Alperia
Alperia
| Alperia AG
| |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 2016 |
| Sitz | Bozen, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 1211[1] |
| Umsatz | 3,638 Mrd. EUR[1] |
| Branche | Energieversorgung |
| Website | www.alperiagroup.eu |
| Stand: 2022 | |
Die Alperia AG ist ein italienisches Energieversorgungsunternehmen, das in Südtirol Energie aus Wasserkraft produziert.
Geschichte
Vorläufer und Schrittmacher einer eigenständigen Südtiroler Energieproduktion waren die Etschwerke der Städte Bozen und Meran, die als überkommunale Initiative ab 1898 unter den Bürgermeistern Julius Perathoner (Bozen) und Roman Weinberger (Meran) die Grundversorgung mit elektrischem Strom von Bozen, Meran und ihrem jeweiligen Einzugsgebiet sicherzustellen begannen und hierfür eigene Laufkraftwerke errichten ließen.[2] Nach der italienischen Annexion Südtirols 1919/20 kam es zu einer weiterreichenden Erschließung verfügbarer Wasserkraft im Zeichen der faschistischen Industriepolitik.[3] Die Etschwerke konnten sich in der Nachkriegszeit eigene Handlungsspielräume erhalten, ehe auf der Basis des Autonomiestatuts eine neue Konzentrationsbewegung einsetzte, die zur Zusammenführung der Stromerzeugung in der Hand der Südtiroler Landesverwaltung führte.
Unternehmen
Das Unternehmen Alperia wurde im Januar des Jahres 2016 durch den Zusammenschluss der Unternehmen Etschwerke (AEW) und SEL AG gegründet.[4] Eigentümer sind die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, die Gemeinden Bozen und Meran sowie die Gesellschaft SELFIN. Die Fusion war Gegenstand kontroverser Debatten in der Öffentlichkeit.[5]
Alperia betreibt 41 Wasserkraftwerke, die mit dem Wasser aus den umliegenden Bergen jährlich circa 4.000 GWh Strom erzeugen, sowie sechs zumeist holzbefeuerte Biomasseheizkraftwerke und versorgt 278.000 Kunden mit Strom und Gas. In den Orten Bozen, Meran, Klausen, Latzfons, Sexten und Schlanders werden Haushalte mit Fernwärme beliefert. Das Unternehmen ist darüber hinaus an zwei Photovoltaikanlagen in Italien beteiligt sowie am Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge mit derzeit mehr als 50 Ladestationen in Südtirol. 2017 wurde in Bozen Süd ein Wärmespeicher mit 220 MWh Speichermenge eingeweiht, wobei auf eine attraktive Gestaltung des Alperia Towers Wert gelegt wurde.[6]
Zum 1. Juni 2016 übernahm Alperia die Beteiligungen an neun Südtiroler Großkraftwerken vom italienischen Edison-Konzern. Somit ist Alperia jetzt zu 100 % Besitzer der sieben ehemaligen Hydros-Wasserkraftwerke und hält 77 % an den beiden SELEDISON-Kraftwerken. Im Zuge dessen forderte der Südtiroler Landtag die Landesregierung auf, Alperia zu beauftragen, die Beteiligungen an kleineren Wasserkraftwerken an die jeweiligen Gemeinden zurückzugeben.[7]
Kritik
Kritik gab es am Neubau des Konzernsitzes im Meraner Stadtteil Untermais. Die geschätzten Kosten stiegen von ursprünglich 19,7 Millionen Euro (2017) über rund 25 Millionen (2019) auf über 31,3 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) laut Ausschreibung von 2021; zugleich verzögerte sich die ursprünglich für 2023 geplante Fertigstellung auf Ende 2025.[8][9] Da Alperia mehrheitlich der öffentlichen Hand gehört, stieß die Kostensteigerung als Verschwendung öffentlicher Mittel auf Kritik. Die Grünen richteten im April 2024 eine Landtagsanfrage an die Landesregierung, in der sie die Gründe für die Kostenexplosion und Verzögerung sowie die Finanzierung über Immobilienverkäufe hinterfragten.[10]
