Spittael

Spittael (auch Spitaell, Spittal, Spitahl o. ä.) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts.

Spittael
Wappen derer von Spitaell im Wappenbuch des Westfälischen Adels

Spittael (auch Spitaell, Spittal, Spitahl o. ä.) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts.

Geschichte

Das Geschlecht stammt aus dem Münsterschen und saß u. a. zu Haus Krechting in Krechting bei Bocholt.[1][2] Anton Fahne vermutet den Namensursprung in einem gleichnamigen Gut bei Münster.[3] Tatsächlich wurde 1525 ein „Haus Spitaell“, das im Kirchspiel Überwasser lag, dem im 11. Jahrhundert entstandenen Magdalenenhospital, dem ältesten Hospital in Münster, gehörte und das bisher Peter ton Spittaell und seine Frau Fenne tor Borch innehatten, nach deren Tod an Johann Spitaell und seine Frau Elsen übertragen, da das einzige Kind der verstorbenen Eheleute, Hinrich, noch minderjährig war. Johann und Elsen sollten dem Kind dafür bei Volljährigkeit eine Abfindung zahlen.[4] Heute befindet sich auf dem Gelände des abgegangenen Hauses direkt südlich der Autobahnausfahrt Münster-Nord, nördlich von Gievenbeck, der „Ehrenfriedhof Haus Spital“. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Gelände in staatliche Hände gekommen und als Exerzier- und Truppenübungsplatz genutzt worden. Danach war dort im Ersten Weltkrieg ein großes Kriegsgefangenenlager mit bis zu 10.000 Gefangenen unterschiedlicher Nationalitäten betrieben worden.[5]

Am 8. April 1661 wurde der promovierte Jurist Heinrich Spital, Geheimrat und Drost des Stifts Elten, in den rittermäßigen Adelsstand für das Reich und die österreichischen Erblande mit Lehenberechtigung erhoben.[6] Er saß ab 1665 zu Gut Nierung in Speckhorn[7][8] und erhielt 1667 vom Stift Elten das Gut Heeshausen sowie das damit verbundene Erbschenkenamt.[9] Außerdem hatte er das stiftische Burglehen Grüthaus/Gruethaus von den Junkern Steck zu Xanten käuflich erworben.[10] Die Zehntfreitheit dieses Lehnguts Gruethaus wurde Heinrich von Spittael von der Eltener Äbtissin ebenfalls 1667 bestätigt.[11]

Henrich von Spittael zu Heeshausen war mit Agnes von Dombrock zu Bögge und Northof verheiratet. Ihr Sohn Johann Theodor von Spittael zu Heeshausen und Krechting heiratete Sybilla Margarethe von Münster zu Bortlage, Wallien, Reilrad, Alst, Mensing und Hengel, Erbin zu Krechting, Tochter von Sondag Gottfried von Münster und Christine Ludowica von Jundawille. Ihre Tochter Maria Elisabeth Charlotte von Spittael (lebte 1753 noch) zu Krechting war mit Wilhelm Johann von Spiessen († 1750), fürstlich-münsterischer Major zu Vechta, Sohn von Jobst Christoph von Spiessen zu Ebbinghausen bei Erwitte, kurkölnischer Oberstleutnant, und Anna Dorothea von Schade zu Salmei, verheiratet.[3]

Mit dem Erwerb von Krechting verschob sich der Familienschwerpunkt vom niederrheinischen Elten in das westfälische Westmünsterland. Die niederrheinischen Besitzungen wurden verkauft. 1699 beauftragte Johann Ferdinand von Spittael zu Krechting, Heeshausen und Niering den Verkauf einiger Holzrechte im Korterbusch, im Zeddamer Busch und im Lenglerbusch nebst einer Weide, „Stoepenberger Marthr“ genannt.[12] 1699/1700 verkauften Johann Ferdinand von Spittael und seine Frau Sibilla Margarethe Louisa/Ludowica von Münster, Erbgesessene zu Krechting, mit Zustimmung ihrer Mutter das lehnrührige Gut Heeshausen mit dem Erbschenkenamt des Stifts Elten, das Kollationsrecht der Küsterei zu Niederelten, Holzrechte u. a. im Korterbusch und Seddemerbusch, eine Weide, den Missenberg, das Hegkengut und den Schwartzchove an das Stift Elten.[13][14] Im selben Jahr ging Gut Niering an Catharina Agatha Rensing († 1706).[8] 1711 übertrugen Henrich Julian von Spitahl und seine Frau Wilhelmina Adriana von Overpelt ihr vom Stift Elten lehnrühriges Gut Grüthaus an Johann Eberhard Grondt, Dr. iur. und Amtmann zu Elten.[15]

Franziska Ludowika von Spittael (1671–1735) legte 1689 im Benediktinerinnenkloster Herzebrock ihr Ordensgelübde ab, wo sie 1720–1728 Kellnerin und dann Priorin war.[16] Andreas von Spittael zu Krechting leistete am 12. Mai 1765 Profeß in der Abtei Siegburg, verließ den Orden am 9. November 1772 aber wieder und trat zur evangelischen Religion über.[17][18]

Erich Johann Philipp von Spittael zu Krechting war mit Wilhelmine Catherine von Folleville verheiratet. Die Eheleute gaben 1750/1 eine Obligation aus.[19] 1783/1794 führte „Fräulein“ Maria Josepha Ludovica Alexandrina Baronesse von Spittael einen Streit in einer Erbsache.[20]

