Workcamp

Internationale Workcamps (aus dem Englischen, "work camps"), auch Jugendgemeinschaftsdienst, sind Formen des Freiwilligendienstes mit dem Ziel der Völkerverstïżœ…

Workcamp
Sechs Personen mit Schaufeln und Gummistiefeln
Junge Erwachsene engagieren sich bei einem internationalen Workcamp in Schenkenzell, organisiert durch IBG e. V.

Internationale Workcamps (aus dem Englischen, "work camps"), auch Jugendgemeinschaftsdienst, sind Formen des Freiwilligendienstes mit dem Ziel der VölkerverstĂ€ndigung. Bei einem Workcamp engagieren sich junge Freiwillige aus verschiedenen LĂ€ndern fĂŒr zwei bis vier Wochen in einem gemeinnĂŒtzigen Projekt.[1]

Historischer Abriss

Als spezielle Form internationaler Jugendbegegnungen hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Typ des Friedensdienstes, Freiwilligendienstes oder Jugendgemeinschaftsdienstes herausgebildet. Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg gewann die internationale VerstĂ€ndigung an Bedeutung und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an erneuter Brisanz insbesondere in und fĂŒr Europa. Dabei gilt als erstes Workcamp ĂŒberhaupt ein internationales Freiwilligenprojekt, welches im Herbst 1920 vom Schweizer Pazifisten Pierre CĂ©rĂ©sole mit dem Ziel organisiert wurde, beim Wiederaufbau des im Ersten Weltkrieg zerstörten Dorfs Esnes, nahe Verdun, zu helfen.[2] Service Civil International (SCI) wurde als erste Organisation fĂŒr Workcamps 1931 in der Schweiz gegrĂŒndet und verbreitete sich mit Zweigstellen in mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern. Schwerpunkt der Workcamps war zunĂ€chst die Hilfe nach Naturkatastrophen, spĂ€ter aber leistete SCI auch humanitĂ€re Hilfe, beispielsweise im Spanischen BĂŒrgerkrieg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der SCI in Deutschland 1945 mit UnterstĂŒtzung des britischen Zweigs wiederbelebt. Schrittweise entstanden in West- und in Ostdeutschland weitere Workcamp-Organisationen, die sich zum Ziel setzten, grenzĂŒberschreitende Friedensarbeit zu leisten. Dazu gehörten sowohl Jugendorganisationen und Einrichtungen aus dem christlich-ökumenischen als auch aus dem parteipolitisch und kirchlich unabhĂ€ngigen Bereich, welche das Konzept internationaler FreiwilligeneinsĂ€tze zur VölkerverstĂ€ndigung aufgriffen. Die UNESCO grĂŒndete 1948 das Koordinierungskomitee fĂŒr den internationalen Freiwilligendienst (Coordinating Committee for International Voluntary Service CCIVS)[3] welches im April 1948 eine internationale Konferenz fĂŒr Workcamp-Organisationen einberief um deren zukĂŒnftige Ausrichtung zu diskutieren. Die Workcamps im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurden schrittweise weniger, die Organisationen wandten sich verstĂ€rkt sozialen und politischen Aufgaben und Fragestellungen zu. So entstanden beispielsweise Projekte fĂŒr die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund oder Projekte mit Kindern. In den 50er und 60er Jahren verbreitete sich die Workcamp-Bewegung zunehmend weltweit, wodurch sich das Spektrum an Projekten und die Austauschmöglichkeiten fĂŒr Freiwillige erweiterten. WĂ€hrend des Kalten Krieges wurden das Engagement fĂŒr Frieden und AbrĂŒstung, der Einsatz fĂŒr Menschenrechte und der Kampf gegen Apartheid zentrale Themen, die auch in den Workcamps Einzug hielten.