Kritik gab es auch an einem Digitalisierungsprojekt: Der 2019 mit dem Beratungsunternehmen Accenture geschlossene Vertrag für eine SAP-gestützte Plattform war ursprünglich für rund sieben Millionen Euro vergeben worden, wuchs Medienberichten zufolge aber durch nachträgliche Direktvergaben auf etwa 60 Millionen Euro an. Berichtet wurde dabei, dass der damalige Leiter der Digitalabteilung zuvor bei Accenture und SAP tätig gewesen war.[11] Da sich das System als ungeeignet erwies, wurde es ab 2024 durch eine Lösung des Anbieters Terranova ersetzt, der die Ausschreibung mit rund 800.000 Euro gewonnen hatte. Der Team-K-Abgeordnete Paul Köllensperger kündigte im November 2023 eine Anzeige beim Rechnungshof (Corte dei conti) an und bezifferte den möglichen Schaden auf mindestens 60 Millionen Euro öffentlicher Mittel.[12][13] Auch nach der Umstellung im Juni 2024 hielten die Probleme an; in einer weiteren Anfrage im März 2025 thematisierte Team K fehlerhaft zugestellte Rechnungen und fehlende Kundendaten.[14]
Kraftwerke
Wasserkraftwerk Töll und Meran


Das Wasserkraftwerk auf der Töll wurde im Jahr 1898 von den Etschwerken in Betrieb genommen. Mit diesem Großwasserkraftwerk begann hier die Nutzung von Wasserkraft zur Energieerzeugung. Der ursprüngliche Nutzen war die Lieferung von Strom für die ersten Straßenbeleuchtungen der Städte Bozen und Meran. Etwa 20 Jahre später wurde das Wasserkraftwerk von Marling errichtet.
Die Wasserkraft der Etsch kann zwischen der Töll und Marling durch ihr relativ hohes Gefälle von 200 Metern ohne zusätzliches Pumpen genutzt werden.
Wasserkraftwerk Töll
Das Wasserkraftwerk Töll bildet die erste Stufe des Kraftwerkkomplexes im Abschnitt Töll-Meran. Das Wasser, welches für die Energieerzeugung genutzt wird, kommt aus einem 1.650 Quadratkilometern großen Einzugsgebiet. Dieses Einzugsgebiet umfasst den gesamten Vinschgau und auch einige größere Gletschergebiete Südtirols. Auf der Töll wird das Wasser von 16 Meter langen Wehren gefasst und fließt dann über einen Freispiegelkanal im Stollen zum Wasserschloss und von dort über eine Druckrohrleitung in die Turbinensätze.
Wasserkraftwerk Marling
Das Wasser, welches im Wasserkraftwerk Töll abgearbeitet wurde, fließt über eine Freispiegelleitung zum Wasserschloss und von dort über eine Druckrohrleitung in das darunterliegende am Etschufer befindliche Wasserkraftwerk Marling. Dieses wurde in den Jahren 1923–25 erbaut, im Jahr 1956 umgebaut und in den Jahren zwischen 2001 und 2004 renoviert. Es produziert seither bei einer installierten Leistung von 43,6 MW ca. 230 Millionen kWh elektrischer Energie pro Jahr.
Wasserkraftwerk Naturns

Das Wasserkraftwerk Naturns verwendet zur Stromerzeugung die Wasserkraft aus dem Vernagt-Stausee. Es gilt somit als größte Hochdruckwasserkraftwerk in Südtirol.
Wasserkraftwerk Kardaun
Das Wasserkraftwerk Kardaun verwendet zur Stromerzeugung die Wasserkraft des Eisacks. Es hat ein Einzugsgebiet von rund 4.193 Quadratkilometern und produziert 600 Millionen kWh Strom pro Jahr. Es gilt somit als größtes Wasserkraftwerk Südtirols.
