SEFE Energy
| SEFE Energy
| |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | Kassel |
| Leitung | Hamead Ahrary, Alexander Demidov |
| Mitarbeiterzahl | 350 (2018) |
| Umsatz | 12,6 Mrd. EUR (2014) |
| Branche | Energiehandel |
| Website | www.sefe-energy.eu |
Die SEFE Energy GmbH (bis 2024 Wingas GmbH) mit Sitz in Kassel ist ein deutsches Energiehandelsunternehmen. Das 1993 als deutsch-russisches Joint Venture gegründete Unternehmen befindet sich seit 2022 im alleinigen Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, als diese die Muttergesellschaft Gazprom Germania verstaatlichte und in SEFE Securing Energy for Europe umfirmierte.
Hintergrund
Wingas wurde 1993 durch die BASF-Tochter Wintershall, einem deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten, und den mehrheitlich staatlichen russischen Konzern Gazprom für den gemeinsamen Erdgashandel und -vertrieb gegründet.
Entflechtung 2010–2012
Nach den Vorgaben des dritten Liberalisierungspakets der EU, welches durch die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes in nationales Recht umgesetzt wurde, ist der Wingas-Konzern ab 2010 mit der Ausgliederung des Transportnetzes und der Speicheraktivitäten weitgehend entflochten und umstrukturiert worden. Im Zuge dieser Restrukturierung wurde 2012 die damalige Wingas GmbH & Co KG in die W & G Beteiligungs-GmbH & Co. KG (W&G) umgewandelt und das gesamte Gashandels- und -vertriebsgeschäft des Konzerns auf die neu gegründete Tochter Wingas GmbH übertragen. Die W&G war somit ab 2012 Muttergesellschaft der „neuen“ Wingas. Das Speichergeschäft der Wingas wurde in der neu gegründeten Tochter Astora GmbH & Co. KG geführt.
Komplettübernahme durch Gazprom 2015
Im Dezember 2013 genehmigte die EU-Kommission die komplette Übernahme von Wingas durch Gazprom. Die endgültige Übernahme sollte im Herbst 2014 abgeschlossen sein. Im Dezember 2014 wurde der Asset-Swap (Anteilstausch) zwischen BASF und Gazprom aufgrund des veränderten politischen Umfelds nach der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim und dem Beginn des durch Russland provozierten Kriegs im Donbass abgesagt.[1]
Am 4. September 2015 vereinbarten die Partner in Wladiwostok und Ludwigshafen, dass der Asset-Swap doch erfolgen wird.[2] Gemäß einer Ausarbeitung des Fachbereichs Europa des Deutschen Bundestags aus September 2015 standen die nach der Annexion der Krim von der EU verhängten Sanktionen gegenüber Russland der Übernahme nicht entgegen.[3] Der Anteilstausch wurde mit Ablauf des 30. September 2015 vollzogen.[4]
Verstaatlichung durch Deutschland 2022
Nach der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 stellte das Bundeswirtschaftsministerium Gazprom Germania und damit auch Wingas unter treuhänderische Kontrolle der Bundesnetzagentur, um die Gasversorgung in Deutschland dem Einfluss des russischen Staates zu entziehen. Mit Wirkung zum 14. November 2022 verstaatlichte die Bundesrepublik Deutschland die inzwischen in SEFE Securing Energy for Europe umbenannte Unternehmensgruppe mitsamt der Wingas. Die Anteile an der SEFE hält der Bund mittelbar über die SEFE Securing Energy for Europe Holding GmbH („SEEHG“). Ziel ist es, dadurch die Energieversorgung für Europa zu sichern und die Energiewende aktiv voranzutreiben.[5]
Mit Wirkung zum 6. Juni 2024 wurde die Wingas GmbH in die SEFE Energy GmbH umfirmiert.