Mit zunehmender Globalisierung gewann der weltweite Austausch immer mehr an Bedeutung: Workcamps gibt es heute in ĂŒber 100 LĂ€ndern weltweit.[4] 1982 wurde die Allianz der europĂ€ischen Freiwilligendienstorganisationen (ALLIANCE) gegrĂŒndet[5], welche als Dachorganisation fĂŒr ĂŒber 50 Workcamp-Organisationen weltweit fungiert. Neben 44 Organisationen in EU-Staaten sind mittlerweile auch Organisationen aus Armenien, Belarus, Russland, der Ukraine, Kanada, Japan, Indien, SĂŒdkorea und Nepal vertreten. Typisch fĂŒr Workcamps ist weiterhin die freiwillige Arbeit an einem gemeinnĂŒtzigen, sozialen oder lokalen Projekt. Manche Workcamp-Organisationen vermitteln junge Menschen mittlerweile auch lĂ€ngerfristige Freiwilligendienste im Ausland, an den Freiwilligendienst weltwĂ€rts oder Projekte des EuropĂ€ischen SolidaritĂ€tskorps.

Beispiele fĂŒr Arbeitsprojekte

Teilnehmer eines ökologischen Workcamps im Spreewald, 1990
Teilnehmer eines ökologischen Workcamps im Spreewald 1990 mit NaturschĂŒtzern aus Frankreich, Ghana, Hongkong, den Niederlanden und den USA

Soziale Projekte sind zum Beispiel die Hilfe in Kinder- oder Behindertenheimen, die Mithilfe bei Kinderferienprogrammen oder die Organisation eines Kultur-, Jugend- oder Musikfestivals.

UmweltschutzeinsĂ€tze sind z. B. Wiederaufforstung, Strandhafer-Setzen, Bachsanierung, Bau-, Landschaftspflege- oder Restaurierungsarbeiten, KriegsgrĂ€berpflege, Restaurierung denkmalgeschĂŒtzter GebĂ€ude, Denkmalpflege, Bau von GemeinschaftsrĂ€umen oder sanitĂ€ren Anlagen (insb. in EntwicklungslĂ€ndern), Bau oder Restaurierung von KinderspielplĂ€tzen, Renovierung eines Jugendhauses, Kindergartens oder Behindertenheims oder das Anlegen von Wanderwegen.

Personengruppe mit Plakat
Internationale Freiwillige bei einem Workcamp der französischen Organisation Concordia im August 2013

Wichtig ist, dass es sich um zeitlich ĂŒberschaubare (normalerweise in drei bis sechs Wochen abschließbar), nicht-kommerzielle und sinnvolle Projekte handeln soll, die ohne die internationale Gruppe nicht finanzierbar oder leistbar wĂ€ren, d. h. das Workcamp sollte keine lokalen ArbeitsplĂ€tze wegnehmen aber auch nicht als billige ArbeitskrĂ€fte zu stupiden Arbeiten, die mit Maschinen schneller zu erledigen wĂ€ren, herangezogen werden.

ProjekttrÀger, Workcamp-Organisation und Teilnehmer

In der Regel stellt der örtliche ProjekttrĂ€ger die Arbeitsleitung, eine einfache Unterkunft fĂŒr die Teilnehmer sowie einen Zuschuss fĂŒr die Workcamp-Organisation, der sich nach den geleisteten Arbeitstagen bemisst. Die Workcamp-Organisation sorgt fĂŒr die komplette organisatorische Abwicklung, stellt eine geschulte Campleitung zur VerfĂŒgung, ĂŒbernimmt die Versicherung der Teilnehmer und wirbt die internationalen Teilnehmer ĂŒber weltweite Partnerorganisationen an. Die Teilnehmer zahlen in der Regel eine Anmelde- und VermittlungsgebĂŒhr direkt an ihre nationale Organisation und zahlen fĂŒr die eigene Anreise. Unterkunft, Verpflegung, Versicherung und Freizeitprogramm sind dann als Gegenleistung fĂŒr die Mitarbeit am Projekt frei.