Wasserkraftwerk Barbian
Das Wasserkraftwerk Barbian verwendet zur Stromerzeugung ebenfalls die Wasserkraft des Eisacks. Es produziert 240 Millionen kWh Strom pro Jahr und hat den höchsten Wasserdurchfluss aller Wasserkraftwerke Südtirols.
Wasserkraftwerk Glurns und Kastelbell
Das Wasserkraftwerk Glurns bildet die erste Stufe des Reschensee-Kavernenkraftwerks. Das Wasser wird aus dem von 1947 bis 1949 gebauten Reschensee übergeleitet. Das bereits verwendete Wasser wird teils verdolt, teils über oberflächig fließende Kanäle einem Ausgleichsbecken zugeleitet. Von dort gelangt das Wasser über die Puni wieder zurück in die Etsch. Durch das Ausgleichsbecken kann die Wasserzufuhr des Kraftwerks Kastelbell reguliert werden.
Wasserkraftwerk Brixen
Das Wasserkraftwerk Brixen bezieht sein Wasser aus dem Franzensfester Stausee und dem Mühlbacher Stausee, welche vom Eisack, der Rienz und anderen kleineren Bächen gespeist werden.
Wasserkraftwerke Ultental
Im Ultental werden von Alperia Greenpower, einer Tochtergesellschaft von Alperia, die Wasserkraftwerke Weißbrunn, St. Walburg, Kuppelwies, St. Pankraz und Lana über insgesamt sechs Speicherseen betrieben.
Weblinks
- Website der Alperia Group (italienisch, deutsch, englisch)
- Website der Alperia AG (italienisch, deutsch)
Einzelnachweise
- ↑ a b Kathrin Madl: Alperia-Nachhaltigkeitsbericht 2022. (PDF) In: AlperiaGroup.eu. 9. Juni 2023, S. 11, abgerufen am 28. Juli 2023.
- ↑ Das elektrische Jahrhundert: 1898–1998. Hrsg. Etschwerke, Bozen 1998.
- ↑ Andrea Bonoldi: Energia, industria e politica nazionale: l'economia dell'Alto Adige tra le due guerre. In: Ders., Hannes Obermair (Hrsg.): Tra Roma e Bolzano: Nazione e Provincia nel Ventennio fascista – Zwischen Rom und Bozen: Staat und Provinz im italienischen Faschismus. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2006, ISBN 88-901870-9-3, S. 41–54.
- ↑ Pressebericht Südtirolnews vom 4. Dez. 2015 ( vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)
- ↑ Alperia: Gehen Bevölkerung und Mitarbeiter leer aus? Unser Tirol, 29. Mai 2016, abgerufen am 4. Juni 2016.
- ↑ Pressemitteilung vom 20. November 2017
- ↑ Beschlussantrag: Rückzug der ALPERIA AG von Beteiligungen an kleinen Wasserkraftwerken. Freies Bündnis für Tirol, 3. März 2016, abgerufen am 4. Juni 2016.
- ↑ SALTO: Bau des Alperia-Sitzes dauert länger | SALTO. 24. April 2024, abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ mk/pg: Alperia-Sitz in Meran wird teurer als erwartet. 11. Juni 2024, abgerufen am 9. Juni 2026.
- ↑ https://api-idap.landtag-bz.org/doc/IDAP_722449.pdf
- ↑ Marco Armani: Alperia – IT Budget. In: Team K. 22. Januar 2020, abgerufen am 25. Juni 2026 (deutsch).
- ↑ Sara Martinello: Alperia, software da 60 milioni. Esposto alla Corte dei conti. Abgerufen am 25. Juni 2026 (italienisch).
- ↑ Nicola Porro: Il software da 60 milioni di euro e la barca a vela di Mr Unipol. In: NicolaPorro.it. 2. Dezember 2023, abgerufen am 25. Juni 2026 (italienisch).
- ↑ https://api-idap.landtag-bz.org/doc/IDAP_749378.pdf
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