Tredition

Die Tredition GmbH ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Ahrensburg, das seit 2007 als Self-Publishing-Plattform Print-on-Demand-Dienstleistungen anbietet. …

Tredition GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 2007
Sitz Ahrensburg, Deutschland
Leitung Sandra Latußeck, Sönke Schulz
Mitarbeiterzahl 9[1]
Branche Verlagswesen
Website tredition.de
Stand: 31. Dezember 2024

Die Tredition GmbH ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Ahrensburg, das seit 2007 als Self-Publishing-Plattform Print-on-Demand-Dienstleistungen anbietet. Nachdem bekannt wurde, dass über seine Self-Publishing-Plattform in großem Stil KI-generierte Bücher veröffentlicht wurden,[2] passte sie im Mai 2026 – nach langanhaltender Kritik – ihre Richtlinien an[3] und begann damit, alle pseudowissenschaftlichen Veröffentlichungen, die Jochen Zenthöfer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „KI-Schrott“ bezeichnete, wieder zurückzuziehen.[4][5]

Geschichte

Das Unternehmen wurde 2007 von Sandra Latußeck und Sönke Schulz in Hamburg[6] gegründet[7] und hat seit etwa 2023[8] seinen Sitz in Ahrensburg. Laut eigenen Angaben hat Tredition 2024 „mehr als 52 Tsd. neue Bücher veröffentlicht“, was im Vergleich zu 2023 einem „Wachstum von 37%“ entsprochen habe.[9]

Von den Geschäftsanteilen der Tredition GmbH halten (Stand: Juni 2026) die beiden Gründer, Sandra Latußeck und Sönke Schulz, je 39,5 Prozent. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hält über ihre Medienbeteiligungsgesellschaft Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (ddvg) 9,9 Prozent.[10] Bereits auf dem SPD-Bundesparteitag 2013 hob die damalige SPD-Bundesschatzmeisterin Barbara Hendricks in ihrem Finanzbericht 2011/2012 hervor, dass sich die Tredition GmbH „eine kontinuierlich positive Tendenz als selfpublisher mit einer hohen Reputation im Kundenstamm erarbeitet“ habe und somit neben der Beteiligung der ddvg an einigen weiteren vergleichbaren Unternehmen einen „Einstieg in digitale Geschäftsmodelle“ ermögliche.[11] Die weiteren Geschäftsanteile der Tredition GmbH verteilen sich auf drei weitere Gesellschafter.

Nach Angaben im Jahresabschluss 2024 handelt es sich bei dem Unternehmen um eine kleine Kapitalgesellschaft gemäß § 267 HGB.[1]

Kritik wegen der Publikation zahlreicher KI-generierter Fachbücher

Die Redaktion der Monumenta Germaniae Historica warnte im Januar 2025 auf ihrer Website vor mehreren Publikationen von Tredition, die sich mit Mittelaltergeschichte befassen. Ein Buch über Ludwig den Deutschen sei etwa eine „krude und unlogische Zusammensetzung teilweise sachlich falscher Textbausteine mit einem Fachvokabular, das kein Mediävist in dieser Weise […] anwenden würde, mit erfundenen historischen Personen...“ Insbesondere der vermeintlich wissenschaftliche Anstrich der Bücher wurde kritisiert. Die Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica, Martina Hartmann, vermutet eine große Zahl bei Tredition veröffentlichter Werke, die sich gegenseitig zitieren und offenbar durch Künstliche Intelligenz entstanden.[12]

Im Februar 2025 wies der Kölner Historiker Sebastian Schlinkheider auf ein KI-generiertes Buch zur Kölner Stadtgeschichte hin, das bereits seinen Eingang in den Bibliothekskatalog der UB Köln gefunden hatte.[13] Kritisiert wurde auch, dass diese Bücher nicht entsprechend gekennzeichnet waren.[13] Schlinkheider plant, dies als Negativbeispiel zu nutzen, um mit den Studierenden über die Zitierfähigkeit von Texten aus der Forschungsliteratur zu diskutieren.[13]

Im Dezember 2025 veröffentlichte der Musikwissenschaftler Klaus Martin Kopitz eine Rezension über ein KI-generiertes Buch und meinte, dass deren Verkauf „im Grunde Betrug“ sei.[2.1] Er erstellte eine Liste von insgesamt 79 musikwissenschaftlichen Titeln von Tredition, die innerhalb weniger Wochen veröffentlicht wurden und ebenfalls Merkmale von KI aufweisen. So finden sich nirgendwo Informationen über die angeblichen Autoren, und sogar die Abbildungen auf den Buchcovern sind offensichtlich KI-generiert.[2.2]