Aktivitäten
SEFE Energy handelt und vertreibt Erdgas an Stadtwerke, regionale Versorger, Industriebetriebe und Kraftwerke in Deutschland und im europäischen Ausland. Als europäisches Energieunternehmen ist Wingas in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Tschechien, Dänemark und den Niederlanden aktiv. Der Marktanteil in Deutschland lag im Jahr 2014 bei 20 Prozent.[6] Neben der Vermarktung von Erdgas vermietet das Unternehmen seit 1996 freie Übertragungskapazitäten in seinem Kabelnetz an nationale und internationale Telekommunikationsunternehmen. Die Lichtwellenleiter (LWL-Kabel) sind neben dem Erdgasnetz der Schwestergesellschaft Gascade verlegt worden. Das Glasfaserkabelnetz erstreckt sich aktuell über eine Länge von 7.000 Kilometern.[7]
Gastransport
Gascade (vormals Wingas Transport) ist seit Februar 2012 als sogenannter Independent Transmission Operator (ITO) für den diskriminierungsfreien Betrieb des Ferngasnetzes zuständig. Die Beteiligungen an den Pipelines NEL (Norddeutsche Erdgasleitung) und OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung) werden von der WIGA Transport Beteiligungs-GmbH & Co. KG direkt gehalten.
Gasspeicher
SEFE Storage ist seit Februar 2012 für das Speichergeschäft als unabhängige Tochter der SEFE Securing Energy for Europe tätig. Mit dem Gasspeicher Rehden betreibt SEFE Storage den größten unterirdischen Erdgasspeicher Westeuropas – mit einem Volumen von 3,9 Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas. Das entspricht dem Jahresbedarf von zwei Millionen Einfamilienhäusern oder in etwa einem Fünftel der in Deutschland vorhandenen Speicherkapazität für Erdgas. Beim Speicher Rehden handelt es sich um ein ehemaliges natürliches Erdgasvorkommen, gefördert wurde seinerzeit durch Wintershall.[8] Seit 2013 betreibt SEFE Storage im niedersächsischen Jemgum einen der größten Erdgaskavernenspeicher Deutschlands. Im Mai 2007 wurde der Erdgasspeicher Haidach bei Straßwalchen in Salzburg, welcher mit einem Speichervolumen von bis zu 1,2 Milliarden Kubikmetern Erdgas von der SEFE Storage vermarktet wird, als Joint Venture von der Rohöl-Aufsuchungs AG (heute: RAG Austria), Wingas und Gazprom Export gemeinsam in Betrieb genommen. Bis 2011 wurde der Speicher auf 2,6 Milliarden Kubikmeter ausgebaut. War der Gasspeicher Haidach ursprünglich lediglich an das deutsche Gasnetz angebunden, so wurde im Zuge der mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 einhergehenden Gasversorgungskrise eine Anbindung an das österreichische Leitungsnetz über die Pipeline Penta-West beschlossen.[9]
Firmenzentrale

Aufgrund des starken Wachstums entschloss sich die Wingas 2013 zum Bau einer neuen Firmenzentrale in der Kasseler Innenstadt. Das Unternehmen zog im September 2015 aus den bisherigen Räumlichkeiten am Wintershall-Sitz in das neue Gebäude im Königstor um.[10]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ BASF-Tochter setzt weiter auf Russland-Geschäft, Handelsblatt.com. Abgerufen am 21. August 2015.
- ↑ Spiegel online am 4. September 2015: BASF und Gazprom besiegeln Milliarden-Deal
- ↑ Deutscher Bundestag, Fachbereich Europa: EU-Sanktionen gegenüber Russland: Konsequenzen für den Asset-Tausch von Gazprom und Wintershall. In: bundestag.de, 18. September 2015, abgerufen am 6. August 2026.
- ↑ Presse BASF SE: BASF und Gazprom vollziehen Asset-Tausch
- ↑ Bund wird alleiniger Gesellschafter der SEFE-Gruppe. Abgerufen am 25. Mai 2023.
- ↑ WINGAS auf einen Blick. Factsheet der Wingas GmbH. Abgerufen am 21. August 2015.
- ↑ Website der WINGAS Lichtwellenleiter. Abgerufen am 21. August 2015.
- ↑ Astora-Website ( vom 5. August 2013 im Internet Archive). Abgerufen am 21. August 2015.
- ↑ Peter Martens: Haidach noch 2022 am österreichischen Gasnetz. In: energate messenger+. 15. November 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.
- ↑ 400 Mitarbeiter haben neue Wingas-Zentrale bezogen, hna.de. Abgerufen am 6. Oktober 2015.
Koordinaten: 51° 18′ 48″ N, 9° 29′ 10,3″ O
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