Kernwaffenprogramm
Ein Kernwaffenprogramm bzw. Nuklearwaffenprogramm oder Atomwaffenprogramm steht in Ländern, die über Kernwaffen verfügen oder an solchen arbeiten, für die M…

Ein Kernwaffenprogramm bzw. Nuklearwaffenprogramm oder Atomwaffenprogramm steht in Ländern, die über Kernwaffen verfügen oder an solchen arbeiten, für die Menge aller Rüstungsaktivitäten, die diese Waffen beinhalten oder auf ihnen aufbauen. Diese Organisationen werden jeweils von einer Dachorganisation geleitet und bilden den umgangssprachlichen Kernwaffenkomplex. Dieser umfasst eine eigenständige Rüstungsindustrie, die sich auf strategische Waffen für die nukleare Verteidigung durch Atomstreitkräfte fokussiert.
Die folgende Übersicht gibt nur eine grobe Übersicht, für den Einstieg in das Thema. Dabei werden die Atommächte nach dem Atomwaffensperrvertrag bzw. Nichtverbreitungsvertrag (NVV) sortiert und alle anderen Staaten, die im Besitz von Kernwaffen sind, ein Atomwaffenprogramm hatten oder anstreben, oder Staaten, von denen der Besitz von Atomwaffen vermutet wird, aufgezählt.
Aktuell (2026) gibt es fünf Kernwaffenstaaten und vier weitere Staaten, die im Besitz von Kernwaffen sind. Davon ist eines (Israel) vermutlich im Besitz von Kernwaffen.
Kernwaffenstaaten
Vereinigte Staaten von Amerika
- Zweiter Weltkrieg: Manhattan-Projekt mit den Einheiten der Army Corps of Engineers Manhattan District und Clinton Engineer Works (Y-12 NSC) u. a.
- Kalter Krieg: Ab 1946 die United States Atomic Energy Commission (AEC)
- Plutoniumproduktion: Hanford Site, Savannah River Site (SRS), Fertigung bei Rocky Flats
- Waffenlabore: LANL, LLNL und SNL, sowie Endmontage/Entsorgung bei Pantex
- Dachorganisation seit 2001: National Nuclear Security Administration (NNSA) als Teil des ab 1977 gegründeten Department of Energy (DOE) und verschiedene Betreiberorganisationen
Vereinigtes Königreich
- Um 1940: MAUD und Tube Alloys
- Ab 1940ern mit den USA und Kanada (Chalk River) im Manhattan-Project bis ca. 1946
- Per Atomic Energy Act of 1946 haben die USA ihre Zusammenarbeit mit GB unisono beendet, daraufhin hat das Land sein eigenes Atomwaffenprojekt gestartet
- Ab ca. 1946 eigene militärische Entwicklung bis 1958
- Plutoniumproduktion: Windscale Works u. a.
- Waffenlabore: Atomic Weapons Establishment (AWE)
- Seit 1954 unter Leitung der Behörde United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA) sowie des Ministry of Defence (MoD)
- Ab 1958 bis heute wieder zusammen mit den USA in der Forschung und Entwicklung von Atomwaffen aktiv, aufgrund des Mutual Defence Agreement-Vertrags (MDA), einem gemeinsamen Abkommen der beiden Länder, welcher durch den Atomic Energy Act of 1954 möglich wurde; Großbritannien war ab 1958 in den Besitz von thermonuklearen Kernwaffen basierend auf eigener Entwicklung und Tests gekommen
- Dachorganisationen von 1990 bis etwa 2020: AWE und verschiedene Betreiberorganisationen
- Dachorganisation heute: AWE und das MoD
Sowjetunion / Russland
- Zweiter Weltkrieg: „Atom Projekt“
- Kalter Krieg: Ministerium für Mittleren Maschinenbau der UdSSR (Sredmash bzw. MinSredmash), danach Minatom
- Plutoniumproduktion in Mayak u. a.
- Waffenlabore in Sarow und Sneschinsk
- Dachorganisation heute: Rosatom
Frankreich
- Nach dem Zweiten Weltkrieg: Atomwaffenprogramm unter dem militärischen Arm (DAM) des Commissariat à l’énergie atomique (CEA)
- Produktion: Nuklearanlage Marcoule u. a.
- Waffenlabore: CAE Valduc u. a.
- Dachorganisation damals wie heute: CEA-DAM
Volksrepublik China
- Eigenes Atomwaffenprogramm ab 1958 (nach Trennung der Kooperation mit der Sowjetunion) unter dem ehemaligen 2. Ministerium für Maschinenbau und anderen Organisationen
- Im Kalten Krieg dann die 1. und 2. Forschungsstation sowie das Kernwaffentestgelände Lop Nor
- Dachorganisation nach 1990: Die 3. Forschungsstation bzw. die China Academy of Engineering Physics (CAEP) in Mianyang
Andere Staaten im Besitz von Kernwaffen
Diese Länder haben den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.
Vermutete Staaten im Besitz von Kernwaffen
- Israelisches Atomwaffenprogramm – Israel hat seine Kernwaffen nie offiziell bestätigt oder deren Besitz dementiert. Es sind jedoch Details bekannt, die darauf hindeuten, dass das Land spätestens seit den 1980er Jahren vermutlich im Besitz von Kernwaffen ist
Atomprogramme mit kritischen Entwicklungen
- Iranisches Atomprogramm – siehe dort für die Entwicklungen (Proliferation)
Ehemalige militärische Atomprogramme anderer Staaten
- Deutsches Atomprogramm im Zweiten Weltkrieg, siehe auch Uranprojekt, siehe auch die Göttinger Achtzehn
- Italienisches Kernwaffenprogramm
- Japanisches Kernwaffenprogramm – siehe auch Drei nicht-nukleare Prinzipien; Japan kooperiert in Sicherheitsfragen mit den USA
- Jugoslawisches Kernwaffenprogramm[1]
- Schwedisches Kernwaffenprogramm
- Schweizer Kernwaffenprogramm
Weitere Länder
- Atomprogramm Saudi-Arabiens
- Südkorea – war Teil der US-amerikanischen erweiterten nuklearen Abschreckung nach dem Koreakrieg; die Waffen wurden in den 1990er Jahren abgezogen;
Siehe auch
- Alsos-Mission
- Atom-Spezialisten
- Aufrüstung (siehe dort für einige Entwicklungen; die atomare Rüstung befindet sich seit dem 21. Jahrhundert in einer Modernisierungs- und Erneuerungsphase)
- Liste völkerrechtlicher Rüstungskontrollabkommen über Massenvernichtungswaffen
- Nuklearstrategie
- Operation Epsilon
- Operation Overcast
- Smyth Report
Literatur
- Henry DeWolf Smyth: Atomenergie und Ihre Verwertung im Kriege (Smyth Report). Ernst Reinhardt Verlag ; Princeton University Press, Basel ; NJ 1947.
Einzelnachweise
- ↑ 30 Jahre nachgedacht. In: Der Spiegel. 9. Juni 1974, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 11. August 2026]).
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