Dog Pound

Dog Pound ist ein sozialkritisches GefĂ€ngnisdrama des Regisseurs Kim Chapiron aus dem Jahr 2010 und stellt eine Neuverfilmung von Alan Clarkes klassischem Gefïżœ…

Film
Titel Dog Pound
Produktionsland Kanada
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
LĂ€nge 87 Minuten
Stab
Regie Kim Chapiron
Drehbuch
Produktion Georges Bermann
Musik
Kamera Andre Chemetoff
Schnitt Benjamin Weill
Besetzung

Dog Pound ist ein sozialkritisches GefÀngnisdrama des Regisseurs Kim Chapiron aus dem Jahr 2010 und stellt eine Neuverfilmung von Alan Clarkes klassischem GefÀngnisfilm Scum aus dem Jahr 1979 dar.

Der Film wurde am 24. April 2010 auf dem Tribeca Film Festival in New York uraufgefĂŒhrt. Deutschlandpremiere war am 19. August 2010 auf dem Fantasy Filmfest in Hamburg.

Handlung

Drei Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren werden wegen verschiedener Vergehen im JugendgefĂ€ngnis Enola Vale inhaftiert und mĂŒssen sich der dort herrschenden Hierarchie unterordnen. Als Neuankömmlinge bekommen Butch, Davis und Angel schnell die Gewalt des MithĂ€ftlings und AnfĂŒhrers Banks zu spĂŒren. Butch sinnt auf Rache und setzt damit eine unaufhaltsame Gewaltspirale in Gang. Selbst innerhalb der von der GefĂ€ngnispsychologin Biggs geleiteten GesprĂ€chsgruppe kommt es zu GewaltausbrĂŒchen unter den Gefangenen.

Der WĂ€rter Goodyear, eigentlich die Ruhe in Person, reagiert aufgrund momentaner privater Probleme gereizt auf kleinste Verfehlungen seiner SchĂŒtzlinge und verletzt Angel dabei tödlich. Kurz darauf wird Davis von einem MithĂ€ftling vergewaltigt und begeht Selbstmord. Das fĂŒhrt in Verbindung mit einem Hungerstreik zur Gewalteskalation unter den Gefangenen im Speisesaal, sodass die GefĂ€ngnisleitung eine Eingreiftruppe anfordern muss. Butch will das entstandene Chaos zur Flucht nutzen, wird aber von den EinsatzkrĂ€ften brutal zusammengeschlagen und ins GebĂ€ude zurĂŒckgebracht.

Hintergrund

Der Regisseur Kim Chapiron begab sich in Vorbereitung auf die Dreharbeiten in amerikanische JugendgefĂ€ngnisse und betrieb dort eine einjĂ€hrige Milieustudie. Er konnte bei den WĂ€rtern keinerlei GewaltausbrĂŒche gegenĂŒber den Gefangenen feststellen, Chapiron nahm sogar etwas MitgefĂŒhl bei ihnen wahr. Auch die Anstaltsleitung trat ihm gegenĂŒber freundlich und entgegenkommend auf. Es war nichts von den Klischees der sadistischen WĂ€rter und tyrannischen GefĂ€ngnisdirektion zu spĂŒren, wie man sie aus GefĂ€ngnisfilmen kennt.

« Je n’oublierai jamais ma premiĂšre visite en prison. Le gardien chef nous ouvre la grille, trois dĂ©tenus nous attendent. L’un d’eux s’était Ă©crit ‚Fuck the world‘ sur le bras avec une punaise. Sa blessure suintait encore. La grille se referme et Ă  ma grande surprise, le gardien n’entre pas. Mon imagination se met en marche, je me vois kidnappĂ© par les dĂ©tenus avec une lame de rasoir ! Il n’en fut rien. Les trois jeunes ravis de recevoir de la visite nous ont baladĂ©s dans le centre, nous prĂ©sentant Ă  tout le monde Â»

