechen, dass dafür keine sensible Daten ausgewertet würden.[1] Es ist auch geplant, dass einzelne Artikel hinter einer Bezahlschranke[2] über Mikrozahlungen gekauft werden können, ohne dass dafür ein Abonnement abgeschlossen werden müsse.[1]

Personal

Geschäftsführerin ist die Juristin und Mitgründerin Anna Zeiter, ehemalige Leiterin der Datenschutzabteilung bei Ebay.[1]

Im Beirat des Unternehmens sitzen unter anderen der Manager und ehemalige FDP-Vorsitzende Philipp Rösler, die Energiepolitik-Expertin Sandrine Dixson-Declève, Cristina Caffara, Vorstandsmitglied bei EuroStack,[7] und verschiedene „Tech­investoren“[2]

Kritik

Zu dem Verifizierungsverfahren mit Ausweis und Foto wurden im Fachmagazin cybernews schwerwiegende Sicherheitsbedenken geäußert. Mit dem Hochladen des Ausweises bzw. der darauf gespeicherten Informationen einschließlich der hinterlegten biometrischen Daten werde mit einem schlichten Anmeldevorgang ein vollständiger Datensatz von der Identität einer Person erstellt. Wenn diese hochsensiblen Daten in die falschen Hände gerieten, seien Identitätsdiebstahl, Fälschung von Reisedokumenten, das Eröffnen falscher Bankkonten und vieles mehr möglich. Auch wenn Anbieter versprächen, dass Daten sicher übertragen oder nicht dauerhaft gespeichert würden, habe sich gezeigt, dass genau diese Methode der Verifizierung immer wieder versage. Als Beispiel wurde der massive Cyberangriff auf die Dating-App Tea genannt,[10] bei dem 72.000 Bilder erbeutet wurden. Darunter waren Fotos von Personaldokumenten. Die Betreiber hatten versprochen, dass die Daten nach der Verifikation gelöscht würden, doch Jahre später wurden sie bei dem Angriff erbeutet.[11]

Der Dienstleister W-Identity, der die Verifikation durchführt und den W Social als „rechtlich eigenständig“ bezeichnet, ist kein unabhängiger Drittanbieter; er ist an derselben Adresse wie W Social registriert und beide werden von Anna Zeiter und Lars Rentzhog geführt. Das sorgt beim Technikmagazin 1E9 für Skepsis gegenüber der Darstellung, die Identitätsprüfung sei klar vom sozialen Netzwerk getrennt.[5]

Dort wird auch bezweifelt, wie eigenständig und europäisch das Projekt in technischer Hinsicht ist, denn es nutzt auch die Infrastruktur von Bluesky. Es bilde keinen eigenen Feed ab, sondern den von Bluesky. Damit sei es letztlich nur eine weitere „Eingangstür“ in das AT-Netzwerk.[5]

In der Computerzeitschrift Chip wurde angemerkt, dass die Ausweispflicht Menschen von einer Anmeldung abhalten könnte.[12]

Netzpolitik.org-Autor Markus Reuter kritisiert, das Konzept leiste Identifizierungspflichten und Alterskontrollen im Netz Vorschub. Zugleich fragte er, warum man einem Projekt mit dem profitorientierten schwedischen Unternehmen als Geldgeber und mit Führungspersonal vertrauen solle, zu dem „Leute von Spotify und Ericsson“ gehörten, statt bestehenden, nicht kommerziellen Alternativen aus dem Fediverse wie Mastodon, Bluesky oder Eurosky.[13]

Bei Heise online wird kritisiert, dass bestimmte Inhalte hinter eine Bezahlschranke gestellt werden sollen.[6] Im Heise-Podcast Haken dran wird kritisiert, dass W Social bislang „viele Fragen offen“ lasse, fragwürdig kommuniziere und die Mitgründerin Zeiter „gezielt konservative Medien und Politiker“ anspreche, ohne die es laut Zeitler „genauso langweilig wie Bluesky“ wäre. Auf der Weltkarte, die auf W Social gezeigt wird, und die die großen sozialen Netze zeigen soll, ist Europa leer. Damit werde der bereits etablierte quelloffene und nicht kommerzielle Dienst Mastodon unterschlagen. Er kommt aus Deutschland.[14]

Verweise

Commons: W Social – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Jörg Schieb: W Social - Eine europäische Alternative zu X startet. In: Westdeutscher Rundfunk, 17. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  2. a b c d e Thomas Benkö: «Auch Alice Weidel ist bei uns willkommen», In: Blick.ch, 14. Juni 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  3. Privacy Notice - W Identity. In: W Identity (englisch), abgerufen am 20. Juni 2026.
  4. Nabil Atassi: W Social: Was steckt hinter der europäischen X-Alternative?. Interview mit Anna Zeiter im Südwestrundfunk, 20. Mai 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.
  5. a b c d Michael Förtsch: W Social: Europas X-Alternative wirft so manche Frage auf. In: 1E9, 23. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.
  6. a b Martin Holland: Nach Eurosky: W Social klinkt soziales Netzwerk für Europa an Bluesky-Technik an. In: Heise online, abgerufen am 20. Juni 2026.
  7. a b c d Marc Kowalski: W Social will Twitter Konkurrenz machen.In: Bilanz, 19. Januar 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  8. a b Tamsin Paternoster, James Thomas: Führt die EU eine eigene Social-Media-Plattform namens "W" ein?. In: euronews, 29. Januar 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  9. a b Sven Rieken: Europas Antwort auf "X" geht an den Start. In: ZDF heute, 17. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2025.
  10. Niamh Ancell: Security risks overshadow the debut of Europe’s X rival, W In: Cybernews, 17. Juni 2026, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  11. Anna Zhadan: Hackers steal 72,000 user images from women's dating app Tea. In: Cybernews, 27. Juli 2025, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  12. Fabian von Thun: W statt X: Twitter-Konkurrent aus Europa startet Warteliste. In: Chip, 7. Februar 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  13. Markus Reuter: Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist. In: Netzpolitik.org, 17. Juni 2026, abgerufen am 20. Juni 2026.
  14. Martin Holl: W Social: Kurznachrichtendienst für per Ausweis verifizierte User vor Öffnung. In: Heise online, 17. Juni 2026, abgerufen am 25. Juni 2026.

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