Adam Humer
Adam Humer (* 27. April 1917 als Adam Umer in Camden, New Jersey, Vereinigte Staaten; † 12. November 2001 in Warschau) war ein polnischer Kommunist und Funkti…

Adam Humer (* 27. April 1917 als Adam Umer in Camden, New Jersey, Vereinigte Staaten; † 12. November 2001 in Warschau) war ein polnischer Kommunist und Funktionär des kommunistischen Sicherheitsapparats. 1996 wurde er wegen der Misshandlung politischer Gefangener zu neun Jahren Haft verurteilt.
Werdegang
Humer wurde am 27. April 1917 in New Jersey als Sohn von Otylia Smolecka und Wincenty Umer als Adam Umer geboren. Beide Eltern waren Auswanderer aus Galizien, das bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn gehörte, sie stammten aus armen Kleinbauernfamilien aus der Nähe von Tomaszów Lubelski.[1.1] Im August 1921 kehrte die Familie in das nun unabhängige Polen zurück und ließ sich zunächst auf einem Bauernhof in Rudka nieder, bevor sie 1929 nach Tomaszów Lubelski zog. Nach Erlangung seines Reifezeugnisses im Jahr 1936 in Tomaszów Lubelski[1.2] führte er den Namen Humer, der aufgrund eines Fehlers in seiner Geburtsurkunde bereits eingetragen war.[1.3] Während dieser Zeit kam er durch seinen Vater und Mitschüler erstmals mit kommunistischen Ideen in Kontakt.[1.2]
Im Frühjahr 1936 trat Humer dem Jugendverband der Kommunistischen Partei der Westukraine bei.[1.4] Dort stieg er schnell zum Sekretär einer lokalen Zelle auf, in der er Vorträge hielt und Flugblätter verteilte.[1.5] Nach dem Überfall auf Polen 1939 beteiligte er sich kurzzeitig an einem revolutionären Komitee in Tomaszów Lubelski, das mit der Roten Armee zusammenarbeitete. Später floh er in das sowjetisch besetzte Lemberg. Dort setzte er sein Jurastudium an der Nationalen Universität Lwiw fort,[1.6] das er im Oktober 1936 an der Ukrainischen Katholischen Universität in Lemberg begonnen hatte, und engagierte sich stark im Komsomol.[1.7][1.8] Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde er verwundet und kehrte schließlich nach Tomaszów Lubelski zurück, wo er die restliche Besatzungszeit ohne größeres politisches Engagement verbrachte.[1.9]
Mit dem erneuten Einmarsch der Roten Armee im Juli 1944 wurde Humer wieder aktiv und half bei der Organisation der neuen Verwaltung. Kurzzeitig leitete er das Referat für Propaganda und Presse in Tomaszów Lubelski.[1.10] Aufgrund seiner juristischen Vorbildung und seiner kommunistischen Gesinnung wurde er im September 1944 zum Leiter der Ermittlungssektion des Woiwodschaftsamtes für Öffentliche Sicherheit in Lublin ernannt.[1.11] Im August 1945 wurde er nach Warschau in die Zentrale des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit (MBP) berufen und bekleidete dort schnell Führungspositionen, unter anderem als stellvertretender Leiter in verschiedenen Abteilungen.[2]
Zwischen 1944 und 1951 war er aktiv an der Bekämpfung des antikommunistischen Untergrundes beteiligt.[2] Nach Untersuchungen des Instytut Pamięci Narodowej gehörte Humer zu einer Gruppe von Offizieren, die 1946 während des Pogroms von Kielce trotz vorliegender Informationen über die Geschehnisse mindestens vier Stunden lang keine Maßnahmen ergriffen.[3]
Ab Juli 1947 fungierte Humer als stellvertretender Direktor des Ermittlungsdepartements im MBP. In dieser Funktion, die er bis März 1955 zuletzt als Oberstleutnant innehatte, war er maßgeblich für die Verfolgung politischer Gegner verantwortlich.[2] So war er direkt an den Ermittlungen gegen die „Gruppe Witold“ um Witold Pilecki beteiligt. Er erstellte persönlich den Entwurf der Anklageschrift gegen Pilecki. In diesem Prozess sollen durch Folter Geständnisse erpresst worden sein.[4] Im Rahmen von Untersuchungen über Unregelmäßigkeiten wurde Humer im Ermittlungsdepartement entlassen. Ende 1954 wurde er ins Landwirtschaftsministerium versetzt, wo er als Oberrat im Kabinett des Ministers tätig war.[2]
Obwohl Humer zunächst durch eine Ermittlungsabteilung in seinem ehemaligen Ministerium gedeckt wurde, befand er sich schließlich von September 1992 bis Oktober 1993 in Untersuchungshaft. Sein Prozess galt als der wichtigste Versuch der Dritten Polnischen Republik, die stalinistischen Verbrechen juristisch aufzuarbeiten.[3] 1994 wurde er schließlich wegen der Anwendung von Folter verurteilt.[4] Im März 1996 folgte ein Urteil des Bezirksgerichts Warschau, das ihn wegen der Misshandlung politischer Gefangener zur Höchststrafe von neun Jahren Haft verurteilte. In zweiter Instanz wurde die Strafe 1998 aus formalen Gründen auf siebeneinhalb Jahre verkürzt.[2]
Im Jahr 2000 erhielt Humer aufgrund einer schweren Erkrankung eine einjährige Unterbrechung der Haftstrafe.[3] Er starb am 12. November 2001 im Alter von 84 Jahren während dieser Unterbrechung.[3][5]
Literatur
- Paweł Sztama: Adama Humera życie przed bezpieką. Przyczynek do biografii. In: Komunizm: System – Ludzie – Dokumentacja. Nr. 6, 2017, ISSN 2299-890X, S. 150–185 (gov.pl).
- Piotr Lipiński: Bicia nie trzeba było ich uczyć. Proces Humera i oficerów śledczych urzędu bezpieczeństwa. Czarne Verlag, 2016, ISBN 978-83-8049-217-2 (polnisch).
Einzelnachweise
- ↑ Paweł Sztama: Adama Humera życie przed bezpieką. Przyczynek do biografii. In: Komunizm: System – Ludzie – Dokumentacja. Nr. 6, 2017, ISSN 2299-890X, S. 150–185 (gov.pl [abgerufen am 15. Juni 2026]).
- ↑ a b c d e Biuletyn Informacji Publicznej Instytutu Pamięci Narodowej. Abgerufen am 15. Juni 2026 (polnisch).
- ↑ a b c d Po śmierci Humera sąd rozpatruje kasację. 4. Dezember 2001, abgerufen am 15. Juni 2026 (polnisch).
- ↑ a b Instytut Pamięci Narodowej: Agnieszka Wygoda: Wyrok na Witolda Pileckiego. In: Instytut Pamięci Narodowej. (gov.pl [abgerufen am 15. Juni 2026]).
- ↑ Natalia Pochroń: Sadysta z bezpieki. Zmieniał życie w piekło. „Chciałam umrzeć“. 28. September 2024, abgerufen am 15. Juni 2026 (polnisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Humer, Adam |
| ALTERNATIVNAMEN | Umer, Adam (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | polnischer Kommunist und Funktionär des kommunistischen Sicherheitsapparats |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1917 |
| GEBURTSORT | Camden, New Jersey, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 12. November 2001 |
| STERBEORT | Warschau |
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