„Ich werde nie meinen ersten GefĂ€ngnisbesuch vergessen. Der ChefwĂ€rter öffnet uns das Gitter. Da stehen drei HĂ€ftlinge. Einer von ihnen hatte sich zuvor mit einer Reißzwecke ‚Fuck the world‘ auf den (Unter)arm geritzt. Die Wunde war noch nass. Das Gitter schloss sich hinter mir, und zu meiner großen Verwunderung ließ mich der WĂ€rter mit den dreien allein. Ich sah mich schon als Geisel mit einer Rasierklinge am Hals. Aber nichts davon geschah. Die drei Jugendlichen waren begeistert von meinem Besuch und im GebĂ€ude lernten wir uns dann kennen.“

– Kim Chapiron

Es mussten alle EindrĂŒcke schriftlich festhalten werden, da Ton- und Videoaufnahmen verboten sind.

Chapiron besetzte zahlreiche Nebenrollen mit Laiendarstellern, die er aus Straßenbanden und GefĂ€ngnissen rekrutierte. Er war ĂŒberzeugt, dass nur diese dem Film die nötige AuthentizitĂ€t verleihen wĂŒrden. FĂŒr die Rolle des Butch plante Chapiron anfangs den Musiker K’naan zu engagieren, da dieser tatsĂ€chlich einige GefĂ€ngnisaufenthalte hinter sich hatte. Aber K’naan sagte ab. Dann sprach Adam Butcher vor. „Als ich Adam Butcher traf, spĂŒrte ich sofort diesen Wahnsinn in seinen Augen. Ohne auch nur mit ihm zu reden, habe ich gewusst, der ist es.“ (Kim Chapiron)

Der Hauptdarsteller Adam Butcher musste wĂ€hrend der Dreharbeiten zwei Mal in Gewahrsam, wodurch die Dreharbeiten ins Stocken gerieten, denn er wirkt in nahezu allen Szenen des Films mit. Bei der Messerattacke im Speisesaal wurde tatsĂ€chlich einer der Schauspieler verletzt. „Wir waren stĂ€ndig am Rande einer Katastrophe 
 es war nicht einfach, sich auf den Dreh zu konzentrieren und die Störfaktoren rundherum auszublenden. Jeden Abend, wenn wir den Ablaufplan fĂŒr den nĂ€chsten Tag zusammenstellten, fragten wir uns, welches UnglĂŒck uns wohl morgen widerfahren wĂŒrde. Als wir zum Beispiel die Kampfszene im Speisesaal probten, wurde einer der Schauspieler trotz einer Schutzabdeckung auf der Waffe verletzt. Die Wunde wurde versorgt und wir haben sie per Bildbearbeitung retuschiert. Es war das Drama des Tages.“, so Kim Chapiron.

Der Name der Haftanstalt, Enola Vale (dt.: „Tal der Einsamkeit“), setzt sich aus dem indianischen Wort enola fĂŒr „Einsamkeit“ und dem englischen Begriff vale, also „Tal“, zusammen. Ausschlaggebend fĂŒr diese Namenswahl war Chapirons Eindruck, dass Menschen mit indianischen Wurzeln in Spielfilmen viel zu selten eine Rolle spielen.[1]

Das Budget des Films betrug 4,83 Mio. Euro.[2]

Drehorte

Der Film wurde in der kanadischen Provinz New Brunswick gedreht.[3]

Soundtrack

Den Soundtrack gestalteten die texanische Band Balmorhea, der somalischstĂ€mmige Hip-Hop-Musiker K’naan und Nikkfurie, Mitglied der französischen Rap-Gruppe La Caution.[4]

Kritiken

„Realistisch gezeichneter Film mit ĂŒberzeugenden Darstellern, der den brutalen (Jugend-)GefĂ€ngnisalltag zu spiegeln versucht, letztlich aber nur Klischees und Muster aneinanderreiht. Auch die Aussagen, dass Gewalt nur Gewalt erzeugt und ein GefĂ€ngnis nur selten eine Besserungsanstalt ist, sind kaum neu.“

