Batokunku

EW4

Batokunku
Batokunku
Koordinaten: 13° 20′ N, 16° 48′ W
Karte: Gambia
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Region: West Coast
Distrikt: Kombo South
Einwohner: 512 (2013)

EW4

Batokunku (Schreibvarianten: Bato Kunku, Batukunku) ist eine Ortschaft im westafrikanischen Staat Gambia.

Nach einer Berechnung für das Jahr 2013 leben dort etwa 512 Einwohner, das Ergebnis der letzten veröffentlichten Volkszählung von 1993 betrug 230.[1]

Geographie

Batokunku liegt im Distrikt Kombo South in der West Coast Region am Atlantischen Ozean, rund 1,5 Kilometer nordwestlich von Tujereng und drei Kilometer südlich von Tanji entfernt.

Der Ort liegt unmittelbar an der Coastal Road, die die Kombo-St. Mary Area mit den südlichen Orten an der Küste verbindet.

Kultur

In Batokunku befindet sich das privat betriebene Mama Africa Women’s Museum and Art Centre.

Wirtschaft

Windkraftanlage Batokunku

Windkraftanlage Batokunku
Lage
Koordinaten 13° 19′ 34″ N, 16° 47′ 57″ W
Land Gambia Gambia
Ort Batokunku
Daten

Typ Windkraftanlage
Primärenergie Windenergie
Leistung 0,15 MW (elektrisch)
Betreiber Batokunku Rural Electrification
Projektbeginn 1999
Betriebsaufnahme 2009
Stilllegung 2015
Turbine Bonus 150 kW von Bonus Energy A/S (Dänemark)

Im Januar 2009 wurde durch private Initiative eine 150-KW-Windkraftanlage aufgestellt, die Windkraftanlage Batokunku (Schreibvariante: Windkraftanlage Batukunku; engl. u. a. Batakunku Windmill) gilt als erste Windenergieanlage Westafrikas und historisch gesehen eines der wegweisendsten Projekte für erneuerbare Energien in Gambia.[2][3]

1999 erfolgte die Gründung des gemeinnützigen deutschen Vereins „Dorfelektrik in Gambia e.V.“ (später lizenziert unter Batokunku Rural Electrification, Batokunku Windpower) durch den deutschen Ingenieur Peter Weissferdt und seine Frau, die ihren Wohnsitz nach Gambia verlegt hatte. Die Grundidee bestand darin, das küstennahe Dorf autark mit Strom und Wasser zu versorgen. Erste Arbeiten begannen mit der Verlegung eines über sechs bis sieben Kilometer langen unterirdischen Kabelnetzes sowie Elektroinstallationen (Sicherungen, Energiesparlampen) in etwa 50 Compounds.

Mittels eines Containers kam die Anlage im Frühjahr 2006 von Hamburg aus über den Seeweg an, sie stand vorher im dänischen Nysted.[4][5] Nach der Ankunft der Turbine blockierte die Bürokratie das Projekt zunächst über Jahre. In Westafrika existierten zu diesem Zeitpunkt keinerlei rechtliche Rahmenbedingungen für private Stromeinspeisungen in staatliche Netze. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft National Water and Electricity Company (NAWEC) stand der privaten Konkurrenz und der schwankenden Windenergie misstrauisch gegenüber. Erst nach massivem diplomatischem und behördlichem Kraftaufwand unter Einbindung der nationalen Regulierungsbehörde Public Utilities Regulatory Authority (PURA) gelingt der Durchbruch. Der Staatssekretär des Energieministeriums, Baboucarr Jallow, erteilt die endgültige Lizenz und weiht die dörfliche Netzinfrastruktur 2008 offiziell ein.[6] Zu diesem Zeitpunkt war das Dorfnetz isoliert („Inselnetz“) vorbereitet, um die Windkraftanlage aufzunehmen.

Die eigentliche Windkraftanlage wurde im Januar 2009 errichtet. Es handelte sich um eine gebrauchte Anlage des dänischen Herstellers Bonus Energy mit einer installierten Leistung von 150 kW (150 kVA). Aufgestellt wurde sie von dem lokalen Unternehmen Global Energy Gambia[7] in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Windstrom Service SH GmbH. Im Sommer 2009 unterzeichnen die Betreiber einen historischen Fünfjahresvertrag mit der NAWEC. Es entstand das erste funktionierende Misch-Netz (Mini-Grid) der Region: Bei starkem Wind deckte die Anlage den dörflichen Bedarf und speiste den Überschuss gegen eine Vergütung ins nationale Stromnetz ein. Bei Windstille bezog das Dorf Strom von der NAWEC. Es entstand das erste Pilotmodell in Gambia, bei dem Strom ins nationale Netz eingespeist wurde, wenn Überschuss herrschte, während das Dorf bei Windstille Energie von der NAWEC bezog. Das Projekt wuchs schrittweise von anfänglich 35 auf rund 80 bis 180 angeschlossene Compounds an. Seit die Verhandlungen positiv abgeschlossen wurden, zahlte der Stromversorger für jede Kilowattstunde 80 Prozent des Endverbraucherpreises, lieferte die Anlage Energie und brachte einen gewissen Wohlstand für den ganzen Ort. Im März 2009 lieferte sie beispielsweise 35.000 Kilowattstunden. Der Ort und die Anlage waren ein Prestigeobjekt geworden, seitdem hat Gambia das Windkraftanlagen-Fieber gepackt, den Staatsgästen wurde die Anlage vorgeführt und andere Orte wollten sich auch eine vergleichbare Anlage anschaffen.