Workcamps heute

In Workcamps arbeiten und leben in der Regel 10–20 Teilnehmer verschiedener NationalitĂ€ten zwischen 18 und 26 Jahren fĂŒr zwei bis vier Wochen in ihren Ferien zusammen. Zu sogenannten „Junior-Camps“ können sich je nach Veranstalter teilweise aber auch schon Jugendliche ab 14 Jahren anmelden.

Grundkenntnisse der jeweiligen Campsprache – hĂ€ufig Englisch – können Teilnahmevoraussetzung sein. In den Camps wird aufgrund multinationaler Zusammensetzung tatsĂ€chlich Sprachenvielfalt vorherrschen.

Neben der Fertigstellung des jeweiligen Arbeitsprojektes können im gemeinsamen Campalltag mit Selbstversorgung und bei der Freizeitgestaltung (AusflĂŒge in die Umgebung, Kennenlernen des Camplandes) interkulturelles Lernen, Sprachenlernen und der Abbau von Vorurteilen durch direktes Erleben im Mittelpunkt stehen.

Organisationen in Deutschland

In Deutschland gibt es zahlreiche Organisationen und gemeinnĂŒtzige Vereine, die internationale Jugendgemeinschaftsdienste in allen BundeslĂ€ndern durchfĂŒhren und auch Teilnehmer an Partnerorganisationen in aller Welt vermitteln. Sie erhalten zur DurchfĂŒhrung der internationalen Begegnungen in der Regel ĂŒber diese DachverbĂ€nde ZuschĂŒsse aus dem Bundesjugendplan.

Die TrĂ€gerorganisationen haben sich in mehreren DachverbĂ€nden zusammengeschlossen, der grĂ¶ĂŸte ist die „TrĂ€gerkonferenz der deutschen Workcamp-Organisationen“. Diese vereinigt insgesamt 13 Workcamp-Organisationen in Deutschland:[6]

Organisationen und UrsprĂŒnge in der Schweiz

UrsprĂŒnge

Wichtige Impulse fĂŒr die Zivildienstbewegung und internationale Workcamps gehen zurĂŒck auf den Pazifisten Pierre CĂ©rĂ©sole, der schon in den 1920er Jahren die ersten "Dienste" (Workcamps) mit internationalen Freiwilligen in Frankreich und der Schweiz organisierte.[7] Er grĂŒndete den Service Civil International (SCI), der noch heute sowohl in der Schweiz als auch international Workcamps organisiert und durchfĂŒhrt.

Organisationen

Organisationen in Österreich

  • Service Civil International (SCI) Österreich (seit 1947)[8]
  • Grenzenlos (seit 1949)[9]
  • Österreichischer Bauorden

Einzelnachweise

  1. ↑ TrĂ€gerkonferenz und Workcamp-Anbieter: TrĂ€gerkonferenz. Abgerufen am 12. April 2021.
  2. ↑ Corinne Hocke: BroschĂŒre: 100 Jahre Workcamps - Die Geschichte einer Friedensbewegung. Hrsg.: TrĂ€gerkonferenz der Internationalen Jugendgemeinschafts- und Jugendsozialdienste. 2020, S. 16 (workcamps.org [PDF]).
  3. ↑ CCIVS: 70 years of action: 2018 marked 70 years since the creation of CCIVS. Abgerufen am 28. April 2021 (englisch).
  4. ↑ Alle Infos ĂŒber Workcamps im Ausland! - WIA. In: www.wege-ins-ausland.de. Abgerufen am 28. April 2021.
  5. ↑ About us - Alliance Voluntary Network. In: Website von ALLIANCE. Abgerufen am 28. April 2021 (englisch).
  6. ↑ TrĂ€gerkonferenz und Workcamp-Anbieter: Organisationen. Abgerufen am 19. Januar 2026.
  7. ↑ Historische Liste der Workcamps des Service Civil International bis 1981 (Memento des Originals vom 10. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.service-civil-international.org
  8. ↑ Geschichte des SCI
  9. ↑ Über Grenzenlos (Memento des Originals vom 16. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.volunteering.at

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