Bugra

Bugra ist eine Abkürzung für die 1914 in Leipzig, der damals führenden deutschen „Buchstadt“, erstmals veranstaltete Internationale Ausstellung für Buch…

Bugra
Das Ausstellungsgelände der Bugra 1914
(Blick nach Süden)

Bugra ist eine Abkürzung für die 1914 in Leipzig, der damals führenden deutschen „Buchstadt“, erstmals veranstaltete Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik.[1]

Die Ausstellung 1914

Kartenausschnitt mit dem Ausstellungsgelände im SO von Leipzig
(Baedeker-Prospekt Sommer 1914 zur Bugra)
Besucherinformationen (Baedeker-Prospekt zur Bugra, 128 × 186 mm)

Die Ausstellung wurde von dem in Leipzig ansässigen Deutschen Buchgewerbeverein vom 6. Mai bis 18. Oktober 1914 durchgeführt. Initiator der Ausstellung war Max Seliger, der Direktor der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig. Äußerer Anlass war das 150-jährige Bestehen der Akademie. Zum Präsidenten der Ausstellung wurde Ludwig Volkmann gewählt, der Vorsitzende des Deutschen Buchgewerbevereins.

Das Ausstellungsgelände befand sich auf dem Gebiet des späteren Technischen Messegeländes, auf dem ein Jahr zuvor die Internationale Baufach-Ausstellung stattgefunden hatte. Auf besonderen Wunsch des Direktoriums der Ausstellung wurde für die Arbeit von Frauen auf dem Gebiet von Buchgewerbe und Grafik ein eigenes Haus, das „Haus der Frau“ errichtet.[2] Das Gebäude wurde von der Berliner Architektin Emilie Winkelmann „um der großen Frauensache willen“ ehrenamtlich entworfen. Neben Deutschland waren noch Gäste aus insgesamt 22 Ländern vertreten, fünf davon mit Nationalausstellungen in jeweils eigenem Pavillon. Aus Deutschland allein beteiligten sich 2300 Unternehmen und Personen.

Im Mittelpunkt standen nicht nur Herstellung und Vertrieb des Buches, sondern auch die Herstellung der notwendigen Rohmaterialien und Maschinen und die grafischen Künste. Dazu war die Ausstellung in 16 Haupt- und etwa 60 Untergruppen gegliedert. Die Palette reichte von Maschinen und Produkten der Papierherstellung über Schriftgießerei, Druckverfahren, Reprotechnik, Buchbinderei und Buchhandel bis zu Zeitungs- und Nachrichtenwesen, Bibliothekswesen und Bibliophilie. Das Unternehmen Wolf Netter & Jacobi zeigte eine dreigeschossige freistehende Regalanlage für Archive und Bibliotheken, die im In- und Ausland große Beachtung fand.[3]

Es gab Sonderausstellungen für bestimmte Berufs- und Interessenskreise wie „Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik“, „Der Kaufmann“, „Schule und Buchgewerbe“, „Deutschland im Bild“ und andere. In der Halle der Kultur (Betonhalle, Halle 16, heute Eventpalast) erhielten Künstler die Möglichkeit, ihre grafischen Werke, Buchillustrationen und Plakate zu präsentieren. Ausstellungsobjekt war auch die Haynsburger Papiermühle, in der von 1700 bis 1909 handwerklich Papier hergestellt worden war.

Die besten Arbeiten und Produkte wurden durch Medaillen prämiert, die von einer Fachjury vergeben wurden, in der u. a. der Typograf Georg Belwe, der Verleger Hans von Weber und der Grafiker Walter Tiemann mitwirkten. Unter den ausgezeichneten Unternehmen waren die Druckereien Oscar Brandstetter und Fischer & Wittig sowie die Papierfabrik Ferdinand Flinsch. Preisträger bei den bildenden Künstlern waren unter anderen Max Klinger, Edvard Munch, Käthe Kollwitz, Gustav Klimt und Erich Gruner. Der Maler Carl Otto Czeschka erhielt für seine Arbeiten den königlich sächsischen Staatspreis verliehen.