Technische Daten
Parameter Wert
Turmart Gittermast
Nabenhöhe 30 m
Rotordurchmesser 27 m
Gesamthöhe 43,5 m
Rotorfläche ca. 572 m²

Die Anlage liefert rund 200.000 kWh sauberen Strom pro Jahr. Die Energiekosten für die angeschlossenen Dorfbewohner sinken drastisch auf eine geringe monatliche Pauschale (ca. 25 Dalasi). Die verlässliche Elektrizität ermöglicht den Betrieb von Kühlschränken, elektrischen Nähmaschinen, Werkzeugen und den Aufbau kleiner Gewerbebetriebe (wie Ölmühlen). Ein demokratisch gewähltes fünfköpfiges Dorfkomitee verwaltet die Einnahmen unabhängig und reinvestiert sie direkt in die lokale Infrastruktur. Der Erfolg zieht Zuzügler und wohlhabendere Gambier an, die Grundstücke in Batakunku erwerben. Da die Kapazität des dörflichen Netzes und der 150-kW-Anlage streng limitiert war, konnten nur rund 80 bis maximal 180 Compounds angeschlossen werden. Es kommt zu heftigen internen Auseinandersetzungen und öffentlichen Beschwerden. Die unversorgte Hälfte des Dorfes wirft dem Komitee vor, reiche Neubürger an der Hauptstraße bei Anschlüssen zu bevorzugt zu behandeln, während die Einheimischen, die damals die Gräben schaufelten, leer ausgingen. Dennoch blieb die Anlage ein zentraler Meilenstein und Nachweis dafür, dass dezentrale Windkraft in Gambia funktioniert.

Die ohnehin gebrauchte dänische Turbine war an der Atlantikküste permanent salzhaltiger Luft, hoher Luftfeuchtigkeit und feinem Wüstensand ausgesetzt. Windkraftanlagen dieses Typs haben eine maximale Lebensdauer von rund 20 bis 25 Jahren. Nach dem Ablauf der Einspeiseverträge mit der NAWEC und dem altersbedingten Verschleiß der mechanischen Komponenten (Generatorschäden) fehlten der Dorfgemeinschaft die finanziellen Mittel für teure Ersatzteile und europäische Spezialtechniker. Das Projekt wurde schrittweise eingestellt, die Anlage schlussendlich stillgelegt und zurückgebaut. Das Projekt gilt heute in internationalen Entwicklungsberichten (z. B. der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO))[8] als erfolgreicher technologischer und regulatorischer „Proof of Concept“, scheiterte jedoch langfristig an den klassischen Problemen ländlicher Entwicklungshilfe: der Skalierbarkeit, sozialen Verteilungsfragen und der langfristigen technischen Wartung im afrikanischen Klima.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Batokunku auf bevoelkerungsstatistik.de (online nicht mehr erreichbar, letzter Zugriff Mai 2013)
  2. BLZ: Der Deutsche Peter Weissferdt baute in Gambia die erste Windenergieanlage Westafrikas – jetzt wollen alle grünen Strom: Für die Windmühlen kämpfen. In: berliner-zeitung.de. Berliner Zeitung, 6. Mai 2009, abgerufen am 29. Juli 2026.
  3. Windstrom Service SH GmbH: In Batokunku kennt man Viöl (Memento vom 10. Mai 2010 im Internet Archive)
  4. Alagi F. S. Sora: Batokunku Residents Complain of Exclusion Wind Power Project Coordinator Explains. FOROYAA Newspaper, 25. Januar 2013, abgerufen am 29. Juli 2026.
  5. Wind Energy Project Inaugurated in Batokunku – The Point. In: thepoint.gm. Abgerufen am 29. Juli 2026 (amerikanisches Englisch).
  6. Energy SoS warns against illegal connections- Wind energy system for Batokunku – WOW Gambia. In: wow.gm. Abgerufen am 29. Juli 2026.
  7. Global Energy Gambia -. In: global-energy-gambia.com. www.global-energy-gambia.com, abgerufen am 29. Juli 2026.
  8. pdf

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