1792 stand Major Johann Adolf von Spittael (1738–1817) im Infanterie-Regiment „von Grävenitz“ in Bayreuth und später im 3. Musketierbataillon desselben Regiments, zuletzt „von Zweifel“. Er war ab 1778 mit Charlotte Wilhelmine von Wulffen (1745–1800) verheiratet. Ihre Tochter Dorothea Sophie Friederike Caroline von Spittael (* 8. Januar 1781 in Ziesar; † 21. Mai 1850 Berlin) war ab 1800 die Ehefrau von Karl Ludwig Friedrich Wilhelm von Bredow (1777–1845) auf Wagenitz im Havelland.[1] Diese waren u. a. Eltern von dem Juristen und Schriftsteller Georg Heinrich Eduard von Bredow (1810–1883). Eine andere Tochter Sophie Justine Emilie Wilhelmine von Spitael (* 1783; † 9. September 1842) war mit dem Kreisdeputierten Friedrich Ludwig August Karl Krug von Nidda (1778–1836) verheiratet. Sie waren die Eltern u. a. von dem preußischen Generalmajor Thassilo Krug von Nidda (1814–1871).[21][22]

Andreas Joseph Gregor von Spittael zu Krechting († 1800) heiratete Maria Juliana Wilhelmnine Schenck zu Schweinsberg († 1803). Als Hochzeitsgut erhielten die Eheleute einen Freien Hof im mittelhessischen Appenrod, der 1587 als Besitz der Schenken zu Schweinsberg erwähnt ist. Nach ihrem Tod wurden die Eheleute bei Appenrod beigesetzt.[23]

Ernst von Spittael war 1802 Präsident der Lehenkammer zu Corvey.[24]

Wappen

Blasonierung: Silber über Blau geteilt, oben ein wachsender brauner Fischotter, der einen blauen Aal im Mail hat, unten zwei gegeneinander gewendete silberne Vögel (Tauben?). Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Helmdecken der Fischotter des Schildes wachsend.[2]

Leopold von Ledebur und der von ersterem abschreibende Ernst Heinrich Kneschke geben abweichend an, dass oben ein Bär mit Schlange im Maul und unten zwei Raben gezeigt würden.[21][22] Bär und Schlange wurden auch von Anton Fahne übernommen,[3] ebenso wie Bär, Schlange und Raben von Siebmachers Wappenbuch von 1878.[24]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b Zedlitz-Neukirch (1837), S. 228.
  2. a b Spiessen (1901–1903), S. 120.
  3. a b c Fahne (1858), S. 367.
  4. Stadtarchiv Münster, C-Magda / Magdalenenhospital, Nr. Urk. 127, abgerufen am 11. August 2026.
  5. Kriegsgräberstätten – Ehrenfriedhof Haus Spital auf stadt-muenster.de, abgerufen am 11. August 2026.
  6. AT-OeStA/AVA Adel RAA 402.1.
  7. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, (452) Belehnung des Henrich von Spittael zu Greuthausen mit dem von Franz von Bodelschwingh gekauften Hause Niering, abgerufen am 11. August 2026.
  8. a b Heinrich Michael Knechten: Das Gut Niering nebst Rensing. In: borisogleb.de. Abgerufen am 10. August 2026.
  9. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0231 / Elten, Stift, Urkunden AA 0231, Nr. 328, abgerufen am 11. August 2026.
  10. Findbuch des Pfarrarchivs Elten, Nr. U 056, S. 18 und A 106, S. 42 (PDF; 586 KB auf bistum-muenster.de. Abgerufen am 10. August 2026).
  11. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0231 / Elten, Stift, Urkunden AA 0231, Nr. 330, abgerufen am 11. August 2026.
  12. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0231 / Elten, Stift, Urkunden AA 0231, Nr. 360, abgerufen am 11. August 2026.
  13. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0231 / Elten, Stift, Urkunden AA 0231, Nr. 361, Nr. 363, Nr. 364 und Nr. 365, abgerufen am 11. August 2026.
  14. Findbuch des Pfarrarchivs Elten, Nr. U 060, S. 19 (PDF; 586 KB auf bistum-muenster.de. Abgerufen am 10. August 2026).
  15. Findbuch des Pfarrarchivs Elten, Nr. A 114, S. 47 (PDF; 586 KB auf bistum-muenster.de. Abgerufen am 10. August 2026).
  16. Edeltraud Klueting: Das Bistum Osnabrück 1: Das Kanonissenstift und Benediktinerinnenkloster Herzebrock (Germania Sacra N. F. 21), Berlin/New York 1986, S. 237 f.u. 240.
  17. Erich Wisplinghoff: Das Erzbistum Köln 2: Die Benediktinerabtei Siegburg (Germania Sacra N. F. 9), Berlin/New York 1975, S. 234.
  18. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland, AA 0506 / Siegburg, Akten AA 0506, Nr. 12, abgerufen am 11. August 2026.
  19. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 5167, abgerufen am 11. August 2026.
  20. Stadtarchiv Bocholt, Stadt Bocholt 1 (- 1813) Nr. 1660, abgerufen am 11. August 2026.
  21. a b Ledebur (1856), S. 465.
  22. a b Kneschke (1868), S. 567.
  23. kli: Als die »Dipperche« einst im Wiesengrund lagen.... In: Gießener Allgemeine, 20. Juli 2008. Abgerufen am 10. August 2026.
  24. a b Hefner/Grenser/Mülvestedt (1878), S. 387.

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