„Kim Chapirons Film ist ein Ă€ußerst schwaches PortrĂ€t, das sich in Aneinanderreihungen altbekannter Formeln ergeht, ohne sich fĂŒr die Charaktere und deren Innenleben zu interessieren. [
] er [der Zuschauer] muss nach 87 Minuten feststellen, dass er auch, wĂ€hrend der Abspann lĂ€uft, noch immer nichts ĂŒber diese Personen weiß, die sich nicht entwickelt haben, die kein Seelenleben zu haben scheinen, keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur eine Gegenwart voller Furcht, Gewalt und Hass. Keine Liebe, keine TrĂ€ume, nur hier und da sehnsuchtsvolle AnklĂ€nge, die bald im Meer von HĂ€me und unreifem Verhalten verhallen. Chapirons Steifen bleibt oberflĂ€chlich – viel Ă€rgerlicher, als dass er sich von Anfang an nicht fĂŒr seine Charaktere interessiert, ist die Tatsache, dass zahlreiche viel versprechende Chancen verschenkt werden, in die Tiefe einzugehen [
] Erniedrigungen jeglicher Art reihen sich fortwĂ€hrend aneinander, ohne dabei ein Zentrum erkennen zu lassen. [
] jegliche IndividualitĂ€t geht in diesem Film durch diesen Ansatz verloren. Wer Angel, Butch oder Davis ist, spielt keine Rolle, denn alle sind gleich, alle verkommen zu einer einzigen Masse in einer Geschichte, die keine ist, sondern eher eine nĂŒchterne, distanzierte Beobachtung mit zarten AnklĂ€ngen einer Reflexion, die in der letzten halben Stunde gute Ideen aufkommen, diese aber auch sehr schnell wieder verkommen lĂ€sst.“

– Cineast[6]

„So ist Dog Pound zwar ein durchaus ansprechendes Knastdrama, das dem Genre aber kaum etwas Neues hinzufĂŒgen weiß. Alan Clarkes auch heute noch bemerkenswert radikaler Film Scum bleibt von dem Remake nahezu unangetastet und verursacht auch heute noch ein entschieden mulmigeres GefĂŒhl beim Betrachten.“

– Joachim Kurz[7]

„Einerseits scheint Dog Pound im Vergleich zu der rohen Energie, die Clarkes Film bis heute ausstrahlt, zwangslĂ€ufig ein wenig abgeflacht, scheint konventioneller, weniger konsequent in der Ausgestaltung seiner Vision. Auf der anderen Seite gelingt es Chapiron aber durchaus, in diesen von Gewalt geprĂ€gten Mikrokosmos eine seltsame, fast unwahrscheinliche ZĂ€rtlichkeit einfließen zu lassen, die dem ziemlich unverĂ€ndert aus Scum ĂŒbertragenen Geschehen noch einmal einen ganz eigenen Resonanzraum gibt.“

– Critic.de[8]

Auszeichnungen

Regisseur Kim Chapiron erhielt 2010 den Preis als bester Filmemacher fĂŒr Dog Pound auf dem Tribeca Film Festival in New York.[9]

Einzelnachweise

  1. ↑ Filmentstehungsgeschichte auf allocine.fr (französisch)
  2. ↑ jpbox-office.com
  3. ↑ IMDb Trivia
  4. ↑ Offizielle Website (Memento vom 16. August 2010 im Internet Archive), abgerufen am 10. April 2024.
  5. ↑ Dog Pound im Lexikon des internationalen Films
  6. ↑ Dog Pound auf film-rezensionen.de
  7. ↑ Unter bissigen Hunden (Memento vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)
  8. ↑ Filmkritik auf Critic.de
  9. ↑ IMDb Awards

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