Im April 2026 veröffentlichte Fachreferent Stephan Wünsche im Blog der Universitätsbibliothek Leipzig einen Beitrag darüber, wie viele Bibliotheken bereits dem Betrug mit den gefakten Fachbüchern aufgesessen sind.[2][14] Dieser Beitrag zog ein größeres mediales Echo nach sich,[5] in dessen Folge sich Sandra Latußeck als Geschäftsführerin am 8. Mai 2026 in eigener Sache äußerte: sie erklärte die Diagnose für zutreffend und versprach umfangreiche Gegenmaßnahmen. Die AGB des Unternehmens wurden dahingehend ergänzt, dass der Einsatz von KI von den Autoren deklariert werden muss. Die Firma plant, rückwirkend alle Bücher aus dem Vertrieb zu nehmen, die sich als überwiegend KI-generiert erweisen.[5][3] Stephan Wünsche zeigte sich „positiv beeindruckt“ davon, dass das Unternehmen die Problematik nicht nur zugegeben, sondern bereits „massive Gegenmaßnahmen“ ergriffen und, wie angekündigt, noch im Mai 2026 die KI-generierten Titel eines Nutzers von Tredition aus dem Angebot entfernt, aus den Bibliotheken zurückgerufen hat sowie die Käufer entschädigen will.[5]

Der Schaden, der durch solches Predatory Publishing entsteht, ist allerdings vielfältig und wirkt lange nach.[14]

Cultural Assets GmbH

Die beiden Gründer und Mehrheitsgesellschafter der Tredition GmbH, Sandra Latußeck und Sönke Schulz, haben am 7. Januar 2025 überdies die Cultural Assets GmbH mit Sitz in Ahrensburg gegründet.[15] Die Cultural Assets GmbH übernahm im Februar 2026 das Projekt Gutenberg-DE und gestaltete im Zuge der Übernahme die Website des Projekts neu.[16]

Einzelnachweise

  1. a b Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, veröffentlicht bei www.unternehmensregister.de am 2. März 2026.
  2. a b Klaus Martin Kopitz: Rezensionsessay über: Gefälschte Musikwissenschaft. Ein KI-generiertes Buch über den Komponisten Norbert Burgmüller und 78 weitere dieser Art, PDF 10 Seiten. In: Die Musikforschung, Jg. 78, Heft 4/2025, S. 422–431.
    1. S. 426
    2. S. 427
  3. a b Sandra Latußeck: In eigener Sache: Umgang mit KI-generierten Inhalten, Webseite des Unternehmens vom 8. Mai 2026, online unter tredition.com.
  4. Jochen Zenthöfer: Verlag „Tredition“ streicht KI-Schrott. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2026, abgerufen am 5. Juni 2026.
  5. a b c d Stephan Wünsche: Klaas Klever ist gefasst, Bericht im Blog der UB Leipzig vom 21. Mai 2026, online unter ub.uni-leipzig.de.
  6. Über uns – Wir sind tredition (Memento vom 26. Oktober 2010 im Internet Archive), online unter tredition.com.
  7. „10 Jahre tredition – was läuft in den nächsten 10 Jahren?“ In: boersenblatt.net. 17. März 2017, abgerufen am 12. Oktober 2021.
  8. Literatur von und über Tredition im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  9. Deutliches Wachstum bei tredition, Abschnitt unter In eigener Sache, online unter tredition.com.
  10. Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH – weitere Beteiligungen I, In: Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH – Organisations- und Beteiligungsschema, online unter ddvg.de.
  11. Finanzbericht der Schatzmeisterin 2011/2012, PDF, S. 23 von 28 Seiten, online unter spd.de.
  12. Achtung: Fake-Wissenschaft! In: MGH-Blog, 14. Januar 2025, abgerufen am 15. Januar 2025
  13. a b c Sebastian Schlinkheider: Achtung, Universität – die KI-Bücher sind schon unter uns!, Beitrag vom 20. Februar 2025 im Blog Zeitenblicke – Frühe Neuzeit Uni Köln, online unter fnzkoeln.hypotheses.org.
  14. a b Stephan Wünsche: How to Sell Bullshit Online (Fast). 21. April 2026, abgerufen am 5. Mai 2026.
  15. Cultural Assets GmbH, Angaben zur Gründung dieser GmbH, online unter viaductus.de.
  16. Neues Team führt Projekt Gutenberg fort, Meldung des Börsenblatts vom 13. Februar 2026, online unter boersenblatt.net.

Koordinaten: 53° 39′ 12″ N, 10° 9′ 40″ O

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