Es wurden 2,3 Millionen Ausstellungsbesucher aus allen sozialen Schichten gezählt. Allerdings kam der Hauptteil, 2 Millionen, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Anfang August 1914, danach ging der Besucherandrang drastisch zurück. Die Bugra blieb zwar geöffnet, aber die Pavillons der nun feindlichen Staaten Russland, Großbritannien , Frankreich, Belgien und Japan wurden geschlossen. Finanziell ergab die Ausstellung deshalb ein Minus von einer halben Million Mark für die Stadt Leipzig als Ausrichterin. Nach ihrer Schließung am 18. Oktober wurden die meisten Bauten abgerissen. Auf dem Gelände wurde ein Exerzierfeld geschaffen. Die Reste der Ausstellungsstücke wurden vom Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Leipzig übernommen. Am 4. Dezember 1943 brannte nach einer Bombardierung Leipzigs im Zweiten Weltkrieg das Museum aus. Viele Stücke gingen verloren oder wurden beschädigt. Das damals zentral ausgestellte originale Wachssiegel von Johannes Gutenberg schmolz dabei, lediglich die Verpackung, eine Holzschachtel, blieb erhalten.[4]

Nachfolgeausstellungen

In der weiteren Folge fanden die Buchmessen nun im Rahmen der Leipziger Mustermesse, der größten internationalen Weltmusterschau, im Frühjahr und im Herbst statt. Dabei wurde sowohl ein Messehaus an der Petersstraße in der Leipziger Innenstadt genutzt als auch eine Halle auf dem Messegelände, in der zur Herbstmesse 1919 ein Großbrand ausbrach.[5] Schließlich zog man in eigene Räume im Deutschen Buchgewerbehaus, auf das dann auch der Name Bugra-Messehaus überging.[6]

Die Tradition der Bugra wurde in der DDR im Rahmen der jeweils zu den Frühjahrsmessen stattfindenden Leipziger Buchmessen fortgesetzt. Die schwierigen Jahre nach der Wende überlebte sie jedoch nicht. Die letzte Weltausstellung für Buchgewerbe und Grafik (Bugra) fand in Abwesenheit der großen westdeutschen Maschinenbauunternehmen und Branchenverbände 1993 statt. Die nächste, für den August 1994 geplante Ausstellung wurde vier Monate vor Messebeginn abgesagt. „Die ‚schwierige konjunkturelle Lage und ein derzeit wenig attraktiver Markt in den neuen Bundesländern‘ hätten viele potentielle Aussteller davon abgehalten, sich an dieser Fachmesse für das grafische Gewerbe zu beteiligen.“[7] Aussteller und Kunden treffen sich seitdem vorwiegend auf der seit 1951 alle drei bis fünf Jahre, seit 2000 im vierjährigen Rhythmus, in Düsseldorf stattfindenden Printmedienmesse drupa.

Ausstellungen

Literatur

  • Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914. Amtlicher Katalog. Poeschel & Trepte, Leipzig 1914. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg; doi:10.11588/diglit.41352)
  • Direktorium der Ausstellung (Hrsg.): Was bringt uns die Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914? Leipzig 1914.
  • P. Roth: Leipzig als Mittelpunkt des Buchhandels. Leipzig 1914.
  • Erinnerung an die Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914. Rudolf Schick & Co., Leipzig 1914. (Digitalisat bei der SLUB)
  • Lothar Poethe: Bugra-Ansichten Leipzig 1914. Historische Bilder der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914. Kunstverlag H. C. Schmiedicke, Leipzig 1988.
  • Andrea Paar: Der österreichische Verlagsbuchhandel auf Buchmessen in Leipzig und Wien sowie auf Weltausstellungen von 1850 bis 1930. Diplomarbeit, Universität Wien, Wien 2000. (online als PDF-Dokument mit 907 kB)
  • Heinz-Jürgen Böhme, Günter Clemens: Bilderbogen. Leipziger Ansichtskartenserien von 1895 bis 1945. ProLeipzig, Leipzig 2010, ISBN 978-3-936508-39-0, S. 257.
  • Ernst Fischer (Hrsg.): Die Welt in Leipzig. Bugra 1914. Maximilian-Gesellschaft, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-921743-63-8.
Commons: Bugra 1914 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Der große Brockhaus. Leipzig, F. A. Brockhaus 1929, Bd. 3, S. 485.
  2. Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914. Amtlicher Katalog. (vergleiche Literatur)
  3. Siehe etwa den Bericht der amerikanischen Delegation im Library Journal 39 (1914), S. 592
  4. Andreas Platthaus: Genius im Weltenbrand. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. März 2014, abgerufen am 7. April 2014.
  5. Bilder auf der Objektdatenbank des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig (Memento des Originals vom 7. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/museum.zib.de
  6. Werner Starke: Die Leipziger Messehäuser. Gestalt und Geschichte. Leipziger Messeamt, Leipzig 1961, S. 35.
  7. Börsenblatt, Jahrgang 1994, Nr. 93, S. 3.

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